Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Klimaforschung - Klimageschichte: Auftakt zur Antarktissaison 01/02

06.11.2001


Am 7. November bricht das Forschungsschiff "Polarstern" zu seiner 19. Antarktis-Reise auf. Die Fahrt besteht aus sechs Abschnitten mit unterschiedlichen Aufgaben und Besatzungen.



Der erste Abschnitt der Fahrt dient der Versorgung der Neumayer-Station und insbesondere der Kohnen-Station: Im Rahmen des europäischen Projektes EPICA (European Project for Ice Coring in Antarctica) werden AWI-Wissenschaftler dort eine Eisbohrung vornehmen, die Aufschluss über die Klimageschichte der letzten 500.000 Jahre geben soll. Die "Polarstern" bringt Ausrüstung und Geräte zur Neumayer-Station. Von dort aus sind zwei Transporte zur etwa 500 Kilometer landeinwärts befindlichen Kohnen-Station geplant. Diese Traversenfahrt mit Spezialfahrzeugen wird voraus-sichtlich fünf bis zehn Tage dauern.



Das Eis in größeren Tiefen ist älter als das an der Oberfläche. Je tiefer man bohrt, umso älter ist also das Eis, das man dort findet. Diesmal sollen Eisproben aus Tiefen von bis zu 600-800 Metern entnommen werden. Schon im Vorjahr wurde ein Loch von etwa 100 Meter Tiefe gebohrt. Mit einem Ringbohrer, der einen Durchmesser von gut 10 Zentimetern hat, wird das Loch weiter vertieft. Der Kern, der dabei stehenbleibt, ist der so genannte Bohrkern, der Informationen über die Umwelt- und Klimabedin-gungen der Vergangenheit enthält.

Parallel werden vor Ort unterschiedliche Messungen der Atmosphäre vorgenommen: Neun automatische Wetterstationen der Universität Utrecht und Wetterballons, die mehrmals täglich starten, werden die Eigenschaften der Atmosphäre in unterschied-lichen Höhen messen. Tägliche Schneeproben geben Aufschluss über die Luftchemie, eine Besaugungsanlage entnimmt und filtert Proben aus der antarktischen Luft. Diese Daten aus der Zentral-antarktis werden anschließend mit entsprechenden Daten von der Neumayer-Station verglichen.

Die wissenschaftliche Arbeit auf der "Polarstern" hat einen geophysikalischen Schwerpunkt. Vor etwa 140 Millionen Jahren spaltete sich der ursprüngliche Südkontinent Godwana auf Grund der Kontinentaldrift in die Antarktis und Südamerika auf. Die Wissenschaftler werden im antarktischen Weddellmeer auf die Suche nach magnetischen Anomalien gehen. Solche Anomalien geben Hinweise darauf, wie diese Aufspaltung damals vor sich ging. Neben ozeanografischen und biologischen Messungen werden die Wissenschaftler Bojen auf Eisbergen aussetzen um deren Drift per Satellit verfolgen zu können. Die Meeresströmun-gen, die auf diese Weise gemessen werden, sind von großer Bedeutung für das globale Klima.

Die folgenden Fahrtabschnitte der Reise dienen biologischen Untersuchungen. Nach der Aufspaltung des Südkontinentes ent-wickelte sich das Leben in der Antarktis und in Südamerika unab-hängig von einander weiter. In der Folgezeit kam es zu Wieder-einwanderungen verschiedener Arten. Auf welchem Wege das geschah und welcher Austausch zwischen den Kontinenten statt fand, sind die Fragestellungen der Untersuchungen in der Tiefsee. Proben vom Grund des Weddelmeeres und der Scotia-See werden zeigen, welche unterschiedlichen Organismen dort leben und wie sie an das Leben in der Tiefsee angepasst sind.

Die Polarflugzeuge des Alfred-Wegener-Institutes werden in der nächsten Woche am 15. November von Bremerhaven aus in die Antarktis starten und einen Teil der beschriebenen Forschungsauf-gaben unterstützen.

Am 3. Juni 2002 wird "Polarstern" in Bremerhaven zurück erwartet.

Dipl.-Ing. Margarete Pauls | Alfred-Wegener-Institut

Weitere Berichte zu: Anomalie Antarktis Klimageschichte

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Geowissenschaften:

nachricht Weltweit einzigartiger Windkanal im Leipziger Wolkenlabor hat Betrieb aufgenommen
26.04.2017 | Leibniz-Institut für Troposphärenforschung e. V.

nachricht Flechten aus dem Bernsteinwald
25.04.2017 | Georg-August-Universität Göttingen

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Geowissenschaften >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: TU Chemnitz präsentiert weltweit einzigartige Pilotanlage für nachhaltigen Leichtbau

Wickelprinzip umgekehrt: Orbitalwickeltechnologie soll neue Maßstäbe in der großserientauglichen Fertigung komplexer Strukturbauteile setzen

Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter des Bundesexzellenzclusters „Technologiefusion für multifunktionale Leichtbaustrukturen" (MERGE) und des Instituts für...

