Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Forschungsschiff Polarstern startet 27. Arktis-Expedition

13.06.2012
Am kommenden Donnerstag, den 14. Juni 2012 wird das Forschungsschiff Polarstern Bremerhaven mit Kurs Richtung Arktis verlassen.
44 Expeditionsteilnehmerinnen und -teilnehmer von Institutionen aus Deutschland, Belgien, den USA und Großbritannien werden rund einen Monat lang auf See sein. Ihr Hauptuntersuchungsgebiet ist die Framstraße zwischen Spitzbergen und Grönland, wo sie ozeanographische Langzeitmessungen durchführen. Ende Juni führt der zweite Fahrtabschnitt der Expedition für zwei Wochen mit biologischem Schwerpunkt in den so genannten AWI-Hausgarten. Im August fährt der Forschungseisbrecher dann in die Zentralarktis, bevor er Anfang Oktober in Bremerhaven zurückerwartet wird.

Die Framstraße ist die einzige Tiefenwasserverbindung zwischen Arktischem Ozean und Atlantik. Wie viel Wasser wird zwischen diesen beiden Meeren ausgetauscht und welcher Wärme und Salztransport ist damit verbunden? Wie wird das Wasser im Arktischen Ozean verändert, das im Westen nach Norden und im Osten nach Süden strömt? Welche Massen an Wasser strömen wie schnell durch die Framstraße? Um diese grundlegenden Parameter zu erfassen, werden Temperatur, Salz- und Sauerstoffgehalt mit empfindlichen Sensoren genau bestimmt.

„Ziel unserer Forschung ist es, den Wassermassen- und Wärmeaustausch zwischen dem Nordpolarmeer und dem nördlichen Atlantik sowie die Zirkulation in der Framstraße zu quantifizieren“, sagt Dr. Agnieszka Beszczynska-Möller. Die Ozeanographin am Alfred-Wegener-Institut für Polar- und Meeresforschung in der Helmholtz-Gemeinschaft leitet diesen ersten Expeditionsabschnitt. Die Messungen sind ein wichtiges Puzzleteil für das Verständnis der komplexen Zusammenhänge zwischen Ozean, Meereis und Atmosphäre in der Arktis. So nutzen weitere Forschergruppen vom Alfred-Wegener-Institut die Langzeitdaten für ihre Disziplinen, beispielsweise für Modelle zur Meereisentwicklung.

Die Polarregionen spielen in der globalen Ozeanzirkulation eine entscheidende Rolle und beeinflussen so das weltweite Klimageschehen. Warmes, salzreiches Wasser strömt aus dem Atlantik nach Norden. Im Gegenzug fließt kaltes, salzarmes Oberflächenwasser aus dem Arktischen Ozean in den Nordatlantik und weiter nach Süden. Zusätzlich strömt salzarmes, kaltes Tiefenwasser aus dem Nordpolarmeer und speist damit die so genannte thermohaline Zirkulation. Im Zuge der globalen Erwärmung können sich die Strömungsverhältnisse verändern. Deshalb beobachten die Forscher diese Region bereits seit 15 Jahren, indem sie von Bord der Polarstern die Verhältnisse in der Framstaße und deren Änderung genau erfassen.

Zusätzlich zu dieser jährlichen Bestandsaufnahme im Sommer messen die Forscher die Strömungsverhältnisse und verschiedene Umweltparameter auch in ihrer Abwesenheit mit so genannten Verankerungen: Am Meeresgrund werden Ankersteine ausgebracht, an denen Leinen befestigt sind, die mit Hilfe von Auftriebskörpern mehrere hundert bis tausend Meter nach oben ragen. In definierten Wassertiefen sind Sensoren befestigt, die das ganze Jahr über Daten aufzeichnen. So können auch jahreszeitliche Variationen genau erfasst werden und in die Gesamtbilanz eingehen. Diese Arbeiten sind eingebettet in ein internationales Beobachtungsnetzwerk. Ergänzt werden die Messungen durch so genannte Seaglider. Das sind frei schwimmende Fahrzeuge, die im offenen Wasser über Satelliten ihren Kurs bestimmen und bei Eisbedeckung sich über akustische Signale orientieren. Sie sind damit eine Ergänzung zu den stationären Verankerungsketten.

Fragen nach langfristigen Veränderungen in der Arktis bestimmen auch die beiden anschließenden Abschnitte der Polarstern-Expedition. Westlich von Spitzbergen untersuchen Biologen um Fahrtleiter Dr. Thomas Soltwedel überwiegend die Lebewelt in der Tiefsee. Nach einem Zwischenstopp im norwegischen Tromsö bricht ein internationales Team um Tiefseeforscherin Prof. Dr. Antje Boetius in die Zentralarktis rund um den Nordpol auf.

Nach ihrer Rückkehr im Oktober 2012 wird Polarstern in Bremerhaven für die kommende Antarktis-Expedition fit gemacht. Ende Oktober fährt das Schiff dann für eineinhalb Jahre in den Süden: zum vierten Mal (nach 1986, 1989 und 1992) in seiner Geschichte wird Polarstern auch während der Polarnacht in antarktischen Gewässern unterwegs sein. Auf dem Weg zur Neumayer-Station III wird der deutsche Forschungseisbrecher den 30. Jahrestag seiner Indienststellung am 9. Dezember 2012 feiern.

Die Wochenberichte von der Expedition erscheinen demnächst unter: http://www.awi.de/de/infrastruktur/schiffe/polarstern/wochenberichte/

Weiterführende Informationen zu den ozeanographischen Messgeräten gibt es unter: http://www.awi.de/de/forschung/fachbereiche/klimawissenschaften/messende_
ozeanographie/instrumente/gliders/

Das Alfred-Wegener-Institut forscht in der Arktis, Antarktis und den Ozeanen der mittleren und hohen Breiten. Es koordiniert die Polarforschung in Deutschland und stellt wichtige Infrastruktur wie den Forschungseisbrecher Polarstern und Stationen in der Arktis und Antarktis für die internationale Wissenschaft zur Verfügung. Das Alfred-Wegener-Institut ist eines der 18 Forschungszentren der Helmholtz-Gemeinschaft, der größten Wissenschaftsorganisation Deutschlands.

Ralf Röchert | idw
Weitere Informationen:
http://www.awi.de

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Geowissenschaften:

nachricht In Zeiten des Klimawandels: Was die Farbe eines Sees über seinen Zustand verrät
21.09.2017 | Leibniz-Institut für Gewässerökologie und Binnenfischerei (IGB)

nachricht Der Salzwasser-Wächter auf der Darßer Schwelle
19.09.2017 | Leibniz-Institut für Ostseeforschung Warnemünde

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Geowissenschaften >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Hochpräzise Verschaltung in der Hirnrinde

Es ist noch immer weitgehend unbekannt, wie die komplexen neuronalen Netzwerke im Gehirn aufgebaut sind. Insbesondere in der Hirnrinde der Säugetiere, wo Sehen, Denken und Orientierung berechnet werden, sind die Regeln, nach denen die Nervenzellen miteinander verschaltet sind, nur unzureichend erforscht. Wissenschaftler um Moritz Helmstaedter vom Max-Planck-Institut für Hirnforschung in Frankfurt am Main und Helene Schmidt vom Bernstein-Zentrum der Humboldt-Universität in Berlin haben nun in dem Teil der Großhirnrinde, der für die räumliche Orientierung zuständig ist, ein überraschend präzises Verschaltungsmuster der Nervenzellen entdeckt.

Wie die Forscher in Nature berichten (Schmidt et al., 2017. Axonal synapse sorting in medial entorhinal cortex, DOI: 10.1038/nature24005), haben die...

