Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Forscher untersuchen den Einfluss des Klimawandels auf ostsibirische Permafrost-Gebiete

13.07.2017

Eine internationale Gruppe von Geo- und Sozialwissenschaftlern hat in einer Studie den Einfluss der derzeitigen Klimaveränderungen auf die Landschaft und die Bewohner der ostsibirischen Permafrost-Gebiete untersucht.

"Derzeit beobachten wir in Zentraljakutien eine Beschleunigung der Tauprozesse, was wiederum die Lebensbedingungen der Bevölkerung beeinflusst. Dies konnten wir anhand geowissenschaftlicher Daten und anthropologischer Studien nachweisen", sagt Dr. Mathias Ulrich vom Institut für Geographie der Universität Leipzig, der gemeinsam mit Prof. Dr. Otto Habeck vom Institut für Ethnologie der Universität Hamburg sowie Prof. Dr. Susan Crate von der George Mason University in Fairfax, USA, an der Studie gearbeitet hat. Die Ergebnisse haben sie kürzlich im Fachblatt "Anthropocene" veröffentlicht.


Durch starke Tau- und Erosionsprozesse freigelegte Permafrostablagerungen nahe der Siedlung Tabaga in Zentraljakutien.

Foto: Dr. Mathias Ulrich/Universität Leipzig


Durch das Mähen der Senken produzieren jakutische Landwirte große Mengen Heu, die für die Fütterung der Rinder während der Monate mit Schneefall nötig sind.

Foto: Prof. Dr. Otto Habeck/Universität Hamburg

Der Fokus der interdisziplinären Forschungen lag auf Landschaftsformen in Zentraljakutien (Ostsibirien, Russland), die vor mehreren tausend Jahren durch das Tauen des Permafrostes entstanden sind. "Diese Thermokarstsenken bilden offene Graslandschaften innerhalb der borealen Wälder und werden seit Jahrhunderten von der einheimischen Bevölkerung, den Jakuten, zur Weide- und Landwirtschaft genutzt", erklärt Ulrich.

Im Rahmen der Studie sei erstmals in der Kombination von Sozial- und Geowissenschaften analysiert worden, wie diese Landschaftsformen genau entstanden sind, wie sie sich derzeit und in Zukunft verändern und vor allem welchen Einfluss die derzeitigen Klimaveränderungen auf die Landschaft haben. Untersucht wurde auch, wie die einheimische Bevölkerung in der Vergangenheit und heute mit dieser Landschaft interagiert und wie deren Nutzung in der nahen Zukunft aussehen wird.

"Wir geben in unserer Studie Empfehlungen und zeigen Perspektiven für zukünftige Forschungsansätze auf", berichtet Ulrich. "Eine Möglichkeit, die Anpassungsfähigkeit der lokalen Bevölkerung zu stärken, liegt insbesondere darin, dass Forscher ihre Erkenntnisse und Informationen zu möglichen Umweltveränderungen in jakutischer oder russischer Sprache direkt mit den betroffenen Bevölkerungsgruppen diskutieren", erläutert Habeck.

Gemeinsam mit lokalen Experten empfehlen die Forscher, Bereiche in ländlichen Regionen zu identifizieren, die für Bauarbeiten und landwirtschaftliche Aktivitäten ungeeignet sind, da sie ein hohes Risiko hinsichtlich des Tauens des Permafrostbodens aufweisen, oder angemessene Maschinen und Methoden für die Weide- und Landwirtschaft in besonders sensiblen Bereichen zu verwenden.

Eine zentrale Schlussfolgerung der Studie ist die Erkenntnis, dass die Zukunft des Ökosystems und die Art der Landnutzung in Zentraljakutien - und generell in den subarktischen und arktischen Regionen - nicht nur von der Geschwindigkeit und dem Umfang der Umweltveränderung abhängt, sondern auch - und in nicht geringerem Maße - von globalen, nationalen und regionalen sozio-ökonomischen Faktoren.

Hierzu zählen die demographische Entwicklung, der technologische Wandel, die agrarpolitische Dynamik und die kulturelle Bedeutung von Lebensmitteln sowie ländlichen Lebensgrundlagen. Für die zukünftige Forschung ist daher die Kombination von sozial- und geowissenschaftlichen Erkenntnissen und die intensive Kommunikation zwischen Wissenschaftlern, regionalen Experten, Medien und einheimischen Landnutzern unablässig.

