Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Den großen Auftriebsgebieten der Ozeane geht die Luft aus

12.03.2014

Vor der Küste Namibias befindet sich eines der drei größten Auftriebsgebiete weltweit: der Benguelastrom. Hier fand in den letzten Jahrzehnten ein auffallender Wechsel in der Zusammensetzung der Artengemeinschaft statt. Forscher des Leibniz-Zentrums für Marine Tropenökologie (ZMT) untersuchen das Gebiet bereits seit vielen Jahren, um die Wandlungsprozesse besser zu verstehen.

Auftriebsgebiete sind biologisch außerordentlich produktive Meeresregionen, die für den Fischfang sehr bedeutsam sind. Sie versorgen viele Millionen Menschen mit tierischem Eiweiß. Vor der Küste Namibias befindet sich eines der drei größten Auftriebsgebiete weltweit: der Benguelastrom.


Jungstadium einer Holzmakrele

Foto: S. Geist, ZMT


Quallenfang aus dem Benguelastrom an Deck des Forschungsschiffes Africana

Foto: A. Flohr, ZMT

Hier fand in den letzten Jahrzehnten ein auffallender Wechsel in der Zusammensetzung der Artengemeinschaft statt. Forscher des Leibniz-Zentrums für Marine Tropenökologie (ZMT) untersuchen das Gebiet bereits seit vielen Jahren, um die Wandlungsprozesse besser zu verstehen.

Noch vor wenigen Jahren zogen riesige Schwärme von Sardinen und Sardellen durch das kalte und nährstoffreiche Wasser, das dort aus den Tiefen des Meeres an die Oberfläche aufsteigt. Als Tapas-Happen, Fischpaste oder Trockenfisch in Snacktüten sind diese Arten in vielen Ländern sehr beliebt.

Bis zu 17 Millionen Tonnen Fisch wurden bis Mitte der 70er Jahre jährlich von Fangflotten aus Namibia und aller Welt in dem Gebiet gefangen. Dann brachen die Fangzahlen jäh ein, und weniger hochwertige Arten bevölkerten das Ökosystem. Es waren vor allem die kleine Kap-Holzmakrele und Quallen, die zu 99% aus Wasser bestehen und kaum Nährwert haben.

Überfischung ist sicher ein wichtiger Grund für das Verschwinden der beiden Schwarmfischarten. Allerdings reguliert seit der Unabhängigkeit Namibias eine Fischereibehörde den Fischfang in den Hoheitsgewässern des Landes. „Die meisten Fische haben eine sehr hohe Anzahl an Nachkommen, so dass wenige Exemplare in kurzer Zeit eine Population neu aufbauen können“, meint der Ökologe und ZMT-Mitarbeiter Andreas Kunzmann, der mit seiner Arbeitsgruppe im Benguela-Gebiet forscht.

„Diese beiden Arten haben sich aber bisher nicht erholt.“ Die Forscher haben dafür eine andere Ursache im Verdacht. In dem Auftriebsgebiet vor Namibia treten immer häufiger extrem sauerstoffarme Zonen auf.

Solche Zonen sind in Auftriebsgebieten häufig. In diesen nährstoffreichen Meeresregionen tummelt sich eine Fülle an Lebewesen, die nur zum Teil als Beute in die Nahrungskette gelangen. Ein Großteil stirbt, ohne gefressen zu werden, und wird dann von Bakterien unter Zehrung von Sauerstoff zersetzt. Vor der westafrikanischen Küste dehnen diese Zonen sich jedoch aus. „An den Stränden Namibias konnten wir beobachten, wie Krabben in Schwärmen fluchtartig das Meer verließen, da ihnen sozusagen die Luft ausging“, berichtet Kunzmann. 

Wie aber kommen die Fische mit den lebenswidrigen Bedingungen zurecht? Kunzmann und seine Kollegen nahmen die Fischlarven ins Visier. „Das sind die empfindlichen Entwicklungsstadien, die noch kaum gegen Strömungen anschwimmen und deshalb nicht aus den sauerstoffarmen Zonen flüchten können“, erklärt der Ökologe. Gemeinsam mit seinem Doktoranden, Simon Geist, untersuchte Kunzmann Larven von Holzmakrelen, Sardinen und Sardellen mit einem speziell am ZMT entwickelten Gerät, einem Respirometer, das den Sauerstoffverbrauch und die Aktivität misst. Dabei stellte sich heraus, dass die Jungstadien der Makrelen viel geringere Sauerstoffkonzentrationen in ihrer Umgebung benötigen. „Das ist eine Spezialität ihres Stoffwechsels, der Sauerstoff viel effizienter verarbeitet“, erläutert Kunzmann. 

