Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Mit "geologischer Uhr" das Erdalter neu berechnen

27.07.2001


In den Geowissenschaften spielt die Zeit eine zentrale Rolle. Anders als im normalen Leben wird die Zeit in Größenordnungen von Millionen und Milliarden Jahren gemessen. Nur in solchen Zeitdimensionen kann man Fragen beantworten wie: Wie alt ist die Erde? Wann ist das Leben entstanden? Seit wann gibt es Meere und Kontinente? Den Geologen stehen für solche Zeitmessungen mehrere "Uhren" zur Verfügung, die auf dem Zerfall von natürlich vorkommenden radioaktiven Isotopen beruhen. So zerfällt etwa das Isotop 238 Uran mit der Zeit zu dem stabilen Isotop 206 Blei oder das Isotop 176 Lutetium zum stabilen 176 Hafnium. Durch Messungen der Mengen von Uran und Blei oder Lutetium und Hafnium in einem Mineral oder Gestein kann auf diese Weise die Zeit festgestellt werden, die seit seiner Bildung vergangen ist. Jedes Mineral und Gestein enthält deswegen seine eigene innere "Uhr" die bei der Bildung des Minerals oder Gesteins zu ticken beginnt.

Die Voraussetzung dafür, um die geologische Uhr richtig ablesen zu können ist eine genaue Kenntnis der Zerfallsgeschwindigkeit der radioaktiven Isotope. Diese Zerfallsrate, auch "Halbwertszeit" genannt, muss zunächst kalibriert werden um radioaktive Zerfallsreihen auch für die geologische Zeitmessung einsetzen zu können. In der neuesten Ausgabe des international renommierten Wissenschaftsjournals "SCIENCE" haben die Wissenschaftler Erik Scherer, Carsten Münker und Klaus Mezger vom Mineralogischen Institut der Universität Münster eine neue geologische Uhr, das "Lutetium-Hafnium- Isotopensystem", kalibriert.

Dieses Isotopensystem wurde bereits in der Vergangenheit angewandt um das Alter von geologischem Materialien zu bestimmen, allerdings weiß man jetzt, dass die Zerfallsrate von Lutetium um mehr als vier Prozent falsch bestimmt war. Das sieht auf den ersten Blick nach nicht viel aus, führt aber plötzlich zur Erkenntnis, dass die ältesten Minerale der Erde aus Grönland und Australien von Kontinenten stammen, die fast so alt wie die Erde sind. Bereits 200 Millionen Jahre nach Entstehung der Erde vor 4.56 Milliarden Jahren muss es die ersten Kontinente gegeben haben. Dies ist erstaunlich, weil sowohl Erde als auch Mond vor etwa 4.56
bis 4.0 Milliarden Jahren von großen Meteoritenschauern bombardiert wurden, die wahrscheinlich jede feste Kruste und frühes Leben zerstört haben.

Diese Annahme muss nun nach Ansicht der Münsteraner Mineralogen zumindest teilweise revidiert werden: Die ältesten Kontinente der Erde haben das Meteoritenbombardement im frühen Sonnensystem überlebt. Somit könnte bereits zu dieser Zeit einfaches Leben auf der Erde existiert haben.

Norbert Frie | idw
Weitere Informationen:
http://www.uni-muenster.de/Mineralogie/

Weitere Berichte zu: Gestein Isotop Mineral

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Geowissenschaften:

nachricht Neue Einblicke in das 2004 Sumatra-Erdbeben
14.11.2017 | Technische Universität München

nachricht Folgen des Klimawandels: Oder warum wird das Wasser unter Borkum überwacht?
14.11.2017 | Leibniz-Institut für Angewandte Geophysik

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Geowissenschaften >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Ultrakalte chemische Prozesse: Physikern gelingt beispiellose Vermessung auf Quantenniveau

