Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Gletscherschmelze: Mensch und Natur teilen Schuld

07.06.2010
Atlantik-Zyklus hat hohen Einfluss auf das Eisvolumen

Nicht nur der Mensch, sondern auch die Natur selbst trägt dazu bei, dass die Gletscher in Europa momentan zurückgehen. Zu diesem Schluss kommen Forscher der Universität Fribourg in der Zeitschrift "Geophysical Research Letters". Ihr Computermodell der Eisvolumen der 30 größten Schweizer Gletscher zeigte, dass es eindeutige Zusammenhänge zu wiederkehrenden Naturphänomenen gibt. "Das Ergebnis ist repräsentativ für alle Alpengletscher", betont Studienleiter Matthias Huss im pressetext-Interview.

Erste Langzeitstudie

Herkömmliche Gletscherdaten gibt es in den meisten Regionen erst seit den 60er-Jahren. Sie erlauben daher kaum Rückschlüsse auf längere Zeiträume. "Die Gletscherentwicklung weltweit zeigt einen stark negativen Trend. Unsere Daten geben den Hinweis, dass es schon in den 40ern deutliche Rückgänge gab", so Huss. Ein Rückblick bis 1900 gelang den Forschern durch die Analyse alter Vermessungen, Luftbilder und Karten. Auf dieser Basis erstellten sie digitale Höhenmodelle, die die Volumina der Gletscher anzeigten und deren Entwicklung erkennen ließen. Diese Daten wurden dann mit einem Computermodell interpretiert.

Die untersuchten Gletscher verloren insgesamt 13 Kubikkilometer Eis und halbierten somit ihr Volumen vor 100 Jahren. Der Verlust verlief jedoch nicht gleichmäßig, sondern parallel zu Naturgeschehen. "In den 10er- und 70er-Jahren war der Rückgang nur langsam oder es gab sogar Zuwächse. In dieser Zeit war die Oberflächentemperatur des Nordatlantiks kühler, während in dessen wärmeren Zeiten - wie etwa in den 40er-Jahren und heute - die Gletscher besonders schnell schrumpften", erklärt der Experte.

Atlantik bestimmt das Eisvolumen mit

Das Naturphänomen, auf das sich Huss bezieht, nennt man die "Atlantische Multidekale Oszillation" (AMO). Diese Zirkulationsschwankung der Ozeanströmungen im Nordatlantik bewirkt eine zyklisch höhere bzw. niedrigere Oberflächentemperatur des Wassers und hat Einfluss auf das Klima in Europa. Auch andere Zusammenhänge des Gletscherbestands zu Naturereignissen seien denkbar, so Huss. "In den 40ern dürfte der Masseverlust auch durch die Sonneneinstrahlung verstärkt worden sein, die etwa durch geringe Bewölkung und niedrige Aerosol-Konzentration zustande kam."

Die Aktualität und Brisanz des vom Menschen verschuldeten Klimawandels seien durch diese Ergebnisse nicht in Frage gestellt, betont Huss. "Der Gletscherrückgang in den vergangenen Jahren zur Hälfte auf die Natur zurückgehen, zur anderen Hälfte auf die Erderwärmung aufgrund der vom Menschen verursachten Treibhausgase. Es gibt diesen natürlichen Wandel, auf den Klimakritiker immer pochen - doch er überlagert bloß die anthropogenen Veränderungen, die immer größere Bedeutung erhalten", so der Gletscherforscher.

Johannes Pernsteiner | pressetext.schweiz
Weitere Informationen:
http://www.unifr.ch

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Geowissenschaften:

nachricht GRACE Follow-On erfolgreich gestartet: Das Satelliten-Tandem dokumentiert den globalen Wandel
23.05.2018 | Helmholtz-Zentrum Potsdam - Deutsches GeoForschungsZentrum GFZ

nachricht PM des MCC: CO2-Entzug aus Atmosphäre für 1,5-Grad-Ziel unvermeidbar
23.05.2018 | Mercator Research Institute on Global Commons and Climate Change (MCC) gGmbH

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Geowissenschaften >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Starke IT-Sicherheit für das Auto der Zukunft – Forschungsverbund entwickelt neue Ansätze

Je mehr die Elektronik Autos lenkt, beschleunigt und bremst, desto wichtiger wird der Schutz vor Cyber-Angriffen. Deshalb erarbeiten 15 Partner aus Industrie und Wissenschaft in den kommenden drei Jahren neue Ansätze für die IT-Sicherheit im selbstfahrenden Auto. Das Verbundvorhaben unter dem Namen „Security For Connected, Autonomous Cars (SecForCARs) wird durch das Bundesministerium für Bildung und Forschung mit 7,2 Millionen Euro gefördert. Infineon leitet das Projekt.

