Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Wasserfälle im Meer - Science-Studie zu Tiefenströmungen im Nordatlantik

10.04.2007
Der Nordatlantik ist eine Schlüsselstelle im globalen System der Ozeanströmungen. Das dort ankommende salzhaltige Golfstromwasser wird abgekühlt und nimmt dabei an Dichte zu. Schließlich ist es so schwer, dass es in die Tiefe rauscht und als Teil einer globalen Umwälzpumpe äquatorwärts strömt.

Klimaforscher diskutieren schon seit geraumer Zeit, ob und wie die Tiefenwasser-Pumpe unter veränderten Klimabedingungen funktioniert. In einem Übersichtsartikel für die aktuelle Ausgabe der Zeitschrift "Science" fassen 18 Autoren aus aller Welt, darunter der Bremer Geowissenschaftler Stefan Mulitza vom MARUM_Forschungszentrum Ozeanränder, den Stand der Forschungen jetzt zusammen. Sie kommen zu dem Ergebnis, dass die Wasserfälle im Meer - entgegen früheren Annahmen - während der letzten Eiszeit ähnlich stark waren wie heute.

Allerdings bildete sich das Tiefenwasser damals weiter südlich. Die Forschungsergebnisse dienen dazu, Modelle für zukünftige Klimaszenarien zu entwickeln und sicherere Prognosen für unsere Klimazukunft abzugeben.

Der Golfstrom versiegt und eine neue Eiszeit bricht innerhalb von Wochen über die Nordhalbkugel herein. Soweit das Szenario des Katastrophenfilms "The Day after Tomorrow". Auch wenn die Zeitspannen im Film alles andere als realistisch sind, so stimmen doch einige der generellen Aussagen. Noch vor nicht allzu langer Zeit gingen Klimawissenschaftler tatsächlich davon aus, dass während der letzten Eiszeit der Golfstrom, genauer die Tiefenzirkulation im Nord-Atlantik stark abgeschwächt war.

Dies erschien auch logisch, da der Golfstrom und seine Ausläufer so viel Wärme in den Nordatlantik transportiert, wie eine Million Großkraftwerke. "Die Forschung der letzten Jahre gezeigt, dass auch während der letzten Eiszeit ähnlich viel Tiefenwasser im Nordatlantik gebildet wurde wie heute. Allerdings zirkulierte diese Wassermasse nur bis in Tiefen von etwa 2.000 Meter, während sie heute wesentlich tiefer reicht", erklärt Dr. Stefan Mulitza vom MARUM_Forschungszentrum Ozeanränder. "Allerdings war das Wasser insgesamt kälter und damit wohl auch der Wärmetransport geringer. Auch die Tiefenwasserbildung fand weiter südlich statt, mit der Folge, dass die warmen Strömungen nicht so weit nach Norden gelangten wie heute."

Die Annahme, dass die Tiefenzirkulation während der Eiszeit stark abgeschwächt war, basierte hauptsächlich auf der Beobachtung, dass in dieser Zeit nährstoffreiche antarktische Wassermassen in einer Tiefe vorhanden waren, die heute durch nährstoffarmes Nordatlantisches Tiefenwasser geprägt ist. "Mit neuen Anzeigern, insbesondere dem Verhältnis von den Uranium-Zerfallsprodukten Protactinium und Thorium können wir heute sagen, wie lange bestimmte Wassermassen sich im Nordatlantik aufgehalten haben", sagt Stefan Mulitza. "Damit ist möglich, nachträglich zu bestimmen, wie hoch die Raten des Wassertransports waren."

Die jetzt vorgelegte Studie ist nur der Auftakt für ein Projekt, in dem die vorhandenen Klimamodelle mit den jetzt gesammelten Fakten auf ihre Zuverlässigkeit geprüft werden sollen. Zu diesem Zweck ist ein Workshop im April 2008 geplant. "Die zurzeit vorhandenen Klimamodelle zeigen eine große Bandbreite an Zirkulationsmustern für den Atlantik während der letzten Eiszeit, wenn man sie mit den CO2-Gehalten und der Eisbedeckung während der letzten Eiszeit füttert. Von einer stärkerer bis zu einer schwächeren Umwälzrate im Atlantik sind alle Varianten vertreten.", so Stefan Mulitza. "Wenn die Modelle die Zirkulation während der letzten Eiszeit korrekt wiedergeben, steigert dies unser Vertrauen in ihre Prognosen der zukünftigen Klimaentwicklung.