Wissenschaftler um den Ulmer Physikprofessor Johannes Hecker Denschlag haben chemische Prozesse mit einer beispiellosen Auflösung auf Quantenniveau vermessen. Bei ihrer wissenschaftlichen Arbeit kombinierten die Forscher Theorie und Experiment und können so erstmals die Produktzustandsverteilung über alle Quantenzustände hinweg - unmittelbar nach der Molekülbildung - nachvollziehen. Die Forscher haben ihre Erkenntnisse in der renommierten Fachzeitschrift "Science" publiziert. Durch die Ergebnisse wird ein tieferes Verständnis zunehmend komplexer chemischer Reaktionen möglich, das zukünftig genutzt werden kann, um Reaktionsprozesse auf Quantenniveau zu steuern.

Einer deutsch-amerikanischen Forschergruppe ist es gelungen, chemische Prozesse mit einer nie dagewesenen Auflösung auf Quantenniveau zu vermessen. Dadurch...

Im Focus: Leoniden 2017: Sternschnuppen im Anflug?

Gemeinsame Pressemitteilung der Vereinigung der Sternfreunde und des Hauses der Astronomie in Heidelberg

Die Sternschnuppen der Leoniden sind in diesem Jahr gut zu beobachten, da kein Mondlicht stört. Experten sagen für die Nächte vom 16. auf den 17. und vom 17....

Im Focus: «Kosmische Schlange» lässt die Struktur von fernen Galaxien erkennen

Die Entstehung von Sternen in fernen Galaxien ist noch weitgehend unerforscht. Astronomen der Universität Genf konnten nun erstmals ein sechs Milliarden Lichtjahre entferntes Sternensystem genauer beobachten – und damit frühere Simulationen der Universität Zürich stützen. Ein spezieller Effekt ermöglicht mehrfach reflektierte Bilder, die sich wie eine Schlange durch den Kosmos ziehen.

Heute wissen Astronomen ziemlich genau, wie sich Sterne in der jüngsten kosmischen Vergangenheit gebildet haben. Aber gelten diese Gesetzmässigkeiten auch für...

Im Focus: A “cosmic snake” reveals the structure of remote galaxies

The formation of stars in distant galaxies is still largely unexplored. For the first time, astron-omers at the University of Geneva have now been able to closely observe a star system six billion light-years away. In doing so, they are confirming earlier simulations made by the University of Zurich. One special effect is made possible by the multiple reflections of images that run through the cosmos like a snake.

Today, astronomers have a pretty accurate idea of how stars were formed in the recent cosmic past. But do these laws also apply to older galaxies? For around a...

Im Focus: Pflanzenvielfalt von Wäldern aus der Luft abbilden

Produktivität und Stabilität von Waldökosystemen hängen stark von der funktionalen Vielfalt der Pflanzengemeinschaften ab. UZH-Forschenden gelang es, die Pflanzenvielfalt von Wäldern durch Fernerkundung mit Flugzeugen in verschiedenen Massstäben zu messen und zu kartieren – von einzelnen Bäumen bis hin zu ganzen Artengemeinschaften. Die neue Methode ebnet den Weg, um zukünftig die globale Pflanzendiversität aus der Luft und aus dem All zu überwachen.

Ökologische Studien zeigen, dass die Pflanzenvielfalt zentral ist für das Funktionieren von Ökosys-temen. Wälder mit einer höheren funktionalen Vielfalt –...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Technologievorsprung durch Textiltechnik

17.11.2017 | Veranstaltungen

Roboter für ein gesundes Altern: „European Robotics Week 2017“ an der Frankfurt UAS

17.11.2017 | Veranstaltungen

Börse für Zukunftstechnologien – Leichtbautag Stade bringt Unternehmen branchenübergreifend zusammen

17.11.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Technologievorsprung durch Textiltechnik

17.11.2017 | Veranstaltungsnachrichten

IHP präsentiert sich auf der productronica 2017

17.11.2017 | Messenachrichten

Roboter schafft den Salto rückwärts

17.11.2017 | Innovative Produkte