Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Alaska-Austern: Giftig durch Klimaerwärmung

07.10.2005


Bakterien wandern tausende Kilometer Richtung Norden



Es klingt wie im Horrorfilm: Bakterien wandern tausende Kilometer Richtung Norden und nisten sich in Alaska-Austern ein. Beim Verzehr durch den Menschen kommt es zu einer Epidemie von Durchfallserkrankungen. Was im Sommer 2004 im Prince William Sound geschehen ist, haben Forscher nun entdeckt, berichtet das Wissenschaftsmagazin Nature-Online. Der Erreger ist bisher in den Gewässern Alaskas noch nie vorgekommen.



"Wir hatten keine Ahnung, dass es in Alaska je zu Vergiftungen nach dem Genuß von Austern kommen kann", erklärt Joseph McLaughlin, Epidemiologe vom Alaska Department of Health and Social Service. Der Mediziner und sein Team hatten Urlauber eines Alaska-Kreuzfahrtschiffes, die an schweren Durchfällen erkrankt waren untersucht und sind zum Schluss gekommen, dass das Bakterium Vibrio parahaemolyticus dafür verantwortlich ist. Vibrio parahaemolyticus ist ein gramnegatives Stäbchenbakterium, welches zum ersten Mal 1950 entdeckt wurde. Der natürliche Lebensraum dieser Erreger sind flache Küstengewässer. Hier werden sie von Meerestieren aufgenommen und hauptsächlich durch den Genuss von ungekochten, marinierten Nahrungsmitteln wie Fisch und Muscheln auf den Menschen übertragen. Da das Bakterium nur geringe Hitzestabilität hat, erkranken vor allem jene, die rohe oder halbrohe Fische verzehren.

Bekannt ist das Bakterium von Japan und der Küste von British Columbia. 1977 konnte im Zuge einer Umweltanalyse das Bakterium in Alaska-Austern festgestellt werden. Danach allerdings nicht mehr. Nach Angaben der Forscher sind die zunehmend wärmeren Gewässer dafür verantwortlich, dass die Bakterien nach Norden gewandert sind. Erstmals war das Wasser in den Austernfarmen im Sommer 2004 nicht unter 15 Grad. Damals war die Durchschnittstemperatur im Sommer um zwei Grad höher als in den Sommermonaten der Vorjahre. Seit 1997 konnten die Austernfarmer Temperaturerhöhungen von jährlich 0,21 Grad Celsius pro Jahr seit 1997 feststellen.

Ob nun tatsächlich die globale Erwärmung daran schuld ist, dass die Temperaturen im Prince William Sound gestiegen sind, wollen die Mediziner nicht sagen. Feststeht allerdings, berichtet das Wissenschaftsmagazin Nature, dass der Temperaturanstieg offensichtlich ist: Zwischen 1970 und 2000 wurden die Winter in Alaska zwischen zwei und drei Grad Celsius wärmer. Global stiegen die Temperaturen um nur einen Grad.

Es wäre nicht das erste Mal, dass eine Erwärmung auch zu einer Veränderung von Krankheiten führt. Paul Epstein, Direktor des Center for Health and the Global Environment an der Harvard Medical School in Boston berichtet darüber, dass Humanerkrankungen durch Zeckenbisse nun auch in nördlichen Regionen in Schweden auftreten, in denen sie bisher unbekannt waren. Der Grund dafür sind wärmere Winter. "Umweltmediziner weisen schon länger daraufhin, dass es zu Verschiebungen von Human-Pathogenen kommen wird", meint der Innsbrucker-Mediziner Klaus Rhomberg im Gespräch mit pressetext. Eine solche Situation sei auch in anderen Bereichen zu erwarten. Rhomberg kritisiert, dass erst hunderte Erkrankungsfälle auftreten müssen, ehe die Wissenschaftler registrieren, um welche Pathogene es sich handelt. "Besonders schlimm wird es werden, wenn die Permafrostböden auftauen", meint der Fachmann. Ein weiteres Problem werde die Ausbreitung der Malaria in jenen Regionen darstellen, in denen es bisher keine Malariafälle gab.

Wolfgang Weitlaner | pressetext.austria
Weitere Informationen:
http://www.nature.com

Weitere Berichte zu: Alaska-Austern Bakterium Erwärmung

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Geowissenschaften:

nachricht Satelliten erfassen Photosynthese mit hoher Auflösung
13.10.2017 | Max-Planck-Institut für Biogeochemie

nachricht Erforschung des grönländischen 79°-Nord-Gletschers
12.10.2017 | Alfred-Wegener-Institut, Helmholtz-Zentrum für Polar- und Meeresforschung

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Geowissenschaften >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Schnelle individualisierte Therapiewahl durch Sortierung von Biomolekülen und Zellen mit Licht

Im Blut zirkulierende Biomoleküle und Zellen sind Träger diagnostischer Information, deren Analyse hochwirksame, individuelle Therapien ermöglichen. Um diese Information zu erschließen, haben Wissenschaftler des Fraunhofer-Instituts für Lasertechnik ILT ein Mikrochip-basiertes Diagnosegerät entwickelt: Der »AnaLighter« analysiert und sortiert klinisch relevante Biomoleküle und Zellen in einer Blutprobe mit Licht. Dadurch können Frühdiagnosen beispielsweise von Tumor- sowie Herz-Kreislauf-Erkrankungen gestellt und patientenindividuelle Therapien eingeleitet werden. Experten des Fraunhofer ILT stellen diese Technologie vom 13.–16. November auf der COMPAMED 2017 in Düsseldorf vor.

Der »AnaLighter« ist ein kompaktes Diagnosegerät zum Sortieren von Zellen und Biomolekülen. Sein technologischer Kern basiert auf einem optisch schaltbaren...

Im Focus: Neue Möglichkeiten für die Immuntherapie beim Lungenkrebs entdeckt

Eine gemeinsame Studie der Universität Bern und des Inselspitals Bern zeigt, dass spezielle Bindegewebszellen, die in normalen Blutgefässen die Wände abdichten, bei Lungenkrebs nicht mehr richtig funktionieren. Zusätzlich unterdrücken sie die immunologische Bekämpfung des Tumors. Die Resultate legen nahe, dass diese Zellen ein neues Ziel für die Immuntherapie gegen Lungenkarzinome sein könnten.

Lungenkarzinome sind die häufigste Krebsform weltweit. Jährlich werden 1.8 Millionen Neudiagnosen gestellt; und 2016 starben 1.6 Millionen Menschen an der...

Im Focus: Sicheres Bezahlen ohne Datenspur

Ob als Smartphone-App für die Fahrkarte im Nahverkehr, als Geldwertkarten für das Schwimmbad oder in Form einer Bonuskarte für den Supermarkt: Für viele gehören „elektronische Geldbörsen“ längst zum Alltag. Doch vielen Kunden ist nicht klar, dass sie mit der Nutzung dieser Angebote weitestgehend auf ihre Privatsphäre verzichten. Am Karlsruher Institut für Technologie (KIT) entsteht ein sicheres und anonymes System, das gleichzeitig Alltagstauglichkeit verspricht. Es wird nun auf der Konferenz ACM CCS 2017 in den USA vorgestellt.

Es ist vor allem das fehlende Problembewusstsein, das den Informatiker Andy Rupp von der Arbeitsgruppe „Kryptographie und Sicherheit“ am KIT immer wieder...

Im Focus: Neutron star merger directly observed for the first time

University of Maryland researchers contribute to historic detection of gravitational waves and light created by event

On August 17, 2017, at 12:41:04 UTC, scientists made the first direct observation of a merger between two neutron stars--the dense, collapsed cores that remain...

Im Focus: Breaking: the first light from two neutron stars merging

Seven new papers describe the first-ever detection of light from a gravitational wave source. The event, caused by two neutron stars colliding and merging together, was dubbed GW170817 because it sent ripples through space-time that reached Earth on 2017 August 17. Around the world, hundreds of excited astronomers mobilized quickly and were able to observe the event using numerous telescopes, providing a wealth of new data.

Previous detections of gravitational waves have all involved the merger of two black holes, a feat that won the 2017 Nobel Prize in Physics earlier this month....

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Mobilität 4.0: Konferenz an der Jacobs University

18.10.2017 | Veranstaltungen

Smart MES 2017: die Fertigung der Zukunft

18.10.2017 | Veranstaltungen

DFG unterstützt Kongresse und Tagungen - Dezember 2017

17.10.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Schnelle individualisierte Therapiewahl durch Sortierung von Biomolekülen und Zellen mit Licht

18.10.2017 | Biowissenschaften Chemie

Biokunststoffe könnten auch in Traktoren die Richtung angeben

18.10.2017 | Messenachrichten

»ILIGHTS«-Studie gestartet: Licht soll Wohlbefinden von Schichtarbeitern verbessern

18.10.2017 | Energie und Elektrotechnik