Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Erdbeben in Chile verschob die Erdachse

03.03.2010
NASA: Tage sind nun um 1,26 Mikrosekunden kürzer

Um 1,26 Mikrosekunden kürzer dauert der Erdentag seit am Samstag ein Beben der Stärke 8,8 den Süden Chiles erschüttert hat. Das berichten Experten der Raumfahrtsbehörde NASA. Laut ihren Berechnungen hat die schwere Naturkatastrophe die Erdachse um acht Zentimeter verschoben und somit die Rotation verändert, was zu diesem Effekt führte. Das mit 9,1 wesentlich stärkere Sumatra-Beben 2004 hätte allerdings mit einer Tageskürzung von 6,8 Mikrosekunden eine deutlich größere Wirkung gehabt. Eine Mikrosekunde ist der millionste Teil einer Sekunde.

Jedes Beben verändert die Erdrotation

Als "interessant, jedoch kaum relevant" stuft der Seismologe Winfried Hanka vom Geoforschungszentrum Potsdam dieses Phänomen ein, das zudem bisher nicht gemessen wurde, sondern nur im Modell mit idealisierten Eigenschaften berechnet werden konnte. "Jedes Erdbeben, das ja eine Massenverschiebung bedeutet, verändert die Erdachse und somit auch auf die Rotation. Je weiter das Epizentrum vom Äquator entfernt ist, desto stärker trifft das zu. Allerdings verlängern andere Beben die Tage wieder - in Summe dürfte sich also nichts ändern", so der Experte gegenüber pressetext.

Das Beben in Chile gehört zu den fünf stärksten, die seit Beginn der Erdbebenmessungen rund um 1900 gemessen wurden. Platz eins dieser Wertung nimmt mit einer Magnitude von 9,5 ebenfalls ein Beben in Chile ein, das im Jahr 1960 stattfand. "Dass diese Region so aktiv ist, hängt mit ihrer relativen Plattengeschwindigkeit zusammen, die die weltweit höchste ist. Die pazifische Platte drängt jährlich sechs Zentimeter ostwärts und schiebt sich unter die südamerikanische, die ihrerseits zwei Zentimeter nach Westen driftet", erklärt Hanka. Beliebig stark könnten die Beben jedoch nicht werden, da die Erdkruste ab einer gewissen Stärke bricht.

Gefahr neuer Vulkane in den Anden

Seit dem Hauptbeben erlebte Chile mehrere Nachbeben, deren bisher stärkstes die Magnitude 6,5 erreichte. Andere Folgen des Bebens zeigten sich bisher im Tsunami, der die chilenische Küste und einige vorgelagerte Inseln schwer beschädigte. In seiner Pazifiküberquerung bis nach Japan ebbte er jedoch auf eine ein Meter hohe Welle ab und richtete zumindest im asiatischen Pazifik keine Schäden an, was Experten auf seine Auslösung in seichtem Wasser sowie auf die seit 2004 verbesserten Frühwarnsystem zurückführen.

Noch bevorstehen könnte allerdings eine stärkere vulkanische Aktivität in den Anden. "Nachdem die subduzierte Pazifikplatte im Erdinneren schmilzt, steigt das Schmelzprodukt nach oben und füllt die Magnakammern. Durch Druck oder weitere Massenverschiebungen könnten diese undicht werden, zuvor geschlossene Kanäle öffnen und die Lava an die Oberfläche befördern", so Hanka. Zwar gibt es in Chile ohnehin ein dichtes Netz zur Vermessung der seismischen Aktivität, mit Hilfe dessen man aufsteigende Lava zu berechnen versuche. "Konkret weiß jedoch niemand, wann und wo es soweit ist", gibt der Experte zu bedenken.

Keine Zuspitzung der Bebenaktivität

Dass in diesem Jahr nach dem leichteren, jedoch aus menschlicher Sicht weit folgenschweren Erdbeben in Haiti nun bereits eine zweites großes Beben den Planeten erschüttert, ist für Hanka kein Alarmsignal. "Die Magnaströme im Erdinneren treiben die Platten ständig an, die Drift- und Konvergenzraten bleiben jedoch langfristig gleich. Auch die Spannungen, die sich weltweit aufbauen, verändern sich in Summe nicht. Es ist eher unwahrscheinlich, dass es in diesem Jahr zu einem weiteren ähnlich starken Beben wie nun in Chile kommt."

