Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Mit Hightech der Bodenerosion in Zentralitalien auf der Spur

18.07.2013
Civita di Bagnoregio nahe dem Lago Bolsena in Zentralitalien steht im wörtlichen Sinne am Abgrund

Hier gefährdet Erosion die nur mehr über einen Steg erreichbare Stadt von allen Seiten. Die am Rand gelegenen Häuser drohen, in die Tiefe zu stürzen. Aber warum sind manche Regionen von solchen Phänomenen mehr betroffen als andere und kann man zukünftig gefährdete Gebiete bereits jetzt absehen? Dies versuchen nun Wissenschaftler der Physischen Geographie an der Katholischen Universität Eichstätt-Ingolstadt (KU) im Rahmen eines von der DFG geförderten Projektes näher zu untersuchen.


Civita di Bagnoregio im nördlichen Latium, eine von der Erosion hoch gefährdete mittelalterliche Stadt, die nur mehr über einen schmalen Steg zu erreichen ist. Im Hintergrund sieht man die als Calanchi bezeichneten Erosionshänge des „weißen Tals“, das die Stadt umgibt.
Dr. Florian Haas


Flugdrohne des Lehrstuhls für Physische Geographie der Kath. Universität Eichstätt Ingolstadt kurz vor dem Abflug Einsatz. Deutlich sichtbar ist die schwenkbare Messkamera, die hochauflösende Luftbilder des überflogenen Areals aufnimmt. Dr. Florian Haas

Erosion durch Wasser auf landwirtschaftlichen Flächen gefährdet den Ertrag und gefährdet unsere Gewässer, da wertvoller Boden verloren geht und mit ihm Nährstoffe in die Bäche, Flüsse und Seen gelangen. Ein bekanntes Phänomen, das durch angepasste landwirtschaftliche Nutzung in unseren Breiten zum Teil bereits sehr erfolgreich bekämpft wird. Weit weniger bekannt ist, dass Erosion durch Wasser Bauwerke, Straßen und sogar ganze Städte in ihrer Existenz gefährdet, so dass sie nur mit sehr kostspieligen Sicherungsmaßnahmen weiter nutzbar sind.

„Ein Umstand, der sich auch bei weiteren Städten in Italien und auch auf landwirtschaftlich genutzten Flächen, auf denen etwa Wein angebaut wird, zeigt“, erklärt Projektleiter Dr. Florian Haas. Auslöser der Gefährdung sei unter anderem sicherlich der massive Eingriff in den Naturhaushalt durch zu intensive forstwirtschaftliche Nutzung in Italien seit der Antike gewesen.

Im Zentrum der Forschungsarbeiten vor Ort stehen die hoch genaue Erfassung von Bodenerosion auf steilen Erosionshängen mit neuen geodätischen und photogrammetrischen Messverfahren sowie deren computerbasierte Modellierung.

Zum Einsatz soll neben dem terrestrischen Laserscanning auch eine Flugdrohne kommen, mit deren Hilfe Luftbilder der Erosionsgebiete erstellt werden können. So soll untersucht werden, wo die Ursachen für die Erosion liegen, welche Intensitäten vorherrschen und wie sie erfolgreich bekämpft werden könnten. Und dies nicht nur in Italien. Auch in den Alpen existieren solche Erosionshänge, wenn auch nicht mit der direkten Gefährdung von Infrastruktur, da sie zumeist weit oben in den Wildbacheinzugsgebieten liegen. Allerdings stellen solche Flächen über den hohen Sedimenteintrag in Bäche und Flüsse eine mittelbare Gefahr dar, da das von solchen Flächen in die Wildbäche gelieferte Sediment gerade im Hochwasserfall zu extremen Murgängen führen kann, die dann auch Infrastruktur in den Tallagen gefährden kann.

Das Projekt will daher dem Phänomen Bodenerosion auf steilen Erosionshängen in verschiedenen klimatischen Zonen und mit sehr unterschiedlichen Substratbedingungen auf den Grund gehen und damit mögliche Unterschiede oder Gemeinsamkeiten herausarbeiten. Die gewählten Gebiete erstrecken sich im Wesentlichen von den bayerischen Kalkalpen (Lainbachtal bei Benediktbeuern) über die Dolomiten (Val di Funes) eben bis in die Zentraltoskana (Val d’Orcia) und das nördliche Latium (Civita die Bagnoregio). Aber auch die Region Eichstätt ist vertreten. In einem „natürlichen Labor“ in direkter Nähe zum Campus der Uni, soll das Phänomen ebenfalls untersucht werden. Hier ist geplant auf nicht mehr genutzten Abraumhalden die Erosion durch Wasser genauestens zu verfolgen und das ohne eine weite Anfahrt.

