Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Ein Blick zurück in die Welt vor 8,5 Millionen Jahren

10.07.2013
Dorn-Dürkheim ist eine Grabungsstätte in Rheinland-Pfalz. Fundstücke, die Wissenschaftler der Senckenberg Gesellschaft für Naturforschung hier ans Tageslicht holen, sind bruchstückhaft und bestehen überwiegend aus Zähnen und Knochenfragmenten.

Trotzdem lassen diese Stücke darauf schliessen, dass im Rheinhessischen einst eine Savannenlandschaft existierte, in der eine enorme Fülle an Säugetieren lebte. Die aktuelle Ausgabe der Fachzeitschrift Palaeobiodiversity and Palaeoenvironments widmet sich ganz den Erkenntnissen aus Dorn-Dürkheim. Bis Jahresende sind alle Artikel frei im Internet zugänglich.


Rekonstruktion von Landschaft und Leben in Rheinhessen vor 8,5 Millionen Jahren.
Zeichnung: Wolfgang Weber ©Springer

In der Nähe des Ortes Dorn-Dürkheim in Rheinhessen hat das Senckenberg Forschungsinstitut Frankfurt fast ein Vierteljahrhundert unter der Leitung von Dr. Jens Lorenz Franzen und Dr. Gerhard Storch gegraben. Spektakuläre Skelettfunde wie in Messel, Eckfeld oder dem Geiseltal kamen nicht ans Licht. Aber auch kleinere Stücke wie Zähne oder Knochenfragmente bringen die Paläontologie, die Wissenschaft vom Leben längst vergangener Erdzeitalter, voran. Diese Fundstelle ist wissenschaftlich von immenser Bedeutung, denn sie enthüllt eine enorme biologische Vielfalt.

Wo sonst in der Welt kennt man fünf Arten von Bibern? Noch erstaunlicher ist das Nebeneinander einer Reihe von Rüsseltieren, wie man sie heute in Gestalt nur einer Elefantenart aus dem südlichen Asien und zweier Arten aus Afrika kennt. Noch streitet man sich in der Wissenschaft, ob man es in Dorn-Dürkheim tatsächlich mit fünf oder doch nur drei Arten von Rüsseltieren zu tun hat. Obendrein lebten noch drei Nashörner-Arten in der Region.

Mindestens 80 Säugetierarten

Mittlerweile kennt man aus Dorn-Dürkheim mehr als 80 Säugetierarten. Das ist eine außergewöhnlich hohe Paläobiodiversität, die der Vielfalt heutiger Faunen nahe kommt. Auf dieser Basis lässt sich mit einiger Sicherheit ein Bild des Lebens zeichnen, wie es sich vor etwa 8,5 Millionen Jahren im damaligen Bereich von Rheinhessen abgespielt hat. Obgleich keinerlei Pflanzenreste überliefert sind, erlaubt es die bekannte Artenvielfalt, die damaligen Umweltbedingungen differenziert zu rekonstruieren. Offenbar hatte die damalige Landschaft in Rheinhessen viel mit Savannenverhältnissen, wie man sie heute in Ostafrika antrifft, gemeinsam.

Die Fundstelle Dorn-Dürkheim nimmt darüber hinaus eine Schlüsselstellung ein, wenn es um die Zeiteinstufung geologischer Schichten nach den darin enthaltenen Fossilien geht. Die Evolution kleiner, kurzlebiger Säuger geht rascher voran, als die der Großsäuger mit langer Generationsdauer. Das bedeutet jede Entwicklungsstufe solcher Tiere hat innerhalb kleinerer Zeitfenster existiert als das z.B. bei den gleichzeitig vorkommenden Nashörnern und Rüsseltieren der Fall war. Daher zeigen Fundstücke kleiner Tiere an, wie alt eine Schicht ist, wenn man weiß, wann das Tier gelebt hat. Das Nebeneinander kleiner wie großer Säugetierfunde in Dorn-Dürkheim ermöglicht die zeitliche Zuordnung auch anderer Fundstellen, an denen sich nur Artefakte großer Tiere finden.

Ein weiterer Punkt ist der hohe Anteil an Migranten unter den aus Dorn-Dürkheim bekannt gewordenen Säugetierarten. Dabei handelt es sich zumeist um Waldbewohner, die sich offenbar zu jener Zeit vor der aus dem Mittelmeergebiet vorrückenden Trockenheit nach Norden zurück gezogen haben, Umweltflüchtlinge sozusagen.

Diese Erkenntnisse sind im aktuellen Heft (Bd. 93, Heft 2, 2013) der Senckenberg-Zeitschrift Palaeobiodiversity and Palaeoenvironments zu finden. Noch bis Ende des Jahres sind die einzelnen Artikel kostenlos im Internet abrufbar unter der Adresse http://link.springer.com/journal/12549/93/2/page/1.

Publikation

Paleobiodiversity and Paleoenvironments, Bd. 93, Bd. 2, Juni 2013, Springer, ISSN1867-1594 (Print) 1867-1608 (Online)

Kontakt

Dr. Jens Lorenz Franzen
Ehemaliger Leiter der Abteilung Paläoanthropologie und
Quartärpaläontologie am Forschungsinstitut Senckenberg
Pressestelle
Senckenberg Gesellschaft für Naturforschung
Regina Bartel
Tel. 069- 7542 1434
regina.bartel@senckenberg.de
Weitere Informationen:
http://link.springer.com/journal/12549/93/2/page/1.
Noch bis Ende 2013 vollständige Artikel kostenfrei zum Download.
http://www.senckenberg.de/presse
Diese Pressemitteilung sowie Bildmaterial zum Download.

