Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Meeresforschung aus dem All - Deutsch-indische Fernerkundungsmission MOS nach acht Jahren erfolgreich beendet

02.06.2004


DLR-Umweltsensor MOS lieferte acht Jahre lang wichtige Daten für die Erforschung des größten Ökosystems der Erde


Das letzte Bild des DLR-Umwelt-Sensors MOS zeigt ein Echfarbkomposit des Überfluges über die Nordadria und Mittelitalien am 19. Mai 2004 um 10:15 Ortszeit.



Die Ozeane bedecken rund 70 Prozent der Erde. Die Erforschung des größten Ökosystems auf unserem Globus war während der vergangenen acht Jahre die Aufgabe des vom Deutschen Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR) entwickelten und gebauten Umwelt-Sensors MOS (Modularer Optischer Scanner), der am 21. März 1996 mit einer Rakete der indischen Raumfahrtorganisation ISRO (Indian Space Research Organisation) vom indischen Weltraumbahnhof Shriharikota nördlich von Madras gestartet war. Der deutsche Umwelt-Sensor MOS an Bord des indischen Satelliten IRS-P3 hat inzwischen die Erde etwa 40.000 mal umrundet und dabei rund 350.000 spektral hoch aufgelöste Aufnahmen an die Bodenstationen des DLR in Neustrelitz, der ISRO, der Europäischen Weltraumorganisation ESA und der amerikanischen Weltraumbehörde NASA übermittelt. Darüber hinaus wurden über 3.000 spezielle Messungen zur Sensorkalibration, darunter Sonnen- und Mondmessungen, durchgeführt. Während der achtjährigen Missionsdauer hat der deutsche Umwelt-Sensor einzigartige Erkenntnisse über den ökologischen Zustand von Ozeanen und Küstengewässern erbracht. Die letzten wissenschaftlichen Daten übermittelte MOS am 25. April 2004, zurzeit werden nur noch technologische Daten zur Überprüfung des Sensorzustandes übermittelt.



Die Mission ist nun zu Ende gegangen, da der Satellit alle Treibstoffvorräte aufgebraucht hat und keine Bahnkorrekturen mehr möglich sind. Er hat inzwischen seine ursprüngliche sonnensynchrone Bahn um die Erde in einer Höhe von 820 Kilometern bereits verlassen. Aufgrund seiner geringen Masse von 600 Kilogramm und Außenmaße von rund 1,6 Meter wird der indische Satellit mit dem deutschen Umweltsensor in einigen Jahren beim Eintritt in die Erdatmosphäre voraussichtlich komplett verglühen.

Deutscher Umweltsensor MOS - Daten für die Meeresforschung

Das DLR entwickelte und baute für diese Mission das abbildende Spektrometer MOS. Diese Technologie kam mit MOS erstmals auf einem Erdbeobachtungssatelliten zum Einsatz und stellte neuartige, spektral hoch aufgelöste Daten speziell zur Untersuchung des ökologischen Zustandes von Ozeanen und Küstengewässern bereit. Mit diesen Daten war es möglich, mit verbesserten Auswertungsverfahren die Mischung von verschiedenen Inhaltsstoffen in trüben Küstengewässern genauer zu untersuchen und Aussagen über den Gehalt an Phytoplankton, anorganischen Schwebstoffen sowie organischen Abbauprodukten abzuleiten. Diese Ergebnisse sind für die Zustandsbeurteilung und das Management der Ökosysteme von wesentlicher Bedeutung. Damit waren grundlegende wissenschaftliche Vorarbeiten für andere Missionen, so zum Beispiel die des ESA-Umweltsatelliten ENVISAT, sowie methodische Vergleichsmessungen mit der NASA-Mission SeaWiFS möglich. Die entwickelten Verfahren werden nunmehr mit Daten des MERIS-Instrumentes auf ENVISAT operationell eingesetzt.

Mit der gemeinsamen Mission von DLR und ISRO konnte sehr erfolgreich ein wissenschaftliches Experiment verwirklicht werden: So stellen die acht Jahre Einsatz im Orbit einen Langzeitrekord für ein deutsches Fernerkundungsinstrument dar. Dies ist auch im internationalen Vergleich ein Spitzenwert. Erstmals konnten eine Reihe spezieller Orbit-Manöver für Kalibrationsmessungen zur Sonne und zum Mond in der Klasse der Kleinsatelliten demonstriert werden. Im Rahmen dieses DLR-Experimentes wurde ein vernetztes System von Empfangs- und Prozessierungsstationen über mehrere Jahre aufgebaut (DLR/Neustrelitz, ESA/Gran Canaria, ISRO/Hyderabad, NASA/Wallops Island).

Die von allen Bodenstationen empfangenen Daten wurden im Langzeit-Archiv des Deutschen Fernerkundungsdatenzentrums (DFD) des DLR gespeichert und den Forschergruppen zugänglich gemacht. International beteiligten sich über 100 Wissenschaftler aus Europa, Indien, den USA und Kanada am Forschungsprogramm der Mission. Die umfangreichen Ergebnisse und Erkenntnisse wurden u.a. auf vier speziellen Workshops beim DLR in Berlin diskutiert und auf Konferenzen veröffentlicht.

