Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Dinosaurier im Röntgenstrahl

27.07.2001


Freigelegter Kopf eines bisher unbekannten Dinosauriers. ©Jura-Museum Eichstätt


Blick durch den Stein: Eine mit Hilfe der Computer-Röntgentomographie rekonstruierte Schicht des Dinosaurierskopfes. ©Fraunhofer IIS


Dinosaurier faszinieren jung und alt. Demnächst startet Jurassic Park III, schon der dritte Teil des Auferstehungsepos der legendären Erdbewohner. Auch die Saurierforschung wartet mit einem spektakulären Fund auf: Ein in der Region Eichstätt entdecktes, etwa 151 Millionen Jahre altes Dinosaurier-Skelett konnte mit Hilfe von Röntgen-Computertomographie teilweise sichtbar gemacht und genau lokalisiert werden.

Eine Steinplatte röntgen? Wer kommt denn auf so eine Idee? Die Forscher aus dem Fraunhofer-Institut für Integrierte Schaltungen IIS beispielsweise und ihre Kollegen vom Fraunhofer-Institut für Zerstörungsfreie Prüfverfahren IZFP. Der Grund: Anfang Juli stellte der freie Fernsehjournalist und Redakteur Herbert Bieber, der den Fund des Sauriers verfilmen wollte, den Kontakt zum Entwicklungszentrum für Röntgentechnik EZRT her. In der gemeinsamen Abteilung der beiden Fraunhofer-Institute wurde dann das Stück Solnhofener Plattenkalk aus der Nähe von Eichstätt ins Visier genommen. In der von außen unscheinbaren Steinplatte entdeckten sie die von den Paläontologen vermuteten Überreste eines seltenen Landsauriers. »Für Paläontologen ist diese Untersuchung eine Sensation«, berichtet Dr. Randolf Hanke, Leiter des EZRT. »Zum einen stammt das Skelett von einer bisher unbekannten Saurierart, zum anderen macht das Röntgen die Arbeit der Präparatoren wesentlich einfacher. Sie wissen nun genau, ob in einem Stein Knochen zu finden sind und an welcher Stelle sie mit ihrer akribischen und äußerst aufwendigen Feinarbeit beginnen können.«

Röntgenstrahlen erlauben einen relativ unkomplizierten Einblick in Materialien. Mit ihrer Hilfe können Fehler entdeckt und Formen vermessen werden. Im Gegensatz zu anderen zerstörungsfrei prüfenden Verfahren, beispielsweise der Ultraschalltechnik, arbeitet die Röntgentechnik berührungslos und ist nicht auf bestimmte Materialien begrenzt. Sie kann sowohl zur Untersuchung von Metall und Kunststoff als auch von Holz eingesetzt werden. Selbst massive Steine werden durch Röntgenstrahlen durchsichtig.

Für den Blick auf das versteinerte Dinosaurier-Skelett setzten die Fraunhofer-Wissenschaftler ein besonderes Röntgenverfahren ein: die Volumen-Computertomographie CT. Bei diesem Verfahren nehmen Röntgensensoren das Objekt aus jedem Winkel auf. Dabei entstehen bis zu 1 200 Durchscheinbilder. Aus den Flächenprojektionen wird dann das Objekt rekonstruiert. »Die 3D-Computertomographie ermöglicht es, innenliegende Strukturen exakt zu vermessen und - wenn gewünscht - zu visualisieren«, erläutert Dr. Hanke. »Die schwachen Absorptionsunterschiede zwischen Fossil und Stein, die in einfachen Durchstrahlungsbildern nicht mehr sichtbar sind, lassen sich mit CT verstärken.«

Dr. Günter Viohl, Direktor des Eichstätter Jura-Museums, war zunächst skeptisch, ob die Fraunhofer-Technik Erfolg bringen würde. Er hatte das fragliche Steinstück bereits röntgentechnisch untersuchen lassen, jedoch ohne Erfolg. Deshalb schickte er zunächst einen Stein mit einem eingeschlossenen Fischskelett in die Röntgenkammer. Nachdem Dr. Hanke und seine Kollegen den Fisch innerhalb kürzester Zeit sichtbar machten, rückte der Museumsdirektor das etwa 0,5 x 0,5 Meter große und drei Zentimeter dicke Steinstück heraus, in dem er die Dinosaurierer-Überreste vermutete. Nach bereits drei Stunden waren die von der Gesteinsschicht verborgenen Knochen zu erkennen. Die Freude von Dr. Günter Viohl währte jedoch nur kurz, denn es sind nur wenige Teile des gesamten Skeletts in der Platte zu entdecken, was die Vermutung nahe legt, dass der restliche Saurier in noch nicht gefundenen Steinplatten liegt. Ein sensationeller Fund ist es allemal: Die Knochen stammen vom Jungtier einer bisher nicht bekannten Theropoden-Art. Diese zweibeinigen fleischfressenden Dinosaurier sind - so die wissenschaftliche Meinung unter Paläontologen - die Vorfahren der heutigen Vögel.

