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Höhlenlöwen waren Einzelgänger und hatten eine Vorliebe für Rentierfleisch

24.10.2011
Forscher der Universität Tübingen schließen aus der Analyse von Isotopen, wie ausgestorbene Eiszeittiere lebten

Vor 12.000 Jahren jagten Höhlenlöwen am liebsten alleine – und vorzugsweise nach Rentieren: Zu diesem Ergebnis kommt die Arbeitsgruppe um Prof. Hervé Bocherens aus dem Fachbereich Geowissenschaften der Universität Tübingen.

Die Forschungsergebnisse der Wissenschaftler liefern neue Daten zur Lebensweise der ausgestorbenen Höhlenlöwen. Durch die Analyse von Kohlenstoff- und Stickstoffisotopen (13C, 15N) im Knochenkollagen fossiler Beutegreifer, kann man direkt auf die Ernährung der Beutetiere schließen. Bis vor etwa 12.000 Jahren stand den Großkatzen Europas eine große Bandbreite an Beutetieren zur Verfügung, unter anderem Mammuts, Wollnashörner, Bisons, Pferde und Rentiere. Diese mussten sie allerdings mit großen Konkurrenten teilen, darunter Höhlenhyänen, Braunbären, Wölfe und natürlich der Mensch.

Interessanterweise entdeckten die Forscher bei den Höhlenlöwen aus Südwestdeutschland, der nördlichen Schweiz, Nordfrankreich und dem südlichen Belgien sehr unterschiedliche Isotopenwerte - im Gegensatz zu den damals lebenden Hyänen, die als Rudeltiere sehr ähnliche Werte aufweisen. Dieses Ergebnis zeige, so die Wissenschaftler, dass die Höhlenlöwen Einzeljäger waren und nicht im Rudel jagten, wie beispielsweise afrikanische Löwen.

Analog zum heutigen Beutespektrum der Löwen in Afrika, die Zebras und große Antilopen bevorzugen, könnte man vermuten, dass Pferd und Bison die Hauptbeute von Höhlenlöwen waren. Tatsächlich aber stand bei Höhlenlöwen hauptsächlich Rentierfleisch auf dem Speiseplan, in sehr viel stärkerem Ausmaß als bei ihren Konkurrenten. Einige Löwen fraßen wahrscheinlich auch junge Höhlenbären. Die Vorliebe für Rentiere hielt wohl bis zum Ende der Eiszeit an: Das lokale Aussterben dieser kälteangepassten Tiere während der globalen Wiedererwärmung vor ca. 12.000 Jahren könnte sogar ursächlich für das Aussterben der europäischen Höhenlöwen gewesen sein.

Publikation:

Die Ergebnisse wurden in der Zeitschrift Quaternary International publiziert und sind sowohl online als auch im Druck verfügbar: Bocherens, H., Drucker, D.G., Bonjean, D., Bridault, A., Conard, N.J., Cupillard, C., Germonpré, M., Höneisen, M., Münzel, S.C., Napierrala, H., Patou-Mathis, M., Stephan, E., Uerpmann, H.-P., Ziegler, R. in press. Isotopic evidence for dietary ecology of cave lion (Panthera spelaea) in North-western Europe: prey choice, competition and implications for extinction. Quaternary International DOI: 10.1016/j.quaint.2011.02.023).

Kontakt:

Prof. Dr. Hervé Bocherens
Universität Tübingen
Mathematisch-Naturwissenschaftliche Fakultät
Paläobiologie (Biogeologie)
Hölderlinstrasse 12 • 72074 Tübingen
Tel: +49 07071 29-76988
herve.bocherens@uni-tuebingen.de

Michael Seifert |
Weitere Informationen:
http://www.uni-tuebingen.de

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