Weitere Informationen / Bildmaterial / Interviews:
Kirsten Achenbach
Öffentlichkeitsarbeit
MARUM_Forschungszentrum Ozeanränder
Tel. 0421 - 218-65541
mail: achenbach@marum.de
Dr. Stefan Mulitza
MARUM_Forschungszentrum Ozeanränder
www.marum.de
Tel. 0421 - 218-65536
Mail: smulitza@uni-bremen.de
Das MARUM_Forschungszentrum Ozeanränder entschlüsselt mit modernsten Methoden die Rolle der Ozeane im System Erde, insbesondere in Hinblick auf den globalen Wandel. Es erfasst die Wechselwirkungen zwischen geologischen und biologischen Prozessen im Meer und liefert Beiträge für eine nachhaltige Nutzung der Ozeane.

Kirsten Achenbach | idw
Weitere Informationen:
http://www.marum.de

Weitere Berichte zu: Eiszeit Golfstrom Nordatlantik Tiefenwasser Wasserfall

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Geowissenschaften:

nachricht Weniger Sauerstoff in allen Meeren
16.02.2017 | GEOMAR Helmholtz-Zentrum für Ozeanforschung Kiel

nachricht Wie viel Biomasse wächst in der Savanne?
16.02.2017 | Friedrich-Schiller-Universität Jena

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Geowissenschaften >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Zinn in der Photodiode: nächster Schritt zur optischen On-Chip-Datenübertragung

Schon lange suchen Wissenschaftler nach einer geeigneten Lösung, um optische Komponenten auf einem Computerchip zu integrieren. Doch Silizium und Germanium allein – die stoffliche Basis der Chip-Produktion – sind als Lichtquelle kaum geeignet. Jülicher Physiker haben nun gemeinsam mit internationalen Partnern eine Diode vorgestellt, die neben Silizium und Germanium zusätzlich Zinn enthält, um die optischen Eigenschaften zu verbessern. Das Besondere daran: Da alle Elemente der vierten Hauptgruppe angehören, sind sie mit der bestehenden Silizium-Technologie voll kompatibel.

Schon lange suchen Wissenschaftler nach einer geeigneten Lösung, um optische Komponenten auf einem Computerchip zu integrieren. Doch Silizium und Germanium...

Im Focus: Innovative Antikörper für die Tumortherapie

Immuntherapie mit Antikörpern stellt heute für viele Krebspatienten einen Erfolg versprechenden Ansatz dar. Weil aber längst nicht alle Patienten nachhaltig von diesen teuren Medikamenten profitieren, wird intensiv an deren Verbesserung gearbeitet. Forschern um Prof. Thomas Valerius an der Christian Albrechts Universität Kiel gelang es nun, innovative Antikörper mit verbesserter Wirkung zu entwickeln.

Immuntherapie mit Antikörpern stellt heute für viele Krebspatienten einen Erfolg versprechenden Ansatz dar. Weil aber längst nicht alle Patienten nachhaltig...

Im Focus: Durchbruch mit einer Kette aus Goldatomen

Einem internationalen Physikerteam mit Konstanzer Beteiligung gelang im Bereich der Nanophysik ein entscheidender Durchbruch zum besseren Verständnis des Wärmetransportes

Einem internationalen Physikerteam mit Konstanzer Beteiligung gelang im Bereich der Nanophysik ein entscheidender Durchbruch zum besseren Verständnis des...

Im Focus: Breakthrough with a chain of gold atoms

In the field of nanoscience, an international team of physicists with participants from Konstanz has achieved a breakthrough in understanding heat transport

In the field of nanoscience, an international team of physicists with participants from Konstanz has achieved a breakthrough in understanding heat transport

Im Focus: Hoch wirksamer Malaria-Impfstoff erfolgreich getestet

Tübinger Wissenschaftler erreichen Impfschutz von bis zu 100 Prozent – Lebendimpfstoff unter kontrollierten Bedingungen eingesetzt

Tübinger Wissenschaftler erreichen Impfschutz von bis zu 100 Prozent – Lebendimpfstoff unter kontrollierten Bedingungen eingesetzt

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Der Lkw der Zukunft kommt ohne Fahrer aus

21.02.2017 | Veranstaltungen

Physikerinnen und Physiker diskutieren in Bremen über aktuelle Grenzen der Physik

21.02.2017 | Veranstaltungen

Kniffe mit Wirkung in der Biotechnik

21.02.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Rittal vereinbart mit den Betriebsräten Sozialpläne

21.02.2017 | Unternehmensmeldung

Der Lkw der Zukunft kommt ohne Fahrer aus

21.02.2017 | Veranstaltungsnachrichten

Zur Sprache gebracht: Und das intelligente Haus „hört zu“

21.02.2017 | Messenachrichten