Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Forschungsflugzeug Polar 5 beendet Arktis-Expedition

30.04.2009
Einzigartige Messflüge in der zentralen Arktis abgeschlossen

Gestern ging in Oshawa (Kanada) die Arktis-Kampagne (PAM-ARCMIP - Pan-Arctic Measurements and Arctic Climate Model Intercomparison Project) mit dem deutschen Polarflugzeug Polar 5 zu Ende. Die vierwöchige Kampagne brachte aufgrund der großen Reichweite des Flugzeuges und der eingesetzten modernen Messtechnik einzigartige Messdaten über Meereisdicke, Spurengase, Aerosole und meteorologische Parameter.

"Wir waren in größtenteils unerforschten Gebieten unterwegs. Unsere nördlichste Position lag bei 88° 40' Nord. Solche Flugoperationen in der Arktis erfordern großes Können und viel Erfahrung", berichtet Dr. Andreas Herber, Physiker und verantwortlich für die Forschungsflugzeuge am Alfred-Wegener-Institut. Während der meisten Zeit war das Wetter für die Messungen ideal.

Lufttemperaturen von unter - 30 °C wurden jedoch oft zu einer Herausforderung für die wissenschaftlichen Geräte. 20 Wissenschaftler und Ingenieure von sechs Forschungsinstituten aus Deutschland, Italien (CNR-ISAC Bologna), Kanada (Environment Kanada, University of Alberta, York University) und den USA (NOAA-ESRL Boulder) waren beteiligt und werden die Daten in den kommenden Monaten auswerten.

Der Flug der Polar 5 des Alfred-Wegener-Instituts für Polar und Meeresforschung in der Helmholtz-Gemeinschaft führte von Longyearbyen auf Spitzbergen über Grönland und Nordkanada bis nach Barrow in Alaska. Polar 5 landete außerdem als erstes Flugzeug auf zwei Meter dickem Eis bei der Position 87° 40' Nord/117° 00' West an der russischen Eisschollen-Driftstation NP-36. Die gesamte Kampagne verdankt ihren Erfolg einer engen internationalen Kooperation und der hervorragenden Unterstützung an den einzelnen Forschungsstationen wie Alert und Eureka.

Ein Schwerpunkt der Kampagne waren arktische Aerosole. Mit mehreren Vertikal- und Horizontalprofilen in Tiefflughöhe (60 Meter) und in Normalflughöhe von 3000 Meter wurde ein Abbild der Aerosolverteilung in der Arktis erstellt. Aerosole gehören mit Wassertröpfchen und Eiskristallen zu den klimarelevanten Spurenstoffen und zählen zu den größten Unsicherheitsfaktoren bei der Abschätzung zukünftiger Klimaveränderungen. Die Messungen über dem Arktischen Ozean erlauben die Quantifizierung der Aerosolbelastung der arktischen Reinluft und ihre Zuordnung zu asiatischen, nordamerikanischen und europäischen Quellregionen. Sie liefern eine realistische Grundlage für die dringend erforderliche Verbesserung der Modellrechungen für diese unzugängliche und für die Klimaforschung zentrale Region unserer Erde.

Ein weiterer Schwerpunkt der Kampagne waren großflächige Eisdickenmessungen in der inneren Arktis, die in enger Zusammenarbeit zwischen dem Alfred-Wegener-Institut und der Universität von Alberta durchgeführt wurden. Erstmalig kam dabei eine Eisdickensonde, der so genannte EM-Bird, unter einem Flugzeug zum Einsatz. Für die Untersuchungen zog Polar 5 die Sonde an einem 80 Meter langen Stahlseil in zwanzig Meter Höhe über die Eisoberfläche. Mehrere Flüge von verschiedenen Stationen nach Norden ergaben Eisdicken zwischen 2,5 Meter (zweijähriges Eis in der Nähe des Nordpols) und vier Metern (mehrjähriges Eis in küstenahen Gebieten vor Kanada). Insgesamt war das Eis etwas dicker als in den vergangenen Jahren in den gleichen Regionen, was eine temporäre Erholung der arktischen Eisdecke vermuten lässt. Entlang der nördlichen Küste von Ellesmere Island fanden die Forscher das dickste Eis, mit Dicken oft größer als 15 Meter.

Ein weiterer Höhepunkt der Kampagne waren atmosphärische Sondierungen in der Zentralarktis sowie die Messung sehr geringer Ozon- und Quecksilberkonzentrationen über weiten Teilen des mit Meereis bedeckten arktischen Ozeans. Die meteorologische Sondierung mittels Dropsonden ergab flache Grenzschichten in Verbindung mit ausgeprägten Temperaturinversionen und Windjets in den untersten 300 Metern. Diese Bedingungen fördern den von den kanadischen Kollegen von Environment Canada gemessenen Verlust des bodennahen Ozons über dem Meereis, hervorgerufen durch Reaktion mit Bromoxid. Die Kombination aller Spurengasmessungen mit den atmosphärischen Sondierungen wird es ermöglichen, die Prozesse des bodennahen Ozonabbaus in der Arktis besser zu verstehen.

