Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

BMBF finanziert neues Polarflugzeug für den Einsatz in der Arktis und Antarktis

01.11.2010
Das Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) finanziert ein neues Flugzeug für die Forschung: Polar 6 wird die wissenschaftlichen und logistischen Einsätze des Alfred-Wegener-Instituts für Polar- und Meeresforschung in der Helmholtz-Gemeinschaft ab August 2011 in den Polarregionen stärken.

Erstmals können dann Flugmissionen zeitgleich in der Arktis und in der Antarktis durchgeführt werden. Polar 6 wird wie Polar 5, die seit Oktober 2007 im Einsatz ist, eine Basler BT-67 sein. Bei international hochrangigen Flugmissionen hat sie in den Bereichen Geophysik, Glaziologie und Atmosphärenforschung Spitzenergebnisse erzielt.


Das Forschungsflugzeug Polar 5 während eines Einsatzes. Foto: D. Steinhage / Alfred-Wegener-Institut

„Die praktischen Erfahrungen mit Polar 5 zeigen, dass wir mit dem Flugzeugtyp Basler BT-67 die richtige Wahl getroffen haben. Insbesondere die Modifikationen am Flugzeug für den wissenschaftlichen Flugbetrieb nach unseren Angaben haben sich hervorragend bewährt.

Wir konnten Forschungsaufgaben wahrnehmen, die früher undenkbar waren und so wichtige neue Erkenntnisse zum Klimasystem und zur Glaziologie in den Polarregionen erlangen“, sagt Dr. Uwe Nixdorf, Leiter der Logistikabteilung des Alfred-Wegener-Instituts.

Da es weltweit aber nur wenige Polarflugzeuge dieser Ausstattung gäbe, sei die Nachfrage nach Flugzeit sowohl durch deutsche Forschergruppen wie auch durch ausländische Kooperationspartner immer stärker gestiegen. „Mit nur einem Flugzeug können wir nicht mehr allen Wünschen gerecht werden“, so Nixdorf. Polar 6 wird deswegen in vergleichbarer Konfiguration wie Polar 5 ausgestattet.

So können einerseits Messflüge in Arktis und Antarktis mit zwei Flugzeugen gleichzeitig starten, andererseits kann zu bestimmten Jahreszeiten sowohl in Arktis und Antarktis mit je einem Flugzeug operiert werden, um jahreszeitlich ablaufende Prozesse zu studieren.

Die Wissenschaftler werden mit den beiden Polarflugzeugen weiträumige Messungen der Meereisdickenverteilung und Messungen der Atmosphärenphysik in der Arktis durchführen und im Bereich der Geophysik, Meteorologie und Atmosphärenphysik Flugmissionen über dem gesamten Inlandeis der Antarktis starten. Beides ist insbesondere für die Validierung von Satellitenmissionen und für die Modellierung von Klimaänderungen von außerordentlicher Bedeutung.

„Wir werden den Klimawandel nur dann richtig verstehen, wenn wir mehr über das ‚System Erde’ wissen. Insbesondere die Zusammenhänge und Wechselwirkungen zwischen Land, Ozean, Biosphäre, Atmosphäre und den Eismassen müssen besser verstanden werden. Vor dem Hintergrund der sich rasch ändernden Umweltbedingungen in den Polarregionen, vor allem in der als Schlüsselregion benannten Arktis, kommt einer leistungsfähigen und flexibel einsetzbaren Flugzeugflotte eine besondere Bedeutung zu. Dies zeigt sich nicht zuletzt darin, dass auch andere Nationen ihre polare Flugzeugkapazität ausbauen. Mit einem zweiten Flugzeug ist es uns möglich, die Exzellenz der polaren Infrastruktur auch in Zukunft zu gewährleisten“, so Prof. Dr. Karin Lochte, die Direktorin des Alfred-Wegener-Instituts.

Für die wissenschaftlichen und logistischen Belange des Alfred-Wegener-Instituts kann das neue Polarflugzeug bereits bei der Fertigung entsprechend konfiguriert werden. Technische Details wurden kürzlich in Bremerhaven besprochen. Die flugtechnischen Eigenschaften von Polar 6 ermöglichen den uneingeschränkten Einsatz in der Antarktis mit Starts von allen Punkten auf dem Inlandeis bis in Höhen über 4000 Meter. Die Reichweite wird gleichzeitige Flugmissionen in unterschiedlichen Flughöhen, insbesondere in die küstenfernen Regionen des Arktischen Ozeans, ermöglichen. Hinzu kommen konstruktive Vorteile wie eine nahezu unbegrenzte Lebenszeit, ein robustes Skifahrwerk für Landungen auf unpräparierten Schnee- und Eisflächen, mehr Raum für den Einbau wissenschaftlicher Instrumente sowie eine relativ einfache Wartung.

Die Gesamtkosten des Projektes belaufen sich auf 9,775 Millionen Euro, Polar 6 kostet rund 8 Millionen Euro, dazu kommen Kosten für wissenschaftliche Ausrüstung, Modifikation und Zulassung. Standort des neuen Flugzeuges wird der Regionalflughafen Bremerhaven sein. Der Einsatz des Flugzeuges wird vom Alfred-Wegener-Institut geplant, der Flugbetrieb durch Kenn Borek Air Ltd. von Deutschland aus durchgeführt.

