Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Japaner wollen Erdmantel anbohren

28.09.2005


Forschungsschiff Chikyu mit 9,5 Kilometer langem Gestänge steht bereit



Geht es nach dem Willen der Forscher vom japanischen Center for Deep Earth Exploration (CDEX) von der Japan Agency for Marine-Earth Science and Technology, soll schon demnächst die tiefste Bohrung, die es je gegeben hat, stattfinden: Vom Forschungsschiff Chikyu aus wird das Bohrgestänge 9,5 Kilometer tief in Richtung Erdmantel vorangetrieben. Die Ergebnisse sollen Einblicke in die Tektonik bringen, berichtet das Fachmagazin Scientific American.

... mehr zu:
»Erdbeben »Erdkruste »Erdmantel


Was die Forscher interessiert ist der Erdmantel. Die Erdkruste, die auf den Kontinenten zwischen 30 und 60 Kilometer und im Ozean nur zwischen fünf und sieben Kilometer dick ist, ist gut erforscht. Der Mantel, der etwa zwei Drittel der Erdmasse ausmacht, ist hingegen voller Rätsel. Die Forscher vermuten, dass sich in diesem Teil wesentliche Prozesse der tektonischen Plattenverschiebungen abspielen. So gilt es in der Wissenschaft als gesichert, dass die basaltischen Magmen, die alle Phänomene des Vulkanismus hervorbringen, aus dem Material des oberen Erdmantels bestehen. In der Bewegung dieser Magmaströme liegt die Ursache von Plattentektonik, Erdbeben und Gebirgsbildungen. Für Japan, einem Archipel, der an der Grenze dreier tektonischer Platten liegt, sind diese Erkenntnisse wichtig. "Japan liegt so zu sagen direkt auf diesem aktiven Prozessfeld und 30 Mio. Menschen leben auf dem gefährlichsten Platz der Erde", meint Asahiko Taira, CDEX-Generaldirektor.

Bisher konnten Forscher den Mantel nur anhand von indirekten Messmethoden über seismische Signale oder Gravitationsfeldmessungen erforschen können. Auch wo Teile des Erdmantels an die Oberfläche gebracht wurden, konnten Wissenschaftler Studien vornehmen, obgleich diese vorher massiven Temperaturänderungen ausgesetzt waren. Besonders interessant ist die so genannte Mohorovicic-Diskontinuität, kurz Moho genannt: Diese 1909 vom kroatischen Geophysiker Andrija Mohorovicic entdeckte Schicht, bezeichnet die Grenze zwischen Erdkruste und Erdmantel. Die Moho zeichnet sich durch einen sprunghaften Anstieg der Impedanz - das sind Widerstände, die der Ausbreitung von Schwingungen entgegenwirken - aus. Wie sich diese Schicht zusammensetzt, welche Flüssigkeiten und Gase dort vorkommen, wie hoch die Temperaturen und Drücke dort sind und ob es Mikroben gibt, die dort leben - das alles sind Fragen, die zu klären sind.

An Bord des 210 Meter langen 57,500 BRT-Forschungsschiffes Chikyu (japanisch für "Erde") befindet sich der größte Bohrturm der Welt, der 112 Meter hoch ist. Das Schiff wurde erst im Juli fertig gestellt und derzeit wird die Crew eingeschult. Zielregion des Schiffes ist der Nankai Trog vor der japanischen Pazifikküste. An der Subduktionszone südöstlich von Japan wurden in den vergangenen 1.500 Jahren fünf der sieben stärksten Erdbeben noch innerhalb von fünf Jahren von weiteren Beben begleitet. Die Meerestiefe beträgt rund 2.500 Kilometer und die Erdkruste ist dort relativ dünn.

Ziel ist es jedenfalls den bisherigen Tiefenrekord von 2.111 Metern zu brechen. Forscher an Bord des US-Forschungsschiffs "JOIDES Resolution" mussten erst vor kurzem am Mittleren Atlantik Rücken rund 300 Meter vor dem Erdmantel aufgeben. Dass solche Bohrungen nicht ungefährlich sind, ist den Forschern klar: Wenn beim Bohren Gashydrate getroffen werden, können Explosionen oder Feuer ausbrechen, im schlimmsten Fall kann das Schiff durch aufströmende Gasblasen sogar sinken. Geophysiker hingegen, nehmen diese Gefahr auf sich, um mehr Licht in das Innere des Planeten zu werfen, wie CDEX-Forscher Daniel Curewitz das umschreibt.

Wolfgang Weitlaner | pressetext.austria
Weitere Informationen:
http://www.jamstec.go.jp/jamstec-e/odinfo/sdsreport.html
http://www.sciam.com

Weitere Berichte zu: Erdbeben Erdkruste Erdmantel

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Geowissenschaften:

nachricht Der steile Aufstieg der Berner Alpen
24.03.2017 | Universität Bern

nachricht Internationales Team um Oldenburger Meeresforscher untersucht Meeresoberfläche
21.03.2017 | Carl von Ossietzky-Universität Oldenburg

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Geowissenschaften >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Wegweisende Erkenntnisse für die Biomedizin: NAD⁺ hilft bei Reparatur geschädigter Erbinformationen

Eine internationale Forschergruppe mit dem Bayreuther Biochemiker Prof. Dr. Clemens Steegborn präsentiert in 'Science' neue, für die Biomedizin wegweisende Forschungsergebnisse zur Rolle des Moleküls NAD⁺ bei der Korrektur von Schäden am Erbgut.

Die Zellen von Menschen und Tieren können Schäden an der DNA, dem Träger der Erbinformation, bis zu einem gewissen Umfang selbst reparieren. Diese Fähigkeit...

Im Focus: Designer-Proteine falten DNA

Florian Praetorius und Prof. Hendrik Dietz von der Technischen Universität München (TUM) haben eine neue Methode entwickelt, mit deren Hilfe sie definierte Hybrid-Strukturen aus DNA und Proteinen aufbauen können. Die Methode eröffnet Möglichkeiten für die zellbiologische Grundlagenforschung und für die Anwendung in Medizin und Biotechnologie.

Desoxyribonukleinsäure – besser bekannt unter der englischen Abkürzung DNA – ist die Trägerin unserer Erbinformation. Für Prof. Hendrik Dietz und Florian...

Im Focus: Fliegende Intensivstationen: Ultraschallgeräte in Rettungshubschraubern können Leben retten

Etwa 21 Millionen Menschen treffen jährlich in deutschen Notaufnahmen ein. Im Kampf zwischen Leben und Tod zählt für diese Patienten jede Minute. Wenn sie schon kurz nach dem Unfall zielgerichtet behandelt werden können, verbessern sich ihre Überlebenschancen erheblich. Damit Notfallmediziner in solchen Fällen schnell die richtige Diagnose stellen können, kommen in den Rettungshubschraubern der DRF Luftrettung und zunehmend auch in Notarzteinsatzfahrzeugen mobile Ultraschallgeräte zum Einsatz. Experten der Deutschen Gesellschaft für Ultraschall in der Medizin e.V. (DEGUM) schulen die Notärzte und Rettungsassistenten.

Mit mobilen Ultraschallgeräten können Notärzte beispielsweise innere Blutungen direkt am Unfallort identifizieren und sie bei Bedarf auch für Untersuchungen im...

Im Focus: Gigantische Magnetfelder im Universum

Astronomen aus Bonn und Tautenburg in Thüringen beobachteten mit dem 100-m-Radioteleskop Effelsberg Galaxienhaufen, das sind Ansammlungen von Sternsystemen, heißem Gas und geladenen Teilchen. An den Rändern dieser Galaxienhaufen fanden sie außergewöhnlich geordnete Magnetfelder, die sich über viele Millionen Lichtjahre erstrecken. Sie stellen die größten bekannten Magnetfelder im Universum dar.

Die Ergebnisse werden am 22. März in der Fachzeitschrift „Astronomy & Astrophysics“ veröffentlicht.

Galaxienhaufen sind die größten gravitativ gebundenen Strukturen im Universum, mit einer Ausdehnung von etwa zehn Millionen Lichtjahren. Im Vergleich dazu ist...

Im Focus: Giant Magnetic Fields in the Universe

Astronomers from Bonn and Tautenburg in Thuringia (Germany) used the 100-m radio telescope at Effelsberg to observe several galaxy clusters. At the edges of these large accumulations of dark matter, stellar systems (galaxies), hot gas, and charged particles, they found magnetic fields that are exceptionally ordered over distances of many million light years. This makes them the most extended magnetic fields in the universe known so far.

The results will be published on March 22 in the journal „Astronomy & Astrophysics“.

Galaxy clusters are the largest gravitationally bound structures in the universe. With a typical extent of about 10 million light years, i.e. 100 times the...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Rund 500 Fachleute aus Wissenschaft und Wirtschaft diskutierten über technologische Zukunftsthemen

24.03.2017 | Veranstaltungen

Lebenswichtige Lebensmittelchemie

23.03.2017 | Veranstaltungen

Die „Panama Papers“ aus Programmierersicht

22.03.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Rund 500 Fachleute aus Wissenschaft und Wirtschaft diskutierten über technologische Zukunftsthemen

24.03.2017 | Veranstaltungsnachrichten

Förderung des Instituts für Lasertechnik und Messtechnik in Ulm mit rund 1,63 Millionen Euro

24.03.2017 | Förderungen Preise

TU-Bauingenieure koordinieren EU-Projekt zu Recycling-Beton von über sieben Millionen Euro

24.03.2017 | Förderungen Preise