Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Warnemünder Ostseeforscher entdecken Salzwasserstrom in die Arkonasee

04.11.2005


Dass man einen nur sporadisch fließenden Salzwasserstrom im Meer entdeckt und vermisst, kommt schon fast dem Auffinden von Stecknadeln in einem Heuhaufen gleich. Warnemünder Ozeanographen ist so etwas gelungen. Sie haben herausgefunden, welchen Weg das Salz- und Sauerstoffhaltige Bodenwasser nimmt, das aus dem dänischen Öresund über die flache Drogdenschwelle zwischen Kopenhagen und Malmö in die Arkonasee strömt. Damit kennen sie nun den Hauptweg der Sauerstoffversorgung für das Tiefenwasser des Arkonabeckens, der dadurch gezielter unter Schutz gestellt werden kann.



Etwa einmal im Monat wird das Arkonabecken, das westlichste Glied einer Kette von tiefen Becken in der zentralen Ostsee, mit Salzhaltigem Boden-wasser aus dem Öresund versorgt. Bislang ging man davon aus, dass dieser Zustrom entlang der dänischen Inseln Seeland und Mön erfolgt. Auf einer Schiffsexpedition im Jahr 2004 gelang es den Warnemünder Ozeanographen Prof. Hans Burchard und Dr. Hans Ulrich Lass in Zusammenarbeit mit dem Institut der Bundeswehr für Unterwasserschall und Geophysik, zum ersten Mal ein solches Einstromerlebnis "live" zu beobachten und mit umfangreichen Messungen den genauen Verlauf zu erfassen. Abweichend von bisherigen Annahmen stellten sie fest, dass dieser Einstrom nach Verlassen des Öresundes frühzeitig in Richtung Osten einbog, um dann den Weg zwischen der schwedischen Küste und der Untiefe "Kriegers Flak" zu wählen. Während dieses noch als ein Einzelereignis hätte abgetan werden können, haben jetzt umfangreiche Computersimulationen gezeigt, dass die Einströme überwiegend diesen unerwarteten Weg nehmen. Meeresbiologen am IOW bestätigen den Befund. Die Tiere und Pflanzen, die die beschriebene Trasse besiedeln, unterscheiden sich von ihren Nachbarn außerhalb dieser Zone. Sie sind deutlich salzliebender.



Warum ist das interessant? Der Zufluss von Nordseewasser über den Öresund ist für die Salz- und Sauerstoffversorgung der Ostsee von großer Bedeutung. Zwar strömen über die Beltsee und die Darßer Schwelle wesentlich größere Mengen an Salzwasser in die Ostsee, durch den längeren Weg wird das Wasser aber auch stärker verdünnt und ist daher durch eine geringere Salzkonzentration auch leichter. Nur bei höheren Salzkonzentrationen kann aber das sauerstoffreiche Bodenwasser bis in die Becken der zentralen Ostsee gelangen, wo es die tieferen Bereiche dann nicht nur mit Salz, sondern auch mit Sauerstoff versorgt. Und das ist im Tiefenwasser der Becken dringend nötig, denn hier wird durch die Verrottung organischen Materials, das sich in der Tiefe durch das Absinken von abgestorbenem Algen- oder sonstigem organischen Material in großen Mengen sammelt, permanent Sauerstoff verbraucht.

Vor dem Hintergrund, dass alle Anrainerstaaten (Dänemark, Schweden, Deutschland, Polen) in der Arkonasee Offshore Windkraftanlagen in großer Zahl errichten möchten, wird das Forschungsergebnis der Warnemünder zu einer wichtigen Planungsgrundlage. Seit einigen Jahren warnen IOW-Forscher davor, dass das salzhaltige Bodenwasser durch die Fundamente dieser Bauwerke zusätzlich vermischt werden könnte, mit der Konsequenz einer verringerten Belüftung der tieferen Schichten der Ostsee. Es wäre daher also zu vermeiden, die Windparks in großer Zahl direkt in Seegebieten zu errichten, die als wichtige Salzwasserstraßen gelten. Mit der nun erreichten Vermessung des Salzwasserstromes, kann diese Einschränkung wesentlich genauer gefasst werden.

Um die natürliche Vermischung und die zusätzlichen Effekte von Windparks besser verstehen zu können, arbeiten Forscher des IOW zusammen mit Kollegen aus den Universitäten Rostock und Hannover sowie dänischen und schwedischen Forschern in zwei von der Deutschen Forschungsgemeinschaft und dem Bundesumweltministerium geförderten Projekten. Mitte November werden sie zu einer weiteren Forschungsfahrt mit FS "Professor Albrecht Penck" aufbrechen. Die Forscher hoffen auf stürmisches Wetter, was die Chancen für ein Salzwassereinstromereignis erhöht. Diese Reise, die gleichzeitig mit dem Einsatz zweier weiterer Schiffe - einem der Bundesmarine und einem der polnischen Akademie der Wissenschaften - erfolgen wird, ist der Auftakt zu intensiven Messungen im Winterhalbjahr 2005/2006, mit denen die natürliche Vermischung von salzhaltigem Bodenwasser und "süßerem" Oberflächenwasser erfasst werden soll. Abschließende Ergebnisse und Empfehlungen zur Positionierung von Windparks aus hydrographischer Sicht werden im Sommer 2007 erwartet.