Da solche Forschungsfragen nicht immer nur aus einem Blickwinkel betrachtet werden dürfen, wird das Projekt in Kooperation mit weiteren Forschern der TU Bergakademie Freiberg und der Universita di Roma La Sapienza im Rahmen eines Verbundprojektes durchgeführt. Insgesamt werden über die nächsten drei Jahre damit zwei Doktoranden und zahlreiche studentische Hilfskräfte, die sich zum Teil aus den Bachelor- und Masterstudenten der Geographie an der KU und der TU Bergakademie Freiberg rekrutieren an der Durchführung der geplanten Arbeiten beteiligt sein.

Constantin Schulte Strathaus | idw
Weitere Informationen:
http://www.ku.de/mgf/geographie/physische-geographie

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Geowissenschaften:

nachricht Grazer Forscher stellen Methode zur dreidimensionalen Charakterisierung vulkanischer Wolken vor
14.12.2017 | Karl-Franzens-Universität Graz

nachricht Rest-Spannung trotz Megabeben
13.12.2017 | GEOMAR Helmholtz-Zentrum für Ozeanforschung Kiel

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Geowissenschaften >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Nanostrukturen steuern Wärmetransport: Bayreuther Forscher entdecken Verfahren zur Wärmeregulierung

Der Forschergruppe von Prof. Dr. Markus Retsch an der Universität Bayreuth ist es erstmals gelungen, die von der Temperatur abhängige Wärmeleitfähigkeit mit Hilfe von polymeren Materialien präzise zu steuern. In der Zeitschrift Science Advances werden diese fortschrittlichen, zunächst für Laboruntersuchungen hergestellten Funktionsmaterialien beschrieben. Die hiermit gewonnenen Erkenntnisse sind von großer Relevanz für die Entwicklung neuer Konzepte zur Wärmedämmung.

Von Schmetterlingsflügeln zu neuen Funktionsmaterialien

Im Focus: Lange Speicherung photonischer Quantenbits für globale Teleportation

Wissenschaftler am Max-Planck-Institut für Quantenoptik erreichen mit neuer Speichertechnik für photonische Quantenbits Kohärenzzeiten, welche die weltweite...

Im Focus: Long-lived storage of a photonic qubit for worldwide teleportation

MPQ scientists achieve long storage times for photonic quantum bits which break the lower bound for direct teleportation in a global quantum network.

Concerning the development of quantum memories for the realization of global quantum networks, scientists of the Quantum Dynamics Division led by Professor...

Im Focus: Electromagnetic water cloak eliminates drag and wake

Detailed calculations show water cloaks are feasible with today's technology

Researchers have developed a water cloaking concept based on electromagnetic forces that could eliminate an object's wake, greatly reducing its drag while...

Im Focus: Neue Einblicke in die Materie: Hochdruckforschung in Kombination mit NMR-Spektroskopie

Forschern der Universität Bayreuth und des Karlsruhe Institute of Technology (KIT) ist es erstmals gelungen, die magnetische Kernresonanzspektroskopie (NMR) in Experimenten anzuwenden, bei denen Materialproben unter sehr hohen Drücken – ähnlich denen im unteren Erdmantel – analysiert werden. Das in der Zeitschrift Science Advances vorgestellte Verfahren verspricht neue Erkenntnisse über Elementarteilchen, die sich unter hohen Drücken oft anders verhalten als unter Normalbedingungen. Es wird voraussichtlich technologische Innovationen fördern, aber auch neue Einblicke in das Erdinnere und die Erdgeschichte, insbesondere die Bedingungen für die Entstehung von Leben, ermöglichen.

Diamanten setzen Materie unter Hochdruck

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Mit allen Sinnen! - Sensoren im Automobil

14.12.2017 | Veranstaltungen

Materialinnovationen 2018 – Werkstoff- und Materialforschungskonferenz des BMBF

13.12.2017 | Veranstaltungen

Innovativer Wasserbau im 21. Jahrhundert

13.12.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Was für IT-Manager jetzt wichtig ist

14.12.2017 | Unternehmensmeldung

30 Baufritz-Läufer beim 25. Erkheimer Nikolaus-Straßenlauf

14.12.2017 | Unternehmensmeldung

Mit allen Sinnen! - Sensoren im Automobil

14.12.2017 | Veranstaltungsnachrichten