Johannes Pernsteiner | pressetext.deutschland
Weitere Informationen:
http://www.nasa.gov
http://www.gfz-potsdam.de

Weitere Berichte zu: Beben Chile Erdachse Erdbeben Erdinnere Magnitude Massenverschiebung Mikrosekunde NASA Platte Rotation

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Geowissenschaften:

nachricht Wasser - der heimliche Treiber des Kohlenstoffkreislaufs?
17.01.2017 | Max-Planck-Institut für Biogeochemie

nachricht Was ist krebserregend am Erionit?
13.01.2017 | Friedrich-Schiller-Universität Jena

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Geowissenschaften >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Interfacial Superconductivity: Magnetic and superconducting order revealed simultaneously

Researchers from the University of Hamburg in Germany, in collaboration with colleagues from the University of Aarhus in Denmark, have synthesized a new superconducting material by growing a few layers of an antiferromagnetic transition-metal chalcogenide on a bismuth-based topological insulator, both being non-superconducting materials.

While superconductivity and magnetism are generally believed to be mutually exclusive, surprisingly, in this new material, superconducting correlations...

Im Focus: Erforschung von Elementarteilchen in Materialien

Laseranregung von Semimetallen ermöglicht die Erzeugung neuartiger Quasiteilchen in Festkörpersystemen sowie ultraschnelle Schaltung zwischen verschiedenen Zuständen.

Die Untersuchung der Eigenschaften fundamentaler Teilchen in Festkörpersystemen ist ein vielversprechender Ansatz für die Quantenfeldtheorie. Quasiteilchen...

Im Focus: Studying fundamental particles in materials

Laser-driving of semimetals allows creating novel quasiparticle states within condensed matter systems and switching between different states on ultrafast time scales

Studying properties of fundamental particles in condensed matter systems is a promising approach to quantum field theory. Quasiparticles offer the opportunity...

Im Focus: Mit solaren Gebäudehüllen Architektur gestalten

Solarthermie ist in der breiten Öffentlichkeit derzeit durch dunkelblaue, rechteckige Kollektoren auf Hausdächern besetzt. Für ästhetisch hochwertige Architektur werden Technologien benötigt, die dem Architekten mehr Gestaltungsspielraum für Niedrigst- und Plusenergiegebäude geben. Im Projekt »ArKol« entwickeln Forscher des Fraunhofer ISE gemeinsam mit Partnern aktuell zwei Fassadenkollektoren für solare Wärmeerzeugung, die ein hohes Maß an Designflexibilität erlauben: einen Streifenkollektor für opake sowie eine solarthermische Jalousie für transparente Fassadenanteile. Der aktuelle Stand der beiden Entwicklungen wird auf der BAU 2017 vorgestellt.

Im Projekt »ArKol – Entwicklung von architektonisch hoch integrierten Fassadekollektoren mit Heat Pipes« entwickelt das Fraunhofer ISE gemeinsam mit Partnern...

Im Focus: Designing Architecture with Solar Building Envelopes

Among the general public, solar thermal energy is currently associated with dark blue, rectangular collectors on building roofs. Technologies are needed for aesthetically high quality architecture which offer the architect more room for manoeuvre when it comes to low- and plus-energy buildings. With the “ArKol” project, researchers at Fraunhofer ISE together with partners are currently developing two façade collectors for solar thermal energy generation, which permit a high degree of design flexibility: a strip collector for opaque façade sections and a solar thermal blind for transparent sections. The current state of the two developments will be presented at the BAU 2017 trade fair.

As part of the “ArKol – development of architecturally highly integrated façade collectors with heat pipes” project, Fraunhofer ISE together with its partners...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Bundesweiter Astronomietag am 25. März 2017

17.01.2017 | Veranstaltungen

Über intelligente IT-Systeme und große Datenberge

17.01.2017 | Veranstaltungen

Aquakulturen und Fangquoten – was hilft gegen Überfischung?

16.01.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Bundesweiter Astronomietag am 25. März 2017

17.01.2017 | Veranstaltungsnachrichten

Intelligente Haustechnik hört auf „LISTEN“

17.01.2017 | Architektur Bauwesen

Satellitengestützte Lasermesstechnik gegen den Klimawandel

17.01.2017 | Maschinenbau