Kontakt: Prof. Dr. Hans Burchard, Leibniz-Institut für Ostseeforschung Warnemünde, Seestr. 15, D-18119 Rostock, Tel.: 0381-5197-140, email: hans.burchard@io-warnemuende.de

Dr. Barbara Hentzsch | idw
Weitere Informationen:
http://www.io-warnemuende.de

Weitere Berichte zu: Arkonasee Bodenwasser Ostsee Salzwasserstrom Warnemünder

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Geowissenschaften:

nachricht Globale Klimaextreme nach Vulkanausbrüchen
22.08.2017 | Justus-Liebig-Universität Gießen

nachricht Unterwasserroboter soll nach einem Jahr in der arktischen Tiefsee auftauchen
18.08.2017 | Alfred-Wegener-Institut, Helmholtz-Zentrum für Polar- und Meeresforschung

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Geowissenschaften >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Platz 2 für Helikopter-Designstudie aus Stade - Carbontechnologie-Studenten der PFH erfolgreich

Bereits lange vor dem Studienabschluss haben vier Studenten des PFH Hansecampus Stade ihr ingenieurwissenschaftliches Können eindrucksvoll unter Beweis gestellt: Malte Blask, Hagen Hagens, Nick Neubert und Rouven Weg haben bei einem internationalen Wettbewerb der American Helicopter Society (AHS International) den zweiten Platz belegt. Ihre Aufgabe war es, eine Designstudie für ein helikopterähnliches Fluggerät zu entwickeln, das 24 Stunden an einem Punkt in der Luft fliegen kann.

Die vier Kommilitonen sind im Studiengang Verbundwerkstoffe/Composites am Hansecampus Stade der PFH Private Hochschule Göttingen eingeschrieben. Seit elf...

Im Focus: Wissenschaftler entdecken seltene Ordnung von Elektronen in einem supraleitenden Kristall

In einem Artikel der aktuellen Ausgabe des Forschungsmagazins „Nature“ berichten Wissenschaftler vom Max-Planck-Institut für Chemische Physik fester Stoffe in Dresden von der Entdeckung eines seltenen Materiezustandes, bei dem sich die Elektronen in einem Kristall gemeinsam in einer Richtung bewegen. Diese Entdeckung berührt eine der offenen Fragestellungen im Bereich der Festkörperphysik: Was passiert, wenn sich Elektronen gemeinsam im Kollektiv verhalten, in sogenannten „stark korrelierten Elektronensystemen“, und wie „einigen sich“ die Elektronen auf ein gemeinsames Verhalten?

In den meisten Metallen beeinflussen sich Elektronen gegenseitig nur wenig und leiten Wärme und elektrischen Strom weitgehend unabhängig voneinander durch das...

Im Focus: Wie ein Bakterium von Methanol leben kann

Bei einem Bakterium, das Methanol als Nährstoff nutzen kann, identifizierten ETH-Forscher alle dafür benötigten Gene. Die Erkenntnis hilft, diesen Rohstoff für die Biotechnologie besser nutzbar zu machen.

Viele Chemiker erforschen derzeit, wie man aus den kleinen Kohlenstoffverbindungen Methan und Methanol grössere Moleküle herstellt. Denn Methan kommt auf der...

Im Focus: Topologische Quantenzustände einfach aufspüren

Durch gezieltes Aufheizen von Quantenmaterie können exotische Materiezustände aufgespürt werden. Zu diesem überraschenden Ergebnis kommen Theoretische Physiker um Nathan Goldman (Brüssel) und Peter Zoller (Innsbruck) in einer aktuellen Arbeit im Fachmagazin Science Advances. Sie liefern damit ein universell einsetzbares Werkzeug für die Suche nach topologischen Quantenzuständen.

In der Physik existieren gewisse Größen nur als ganzzahlige Vielfache elementarer und unteilbarer Bestandteile. Wie das antike Konzept des Atoms bezeugt, ist...

Im Focus: Unterwasserroboter soll nach einem Jahr in der arktischen Tiefsee auftauchen

Am Dienstag, den 22. August wird das Forschungsschiff Polarstern im norwegischen Tromsø zu einer besonderen Expedition in die Arktis starten: Der autonome Unterwasserroboter TRAMPER soll nach einem Jahr Einsatzzeit am arktischen Tiefseeboden auftauchen. Dieses Gerät und weitere robotische Systeme, die Tiefsee- und Weltraumforscher im Rahmen der Helmholtz-Allianz ROBEX gemeinsam entwickelt haben, werden nun knapp drei Wochen lang unter Realbedingungen getestet. ROBEX hat das Ziel, neue Technologien für die Erkundung schwer erreichbarer Gebiete mit extremen Umweltbedingungen zu entwickeln.

„Auftauchen wird der TRAMPER“, sagt Dr. Frank Wenzhöfer vom Alfred-Wegener-Institut, Helmholtz-Zentrum für Polar- und Meeresforschung (AWI) selbstbewusst. Der...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Die Zukunft des Leichtbaus: Mehr als nur Material einsparen

23.08.2017 | Veranstaltungen

Logistikmanagement-Konferenz 2017

23.08.2017 | Veranstaltungen

DFG unterstützt Kongresse und Tagungen - Oktober 2017

23.08.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Spot auf die Maschinerie des Lebens

23.08.2017 | Biowissenschaften Chemie

Die Sonne: Motor des Erdklimas

23.08.2017 | Physik Astronomie

Entfesselte Magnetkraft

23.08.2017 | Physik Astronomie