»Primäre Einsatzgebiete unserer verschiedenen Röntgentechniken sind jedoch nicht die Fossilien-Forschung«, kommentiert Dr. Hanke den Sondereinsatz. »Röntgentechnik ist viel mehr ein wichtiger Schlüssel zur Qualitätskontrolle und -verbesserung von Produkten. Wir prüfen elektronische Bauteile ebenso wie Mikrosysteme beispielsweise aus der Medizintechnik, Halbleiter, Lebensmittel oder Gussteile wie Leichtmetallräder.«

Ansprechpartner:
Dr. Randolf Hanke
Telefon: 09 11/9 70 37-0, Fax: 09 11/9 70 37-19,  hanke@iis.fhg.de
Fraunhofer-Institut für Integrierte Schlatungen IIS
Entwicklungszentrum für Röntgentechnik EZRT
Dr.-Mack-Straße 81
90762 Nürnberg

Dr. Johannes Ehrlenspiel | idw
Weitere Informationen:
http://www.fraunhofer.de/german/press/pi

Weitere Berichte zu: Dinosaurier Knochen Paläontologe Röntgenstrahl Röntgentechnik

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Geowissenschaften:

nachricht Warum der Meeresboden in Bewegung gerät
13.02.2018 | GEOMAR Helmholtz-Zentrum für Ozeanforschung Kiel

nachricht Erste Messung der Erdgravitation mit einer transportablen optischen Uhr
12.02.2018 | Physikalisch-Technische Bundesanstalt (PTB)

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Geowissenschaften >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Erste integrierte Schaltkreise (IC) aus Plastik

Erstmals ist es einem Forscherteam am Max-Planck-Institut (MPI) für Polymerforschung in Mainz gelungen, einen integrierten Schaltkreis (IC) aus einer monomolekularen Schicht eines Halbleiterpolymers herzustellen. Dies erfolgte in einem sogenannten Bottom-Up-Ansatz durch einen selbstanordnenden Aufbau.

In diesem selbstanordnenden Aufbauprozess ordnen sich die Halbleiterpolymere als geordnete monomolekulare Schicht in einem Transistor an. Transistoren sind...

Im Focus: Quantenbits per Licht übertragen

Physiker aus Princeton, Konstanz und Maryland koppeln Quantenbits und Licht

Der Quantencomputer rückt näher: Neue Forschungsergebnisse zeigen das Potenzial von Licht als Medium, um Informationen zwischen sogenannten Quantenbits...

Im Focus: Demonstration of a single molecule piezoelectric effect

Breakthrough provides a new concept of the design of molecular motors, sensors and electricity generators at nanoscale

Researchers from the Institute of Organic Chemistry and Biochemistry of the CAS (IOCB Prague), Institute of Physics of the CAS (IP CAS) and Palacký University...

Im Focus: Das VLT der ESO arbeitet erstmals wie ein 16-Meter-Teleskop

Erstes Licht für das ESPRESSO-Instrument mit allen vier Hauptteleskopen

Das ESPRESSO-Instrument am Very Large Telescope der ESO in Chile hat zum ersten Mal das kombinierte Licht aller vier 8,2-Meter-Hauptteleskope nutzbar gemacht....

Im Focus: Neuer Quantenspeicher behält Information über Stunden

Information in einem Quantensystem abzuspeichern ist schwer, sie geht meist rasch verloren. An der TU Wien erzielte man nun ultralange Speicherzeiten mit winzigen Diamanten.

Mit Quantenteilchen kann man Information speichern und manipulieren – das ist die Basis für viele vielversprechende Technologien, vom hochsensiblen...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

VideoLinks
Industrie & Wirtschaft
Veranstaltungen

Auf der grünen Welle in die Zukunft des Mobilfunks

16.02.2018 | Veranstaltungen

Smart City: Interdisziplinäre Konferenz zu Solarenergie und Architektur

15.02.2018 | Veranstaltungen

Forschung für fruchtbare Böden / BonaRes-Konferenz 2018 versammelt internationale Bodenforscher

15.02.2018 | Veranstaltungen

VideoLinks
Wissenschaft & Forschung
Weitere VideoLinks im Überblick >>>
 
Aktuelle Beiträge

Erste integrierte Schaltkreise (IC) aus Plastik

17.02.2018 | Energie und Elektrotechnik

Stammbaum der Tagfalter erstmalig umfassend neu aufgestellt

16.02.2018 | Biowissenschaften Chemie

Neue Strategien zur Behandlung chronischer Nierenleiden kommen aus der Tierwelt

16.02.2018 | Biowissenschaften Chemie

Weitere B2B-VideoLinks
IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics