Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Hightech Spürnase für die Kieler Meeresforschung: IFM-GEOMAR erhält neuen Tiefseeroboter

30.04.2007
Erneut große Freude bei den Kieler Meeresforschern. Die Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG) genehmigte dem Leibniz-Institut für Meereswissenschaften (IFM-GEOMAR) die Beschaffung eines sogenannten autonomen Unterwasservehikels (AUV) im Wert von 2.3 Millionen Euro.

Das Besondere an dem Unterwasserfahrzeug: Es kann ohne Kabelverbindung zur Oberfläche bis zu einer Tiefe von 4000 Metern tauchen. Die Kieler Meeresforscher können das Hightechgerät vom Schiff aus steuern und mit der Hilfe von verschiedenen Echoloten und Sensoren sowohl den Meeresboden kartieren, als auch physikalische Parameter aus der Wassersäule sammeln. Somit gewinnen sie spannende Einblicke und handfeste Daten von bisher unbekannten Welten in der Tiefsee.

"Mit einem solchen Roboter können wir sehr interessante und bisher wenig bekannte Bereiche des Meeresbodens untersuchen, zum Beispiel Unterwasservulkane, die sich größtenteils in einer Wassertiefe von 3000 bis 4000 Metern befinden", freut sich Prof. Colin Devey, Meeresgeologe am IFM-GEOMAR mit Begeisterung. Zusammen mit seinen Kollegen Dr. Klas Lackschewitz und Dr. Sven Petersen hat Colin Devey bei der DFG den Antrag für das autonome Unterwasserfahrzeug gestellt. "Im Vergleich zu anderen kabelgeführten Tiefseerobotern kann das AUV relativ große Flächen auf dem Meeresboden erfassen, denn es kann bis zu 10 Meter über dem Meeresboden schweben", erläutert Klas Lackschewitz. Das ist für die Meeresforscher eine große Hilfe bei der Sondierung von ganzen Forschungsgebieten, die mit dem Roboter in einem automatisierten Verfahren kartiert und fotografiert werden können. Um das Potential des Roboters zu verdeutlichen, zieht Prof. Devey einen Vergleich: "Von einem Forschungsschiff aus den Meeresboden zu erkunden, ist wie im Nebel von einem Heißluftballon aus die ganzen Alpen untersuchen zu wollen. Jeder vernünftige Mensch wird in so einer Situation den Ballon verlassen und zum Boden gelangen wollen".

Das neue Gerät soll speziell für die Auffindung und Kartierung von heißen Tiefseequellen und Unterwasservulkanen ausgelegt werden. Dabei wird es auf bis zu 4000m abtauchen und mit verschiedenen Echoloten und chemischen Sensoren sowohl den Meeresboden, als auch die Wassersäule untersuchen. Das Gerät wird mit Lithium-Batterien bestückt, mit dem es über einen Tag tauchen und arbeiten kann.

... mehr zu:
»AUV »IFM-GEOMAR »Meeresboden

Die geplanten Untersuchungen werden unter anderem im Rahmen des von der DFG mit mehr als einer Million Euro geförderten Schwerpunktprogramms 1144 "Vom Mantel zum Ozean" eingesetzt werden. Dieses auf 6 Jahre angelegte Projekt wird auch vom IFM-GEOMAR koordiniert.

Zum ersten Mal wird das AUV voraussichtlich am mittelozeanischen Rücken im tropischen Atlantik eingesetzt, einem Hauptuntersuchungsgebiet des Schwerpunktprogramms. "Wir kennen mittlerweile mehrere heiße Quellen in diesem Gebiet, und wir wollen untersuchen, warum sie genau da sind und wie sie ihre Umwelt beeinflussen" so Devey. "Eine solche Quelle speit mehr als 400°C heißes Wasser in enormen Mengen aus", erklärt er weiter. In ihrer dunklen, für Menschen sehr lebensfeindlichen Umgebung siedeln viele exotische Tieren, die sich diese Wärmeenergie zu Nutze machen. Darüber hinaus könnten auch Menschen möglicherweise von den Quellen profitieren. "Die meisten Erzlagerstätten der Welt sind auf das Zirkulieren von heißen Lösungen durch die Meeresbodenkruste zurückzuführen", so Dr. Klas Lackschewitz, zukünftiger Leiter des AUV-Teams. "Mit dem neuen Gerät erhalten wir ein hervorragendes Werkzeug, um die Quellen und ihre Umgebung präzise und umweltschonend zu untersuchen". Bis das AUV zum ersten Mal auf die Reise in die Weiten der Tiefsee geht, werden noch einige Monate ins Land gehen, sie hoffen allerdings es am 20. November an Bord von MS Merian nehmen zu können. Die Kieler können es kaum erwarten...

Technische Richtwerte: Länge (ca. 5m), Gewicht (ca. 700 bis 1000 kg), Geschwindigkeit (bis zu 3 Knoten), Sensor-Messgrößen (u.a. Temperatur, Trübheit, Redox-Potential)

Dr. Andreas Villwock | idw
Weitere Informationen:
http://www.ifm-geomar.de/index.php?id=spp1144
http://www.ifm-geomar.de/

Weitere Berichte zu: AUV IFM-GEOMAR Meeresboden

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Geowissenschaften:

nachricht Was ist krebserregend am Erionit?
13.01.2017 | Friedrich-Schiller-Universität Jena

nachricht Drohnen im Einsatz für die Korallenriffforschung
10.01.2017 | Leibniz-Zentrum für Marine Tropenforschung (ZMT)

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Geowissenschaften >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Mit solaren Gebäudehüllen Architektur gestalten

Solarthermie ist in der breiten Öffentlichkeit derzeit durch dunkelblaue, rechteckige Kollektoren auf Hausdächern besetzt. Für ästhetisch hochwertige Architektur werden Technologien benötigt, die dem Architekten mehr Gestaltungsspielraum für Niedrigst- und Plusenergiegebäude geben. Im Projekt »ArKol« entwickeln Forscher des Fraunhofer ISE gemeinsam mit Partnern aktuell zwei Fassadenkollektoren für solare Wärmeerzeugung, die ein hohes Maß an Designflexibilität erlauben: einen Streifenkollektor für opake sowie eine solarthermische Jalousie für transparente Fassadenanteile. Der aktuelle Stand der beiden Entwicklungen wird auf der BAU 2017 vorgestellt.

Im Projekt »ArKol – Entwicklung von architektonisch hoch integrierten Fassadekollektoren mit Heat Pipes« entwickelt das Fraunhofer ISE gemeinsam mit Partnern...

Im Focus: Designing Architecture with Solar Building Envelopes

Among the general public, solar thermal energy is currently associated with dark blue, rectangular collectors on building roofs. Technologies are needed for aesthetically high quality architecture which offer the architect more room for manoeuvre when it comes to low- and plus-energy buildings. With the “ArKol” project, researchers at Fraunhofer ISE together with partners are currently developing two façade collectors for solar thermal energy generation, which permit a high degree of design flexibility: a strip collector for opaque façade sections and a solar thermal blind for transparent sections. The current state of the two developments will be presented at the BAU 2017 trade fair.

As part of the “ArKol – development of architecturally highly integrated façade collectors with heat pipes” project, Fraunhofer ISE together with its partners...

Im Focus: Mit Bindfaden und Schere - die Chromosomenverteilung in der Meiose

Was einmal fest verbunden war sollte nicht getrennt werden? Nicht so in der Meiose, der Zellteilung in der Gameten, Spermien und Eizellen entstehen. Am Anfang der Meiose hält der ringförmige Proteinkomplex Kohäsin die Chromosomenstränge, auf denen die Bauanleitung des Körpers gespeichert ist, zusammen wie ein Bindfaden. Damit am Ende jede Eizelle und jedes Spermium nur einen Chromosomensatz erhält, müssen die Bindfäden aufgeschnitten werden. Forscher vom Max-Planck-Institut für Biochemie zeigen in der Bäckerhefe wie ein auch im Menschen vorkommendes Kinase-Enzym das Aufschneiden der Kohäsinringe kontrolliert und mit dem Austritt aus der Meiose und der Gametenbildung koordiniert.

Warum sehen Kinder eigentlich ihren Eltern ähnlich? Die meisten Zellen unseres Körpers sind diploid, d.h. sie besitzen zwei Kopien von jedem Chromosom – eine...

Im Focus: Der Klang des Ozeans

Umfassende Langzeitstudie zur Geräuschkulisse im Südpolarmeer veröffentlicht

Fast drei Jahre lang haben AWI-Wissenschaftler mit Unterwasser-Mikrofonen in das Südpolarmeer hineingehorcht und einen „Chor“ aus Walen und Robben vernommen....

Im Focus: Wie man eine 80t schwere Betonschale aufbläst

An der TU Wien wurde eine Alternative zu teuren und aufwendigen Schalungen für Kuppelbauten entwickelt, die nun in einem Testbauwerk für die ÖBB-Infrastruktur umgesetzt wird.

Die Schalung für Kuppelbauten aus Beton ist normalerweise aufwändig und teuer. Eine mögliche kostengünstige und ressourcenschonende Alternative bietet die an...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Aquakulturen und Fangquoten – was hilft gegen Überfischung?

16.01.2017 | Veranstaltungen

14. BF21-Jahrestagung „Mobilität & Kfz-Versicherung im Fokus“

12.01.2017 | Veranstaltungen

Leipziger Biogas-Fachgespräch lädt zum "Branchengespräch Biogas2020+" nach Nossen

11.01.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Proteinforschung: Der Computer als Mikroskop

16.01.2017 | Biowissenschaften Chemie

Vermeintlich junger Stern entpuppt sich als galaktischer Greis

16.01.2017 | Physik Astronomie

Erste "Rote Liste" gefährdeter Lebensräume in Europa

16.01.2017 | Ökologie Umwelt- Naturschutz