Das Küstenmeer vor Namibia zeigt eine Entwicklung, die auch für die großen Auftriebsgebiete vor Südamerika und Westaustralien erwartet werden kann. „Dort weiten sich die sauerstoffarmen Zonen ebenfalls aus. Wir vermuten einen Zusammenhang mit dem Klimawandel, der die Strömungsverhältnisse verändert“, meint Kunzmann. Leidtragender ist nicht nur der Mensch, sondern auch die großen Meeressäuger wie Wale und Delfine, große Räuberfische wie Haie, Lachs und Thunfisch und auch Meeresvögel – bei ihnen stehen die großen Sardinen- und Sardellenschwärme ganz oben auf dem Speiseplan.

Weitere Informationen:

http://link.springer.com/article/10.1007/s00227-013-2309-2

Dr. Susanne Eickhoff | idw - Informationsdienst Wissenschaft

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Geowissenschaften:

nachricht Polarstern ab heute unterwegs nach Spitzbergen, um Rolle der Wolken bei Erwärmung der Arktis zu untersuchen
24.05.2017 | Leibniz-Institut für Troposphärenforschung e.V. (TROPOS)

nachricht Unterschiedliche Erwärmung von Arktis und Antarktis: Forscher sieht Höhenunterschied als Ursache
18.05.2017 | Universität Leipzig

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Geowissenschaften >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Orientierungslauf im Mikrokosmos

Physiker der Universität Würzburg können auf Knopfdruck einzelne Lichtteilchen erzeugen, die einander ähneln wie ein Ei dem anderen. Zwei neue Studien zeigen nun, welches Potenzial diese Methode hat.

Der Quantencomputer beflügelt seit Jahrzehnten die Phantasie der Wissenschaftler: Er beruht auf grundlegend anderen Phänomenen als ein herkömmlicher Rechner....

Im Focus: A quantum walk of photons

Physicists from the University of Würzburg are capable of generating identical looking single light particles at the push of a button. Two new studies now demonstrate the potential this method holds.

The quantum computer has fuelled the imagination of scientists for decades: It is based on fundamentally different phenomena than a conventional computer....

Im Focus: Tumult im trägen Elektronen-Dasein

Ein internationales Team von Physikern hat erstmals das Streuverhalten von Elektronen in einem nichtleitenden Material direkt beobachtet. Ihre Erkenntnisse könnten der Strahlungsmedizin zu Gute kommen.

Elektronen in nichtleitenden Materialien könnte man Trägheit nachsagen. In der Regel bleiben sie an ihren Plätzen, tief im Inneren eines solchen Atomverbunds....

Im Focus: Turmoil in sluggish electrons’ existence

An international team of physicists has monitored the scattering behaviour of electrons in a non-conducting material in real-time. Their insights could be beneficial for radiotherapy.

We can refer to electrons in non-conducting materials as ‘sluggish’. Typically, they remain fixed in a location, deep inside an atomic composite. It is hence...

Im Focus: Hauchdünne magnetische Materialien für zukünftige Quantentechnologien entwickelt

Zweidimensionale magnetische Strukturen gelten als vielversprechendes Material für neuartige Datenspeicher, da sich die magnetischen Eigenschaften einzelner Molekülen untersuchen und verändern lassen. Forscher haben nun erstmals einen hauchdünnen Ferrimagneten hergestellt, bei dem sich Moleküle mit verschiedenen magnetischen Zentren auf einer Goldfläche selbst zu einem Schachbrettmuster anordnen. Dies berichten Wissenschaftler des Swiss Nanoscience Institutes der Universität Basel und des Paul Scherrer Institutes in der Wissenschaftszeitschrift «Nature Communications».

Ferrimagneten besitzen zwei magnetische Zentren, deren Magnetismus verschieden stark ist und in entgegengesetzte Richtungen zeigt. Zweidimensionale, quasi...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Meeresschutz im Fokus: Das IASS auf der UN-Ozean-Konferenz in New York vom 5.-9. Juni

24.05.2017 | Veranstaltungen

Diabetes Kongress in Hamburg beginnt heute: Rund 6000 Teilnehmer werden erwartet

24.05.2017 | Veranstaltungen

Wissensbuffet: „All you can eat – and learn”

24.05.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Hochspannung für den Teilchenbeschleuniger der Zukunft

24.05.2017 | Physik Astronomie

3D-Graphen: Experiment an BESSY II zeigt, dass optische Eigenschaften einstellbar sind

24.05.2017 | Physik Astronomie

Optisches Messverfahren für Zellanalysen in Echtzeit - Ulmer Physiker auf der Messe "Sensor+Test"

24.05.2017 | Messenachrichten