Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Erdbeben besser verstehen

28.03.2013
Computersimulationen werten GPS-Messungen aus

Dreidimensionale Bewegungen der Erdoberfläche, die während und nach starken Erdbeben stattfinden, werden seit einigen Jahren durch ein immer dichteres Netz von permanent installierten GPS-Empfängern hochgenau aufgezeichnet.

Ein Forschungsprojekt am Institut für Geologie der Leibniz Universität Hannover hat anhand solcher Messungen nun erstmals detaillierte Computermodelle von seismisch aktiven Bruchzonen erstellt. „Damit können sowohl die abrupten Bewegungen während eines Erdbebens, aber auch langsame, über viele Jahre ablaufende Bewegungen nach einem Beben simuliert werden“, erläutert Projektleiterin Prof. Andrea Hampel.

Die Kombination der Computermodelle mit den Oberflächendaten sowie herkömmlichen seismologischen Messungen erlauben den Wissenschaftlern deutlich detailliertere Rückschlüsse auf die Vorgänge während des Bebens.

Die Daten der GPS-Stationen, die in den Erdbebengebieten stehen, sind den hannoverschen Geologen über Publikationen in wissenschaftlichen Fachzeitschriften zugänglich. Zu den ersten mit GPS aufgezeichneten Erdbeben gehören zwei starke Beben im Jahr 2003 in Taiwan und in den italienischen Apenninen im Jahr 2009. Im Gebiet um die Bruchzonen, die 40-50 Kilometer lang sind, haben GPS-Stationen die Bewegungen der Erdkruste aufgezeichnet. Die fest im Untergrund verankerten Stationen überleben Erdbeben meist unbeschadet.

Das Team um Prof. Hampel hat die Daten der beiden Erdbeben miteinander verglichen und deutliche Unterschiede in der Geschwindigkeit und der Richtung der Krustenbewegungen festgestellt, die bislang nicht begründet werden konnten. Mithilfe von Computersimulationen konnten die Bewegungsmuster erklärt werden; eine entsprechende Studie wurde in der Märzausgabe Fachzeitschrift „Geology“ veröffentlicht. Anhand der unterschiedlichen Bewegungsmuster haben die Wissenschaftler zwei verschiedene Typen von Erdkrustenverschiebungen charakterisiert. „Diese Unterschiede in den Mustern hat man vorher noch nicht gesehen, weil entsprechende GPS-Daten für die beiden unterschiedlichen Störungstypen nicht zur Verfügung standen“, sagt Prof. Hampel.

Durch die Computersimulationen sind zudem Rückschlüsse auf die Nachbarbereiche des aktuellen Erdbebens möglich. „Wir wollen herausfinden, ob in der Umgebung Erdbeben gefördert oder aber die Spannungen in den Nachbarbereichen eher abgebaut und dadurch Beben verzögert werden“, sagt Andrea Hampel.

In dem Projekt ist erstmalig ein umfassendes flächenhaftes Bild der Deformation während und nach einem Erdbeben erstellt worden. Die Ergebnisse helfen, die beobachteten Oberflächenbewegungen mit den Prozessen in der Tiefe zu korrelieren. Aus der Geschwindigkeit der Krustenbewegungen, die nach dem Erdbeben noch einige Jahre anhalten, sind zum Beispiel wichtige Erkenntnisse über die Festigkeit der tieferen Erdkruste möglich. Ziel ist es unter anderem, Erdbebenzyklen für die betroffenen Gebiete modellieren zu können.

Hinweis an die Redaktion:
Für weitere Informationen steht Ihnen Prof. Andrea Hampel, Institut für Geologie, unter Telefon +49 511 762 2173 oder per E-Mail unter hampel@geowi.uni-hannover.de gern zur Verfügung.

Mechtild Freiin v. Münchhausen | idw
Weitere Informationen:
http://www.uni-hannover.de

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Geowissenschaften:

nachricht Unterwasserroboter soll nach einem Jahr in der arktischen Tiefsee auftauchen
18.08.2017 | Alfred-Wegener-Institut, Helmholtz-Zentrum für Polar- und Meeresforschung

nachricht Klimawandel: Bäume binden im Alter große Mengen Kohlenstoff
17.08.2017 | Universität Hamburg

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Geowissenschaften >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Unterwasserroboter soll nach einem Jahr in der arktischen Tiefsee auftauchen

Am Dienstag, den 22. August wird das Forschungsschiff Polarstern im norwegischen Tromsø zu einer besonderen Expedition in die Arktis starten: Der autonome Unterwasserroboter TRAMPER soll nach einem Jahr Einsatzzeit am arktischen Tiefseeboden auftauchen. Dieses Gerät und weitere robotische Systeme, die Tiefsee- und Weltraumforscher im Rahmen der Helmholtz-Allianz ROBEX gemeinsam entwickelt haben, werden nun knapp drei Wochen lang unter Realbedingungen getestet. ROBEX hat das Ziel, neue Technologien für die Erkundung schwer erreichbarer Gebiete mit extremen Umweltbedingungen zu entwickeln.

