Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Magnete bringen Fossilien zum Sprechen

04.03.2002


Zeichnung eines Belemniten.
© Schweizerbart’sche Verlagsbuchhandlung


Das Bild gibt die Verteilung von Kristallwasser in einem Donnerkeil dreidimensional wieder. Nicht nur der spiralig gewundene Kanal im Inneren des Belemnitenskeletts ist für Paläontologen ein neues strukturelles Detail.
© Fraunhofer IBMT


»Potzblitz!« oder »Donnerwetter!« mögen unsere Vorfahren erstaunt ausgerufen haben, wenn sie einen Donnerkeil fanden. Sie hielten diese länglichen Steingebilde für Blitzeinschläge ihrer zürnenden Götter Donar oder Zeus. Mit solchen Erklärungen gibt sich die neuzeitliche Paläontologie nicht zufrieden. Längst ist klar, dass es sich bei Donnerkeilen um versteinerte Skelette von Belemniten handelt. Der Gattungsname dieser bis zu fünf Meter langen Vorläufer der Tintenfische leitet sich vom griechischen Wort für »Blitz« ab. In der Kreidezeit starben sie aus. Kleinere Überreste zieren heute blanke Steinplatten für Fensterbänke und Bodenbeläge.

Heutige Evolutionsbiologen klassifizieren nicht nur - sie können auch einiges über Gestalt und Wachstum fossiler Tiere und Pflanzen aussagen. Selbst im Inneren von Versteinerungen finden sie Hinweise, wie sich das Leben vor Millionen von Jahren entwickelt hat. Doch zersägt man Fossilien, sind sie kaputt. Mit Röntgenmethoden sieht man meist wenig, denn Stein im Stein ist oft so kontrastarm wie Schneehasen im Schnee. Eine hochauflösende, zerstörungsfreie und daher vielversprechende Methode ist MRI - Magnetic Resonance Imaging. An lebenden Patienten und großen Skeletten wird MRI seit Jahren diagnostisch eingesetzt, doch liegt die Grenze der räumlichen Auflösung derzeit bei etwa einem Millimeter. Für kleine Fossilien ist dies zu grob. Deutliche feinere Details zeigen Bilder, die Dr. Frank Volke und Dr. Bertram Manz vom Fraunhofer-Institut für Biomedizinische Technik IBMT aufgenommen haben. An den Untersuchungen beteiligten sich Albert Schaeffer (Firma Medilan), Dr. Gabriele Gruber vom Hessischen Landesmuseum in Darmstadt und Kerstin Engel von der Universität Frankfurt.

»Unsere Methode eröffnet ganz neue Möglichkeiten, Fossilien zerstörungsfrei zu untersuchen«, betont Dr. Volke, Leiter der IBMT-Arbeitsgruppe Magnetische Resonanz. »Im Fall der Donnerkeile konnten wir zeigen, dass winzige wasserhaltige Kalkkristalle eine bestimmte räumliche Orientierung aufweisen. Daraus schließen andere Forscher, wie das Skelett der Belemniten gewachsen sein muss. Weitere Details der 3-D-Bilder sind vollkommen neu und werden derzeit genauer untersucht.« Volke und seine Kollegen boten ihre Ergebnisse der Fachzeitschrift Nature an und Professor R. Ernst, Nobelpreisträger für Chemie 1991, empfiehlt: »Die Experten werden fasziniert sein, dieses weitere Werkzeug kennenzulernen, das sie bei ihren Forschungen bisher nicht gebührend berücksichtigt haben.«

Dr. Frank Volke | Mediendienst

Weitere Berichte zu: Fossil MRI Skelett

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Geowissenschaften:

nachricht Meeresforschung in Echtzeit verfolgen
22.02.2017 | GEOMAR Helmholtz-Zentrum für Ozeanforschung Kiel

nachricht Weniger Sauerstoff in allen Meeren
16.02.2017 | GEOMAR Helmholtz-Zentrum für Ozeanforschung Kiel

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Geowissenschaften >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: „Vernetzte Autonome Systeme“ von acatech und DFKI auf der CeBIT

Auf der IT-Messe CeBIT vom 20. bis 24. März präsentieren acatech – Deutsche Akademie der Technikwissenschaften und das Deutsche Forschungszentrum für Künstliche Intelligenz (DFKI) in Kooperation mit der Deutschen Messe AG vernetzte Autonome Systeme. In Halle 12 am Stand B 63 erwarten die Besucherinnen und Besucher unter anderem Roboter, die Hand in Hand mit Menschen zusammenarbeiten oder die selbstständig gefährliche Umgebungen erkunden.