Die Forschung in den Polargebieten erfordert eine spezielle Ausrüstung und Logistik, da der Zugang zu den Forschungsgebieten durch die extremen Umweltbedingungen sehr schwierig ist. Messungen aus der Luft sind von Vorteil, gerade auch weil große Gebiete abgedeckt werden können. Der Einsatz von Forschungsflugzeugen ist ein wichtiges Bindeglied zwischen Bodenuntersuchungen und Untersuchungen per Satellit.

Das Alfred-Wegener-Institut nutzt seit über 25 Jahren Polarflugzeuge für die Erforschung der Arktis und Antarktis. Polar 1, eine Dornier 128, startete 1983. Seitdem hat sich die Zusammensetzung der Flotte stets weiterentwickelt.

Hinweise für Redaktionen: Ihre Ansprechpartner am Alfred-Wegener-Institut sind Dr. Uwe Nixdorf (Tel. 0471 4831-1160; E-Mail: Uwe.Nixdorf@awi.de) sowie in der Abteilung Kommunikation und Medien Stephanie von Neuhoff (Tel. 0471 4831-2008; E-Mail: Stephanie.von.Neuhoff@awi.de).

Das Alfred-Wegener-Institut forscht in der Arktis, Antarktis und den Ozeanen der mittleren und hohen Breiten. Es koordiniert die Polarforschung in Deutschland und stellt wichtige Infrastruktur wie den Forschungseisbrecher Polarstern und Stationen in der Arktis und Antarktis für die internationale Wissenschaft zur Verfügung. Das Alfred-Wegener-Institut ist eines der 16 Forschungszentren der Helmholtz-Gemeinschaft, der größten Wissenschaftsorganisation Deutschlands.

Margarete Pauls | idw
Weitere Informationen:
http://www.awi.de/de/aktuelles_und_presse/pressemitteilungen/

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Geowissenschaften:

nachricht Klima-Satellit: Mit robuster Lasertechnik Methan auf der Spur
22.06.2017 | Fraunhofer-Gesellschaft

nachricht Ursuppe in Dosen
21.06.2017 | Universität Duisburg-Essen

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Geowissenschaften >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Can we see monkeys from space? Emerging technologies to map biodiversity

An international team of scientists has proposed a new multi-disciplinary approach in which an array of new technologies will allow us to map biodiversity and the risks that wildlife is facing at the scale of whole landscapes. The findings are published in Nature Ecology and Evolution. This international research is led by the Kunming Institute of Zoology from China, University of East Anglia, University of Leicester and the Leibniz Institute for Zoo and Wildlife Research.

Using a combination of satellite and ground data, the team proposes that it is now possible to map biodiversity with an accuracy that has not been previously...

Im Focus: Klima-Satellit: Mit robuster Lasertechnik Methan auf der Spur

Hitzewellen in der Arktis, längere Vegetationsperioden in Europa, schwere Überschwemmungen in Westafrika – mit Hilfe des deutsch-französischen Satelliten MERLIN wollen Wissenschaftler ab 2021 die Emissionen des Treibhausgases Methan auf der Erde erforschen. Möglich macht das ein neues robustes Lasersystem des Fraunhofer-Instituts für Lasertechnologie ILT in Aachen, das eine bisher unerreichte Messgenauigkeit erzielt.

Methan entsteht unter anderem bei Fäulnisprozessen. Es ist 25-mal wirksamer als das klimaschädliche Kohlendioxid, kommt in der Erdatmosphäre aber lange nicht...

Im Focus: Climate satellite: Tracking methane with robust laser technology

Heatwaves in the Arctic, longer periods of vegetation in Europe, severe floods in West Africa – starting in 2021, scientists want to explore the emissions of the greenhouse gas methane with the German-French satellite MERLIN. This is made possible by a new robust laser system of the Fraunhofer Institute for Laser Technology ILT in Aachen, which achieves unprecedented measurement accuracy.

Methane is primarily the result of the decomposition of organic matter. The gas has a 25 times greater warming potential than carbon dioxide, but is not as...

Im Focus: How protons move through a fuel cell

Hydrogen is regarded as the energy source of the future: It is produced with solar power and can be used to generate heat and electricity in fuel cells. Empa researchers have now succeeded in decoding the movement of hydrogen ions in crystals – a key step towards more efficient energy conversion in the hydrogen industry of tomorrow.

As charge carriers, electrons and ions play the leading role in electrochemical energy storage devices and converters such as batteries and fuel cells. Proton...

Im Focus: Die Schweiz in Pole-Position in der neuen ESA-Mission

Die Europäische Weltraumagentur ESA gab heute grünes Licht für die industrielle Produktion von PLATO, der grössten europäischen wissenschaftlichen Mission zu Exoplaneten. Partner dieser Mission sind die Universitäten Bern und Genf.

Die Europäische Weltraumagentur ESA lanciert heute PLATO (PLAnetary Transits and Oscillation of stars), die grösste europäische wissenschaftliche Mission zur...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Von Batterieforschung bis Optoelektronik

23.06.2017 | Veranstaltungen

10. HDT-Tagung: Elektrische Antriebstechnologie für Hybrid- und Elektrofahrzeuge

22.06.2017 | Veranstaltungen

„Fit für die Industrie 4.0“ – Tagung von Hochschule Darmstadt und Schader-Stiftung am 27. Juni

22.06.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Radioaktive Elemente in Cassiopeia A liefern Hinweise auf Neutrinos als Ursache der Supernova-Explosion

23.06.2017 | Physik Astronomie

Dünenökosysteme modellieren

23.06.2017 | Ökologie Umwelt- Naturschutz

Makro-Mikrowelle macht Leichtbau für Luft- und Raumfahrt effizienter

23.06.2017 | Materialwissenschaften