„Auftauchen wird der TRAMPER“, sagt Dr. Frank Wenzhöfer vom Alfred-Wegener-Institut, Helmholtz-Zentrum für Polar- und Meeresforschung (AWI) selbstbewusst. Der...

Im Focus: Mit Barcodes der Zellentwicklung auf der Spur

Darüber, wie sich Blutzellen entwickeln, existieren verschiedene Auffassungen – sie basieren jedoch fast ausschließlich auf Experimenten, die lediglich Momentaufnahmen widerspiegeln. Wissenschaftler des Deutschen Krebsforschungszentrums stellen nun im Fachjournal Nature eine neue Technik vor, mit der sich das Geschehen dynamisch erfassen lässt: Mithilfe eines „Zufallsgenerators“ versehen sie Blutstammzellen mit genetischen Barcodes und können so verfolgen, welche Zelltypen aus der Stammzelle hervorgehen. Diese Technik erlaubt künftig völlig neue Einblicke in die Entwicklung unterschiedlicher Gewebe sowie in die Krebsentstehung.

Wie entsteht die Vielzahl verschiedener Zelltypen im Blut? Diese Frage beschäftigt Wissenschaftler schon lange. Nach der klassischen Vorstellung fächern sich...

Im Focus: Fizzy soda water could be key to clean manufacture of flat wonder material: Graphene

Whether you call it effervescent, fizzy, or sparkling, carbonated water is making a comeback as a beverage. Aside from quenching thirst, researchers at the University of Illinois at Urbana-Champaign have discovered a new use for these "bubbly" concoctions that will have major impact on the manufacturer of the world's thinnest, flattest, and one most useful materials -- graphene.

As graphene's popularity grows as an advanced "wonder" material, the speed and quality at which it can be manufactured will be paramount. With that in mind,...

Im Focus: Forscher entwickeln maisförmigen Arzneimittel-Transporter zum Inhalieren

Er sieht aus wie ein Maiskolben, ist winzig wie ein Bakterium und kann einen Wirkstoff direkt in die Lungenzellen liefern: Das zylinderförmige Vehikel für Arzneistoffe, das Pharmazeuten der Universität des Saarlandes entwickelt haben, kann inhaliert werden. Professor Marc Schneider und sein Team machen sich dabei die körpereigene Abwehr zunutze: Makrophagen, die Fresszellen des Immunsystems, fressen den gesundheitlich unbedenklichen „Nano-Mais“ und setzen dabei den in ihm enthaltenen Wirkstoff frei. Bei ihrer Forschung arbeiteten die Pharmazeuten mit Forschern der Medizinischen Fakultät der Saar-Uni, des Leibniz-Instituts für Neue Materialien und der Universität Marburg zusammen Ihre Forschungsergebnisse veröffentlichten die Wissenschaftler in der Fachzeitschrift Advanced Healthcare Materials. DOI: 10.1002/adhm.201700478

Ein Medikament wirkt nur, wenn es dort ankommt, wo es wirken soll. Wird ein Mittel inhaliert, muss der Wirkstoff in der Lunge zuerst die Hindernisse...

Im Focus: Exotische Quantenzustände: Physiker erzeugen erstmals optische „Töpfe" für ein Super-Photon

Physikern der Universität Bonn ist es gelungen, optische Mulden und komplexere Muster zu erzeugen, in die das Licht eines Bose-Einstein-Kondensates fließt. Die Herstellung solch sehr verlustarmer Strukturen für Licht ist eine Voraussetzung für komplexe Schaltkreise für Licht, beispielsweise für die Quanteninformationsverarbeitung einer neuen Computergeneration. Die Wissenschaftler stellen nun ihre Ergebnisse im Fachjournal „Nature Photonics“ vor.

Lichtteilchen (Photonen) kommen als winzige, unteilbare Portionen vor. Viele Tausend dieser Licht-Portionen lassen sich zu einem einzigen Super-Photon...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

European Conference on Eye Movements: Internationale Tagung an der Bergischen Universität Wuppertal

18.08.2017 | Veranstaltungen

Einblicke ins menschliche Denken

17.08.2017 | Veranstaltungen

Eröffnung der INC.worX-Erlebniswelt während der Technologie- und Innovationsmanagement-Tagung 2017

16.08.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Eine Karte der Zellkraftwerke

18.08.2017 | Biowissenschaften Chemie

Chronische Infektionen aushebeln: Ein neuer Wirkstoff auf dem Weg in die Entwicklung

18.08.2017 | Biowissenschaften Chemie

Computer mit Köpfchen

18.08.2017 | Informationstechnologie