Im Focus: Highly precise wiring in the Cerebral Cortex

Our brains house extremely complex neuronal circuits, whose detailed structures are still largely unknown. This is especially true for the so-called cerebral cortex of mammals, where among other things vision, thoughts or spatial orientation are being computed. Here the rules by which nerve cells are connected to each other are only partly understood. A team of scientists around Moritz Helmstaedter at the Frankfiurt Max Planck Institute for Brain Research and Helene Schmidt (Humboldt University in Berlin) have now discovered a surprisingly precise nerve cell connectivity pattern in the part of the cerebral cortex that is responsible for orienting the individual animal or human in space.

The researchers report online in Nature (Schmidt et al., 2017. Axonal synapse sorting in medial entorhinal cortex, DOI: 10.1038/nature24005) that synapses in...

Im Focus: Tiny lasers from a gallery of whispers

New technique promises tunable laser devices

Whispering gallery mode (WGM) resonators are used to make tiny micro-lasers, sensors, switches, routers and other devices. These tiny structures rely on a...

Im Focus: Wundermaterial Graphen: Gewölbt wie das Polster eines Chesterfield-Sofas

Graphen besitzt extreme Eigenschaften und ist vielseitig verwendbar. Mit einem Trick lassen sich sogar die Spins im Graphen kontrollieren. Dies gelang einem HZB-Team schon vor einiger Zeit: Die Physiker haben dafür eine Lage Graphen auf einem Nickelsubstrat aufgebracht und Goldatome dazwischen eingeschleust. Im Fachblatt 2D Materials zeigen sie nun, warum dies sich derartig stark auf die Spins auswirkt. Graphen kommt so auch als Material für künftige Informationstechnologien infrage, die auf der Verarbeitung von Spins als Informationseinheiten basieren.

Graphen ist wohl die exotischste Form von Kohlenstoff: Alle Atome sind untereinander nur in der Ebene verbunden und bilden ein Netz mit sechseckigen Maschen,...

Im Focus: Hochautomatisiertes Fahren bei Schnee und Regen: Robuste Warnehmung dank intelligentem Sensormix

Schlechte Sichtverhältnisse bei Regen oder Schnellfall sind für Menschen und hochautomatisierte Fahrzeuge eine große Herausforderung. Im europäischen Projekt RobustSENSE haben die Forscher von Fraunhofer FOKUS mit 14 Partnern, darunter die Daimler AG und die Robert Bosch GmbH, in den vergangenen zwei Jahren eine Softwareplattform entwickelt, auf der verschiedene Sensordaten von Kamera, Laser, Radar und weitere Informationen wie Wetterdaten kombiniert werden. Ziel ist, eine robuste und zuverlässige Wahrnehmung der Straßensituation unabhängig von der Komplexität und der Sichtverhältnisse zu gewährleisten. Nach der virtuellen Erprobung des Systems erfolgt nun der Praxistest, unter anderem auf dem Berliner Testfeld für hochautomatisiertes Fahren.

Starker Schneefall, ein Ball rollt auf die Fahrbahn: Selbst ein Mensch kann mitunter nicht schnell genug erkennen, ob dies ein gefährlicher Gegenstand oder...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Die Erde und ihre Bestandteile im Fokus

21.09.2017 | Veranstaltungen

23. Baltic Sea Forum am 11. und 12. Oktober nimmt Wirtschaftspartner Finnland in den Fokus

21.09.2017 | Veranstaltungen

6. Stralsunder IT-Sicherheitskonferenz im Zeichen von Smart Home

21.09.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

OLED auf hauchdünnem Edelstahl

21.09.2017 | Messenachrichten

Weniger (Flug-)Lärm dank Mathematik

21.09.2017 | Physik Astronomie

In Zeiten des Klimawandels: Was die Farbe eines Sees über seinen Zustand verrät

21.09.2017 | Geowissenschaften