Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Einfluss von Meeresspiegelschwankungen auf Pflanzenvielfalt

31.03.2016

Göttinger Forscher untersuchen Bedeutung von Klimaveränderungen für Diversität von Pflanzen

Ein internationales Team unter der Leitung von Wissenschaftlern der Universität Göttingen hat den Einfluss eiszeitlicher Klima- und Meeresspiegelschwankungen auf die biologische Vielfalt von Inseln untersucht.


Das Anaga Gebirge auf Teneriffa war einst eine eigene Insel, die erst durch die Entstehung des Teide mit dem Rest Teneriffas verschmolzen ist. Solch komplexe Topographien schaffen Mikrohabitate und fördern die Entstehung von neuen Arten durch genetische Isolation. Foto: Manuel Steinbauer

Die Ergebnisse der Studie zeigen die Bedeutung historischer Umwelteigenschaften auf die heutige Ausprägung von Lebensgemeinschaften und ihre Vielfalt. Die Resultate sprechen für eine stärkere Berücksichtigung historischer Faktoren in der Biodiversitätsforschung.

Die globale Studie zur Diversität von Pflanzen auf ozeanischen Inseln, an der auch Forscher der dänischen Universität Aarhus und des Deutschen Zentrums für integrative Biodiversitätsforschung beteiligt sind, ist in der Fachzeitschrift Nature erschienen.

Bei der Frage, wie viele und welche Arten auf Inseln vorkommen, wurden bisher in der Regel deren heutige Klimabedingungen und geographische Eigenschaften berücksichtigt. „Die heutigen Eigenschaften von Inseln sind im Vergleich zu den vergangenen eine Million Jahren allerdings eher eine Ausnahme“, erklärt Dr. Patrick Weigelt, Erstautor der Studie von der Göttinger Abteilung Biodiversität, Makroökologie und Biogeographie. Durch wiederkehrende Eiszeiten und die damit verbundenen Temperaturveränderungen wurden enorme Wassermassen in Gletschern gespeichert.

Dadurch sank der Meeresspiegel mehrfach um mehr als 100 Meter, mit weltweit gravierenden Auswirkungen auf die Größe und Isolation von Inseln. „Viele Inseln waren noch während der letzten Eiszeit vor 21.000 Jahren mit dem Festland oder mit Nachbarinseln verbunden“, so Dr. Weigelt. „Einige waren wesentlich größer als heute und nicht so sehr vom Festland und anderen Inseln isoliert.“

Das Wissenschaftlerteam hat nun untersucht, ob die Veränderungen seit der letzten Eiszeit einen nachweisbaren Effekt auf die Pflanzenvielfalt der Inseln hatten. „Dazu rekonstruierten wir mit Hilfe von globalen Klima- und Meeresspiegelmodellen die eiszeitlichen Eigenschaften von 184 Inseln weltweit“, so Prof. Dr. Holger Kreft, der die Studie leitete. Die Wissenschaftler zeigen, dass besonders die Anzahl von endemischen Pflanzenarten – also Arten, die nur auf einzelnen Inseln oder Archipelen vorkommen – von den historischen Eigenschaften abhängen.

„Während die Diversität aller Arten auf den Inseln hauptsächlich durch die heutigen Inseleigenschaften erklärt werden kann, finden wir heute mehr endemische Arten auf Inseln, die in der Vergangenheit deutlich größer waren“, erklärt Dr. Weigelt.

„Auf Inseln, die in der Vergangenheit mit anderen Inseln verbunden waren, finden wir heute deutlich weniger endemische Arten. Dies deutet darauf hin, dass noch heute die Ergebnisse erhöhter Artenbildung auf ehemals größeren Inseln sowie von Artenaustausch zwischen ehemals verbundenen Inseln sichtbar sind.“ Die Wissenschaftler hoffen, dass die Ergebnisse dieser Arbeiten helfen können, auch die Auswirkungen zukünftiger Klimaveränderungen und Meeresspiegelschwankungen auf die Biodiversität auf Inseln abzuschätzen.

