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Dem Klimawandel auf der Spur. Geowissenschaftler rekonstruieren das Klima der letzten 15.000 Jahre

18.02.2005

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Das Klima verändert sich dramatisch. Die Polkappen schmelzen ab, Küsten werden überflutet, Mitteleuropa erstarrt in sibirischer Kälte. In immer schnellerer Folge fegen Wirbelstürme, die eine Spur der Verwüstung hinterlassen, über Inseln und Küstengebiete - eine Horrorvision à la Hollywood? "Nein", sagt Prof. Dr. Frank Riedel, Klimaforscher an der Freien Universität Berlin, "’The Day After Tomorrow’ ist allerdings eine Klimasimulation im extremen Zeitraffer." Riedel und sein Team suchen am Rande des Tibet-Plateaus nach Spuren, die uns verraten, wie sich das Klima in der Zukunft verändern könnte. Die ZDF-Sendung "Einsteins Erben und das Rätsel von Ladakh" berichtet am Sonntag, dem 27. Februar 2005, um 19.30 Uhr über die Expedition.


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Expedition Ladakh Wettlauf

Frank Riedel und sein Kollege Bernd Wünnemann arbeiten mit ihrem Team fieberhaft am "Blick ins Ungewisse". Zusammen mit Spezialisten aus der ganzen Welt und mit Unterstützung der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) versuchen sie, das Klima der letzten 15.000 Jahre zu rekonstruieren und daraus Vorhersagen für unsere Zukunft abzuleiten. Es ist ein Wettlauf gegen die Zeit, denn immer deutlicher sehen die Forscher, dass sich die klimatischen Verhältnisse auf der Erde schneller wandeln als bisher angenommen. Riedel und seine internationalen Kollegen haben sich zu einem der Brennpunkte des weltweiten Klimageschehens begeben: in den Trans-Himalaja, in die eisigen Höhen von Ladakh. Dort vermutet Riedel den Schlüssel zu einem Rätsel, das unser Leben bereits in den nächsten Jahrzehnten radikal verändern kann.

Die deutsch-indische Expedition sucht in Ladakh nach Seen, die seit mindestens 15.000 Jahren existieren. "In Seesedimenten sind Klimasignale der Vergangenheit gespeichert, die wir lesen können wie ein Buch", sagt Riedel. Des Rätsels Lösung steckt in Bohrkernen aus dem Schlamm dieser Gewässer. Mikroskopisch kleine Pollen und fossile Mikroorganismen lassen sich datieren und zur Rekonstruktion vergangener Umweltänderungen nutzen. Und daraus können die Spezialisten eine Klimakurve ableiten. Doch vor die Analyse im Labor haben die Berggötter von Ladakh jede Menge Entbehrungen gesetzt. In einer Höhe von fast 5.000 Metern über dem Meer fällt jeder Handgriff schwer, der Körper ringt nach Sauerstoff in der dünnen Luft. Im Zeltlager, das malerisch an dem gesuchten See Tso Kar liegt, herrschen extreme Bedingungen. Tags brennt die Sonne erbarmungslos mit Temperaturen von über dreißig Grad Celsius auf die Wissenschaftler. Sobald sie hinterm Horizont verschwindet, fällt das Thermometer auf minus zwanzig Grad.

Die Klimaforscher arbeiten in dieser rauen Umgebung mit modernsten Geräten. Eine entsprechende Rolle spielt dabei ein spezielles GPS (Globales Positionierungssystem), mit dem die Forscher die Uferlinie des Sees zentimetergenau vermessen können. Bei den Messungen stellen Frank Riedel und Bernd Wünnemann zum ersten Mal fest, dass sich der See im Vergleich zu einer Satellitenaufnahme von 1994 verkleinert hat. Schon vor Ort erkennen die Wissenschaftler, dass der See kurz vor dem Austrocknen ist.

Das alleine wäre nicht sonderlich aufregend, denn in den Bohrkernen haben sie schon einmal eine Versumpfung vor über tausend Jahren "gelesen". Doch diesmal fällt der See in einem atemberaubenden Tempo trocken. "Das passt ins Bild", sagt Riedel, "die Daten von anderen Messstellen zeigen eine ähnliche Tendenz. Die globale Klimaerwärmung ist eine Tatsache - erschreckend ist das Tempo!" Die Forscher der Freien Universität Berlin wollen aber nicht nur die zukünftigen Katastrophen vorhersagen. Ihr Ziel ist es, nach Auswegen zu suchen. Deshalb arbeiten sie an Programmen, die den Regierenden helfen sollen gegenzusteuern - ein Wettlauf mit der Zeit.

Weitere Informationen erteilt Ihnen gern:

Prof. Dr. Frank Riedel, Institut für Geologische Wissenschaften (Fachrichtung Paläontologie) der Freien Universität Berlin, Tel.: 030 / 838-70283, E-Mail: paleobio@zedat.fu-berlin.de

Ilka Seer | Quelle: Informationsdienst Wissenschaft
Weitere Informationen: www.zedat.fu-berlin.de

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