Originaltitel der Veröffentlichung in "Anthropocene":

"Permafrost livelihoods: A transdisciplinary review and analysis of thermokarst-based systems of indigenous land use"
doi.org/10.1016/j.ancene.2017.06.001

Weitere Informationen:

Dr. Mathias Ulrich
Institut für Geographie der Universität Leipzig
Telefon: +49 341 9732962
E-Mail: mathias.ulrich@uni-leipzig.de

Weitere Informationen:

http://www.sciencedirect.com/science/article/pii/S2213305416301060

Susann Huster | Universität Leipzig
Weitere Informationen:
http://www.uni-leipzig.de

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Geowissenschaften:

nachricht Der Januskopf des südasiatischen Monsuns
15.06.2018 | Max-Planck-Institut für Chemie

nachricht Was das Eis der West-Antarktis vor 10.000 Jahren gerettet hat, wird ihr heute nicht helfen
14.06.2018 | Potsdam-Institut für Klimafolgenforschung

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Geowissenschaften >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Temperaturgesteuerte Faser-Lichtquelle mit flüssigem Kern

Die moderne medizinische Bildgebung und neue spektroskopische Verfahren benötigen faserbasierte Lichtquellen, die breitbandiges Laserlicht im nahen und mittleren Infrarotbereich erzeugen. Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler des Leibniz-Instituts für Photonische Technologien Jena (Leibniz-IPHT) zeigen in einer aktuellen Veröffentlichung im renommierten Fachblatt Optica, dass sie die optischen Eigenschaften flüssigkeitsgefüllter Fasern und damit die Bandbreite des Laserlichts gezielt über die Umgebungstemperatur steuern können.

Das Besondere an den untersuchten Fasern ist ihr Kern. Er ist mit Kohlenstoffdisulfid gefüllt - einer flüssigen chemischen Verbindung mit hoher optischer...

Im Focus: Temperature-controlled fiber-optic light source with liquid core

In a recent publication in the renowned journal Optica, scientists of Leibniz-Institute of Photonic Technology (Leibniz IPHT) in Jena showed that they can accurately control the optical properties of liquid-core fiber lasers and therefore their spectral band width by temperature and pressure tuning.

Already last year, the researchers provided experimental proof of a new dynamic of hybrid solitons– temporally and spectrally stationary light waves resulting...

Im Focus: Revolution der Rohre

Forscher*innen des Instituts für Sensor- und Aktortechnik (ISAT) der Hochschule Coburg lassen Rohrleitungen, Schläuchen oder Behältern in Zukunft regelrecht Ohren wachsen. Sie entwickelten ein innovatives akustisches Messverfahren, um Ablagerungen in Rohren frühzeitig zu erkennen.

Rückstände in Abflussleitungen führen meist zu unerfreulichen Folgen. Ein besonderes Gefährdungspotential birgt der Biofilm – eine Schleimschicht, in der...

Im Focus: Überdosis Calcium

Nanokristalle beeinflussen die Differenzierung von Stammzellen während der Knochenbildung

Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler der Universitäten Freiburg und Basel haben einen Hauptschalter für die Regeneration von Knochengewebe identifiziert....

Im Focus: Overdosing on Calcium

Nano crystals impact stem cell fate during bone formation

Scientists from the University of Freiburg and the University of Basel identified a master regulator for bone regeneration. Prasad Shastri, Professor of...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

VideoLinks
Industrie & Wirtschaft
Veranstaltungen

DFG unterstützt Kongresse und Tagungen im August 2018

20.06.2018 | Veranstaltungen

Hengstberger-Symposium zur Sternentstehung

19.06.2018 | Veranstaltungen

LymphomKompetenz KOMPAKT: Neues vom EHA2018

19.06.2018 | Veranstaltungen

VideoLinks
Wissenschaft & Forschung
Weitere VideoLinks im Überblick >>>
 
Aktuelle Beiträge

DFG unterstützt Kongresse und Tagungen im August 2018

20.06.2018 | Veranstaltungsnachrichten

Breitbandservices von DNS:NET erweitert

20.06.2018 | Unternehmensmeldung

Mit Parasiten infizierte Stichlinge beeinflussen Verhalten gesunder Artgenossen

20.06.2018 | Biowissenschaften Chemie

Weitere B2B-VideoLinks
IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics