Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Frühwarnung vor Erdbeben von französischem Satellit

28.07.2004


Erdbeben schlagen meist unerwartet zu: Trotz jahrzehntelanger Forschung gibt es noch keine Frühwarnung vor Beben, die in manchen Regionen doch auf einen Schlag Tausende töten können. Der französische Satellit «Demeter» könnte über einen bislang wenig untersuchten Weg solche Vorwarnungen künftig erleichtern: Elektromagnetische Turbulenzen in der Ionosphäre über dem Planeten Erde gehören möglicherweise zu den wichtigen Hinweisen auf ein bevorstehendes Beben. Der Ende Juni gestartete «Demeter» beginnt an diesem Mittwoch mit seinen wissenschaftlichen Messungen.


Ein mit 8,3 äußerst starkes Erdbeben in Chile im Mai 1960 hat die Geophysiker auf die Spur der elektromagnetischen Turbulenzen gelenkt, die sechs Tage vorher gemessen worden waren. Auch einige Tage vor einem Erdbeben 1964 in Alaska gab es über dem Gebiet elektromagnetische Turbulenzen in der etwa 60 Kilometer über der Erde beginnenden Ionosphäre.

«Bevor die Erde bebt, hustet schon die Ionosphäre», auf diese Formel bringen die Geophysiker ihre bisherigen Erkenntnisse. Der 17 Millionen Euro teure «Demeter», so benannt nach der griechischen Göttin des Erdsegens, wird dieses Naturphänomen aus einer etwa 700 Kilometer hohen Erdumlaufbahn beobachten und dabei nebenbei auch Karten von der elektromagnetischen «Verschmutzung» der Ionosphäre durch Stromleitungen und Telekomaktivitäten anlegen. Insgesamt 35 Forscherteams aus aller Welt, darunter aus den USA, Japan und Indien, beteiligen sich an dem Projekt. Vor allem müssen sie dabei die «Demeter»-Daten mit den gleichzeitigen Erdbebenmessungen vergleichen.


«Von allen Anzeichen, die es vor einem starken Beben gibt, sind solche beobachteten Veränderungen im Magnetfeld die faszinierendsten, aber auch am meisten umstrittenen», erklärt die Weltraumorganisation der Franzosen (CNES). Laborexperimente haben zwar gezeigt, dass mit den ersten Minirissen in der Erdkruste elektrische Felder entstehen, eingehend studiert wurde dieses Phänomen im Weltraum aber noch nicht. «Wir wissen noch viel zu wenig darüber, was sich abspielt», erläutert der CNES-Geophysiker Michel Parrot. «Es wurden auch Erdbeben beobachtet, ohne dass es die vermuteten "Signale" im Weltraum gegeben hat.»

Der nur 130 Kilogramm schwere «Demeter» (Detection of Electro-Magnetic Emissions Transmitted from Earthquake Regions) wird in den nächsten zwei Jahren geschätzte 400 Erdbeben mit einer Stärke von mindestens 5,0 überfliegen. Dann soll weitaus klarer sein, ob die Beobachtungen im Weltraum schlüssig genug sind für ein Erdbeben-Alarmsystem, das vielleicht jährlich Tausenden das Leben retten könnte.

| pro-physik.de
Weitere Informationen:
http://smsc.cnes.fr/DEMETER
http://www.pro-physik.de

Weitere Berichte zu: Beben Erdbeben Frühwarnung Ionosphäre Satellit Weltraum

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Geowissenschaften:

nachricht Neues Forschungsspecial zu Meeren, Ozeanen und Gewässern
18.01.2017 | Hochschule für Angewandte Wissenschaften Hamburg

nachricht Wasser - der heimliche Treiber des Kohlenstoffkreislaufs?
17.01.2017 | Max-Planck-Institut für Biogeochemie

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Geowissenschaften >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Textiler Hochwasserschutz erhöht Sicherheit

Wissenschaftler der TU Chemnitz präsentieren im Februar und März 2017 ein neues temporäres System zum Schutz gegen Hochwasser auf Baumessen in Chemnitz und Dresden

Auch die jüngsten Hochwasserereignisse zeigen, dass vielerorts das natürliche Rückhaltepotential von Uferbereichen schnell erschöpft ist und angrenzende...

Im Focus: Wie Darmbakterien krank machen

HZI-Forscher entschlüsseln Infektionsmechanismen von Yersinien und Immunantworten des Wirts

Yersinien verursachen schwere Darminfektionen. Um ihre Infektionsmechanismen besser zu verstehen, werden Studien mit dem Modellorganismus Yersinia...

Im Focus: How gut bacteria can make us ill

HZI researchers decipher infection mechanisms of Yersinia and immune responses of the host

Yersiniae cause severe intestinal infections. Studies using Yersinia pseudotuberculosis as a model organism aim to elucidate the infection mechanisms of these...

Im Focus: Interfacial Superconductivity: Magnetic and superconducting order revealed simultaneously

Researchers from the University of Hamburg in Germany, in collaboration with colleagues from the University of Aarhus in Denmark, have synthesized a new superconducting material by growing a few layers of an antiferromagnetic transition-metal chalcogenide on a bismuth-based topological insulator, both being non-superconducting materials.

While superconductivity and magnetism are generally believed to be mutually exclusive, surprisingly, in this new material, superconducting correlations...

Im Focus: Erforschung von Elementarteilchen in Materialien

Laseranregung von Semimetallen ermöglicht die Erzeugung neuartiger Quasiteilchen in Festkörpersystemen sowie ultraschnelle Schaltung zwischen verschiedenen Zuständen.

Die Untersuchung der Eigenschaften fundamentaler Teilchen in Festkörpersystemen ist ein vielversprechender Ansatz für die Quantenfeldtheorie. Quasiteilchen...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Künftige Rohstoffexperten aus aller Welt in Freiberg zur Winterschule

18.01.2017 | Veranstaltungen

Bundesweiter Astronomietag am 25. März 2017

17.01.2017 | Veranstaltungen

Über intelligente IT-Systeme und große Datenberge

17.01.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

ALMA beginnt Beobachtung der Sonne

18.01.2017 | Physik Astronomie

Textiler Hochwasserschutz erhöht Sicherheit

18.01.2017 | Architektur Bauwesen

Neues Forschungsspecial zu Meeren, Ozeanen und Gewässern

18.01.2017 | Geowissenschaften