Nur durch die enge internationale Zusammenarbeit zwischen allen Partnern konnte diese logistisch aufwendige Kampagne mit Aufenthaltsorten in vier Arktis-Anrainerstaaten erfolgreich bewältigt werden.

Das Alfred-Wegener-Institut forscht in der Arktis, Antarktis und den Ozeanen der mittleren sowie hohen Breiten. Es koordiniert die Polarforschung in Deutschland und stellt wichtige Infrastruktur wie den Forschungseisbrecher Polarstern und Stationen in der Arktis und Antarktis für die internationale Wissenschaft zur Verfügung. Das Alfred-Wegener-Institut ist eines der fünfzehn Forschungszentren der Helmholtz-Gemeinschaft, der größten Wissenschaftsorganisation Deutschlands.

Margarete Pauls | idw
Weitere Informationen:
http://www.awi.de/

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Geowissenschaften:

nachricht Internationales Team um Oldenburger Meeresforscher untersucht Meeresoberfläche
21.03.2017 | Carl von Ossietzky-Universität Oldenburg

nachricht Weniger Sauerstoff – ist Humboldts Nährstoffspritze in Gefahr?
17.03.2017 | GEOMAR Helmholtz-Zentrum für Ozeanforschung Kiel

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Geowissenschaften >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Fliegende Intensivstationen: Ultraschallgeräte in Rettungshubschraubern können Leben retten

Etwa 21 Millionen Menschen treffen jährlich in deutschen Notaufnahmen ein. Im Kampf zwischen Leben und Tod zählt für diese Patienten jede Minute. Wenn sie schon kurz nach dem Unfall zielgerichtet behandelt werden können, verbessern sich ihre Überlebenschancen erheblich. Damit Notfallmediziner in solchen Fällen schnell die richtige Diagnose stellen können, kommen in den Rettungshubschraubern der DRF Luftrettung und zunehmend auch in Notarzteinsatzfahrzeugen mobile Ultraschallgeräte zum Einsatz. Experten der Deutschen Gesellschaft für Ultraschall in der Medizin e.V. (DEGUM) schulen die Notärzte und Rettungsassistenten.

Mit mobilen Ultraschallgeräten können Notärzte beispielsweise innere Blutungen direkt am Unfallort identifizieren und sie bei Bedarf auch für Untersuchungen im...

Im Focus: Gigantische Magnetfelder im Universum

Astronomen aus Bonn und Tautenburg in Thüringen beobachteten mit dem 100-m-Radioteleskop Effelsberg Galaxienhaufen, das sind Ansammlungen von Sternsystemen, heißem Gas und geladenen Teilchen. An den Rändern dieser Galaxienhaufen fanden sie außergewöhnlich geordnete Magnetfelder, die sich über viele Millionen Lichtjahre erstrecken. Sie stellen die größten bekannten Magnetfelder im Universum dar.

Die Ergebnisse werden am 22. März in der Fachzeitschrift „Astronomy & Astrophysics“ veröffentlicht.

Galaxienhaufen sind die größten gravitativ gebundenen Strukturen im Universum, mit einer Ausdehnung von etwa zehn Millionen Lichtjahren. Im Vergleich dazu ist...

Im Focus: Giant Magnetic Fields in the Universe

Astronomers from Bonn and Tautenburg in Thuringia (Germany) used the 100-m radio telescope at Effelsberg to observe several galaxy clusters. At the edges of these large accumulations of dark matter, stellar systems (galaxies), hot gas, and charged particles, they found magnetic fields that are exceptionally ordered over distances of many million light years. This makes them the most extended magnetic fields in the universe known so far.

The results will be published on March 22 in the journal „Astronomy & Astrophysics“.

Galaxy clusters are the largest gravitationally bound structures in the universe. With a typical extent of about 10 million light years, i.e. 100 times the...

Im Focus: Auf der Spur des linearen Ubiquitins

Eine neue Methode ermöglicht es, den Geheimcode linearer Ubiquitin-Ketten zu entschlüsseln. Forscher der Goethe-Universität berichten darüber in der aktuellen Ausgabe von "nature methods", zusammen mit Partnern der Universität Tübingen, der Queen Mary University und des Francis Crick Institute in London.

Ubiquitin ist ein kleines Molekül, das im Körper an andere Proteine angehängt wird und so deren Funktion kontrollieren und verändern kann. Die Anheftung...

Im Focus: Tracing down linear ubiquitination

Researchers at the Goethe University Frankfurt, together with partners from the University of Tübingen in Germany and Queen Mary University as well as Francis Crick Institute from London (UK) have developed a novel technology to decipher the secret ubiquitin code.

Ubiquitin is a small protein that can be linked to other cellular proteins, thereby controlling and modulating their functions. The attachment occurs in many...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Lebenswichtige Lebensmittelchemie

23.03.2017 | Veranstaltungen

Die „Panama Papers“ aus Programmierersicht

22.03.2017 | Veranstaltungen

Über Raum, Zeit und Materie

22.03.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Besser lernen dank Zink?

23.03.2017 | Biowissenschaften Chemie

Lebenswichtige Lebensmittelchemie

23.03.2017 | Veranstaltungsnachrichten

Innenraum-Ortung für dynamische Umgebungen

23.03.2017 | Architektur Bauwesen