Auf der IT-Messe CeBIT vom 20. bis 24. März präsentieren acatech – Deutsche Akademie der Technikwissenschaften und das Deutsche Forschungszentrum für...

Im Focus: Kühler Zwerg und die sieben Planeten

Erdgroße Planeten mit gemäßigtem Klima in System mit ungewöhnlich vielen Planeten entdeckt

In einer Entfernung von nur 40 Lichtjahren haben Astronomen ein System aus sieben erdgroßen Planeten entdeckt. Alle Planeten wurden unter Verwendung von boden-...

Im Focus: Mehr Sicherheit für Flugzeuge

Zwei Entwicklungen am Lehrgebiet Rechnerarchitektur der FernUniversität in Hagen können das Fliegen sicherer machen: ein Flugassistenzsystem, das bei einem totalen Triebwerksausfall zum Einsatz kommt, um den Piloten ein sicheres Gleiten zu einem Notlandeplatz zu ermöglichen, und ein Assistenzsystem für Segelflieger, das ihnen das Erreichen größerer Höhen erleichtert. Präsentiert werden sie von Prof. Dr.-Ing. Wolfram Schiffmann auf der Internationalen Fachmesse für Allgemeine Luftfahrt AERO vom 5. bis 8. April in Friedrichshafen.

Zwei Entwicklungen am Lehrgebiet Rechnerarchitektur der FernUniversität in Hagen können das Fliegen sicherer machen: ein Flugassistenzsystem, das bei einem...

Im Focus: HIGH-TOOL unterstützt Verkehrsplanung in Europa

Forschung am Karlsruher Institut für Technologie (KIT) unterstützt die Europäische Kommission bei der Verkehrsplanung: Anhand des neuen Modells HIGH-TOOL lässt sich bewerten, wie verkehrspolitische Maßnahmen langfristig auf Wirtschaft, Gesellschaft und Umwelt wirken. HIGH-TOOL ist ein frei zugängliches Modell mit Modulen für Demografie, Wirtschaft und Ressourcen, Fahrzeugbestand, Nachfrage im Personen- und Güterverkehr sowie Umwelt und Sicherheit. An dem nun erfolgreich abgeschlossenen EU-Projekt unter der Koordination des KIT waren acht Partner aus fünf Ländern beteiligt.

Forschung am Karlsruher Institut für Technologie (KIT) unterstützt die Europäische Kommission bei der Verkehrsplanung: Anhand des neuen Modells HIGH-TOOL lässt...

Im Focus: Zinn in der Photodiode: nächster Schritt zur optischen On-Chip-Datenübertragung

Schon lange suchen Wissenschaftler nach einer geeigneten Lösung, um optische Komponenten auf einem Computerchip zu integrieren. Doch Silizium und Germanium allein – die stoffliche Basis der Chip-Produktion – sind als Lichtquelle kaum geeignet. Jülicher Physiker haben nun gemeinsam mit internationalen Partnern eine Diode vorgestellt, die neben Silizium und Germanium zusätzlich Zinn enthält, um die optischen Eigenschaften zu verbessern. Das Besondere daran: Da alle Elemente der vierten Hauptgruppe angehören, sind sie mit der bestehenden Silizium-Technologie voll kompatibel.

Schon lange suchen Wissenschaftler nach einer geeigneten Lösung, um optische Komponenten auf einem Computerchip zu integrieren. Doch Silizium und Germanium...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Aufbruch: Forschungsmethoden in einer personalisierten Medizin

24.02.2017 | Veranstaltungen

Österreich erzeugt erstmals Erdgas aus Sonnen- und Windenergie

24.02.2017 | Veranstaltungen

Big Data Centrum Ostbayern-Südböhmen startet Veranstaltungsreihe

23.02.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Fraunhofer HHI auf dem Mobile World Congress mit VR- und 5G-Technologien

24.02.2017 | Messenachrichten

MWC 2017: 5G-Hauptstadt Berlin

24.02.2017 | Messenachrichten

Auf der molekularen Streckbank

24.02.2017 | Biowissenschaften Chemie