Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Neue Datierungstechnik mit Sandkörnern

15.11.2002


In einem STW-Projekt der Staatlichen Universität Groningen ist es Forschern gelungen, anhand einiger Sandkörner zu bestimmen, wie lange es her ist, dass die Körner zum letzten Mal dem Tageslicht ausgesetzt wurden. Die Datierungsmethode ist nützlich, um den Sandtransport entlang der Küste kartieren zu können. Auch forensische Forschungen können Vorteil davon haben.



Sand, der in Paketen entlang der Küste abgesetzt wird, enthält das Mineral Zirkon (Zirkoniumsilikat). Zirkon ist oft mit den Spurenelementen Uran und Thorium ’verschmutzt’. Die Verschmutzungen senden Alfastrahlung aus und verursachen so Schaden an der Kristallstruktur der Zirkonsandkörner. Je länger die Bestrahlung gedauert hat, desto mehr Schaden im Mineral entstanden ist. Der Schaden wird jedoch durch Sonnenlicht oder Erhitzung auf einige hundert Grad Celsius aufgehoben. Strandsand, der an der Oberfläche liegt, wird deshalb wenig Schaden aufweisen. Sand, der tiefer liegt, aber viel.



In einem STW-Projekt unter der Leitung von Prof. H.W. den Hartog haben Groninger Forscher eine Methode entwickelt, um den Schaden in Zirkon zu messen, um so das Alter von Sandsedimenten zu bestimmen. Sie erhitzten sorgfältig ausgewählte Zirkonsandkörner. Dabei heilt der Schaden im Zirkon aus. Das ist mit der Aussendung von sichtbarem Licht (Thermolumineszenz) verknüpft. Je mehr Schaden ausheilt, desto höher ist die Intensität des ausgesandten Lichts. Zirkonkörner aus alten Sedimenten, die vor langer Zeit zum letzten Mal dem Sonnenlicht ausgesetzt wurden, wurden lange von Alfastrahlung bestrahlt, zeigen viel Schaden und werden daher viel Licht ergeben.

Für die Datierungsmethode eignen sich nur Zirkonkörner, die transparent sind. Diese lassen das Licht der Thermolumineszenz nämlich ungehindert durch. Um diese ’Zirkonjuwelen’ aus dem Zirkonteil des Sands auszuwählen, in dem farbige und manchmal sogar dunkle Körner mit viel irreparablem Schaden vorkommen, entwickelten die Forscher eine neue Auswahlanlage. Eine elektrische Technik trennt ideale, klare, elektrisch nicht leitfähige Zirkonkörner von ungeeigneten, dunklen und farbigen, leitfähigen Zirkonkörnern, die die Datierungen stören.

Mit Zirkon sind in Zukunft vielleicht Sandkörner mit einem Alter bis zu hunderttausend Jahren datierbar. Die Methode kann weltweit angewandt werden, weil Zirkon überall und in fast allen Sedimenten vorkommt. Die Forscher vermuten, dass Datierung von Sedimenten möglich ist, wenn sie mindestens ein Jahr alt sind. Außerdem gibt es vielversprechende Möglichkeiten für forensische Datierungsuntersuchungen. So kann der Ort eines Verbrechens datiert werden. Zum Beispiel im Falle illegaler Schuttabladung oder, wenn Kriminalbeamte Informationen über den Moment suchen, zu dem Gegenstände begraben wurden.

Die Forscher haben bereits die Probe aufs Exempel gemacht. Von einem 175 Jahre alten Sandmuster aus den Zwanenwater-Dünen auf der niederländischen Insel Ameland ergab die Zirkondatierungsmethode ein Alter von 177 Jahre.

Nähere Informationen bei Prof. Dr. H.W. den Hartog (RUG, Labor für Festkörperphysik), Tel. +31 (0)50 3634789, Fax +31 (0)50 3634879, E-Mail: h.w.den.hartog@phys.rug.nl.

Michel Philippens | idw

Weitere Berichte zu: Datierung Sediment Zirkon Zirkonkörner Zirkonsandkörner

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Geowissenschaften:

nachricht Weniger Sauerstoff in allen Meeren
16.02.2017 | GEOMAR Helmholtz-Zentrum für Ozeanforschung Kiel

nachricht Wie viel Biomasse wächst in der Savanne?
16.02.2017 | Friedrich-Schiller-Universität Jena

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Geowissenschaften >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Mehr Sicherheit für Flugzeuge

Zwei Entwicklungen am Lehrgebiet Rechnerarchitektur der FernUniversität in Hagen können das Fliegen sicherer machen: ein Flugassistenzsystem, das bei einem totalen Triebwerksausfall zum Einsatz kommt, um den Piloten ein sicheres Gleiten zu einem Notlandeplatz zu ermöglichen, und ein Assistenzsystem für Segelflieger, das ihnen das Erreichen größerer Höhen erleichtert. Präsentiert werden sie von Prof. Dr.-Ing. Wolfram Schiffmann auf der Internationalen Fachmesse für Allgemeine Luftfahrt AERO vom 5. bis 8. April in Friedrichshafen.