Dr. Sören Dürr | Senckenberg
Weitere Informationen:
http://www.senckenberg.de

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Geowissenschaften:

nachricht Expedition ans Ende der Welt
29.11.2016 | Rheinische Friedrich-Wilhelms-Universität Bonn

nachricht Lakkolithe können auch während eines Vulkanausbruchs entstehen
24.11.2016 | Johannes Gutenberg-Universität Mainz

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Geowissenschaften >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Greifswalder Forscher dringen mit superauflösendem Mikroskop in zellulären Mikrokosmos ein

Das Institut für Anatomie und Zellbiologie weiht am Montag, 05.12.2016, mit einem wissenschaftlichen Symposium das erste Superresolution-Mikroskop in Greifswald ein. Das Forschungsmikroskop wurde von der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) und dem Land Mecklenburg-Vorpommern finanziert. Nun können die Greifswalder Wissenschaftler Strukturen bis zu einer Größe von einigen Millionstel Millimetern mittels Laserlicht sichtbar machen.

Weit über hundert Jahre lang galt die von Ernst Abbe 1873 publizierte Theorie zur Auflösungsgrenze von Lichtmikroskopen als ein in Stein gemeißeltes Gesetz....

Im Focus: Durchbruch in der Diabetesforschung: Pankreaszellen produzieren Insulin durch Malariamedikament

Artemisinine, eine zugelassene Wirkstoffgruppe gegen Malaria, wandelt Glukagon-produzierende Alpha-Zellen der Bauchspeicheldrüse (Pankreas) in insulinproduzierende Zellen um – genau die Zellen, die bei Typ-1-Diabetes geschädigt sind. Das haben Forscher des CeMM Forschungszentrum für Molekulare Medizin der Österreichischen Akademie der Wissenschaften im Rahmen einer internationalen Zusammenarbeit mit modernsten Einzelzell-Analysen herausgefunden. Ihre bahnbrechenden Ergebnisse werden in Cell publiziert und liefern eine vielversprechende Grundlage für neue Therapien gegen Typ-1 Diabetes.

Seit einigen Jahren hatten sich Forscher an diesem Kunstgriff versucht, der eine simple und elegante Heilung des Typ-1 Diabetes versprach: Die vom eigenen...

Im Focus: Makromoleküle: Mit Licht zu Präzisionspolymeren

Chemikern am Karlsruher Institut für Technologie (KIT) ist es gelungen, den Aufbau von Präzisionspolymeren durch lichtgetriebene chemische Reaktionen gezielt zu steuern. Das Verfahren ermöglicht die genaue, geplante Platzierung der Kettengliedern, den Monomeren, entlang von Polymerketten einheitlicher Länge. Die präzise aufgebauten Makromoleküle bilden festgelegte Eigenschaften aus und eignen sich möglicherweise als Informationsspeicher oder synthetische Biomoleküle. Über die neuartige Synthesereaktion berichten die Wissenschaftler nun in der Open Access Publikation Nature Communications. (DOI: 10.1038/NCOMMS13672)

Chemische Reaktionen lassen sich durch Einwirken von Licht bei Zimmertemperatur auslösen. Die Forscher am KIT nutzen diesen Effekt, um unter Licht die...

Im Focus: Neuer Sensor: Was im Inneren von Schneelawinen vor sich geht

Ein neuer Radarsensor erlaubt Einblicke in die inneren Vorgänge von Schneelawinen. Entwickelt haben ihn Ingenieure der Ruhr-Universität Bochum (RUB) um Dr. Christoph Baer und Timo Jaeschke gemeinsam mit Kollegen aus Innsbruck und Davos. Das Messsystem ist bereits an einem Testhang im Wallis installiert, wo das Schweizer Institut für Schnee- und Lawinenforschung im Winter 2016/17 Messungen damit durchführen möchte.

Die erhobenen Daten sollen in Simulationen einfließen, die das komplexe Geschehen im Inneren von Lawinen detailliert nachbilden. „Was genau passiert, wenn sich...

Im Focus: Neuer Rekord an BESSY II: 10 Millionen Ionen erstmals bis auf 7,4 Kelvin gekühlt

Magnetische Grundzustände von Nickel2-Ionen spektroskopisch ermittelt

Ein internationales Team aus Deutschland, Schweden und Japan hat einen neuen Temperaturrekord für sogenannte Quadrupol-Ionenfallen erreicht, in denen...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Von „Coopetition“ bis „Digitale Union“ – Die Fertigungsindustrien im digitalen Wandel

02.12.2016 | Veranstaltungen

Experten diskutieren Perspektiven schrumpfender Regionen

01.12.2016 | Veranstaltungen

Die Perspektiven der Genom-Editierung in der Landwirtschaft

01.12.2016 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Parkinson-Krankheit und Dystonien: DFG-Forschergruppe eingerichtet

02.12.2016 | Förderungen Preise

Smart Data Transformation – Surfing the Big Wave

02.12.2016 | Studien Analysen

Nach der Befruchtung übernimmt die Eizelle die Führungsrolle

02.12.2016 | Biowissenschaften Chemie