Durch die erreichten wissenschaftlichen Ergebnisse und die starke internationale Beachtung kann die Mission MOS/IRS-P3 als die erfolgreichste wissenschaftliche deutsche Fernerkundungsmission angesehen werden. Sie ist zudem ein gutes Beispiel für die fruchtbare Kooperation des DLR mit der ISRO, die vor rund zwölf Jahren mit ersten Gesprächen begonnen hatte.

Ansprechpartner:

Andreas Schütz, Tel.: 030 / 67055-130, Fax: -120
Dr. Andreas Neumann, Tel: 030 / 67055-640, Fax: -642

Andreas Schütz | DLR
Weitere Informationen:
http://www.dlr.de

Weitere Berichte zu: Fernerkundungsmission ISRO Küstengewässer MOS Umwelt-Sensor Ökosystem

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Geowissenschaften:

nachricht Neue Erkenntnisse zum Meeresspiegel-Anstieg
26.05.2017 | Universität Siegen

nachricht Polarstern ab heute unterwegs nach Spitzbergen, um Rolle der Wolken bei Erwärmung der Arktis zu untersuchen
24.05.2017 | Leibniz-Institut für Troposphärenforschung e.V. (TROPOS)

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Geowissenschaften >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Lässt sich mit Boten-RNA das Immunsystem gegen Staphylococcus aureus scharf schalten?

Staphylococcus aureus ist aufgrund häufiger Resistenzen gegenüber vielen Antibiotika ein gefürchteter Erreger (MRSA) insbesondere bei Krankenhaus-Infektionen. Forscher des Paul-Ehrlich-Instituts haben immunologische Prozesse identifiziert, die eine erfolgreiche körpereigene, gegen den Erreger gerichtete Abwehr verhindern. Die Forscher konnten zeigen, dass sich durch Übertragung von Protein oder Boten-RNA (mRNA, messenger RNA) des Erregers auf Immunzellen die Immunantwort in Richtung einer aktiven Erregerabwehr verschieben lässt. Dies könnte für die Entwicklung eines wirksamen Impfstoffs bedeutsam sein. Darüber berichtet PLOS Pathogens in seiner Online-Ausgabe vom 25.05.2017.

Staphylococcus aureus (S. aureus) ist ein Bakterium, das bei weit über der Hälfte der Erwachsenen Haut und Schleimhäute besiedelt und dabei normalerweise keine...

Im Focus: Can the immune system be boosted against Staphylococcus aureus by delivery of messenger RNA?

Staphylococcus aureus is a feared pathogen (MRSA, multi-resistant S. aureus) due to frequent resistances against many antibiotics, especially in hospital infections. Researchers at the Paul-Ehrlich-Institut have identified immunological processes that prevent a successful immune response directed against the pathogenic agent. The delivery of bacterial proteins with RNA adjuvant or messenger RNA (mRNA) into immune cells allows the re-direction of the immune response towards an active defense against S. aureus. This could be of significant importance for the development of an effective vaccine. PLOS Pathogens has published these research results online on 25 May 2017.

Staphylococcus aureus (S. aureus) is a bacterium that colonizes by far more than half of the skin and the mucosa of adults, usually without causing infections....

Im Focus: Orientierungslauf im Mikrokosmos

Physiker der Universität Würzburg können auf Knopfdruck einzelne Lichtteilchen erzeugen, die einander ähneln wie ein Ei dem anderen. Zwei neue Studien zeigen nun, welches Potenzial diese Methode hat.

Der Quantencomputer beflügelt seit Jahrzehnten die Phantasie der Wissenschaftler: Er beruht auf grundlegend anderen Phänomenen als ein herkömmlicher Rechner....

Im Focus: A quantum walk of photons

Physicists from the University of Würzburg are capable of generating identical looking single light particles at the push of a button. Two new studies now demonstrate the potential this method holds.

The quantum computer has fuelled the imagination of scientists for decades: It is based on fundamentally different phenomena than a conventional computer....

Im Focus: Tumult im trägen Elektronen-Dasein

Ein internationales Team von Physikern hat erstmals das Streuverhalten von Elektronen in einem nichtleitenden Material direkt beobachtet. Ihre Erkenntnisse könnten der Strahlungsmedizin zu Gute kommen.

Elektronen in nichtleitenden Materialien könnte man Trägheit nachsagen. In der Regel bleiben sie an ihren Plätzen, tief im Inneren eines solchen Atomverbunds....

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Meeresschutz im Fokus: Das IASS auf der UN-Ozean-Konferenz in New York vom 5.-9. Juni

24.05.2017 | Veranstaltungen

Diabetes Kongress in Hamburg beginnt heute: Rund 6000 Teilnehmer werden erwartet

24.05.2017 | Veranstaltungen

Wissensbuffet: „All you can eat – and learn”

24.05.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

DFG fördert 15 neue Sonderforschungsbereiche (SFB)

26.05.2017 | Förderungen Preise

Lässt sich mit Boten-RNA das Immunsystem gegen Staphylococcus aureus scharf schalten?

26.05.2017 | Biowissenschaften Chemie

Unglaublich formbar: Lesen lernen krempelt Gehirn selbst bei Erwachsenen tiefgreifend um

26.05.2017 | Gesellschaftswissenschaften