Zwei Entwicklungen am Lehrgebiet Rechnerarchitektur der FernUniversität in Hagen können das Fliegen sicherer machen: ein Flugassistenzsystem, das bei einem...

Im Focus: HIGH-TOOL unterstützt Verkehrsplanung in Europa

Forschung am Karlsruher Institut für Technologie (KIT) unterstützt die Europäische Kommission bei der Verkehrsplanung: Anhand des neuen Modells HIGH-TOOL lässt sich bewerten, wie verkehrspolitische Maßnahmen langfristig auf Wirtschaft, Gesellschaft und Umwelt wirken. HIGH-TOOL ist ein frei zugängliches Modell mit Modulen für Demografie, Wirtschaft und Ressourcen, Fahrzeugbestand, Nachfrage im Personen- und Güterverkehr sowie Umwelt und Sicherheit. An dem nun erfolgreich abgeschlossenen EU-Projekt unter der Koordination des KIT waren acht Partner aus fünf Ländern beteiligt.

Forschung am Karlsruher Institut für Technologie (KIT) unterstützt die Europäische Kommission bei der Verkehrsplanung: Anhand des neuen Modells HIGH-TOOL lässt...

Im Focus: Zinn in der Photodiode: nächster Schritt zur optischen On-Chip-Datenübertragung

Schon lange suchen Wissenschaftler nach einer geeigneten Lösung, um optische Komponenten auf einem Computerchip zu integrieren. Doch Silizium und Germanium allein – die stoffliche Basis der Chip-Produktion – sind als Lichtquelle kaum geeignet. Jülicher Physiker haben nun gemeinsam mit internationalen Partnern eine Diode vorgestellt, die neben Silizium und Germanium zusätzlich Zinn enthält, um die optischen Eigenschaften zu verbessern. Das Besondere daran: Da alle Elemente der vierten Hauptgruppe angehören, sind sie mit der bestehenden Silizium-Technologie voll kompatibel.

Schon lange suchen Wissenschaftler nach einer geeigneten Lösung, um optische Komponenten auf einem Computerchip zu integrieren. Doch Silizium und Germanium...

Im Focus: Innovative Antikörper für die Tumortherapie

Immuntherapie mit Antikörpern stellt heute für viele Krebspatienten einen Erfolg versprechenden Ansatz dar. Weil aber längst nicht alle Patienten nachhaltig von diesen teuren Medikamenten profitieren, wird intensiv an deren Verbesserung gearbeitet. Forschern um Prof. Thomas Valerius an der Christian Albrechts Universität Kiel gelang es nun, innovative Antikörper mit verbesserter Wirkung zu entwickeln.

Immuntherapie mit Antikörpern stellt heute für viele Krebspatienten einen Erfolg versprechenden Ansatz dar. Weil aber längst nicht alle Patienten nachhaltig...

Im Focus: Durchbruch mit einer Kette aus Goldatomen

Einem internationalen Physikerteam mit Konstanzer Beteiligung gelang im Bereich der Nanophysik ein entscheidender Durchbruch zum besseren Verständnis des Wärmetransportes

Einem internationalen Physikerteam mit Konstanzer Beteiligung gelang im Bereich der Nanophysik ein entscheidender Durchbruch zum besseren Verständnis des...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

6. Internationale Fachkonferenz „InnoTesting“ am 23. und 24. Februar 2017 in Wildau

22.02.2017 | Veranstaltungen

Wunderwelt der Mikroben

22.02.2017 | Veranstaltungen

Der Lkw der Zukunft kommt ohne Fahrer aus

21.02.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

6. Internationale Fachkonferenz „InnoTesting“ am 23. und 24. Februar 2017 in Wildau

22.02.2017 | Veranstaltungsnachrichten

Neue Prozesstechnik für effizientes Bohren und Schneiden auf der LASER CHINA

22.02.2017 | Messenachrichten

IHP-Forschungsteam verbessert Zuverlässigkeit beim automatisierten Fahren

22.02.2017 | Automotive