Im Focus: Smart Wireless Solutions: EU-Großprojekt „DEWI“ liefert Innovationen für eine drahtlose Zukunft

58 europäische Industrie- und Forschungspartner aus 11 Ländern forschten unter der Leitung des VIRTUAL VEHICLE drei Jahre lang, um Europas führende Position im Bereich Embedded Systems und dem Internet of Things zu stärken. Die Ergebnisse von DEWI (Dependable Embedded Wireless Infrastructure) wurden heute in Graz präsentiert. Zu sehen war eine Fülle verschiedenster Anwendungen drahtloser Sensornetzwerke und drahtloser Kommunikation – von einer Forschungsrakete über Demonstratoren zur Gebäude-, Fahrzeug- oder Eisenbahntechnik bis hin zu einem voll vernetzten LKW.

Was vor wenigen Jahren noch nach Science-Fiction geklungen hätte, ist in seinem Ansatz bereits Wirklichkeit und wird in Zukunft selbstverständlicher Teil...

Im Focus: Weltweit einzigartiger Windkanal im Leipziger Wolkenlabor hat Betrieb aufgenommen

Am Leibniz-Institut für Troposphärenforschung (TROPOS) ist am Dienstag eine weltweit einzigartige Anlage in Betrieb genommen worden, mit der die Einflüsse von Turbulenzen auf Wolkenprozesse unter präzise einstellbaren Versuchsbedingungen untersucht werden können. Der neue Windkanal ist Teil des Leipziger Wolkenlabors, in dem seit 2006 verschiedenste Wolkenprozesse simuliert werden. Unter Laborbedingungen wurden z.B. das Entstehen und Gefrieren von Wolken nachgestellt. Wie stark Luftverwirbelungen diese Prozesse beeinflussen, konnte bisher noch nicht untersucht werden. Deshalb entstand in den letzten Jahren eine ergänzende Anlage für rund eine Million Euro.

Die von dieser Anlage zu erwarteten neuen Erkenntnisse sind wichtig für das Verständnis von Wetter und Klima, wie etwa die Bildung von Niederschlag und die...

Im Focus: Nanoskopie auf dem Chip: Mikroskopie in HD-Qualität

Neue Erfindung der Universitäten Bielefeld und Tromsø (Norwegen)

Physiker der Universität Bielefeld und der norwegischen Universität Tromsø haben einen Chip entwickelt, der super-auflösende Lichtmikroskopie, auch...

Im Focus: Löschbare Tinte für den 3-D-Druck

Im 3-D-Druckverfahren durch Direktes Laserschreiben können Mikrometer-große Strukturen mit genau definierten Eigenschaften geschrieben werden. Forscher des Karlsruher Institus für Technologie (KIT) haben ein Verfahren entwickelt, durch das sich die 3-D-Tinte für die Drucker wieder ‚wegwischen‘ lässt. Die bis zu hundert Nanometer kleinen Strukturen lassen sich dadurch wiederholt auflösen und neu schreiben - ein Nanometer entspricht einem millionstel Millimeter. Die Entwicklung eröffnet der 3-D-Fertigungstechnik vielfältige neue Anwendungen, zum Beispiel in der Biologie oder Materialentwicklung.

Beim Direkten Laserschreiben erzeugt ein computergesteuerter, fokussierter Laserstrahl in einem Fotolack wie ein Stift die Struktur. „Eine Tinte zu entwickeln,...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Internationaler Tag der Immunologie - 29. April 2017

28.04.2017 | Veranstaltungen

Kampf gegen multiresistente Tuberkulose – InfectoGnostics trifft MYCO-NET²-Partner in Peru

28.04.2017 | Veranstaltungen

123. Internistenkongress: Traumata, Sprachbarrieren, Infektionen und Bürokratie – Herausforderungen

27.04.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Über zwei Millionen für bessere Bordnetze

28.04.2017 | Förderungen Preise

Symbiose-Bakterien: Vom blinden Passagier zum Leibwächter des Wollkäfers

28.04.2017 | Biowissenschaften Chemie

Wie Pflanzen ihre Zucker leitenden Gewebe bilden

28.04.2017 | Biowissenschaften Chemie