Originalveröffentlichung: Patrick Weigelt et al. (2016) Late Quaternary climate change shapes island biodiversity. Nature. http://dx.doi.org/10.1038/nature17443


Kontaktadressen:
Dr. Patrick Weigelt und Prof. Dr. Holger Kreft
Georg-August-Universität Göttingen
Fakultät für Forstwissenschaften und Waldökologie
Abteilung Biodiversität, Makroökologie und Biogeographie
Büsgenweg 1, 37077 Göttingen
Telefon (0551) 39-13761
E-Mail: pweigel@uni-goettingen.de und hkreft@uni-goettingen.de
Internet: http://www.uni-goettingen.de/biodiversity

Weitere Informationen:

http://dx.doi.org/10.1038/nature17443
http://www.uni-goettingen.de/de/3240.html?cid=5456

Thomas Richter | idw - Informationsdienst Wissenschaft

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Geowissenschaften:

nachricht Polarstern ab heute unterwegs nach Spitzbergen, um Rolle der Wolken bei Erwärmung der Arktis zu untersuchen
24.05.2017 | Leibniz-Institut für Troposphärenforschung e.V. (TROPOS)

nachricht Unterschiedliche Erwärmung von Arktis und Antarktis: Forscher sieht Höhenunterschied als Ursache
18.05.2017 | Universität Leipzig

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Geowissenschaften >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Orientierungslauf im Mikrokosmos

Physiker der Universität Würzburg können auf Knopfdruck einzelne Lichtteilchen erzeugen, die einander ähneln wie ein Ei dem anderen. Zwei neue Studien zeigen nun, welches Potenzial diese Methode hat.

Der Quantencomputer beflügelt seit Jahrzehnten die Phantasie der Wissenschaftler: Er beruht auf grundlegend anderen Phänomenen als ein herkömmlicher Rechner....

Im Focus: A quantum walk of photons

Physicists from the University of Würzburg are capable of generating identical looking single light particles at the push of a button. Two new studies now demonstrate the potential this method holds.

The quantum computer has fuelled the imagination of scientists for decades: It is based on fundamentally different phenomena than a conventional computer....

Im Focus: Tumult im trägen Elektronen-Dasein

Ein internationales Team von Physikern hat erstmals das Streuverhalten von Elektronen in einem nichtleitenden Material direkt beobachtet. Ihre Erkenntnisse könnten der Strahlungsmedizin zu Gute kommen.

Elektronen in nichtleitenden Materialien könnte man Trägheit nachsagen. In der Regel bleiben sie an ihren Plätzen, tief im Inneren eines solchen Atomverbunds....

Im Focus: Turmoil in sluggish electrons’ existence

An international team of physicists has monitored the scattering behaviour of electrons in a non-conducting material in real-time. Their insights could be beneficial for radiotherapy.

We can refer to electrons in non-conducting materials as ‘sluggish’. Typically, they remain fixed in a location, deep inside an atomic composite. It is hence...

Im Focus: Hauchdünne magnetische Materialien für zukünftige Quantentechnologien entwickelt

Zweidimensionale magnetische Strukturen gelten als vielversprechendes Material für neuartige Datenspeicher, da sich die magnetischen Eigenschaften einzelner Molekülen untersuchen und verändern lassen. Forscher haben nun erstmals einen hauchdünnen Ferrimagneten hergestellt, bei dem sich Moleküle mit verschiedenen magnetischen Zentren auf einer Goldfläche selbst zu einem Schachbrettmuster anordnen. Dies berichten Wissenschaftler des Swiss Nanoscience Institutes der Universität Basel und des Paul Scherrer Institutes in der Wissenschaftszeitschrift «Nature Communications».

Ferrimagneten besitzen zwei magnetische Zentren, deren Magnetismus verschieden stark ist und in entgegengesetzte Richtungen zeigt. Zweidimensionale, quasi...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Meeresschutz im Fokus: Das IASS auf der UN-Ozean-Konferenz in New York vom 5.-9. Juni

24.05.2017 | Veranstaltungen

Diabetes Kongress in Hamburg beginnt heute: Rund 6000 Teilnehmer werden erwartet

24.05.2017 | Veranstaltungen

Wissensbuffet: „All you can eat – and learn”

24.05.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Hochspannung für den Teilchenbeschleuniger der Zukunft

24.05.2017 | Physik Astronomie

3D-Graphen: Experiment an BESSY II zeigt, dass optische Eigenschaften einstellbar sind

24.05.2017 | Physik Astronomie

Optisches Messverfahren für Zellanalysen in Echtzeit - Ulmer Physiker auf der Messe "Sensor+Test"

24.05.2017 | Messenachrichten