Bereits heute bieten Fahrzeuge vielfältige Kommunikationsschnittstellen und immer mehr automatisierte Fahrfunktionen, wie beispielsweise Abstands- und...

Im Focus: Powerful IT security for the car of the future – research alliance develops new approaches

The more electronics steer, accelerate and brake cars, the more important it is to protect them against cyber-attacks. That is why 15 partners from industry and academia will work together over the next three years on new approaches to IT security in self-driving cars. The joint project goes by the name Security For Connected, Autonomous Cars (SecForCARs) and has funding of €7.2 million from the German Federal Ministry of Education and Research. Infineon is leading the project.

Vehicles already offer diverse communication interfaces and more and more automated functions, such as distance and lane-keeping assist systems. At the same...

Im Focus: Mit Hilfe molekularer Schalter lassen sich künftig neuartige Bauelemente entwickeln

Einem Forscherteam unter Führung von Physikern der Technischen Universität München (TUM) ist es gelungen, spezielle Moleküle mit einer angelegten Spannung zwischen zwei strukturell unterschiedlichen Zuständen hin und her zu schalten. Derartige Nano-Schalter könnten Basis für neuartige Bauelemente sein, die auf Silizium basierende Komponenten durch organische Moleküle ersetzen.

Die Entwicklung neuer elektronischer Technologien fordert eine ständige Verkleinerung funktioneller Komponenten. Physikern der TU München ist es im Rahmen...

Im Focus: Molecular switch will facilitate the development of pioneering electro-optical devices

A research team led by physicists at the Technical University of Munich (TUM) has developed molecular nanoswitches that can be toggled between two structurally different states using an applied voltage. They can serve as the basis for a pioneering class of devices that could replace silicon-based components with organic molecules.

The development of new electronic technologies drives the incessant reduction of functional component sizes. In the context of an international collaborative...

Im Focus: GRACE Follow-On erfolgreich gestartet: Das Satelliten-Tandem dokumentiert den globalen Wandel

Die Satellitenmission GRACE-FO ist gestartet. Am 22. Mai um 21.47 Uhr (MESZ) hoben die beiden Satelliten des GFZ und der NASA an Bord einer Falcon-9-Rakete von der Vandenberg Air Force Base (Kalifornien) ab und wurden in eine polare Umlaufbahn gebracht. Dort nehmen sie in den kommenden Monaten ihre endgültige Position ein. Die NASA meldete 30 Minuten später, dass der Kontakt zu den Satelliten in ihrem Zielorbit erfolgreich hergestellt wurde. GRACE Follow-On wird das Erdschwerefeld und dessen räumliche und zeitliche Variationen sehr genau vermessen. Sie ermöglicht damit präzise Aussagen zum globalen Wandel, insbesondere zu Änderungen im Wasserhaushalt, etwa dem Verlust von Eismassen.

Potsdam, 22. Mai 2018: Die deutsch-amerikanische Satellitenmission GRACE-FO (Gravity Recovery And Climate Experiment Follow On) ist erfolgreich gestartet. Am...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

VideoLinks
Industrie & Wirtschaft
Veranstaltungen

Im Fokus: Klimaangepasste Pflanzen

25.05.2018 | Veranstaltungen

Größter Astronomie-Kongress kommt nach Wien

24.05.2018 | Veranstaltungen

22. Business Forum Qualität: Vom Smart Device bis zum Digital Twin

22.05.2018 | Veranstaltungen

VideoLinks
Wissenschaft & Forschung
Weitere VideoLinks im Überblick >>>
 
Aktuelle Beiträge

Untersuchung der Zellmembran: Forscher entwickeln Stoff, der wichtigen Membranbestandteil nachahmt

25.05.2018 | Interdisziplinäre Forschung

Starke IT-Sicherheit für das Auto der Zukunft – Forschungsverbund entwickelt neue Ansätze

25.05.2018 | Informationstechnologie

Kugelmühlen statt Lösungsmittel: Nanographene mit Mechanochemie

25.05.2018 | Biowissenschaften Chemie

Weitere B2B-VideoLinks
IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics