Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Erdbebenprognose in Zukunft online

20.05.2005


Forschende der ETH Zürich und des U.S. Geological Survey (USGS) haben eine Methode entwickelt, welche die Wahrscheinlichkeit für Bodenerschütterungen, die durch Erdbeben ausgelöst werden, für einen Zeitraum von 24 Stunden im Voraus berechnet. Diese Wahrscheinlichkeiten werden wie Wetterprognosen auf Landkarten im Internet dargestellt und stündlich aktualisiert. Als Testregion für das neuartige System wählten die Forschenden Kalifornien. Ihre Arbeiten und die daraus resultierenden neuartigen Karten sind in der neuesten Ausgabe der Zeitschrift "Nature" erschienen.



Seismologen wissen seit Jahrzehnten, dass das Auftreten eines Erdbebens ein nachfolgendes Beben wahrscheinlicher macht. Dies hängt von der Stärke des Bebens, der Entfernung des Bebens vom Epizentrum und der zwischenzeitlich vergangenen Zeit ab. In Kalifornien wurden diese Gesetzmässigkeiten seit etwa 15 Jahren benutzt, um Aussagen darüber zu machen, wie wahrscheinlich ein Nachbeben ist. Die nun online abrufbaren Erdbebenprognosen stellen die nächste Generation der Prognose des Risikos dar. Die Karten sind zwar nicht in der Lage, ein einzelnes Erdbeben vorherzusagen. Aus vergangenen Erdbebenereignissen weiss man aber, dass vor etwa der Hälfte aller stärkeren Erdbeben ein Anstieg in der Wahrscheinlichkeit zu erwarten ist. Die neuen Karten geben ausserdem detaillierte Informationen über die räumliche und zeitliche Verteilung der Nachbebenwahrscheinlichkeit an.

... mehr zu:
»Beben »ETH »Erdbeben »USGS »Wahrscheinlichkeit


Nachbeben besser einschätzen

Dr. Matt Gerstenberger, Seismologe beim USGS in Pasadena, hat die Methode unter Leitung von Dr. Stefan Wiemer an der ETH Zürich als Teil seiner Doktorarbeit entwickelt. Er stellt fest: "Die einzige Zeit, zu der die Wahrscheinlichkeiten gross genug sind, um sich Sorgen zu machen, ist kurz nach einem grösserem Erdbeben, das vielleicht schon Schäden angerichtet hat. Es ist allgemein bekannt, dass in solchen Situationen Nachbeben auftreten, unsere Karten zeigen, wie hoch dieses Risiko genau ist und wo es am grössten ist". Die Möglichkeit, diese Erdbebenprognosen online abzurufen, ist laut dem USGS vor allem aus psychologischen Gründen wichtig. Sie zeigt Anwohnern und Besuchern der Region, wie gering das Erdbebenrisiko im allgemeinen ist.

Prognose auf der Basis von bekannten Fakten

Das von der internationalen Forschungsgruppe entwickelte System berechnet stündlich die Wahrscheinlichkeit, dass in den nächsten 24 Stunden eine Bo-denbeschleunigung mit einer Mercalli-Intensität grösser oder gleich 6 auftritt. Dabei werden alle Beben, die bis zu diesem Zeitpunkt aufgetreten sind, in Be-tracht gezogen. Für jedes Ereignis wird die Wahrscheinlichkeit, dass es von einem Schadenbeben gefolgt sein könnte, bestimmt. Diese Berechnungen basieren auf der aus den letzten 50 Jahren abgeleiteten durchschnittlichen räumlichen und zeitlichen Verteilung der Vor- und Nachbebenaktivität in Kalifornien. Ausserdem macht man sich das Wissen über die zu erwartenden Beschleunigungen in einer Region zu Nutze. "Die Karten repräsentieren eine Synthese unseres momentanen Wissens über Erdbeben in Kalifornien", sagt Dr. Lucile Jones, die verantwortliche Wissenschaftlerin des USGS Erdbebenprogramms in Kalifornien.

Weitere Forschungen in der Schweiz geplant

Die ETH Wissenschaftler haben für ihre Forschung Kalifornien als erste Testre-gion ausgewählt, weil es einerseits ausreichende Erdbebenaktivität gibt, um die Methode zu testen und zu kalibrieren. Andererseits existiert ein sehr dichtes seismisches Überwachungssystem, das auch kleine Erdbeben verlässlich aufzeichnet. In einem vom Schweizerischen Nationalfonds und der ETH Zürich unterstützten Projekt planen die Forschenden die Prognosemodelle weiter zu verfeinern, aber auch auf andere seismisch weniger aktive Regionen wie etwa die Schweiz auszudehnen.

Anke Poiger | idw
Weitere Informationen:
http://pasadena.wr.usgs.gov/step/
http://www.ethz.ch

Weitere Berichte zu: Beben ETH Erdbeben USGS Wahrscheinlichkeit

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Geowissenschaften:

nachricht Stabile Gashydrate lösen Hangrutschung aus
19.02.2018 | GEOMAR Helmholtz-Zentrum für Ozeanforschung Kiel

nachricht Warum der Meeresboden in Bewegung gerät
13.02.2018 | GEOMAR Helmholtz-Zentrum für Ozeanforschung Kiel

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Geowissenschaften >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Eine Frage der Dynamik

Die meisten Ionenkanäle lassen nur eine ganz bestimmte Sorte von Ionen passieren, zum Beispiel Natrium- oder Kaliumionen. Daneben gibt es jedoch eine Reihe von Kanälen, die für beide Ionensorten durchlässig sind. Wie den Eiweißmolekülen das gelingt, hat jetzt ein Team um die Wissenschaftlerin Han Sun (FMP) und die Arbeitsgruppe von Adam Lange (FMP) herausgefunden. Solche nicht-selektiven Kanäle besäßen anders als die selektiven eine dynamische Struktur ihres Selektivitätsfilters, berichten die FMP-Forscher im Fachblatt Nature Communications. Dieser Filter könne zwei unterschiedliche Formen ausbilden, die jeweils nur eine der beiden Ionensorten passieren lassen.

Ionenkanäle sind für den Organismus von herausragender Bedeutung. Wenn zum Beispiel Sinnesreize wahrgenommen, ans Gehirn weitergeleitet und dort verarbeitet...

Im Focus: In best circles: First integrated circuit from self-assembled polymer

For the first time, a team of researchers at the Max-Planck Institute (MPI) for Polymer Research in Mainz, Germany, has succeeded in making an integrated circuit (IC) from just a monolayer of a semiconducting polymer via a bottom-up, self-assembly approach.

In the self-assembly process, the semiconducting polymer arranges itself into an ordered monolayer in a transistor. The transistors are binary switches used...

Im Focus: Erste integrierte Schaltkreise (IC) aus Plastik

Erstmals ist es einem Forscherteam am Max-Planck-Institut (MPI) für Polymerforschung in Mainz gelungen, einen integrierten Schaltkreis (IC) aus einer monomolekularen Schicht eines Halbleiterpolymers herzustellen. Dies erfolgte in einem sogenannten Bottom-Up-Ansatz durch einen selbstanordnenden Aufbau.

In diesem selbstanordnenden Aufbauprozess ordnen sich die Halbleiterpolymere als geordnete monomolekulare Schicht in einem Transistor an. Transistoren sind...

Im Focus: Quantenbits per Licht übertragen

Physiker aus Princeton, Konstanz und Maryland koppeln Quantenbits und Licht

Der Quantencomputer rückt näher: Neue Forschungsergebnisse zeigen das Potenzial von Licht als Medium, um Informationen zwischen sogenannten Quantenbits...

Im Focus: Demonstration of a single molecule piezoelectric effect

Breakthrough provides a new concept of the design of molecular motors, sensors and electricity generators at nanoscale

Researchers from the Institute of Organic Chemistry and Biochemistry of the CAS (IOCB Prague), Institute of Physics of the CAS (IP CAS) and Palacký University...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

VideoLinks
Industrie & Wirtschaft
Veranstaltungen

Aachener Optiktage: Expertenwissen in zwei Konferenzen für die Glas- und Kunststoffoptikfertigung

19.02.2018 | Veranstaltungen

Konferenz "Die Mobilität von morgen gestalten"

19.02.2018 | Veranstaltungen

Von Bitcoins bis zur Genomchirurgie

19.02.2018 | Veranstaltungen

VideoLinks
Wissenschaft & Forschung
Weitere VideoLinks im Überblick >>>
 
Aktuelle Beiträge

Die Zukunft wird gedruckt

19.02.2018 | Architektur Bauwesen

Fraunhofer HHI präsentiert neueste VR- und 5G-Technologien auf dem Mobile World Congress

19.02.2018 | Messenachrichten

Stabile Gashydrate lösen Hangrutschung aus

19.02.2018 | Geowissenschaften

Weitere B2B-VideoLinks
IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics