Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Pferderennbahn im antiken Olympia nach 1600 Jahren entdeckt

07.07.2008
Archäologische Sensation: Lage des Hippodroms und geographische Ausdehnung mit modernen geophysikalischen Methoden enträtselt

Die Lage der antiken Pferderennbahn von Olympia, auf der auch Kaiser Nero zum olympischen Sieg fuhr, ist enträtselt. Die Entdeckung des Hippodroms gelang einer Forschungskooperation unter Beteiligung des Mainzer Sporthistorikers Professor Dr. Norbert Müller, des Kölner Sportarchäologen Dr. Christian Wacker und PD Dr. Reinhard Senff, Ausgrabungsleiter des Deutschen Archäologischen Instituts (DAI) in Olympia.

"Der Fund ist eine archäologische Sensation", kommentierte Müller, Sporthistoriker an der Johannes Gutenberg-Universität Mainz, die Entdeckung. Das Forschungsprojekt lief mehrere Wochen bis zum Abschluss Mitte Mai 2008.

Das Hippodrom war bislang nur durch Schriftquellen bekannt, archäologisch ließ es sich nie nachweisen. Dies ist überraschend, da deutsche Ausgräber seit 1875 den Ort der antiken Olympischen Spiele als eine ihrer traditionsreichsten Unternehmungen kontinuierlich erforschen und zahllose Archäologen, Alt- und Sporthistoriker aus der ganzen Welt sich seit über 100 Jahren mit diesem Geheimnis beschäftigt haben. Sehr detailreich beschreibt der antike Reiseschriftsteller Pausanias im 2. Jh. n. Chr. die Pferderennbahn, deren Startmechanismen, Wendemale und Altäre. Eine bisher wenig beachtete Schriftquelle aus dem 11. Jahrhundert n. Chr. nennt sogar Maße und Dimensionen der Anlage.

Bislang ging man davon aus, dass sich keine Überreste des Hippodroms mehr finden lassen, da das von Pausanias beschriebene Areal im Osten des Heiligtums von Olympia durch den Fluss Alpheios seit der Antike überschwemmt und versandet wurde. In modernen Plänen und Beschreibungen steht meist lapidar zu lesen: "Keine Reste vom Hippodrom aufgrund mittelalterlicher Überschwemmungen."

Das reizte die deutschen Forscher umso mehr: Mit modernen geophysikalischen Methoden wurde erstmals das Gelände systematisch abgesucht, wobei die auf Geo-magnet- und Georadarmessungen spezialisierten Experten Armin Grubert (Mainz) und Christian Hübner (Freiburg) zahlreiche Veränderungen im Boden wie beispielsweise Wasserläufe, Gräben und Mauern kartieren konnten. Tatsächlich wurden auffällige, geradlinige Strukturen auf einer Länge von fast 200 Metern entdeckt, welche die Forscher mit der parallel zum Stadion gelegenen Pferderennbahn verbinden. Bauliche Überreste, die mit einem beim Hippodrom überlieferten Heiligtum der Demeter gleichgesetzt werden können, waren bereits im Norden des untersuchten Geländes im Frühjahr 2007 aufgedeckt worden.

Besonders interessant ist auf halber Höhe des nördlichen Zugangs zur Startanlage - dort, wo Pausanias das Hippodrom betrat - eine kreisförmige Anlage mit etwa 10 Meter Durchmesser, die sich deutlich in der antiken Bodenschicht abzeichnet und vielleicht auf Sakralbauten, die der antike Schriftsteller an dieser Stelle erwähnt, zu beziehen ist. Die eigentliche Startanlage mit Boxen für bis zu 24 Pferdegespanne dürfte mit großer Wahrscheinlichkeit unter einem von den Archäologen seit 1875 angelegten gewaltigen Hügel von Erdaushub des Tempelbezirks liegen.

Mit der Erforschung des Geländes östlich des Heiligtums von Olympia, möglich gemacht durch Forschungsmittel des Instituts für Sportwissenschaft der Universität Mainz und des Internationalen Reiterverbandes, konnten erstmals konkrete Hinweise auf die Lage der Pferderennbahn und ihre geographische Ausdehnung gewonnen werden. Zehn Studierende waren dabei mit dem auf Olympia spezialisierten Sporthistoriker Professor Norbert Müller im Einsatz. "Das DAI mit seiner Außenstelle in Athen hat durch seine Mitwirkung der Sporthistorie einen großen Dienst erwiesen", sagte Müller. "Das Projekt könnte ähnlich der Ausgrabung des antiken Stadions von Olympia vor 50 Jahren eine neue Attraktion für die Sportwelt werden."

Forschungskooperation:
Prof. Dr. Norbert Müller, Johannes Gutenberg-Universität Mainz
PD Dr. Reinhard Senff, Deutsches Archäologisches Institut, Athen
Dr. Christian Wacker, Deutsches Sport & Olympia Museum, Köln
Projektpartner:
Fédération Equestre Internationale
Präsidentin : HRH Princess Haya Bint Al Hussein,
Georgia Chatzi-Spiliopoulou,
Direktorin 7. Ephorie für Prähistorische und Klassische Altertümer, Antikes Olympia, Elis-Griechenland
Kontakt und Informationen:
Univ.-Prof. Dr. Norbert Müller
Institut für Sportwissenschaft
Abteilung Sportgeschichte/-soziologie/-ökonomie
Johannes Gutenberg-Universität Mainz
Tel. 06131 39-23510 oder 39-23515
E-Mail: muellern@uni-mainz.de

Petra Giegerich | idw
Weitere Informationen:
http://www.uni-mainz.de/
http://www.sport.uni-mainz.de/mueller/

Weitere Berichte zu: Archäologisch Hippodrom Pferderennbahn Sporthistoriker

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Geowissenschaften:

nachricht Satelliten erfassen Photosynthese mit hoher Auflösung
13.10.2017 | Max-Planck-Institut für Biogeochemie

nachricht Erforschung des grönländischen 79°-Nord-Gletschers
12.10.2017 | Alfred-Wegener-Institut, Helmholtz-Zentrum für Polar- und Meeresforschung

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Geowissenschaften >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Sicheres Bezahlen ohne Datenspur

Ob als Smartphone-App für die Fahrkarte im Nahverkehr, als Geldwertkarten für das Schwimmbad oder in Form einer Bonuskarte für den Supermarkt: Für viele gehören „elektronische Geldbörsen“ längst zum Alltag. Doch vielen Kunden ist nicht klar, dass sie mit der Nutzung dieser Angebote weitestgehend auf ihre Privatsphäre verzichten. Am Karlsruher Institut für Technologie (KIT) entsteht ein sicheres und anonymes System, das gleichzeitig Alltagstauglichkeit verspricht. Es wird nun auf der Konferenz ACM CCS 2017 in den USA vorgestellt.

Es ist vor allem das fehlende Problembewusstsein, das den Informatiker Andy Rupp von der Arbeitsgruppe „Kryptographie und Sicherheit“ am KIT immer wieder...

Im Focus: Neutron star merger directly observed for the first time

University of Maryland researchers contribute to historic detection of gravitational waves and light created by event

On August 17, 2017, at 12:41:04 UTC, scientists made the first direct observation of a merger between two neutron stars--the dense, collapsed cores that remain...

Im Focus: Breaking: the first light from two neutron stars merging

Seven new papers describe the first-ever detection of light from a gravitational wave source. The event, caused by two neutron stars colliding and merging together, was dubbed GW170817 because it sent ripples through space-time that reached Earth on 2017 August 17. Around the world, hundreds of excited astronomers mobilized quickly and were able to observe the event using numerous telescopes, providing a wealth of new data.

Previous detections of gravitational waves have all involved the merger of two black holes, a feat that won the 2017 Nobel Prize in Physics earlier this month....

Im Focus: Topologische Isolatoren: Neuer Phasenübergang entdeckt

Physiker des HZB haben an BESSY II Materialien untersucht, die zu den topologischen Isolatoren gehören. Dabei entdeckten sie einen neuen Phasenübergang zwischen zwei unterschiedlichen topologischen Phasen. Eine dieser Phasen ist ferroelektrisch: das bedeutet, dass sich im Material spontan eine elektrische Polarisation ausbildet, die sich durch ein äußeres elektrisches Feld umschalten lässt. Dieses Ergebnis könnte neue Anwendungen wie das Schalten zwischen unterschiedlichen Leitfähigkeiten ermöglichen.

Topologische Isolatoren zeichnen sich dadurch aus, dass sie an ihren Oberflächen Strom sehr gut leiten, während sie im Innern Isolatoren sind. Zu dieser neuen...

Im Focus: Smarte Sensoren für effiziente Prozesse

Materialfehler im Endprodukt können in vielen Industriebereichen zu frühzeitigem Versagen führen und den sicheren Gebrauch der Erzeugnisse massiv beeinträchtigen. Eine Schlüsselrolle im Rahmen der Qualitätssicherung kommt daher intelligenten, zerstörungsfreien Sensorsystemen zu, die es erlauben, Bauteile schnell und kostengünstig zu prüfen, ohne das Material selbst zu beschädigen oder die Oberfläche zu verändern. Experten des Fraunhofer IZFP in Saarbrücken präsentieren vom 7. bis 10. November 2017 auf der Blechexpo in Stuttgart zwei Exponate, die eine schnelle, zuverlässige und automatisierte Materialcharakterisierung und Fehlerbestimmung ermöglichen (Halle 5, Stand 5306).

Bei Verwendung zeitaufwändiger zerstörender Prüfverfahren zieht die Qualitätsprüfung durch die Beschädigung oder Zerstörung der Produkte enorme Kosten nach...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

DFG unterstützt Kongresse und Tagungen - Dezember 2017

17.10.2017 | Veranstaltungen

Intelligente Messmethoden für die Bauwerkssicherheit: Fachtagung „Messen im Bauwesen“ am 14.11.2017

17.10.2017 | Veranstaltungen

Meeresbiologe Mark E. Hay zu Gast bei den "Noblen Gesprächen" am Beutenberg Campus in Jena

16.10.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Sicheres Bezahlen ohne Datenspur

17.10.2017 | Informationstechnologie

Pflanzen gegen Staunässe schützen

17.10.2017 | Biowissenschaften Chemie

Den Trends der Umweltbranche auf der Spur

17.10.2017 | Ökologie Umwelt- Naturschutz