Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Griff nach den Sternen

18.02.2008
Geowissenschaftler Frank Brenker von der Universität Frankfurt ist weltweit der erste Wissenschaftler, der außerhalb unseres Sonnensystems entstandenes Material der STARDUST-Doppelmission der NASA analysiert.

Für ihn ist es ein "historischer Moment", wie man ihn in einer Wissenschaftlerkarriere vielleicht nur einmal erlebt: Prof. Frank Brenker, Heisenberg-Professor am Geowissenschaftlichen Institut der Goethe-Universität in Frankfurt a.M., profitiert als erster Forscher weltweit von Material, das bei der letzten NASA-Mission aufgefangen wurde. Der Sternenstaub entstand außerhalb unseres Sonnensystems.

Hintergrund: In der letzten Woche gelang der NASA das erste Herausschneiden von Einschlagspuren aus dem Interstellaren Container der STARDUST Doppelmission. Die kostbaren, hoch empfindlichen Proben befinden sich bereits auf dem Weg nach Grenoble zur European Synchroton Radiation Facility ESRF. Unter dem dortigen Supermikroskop werden die einzigartigen galaktischen Zeugnisse von einem deutsch-belgischen Wissenschaftlerteam unter Leitung von Frank Brenker untersucht:

"Wir sind überglücklich, dass die NASA dieses Vertrauen in unsere Arbeit steckt und uns gleich die ersten Proben dieser Mission für unsere Messungen in der nächste Woche zur Verfügung stellt", kommentiert Brenker das kommende Ereignis. "Es könnte geradezu ein historischer Moment werden, wenn am kommenden Mittwoch die ersten Proben unter dem Röntgensupermikroskop in Grenoble gelegt werden. Sie könnten die ersten Partikel enthalten die jemals im Weltraum aufgesammelt wurden, die nicht aus unserem eigenen Sonnensystem stammen und noch heute in einem gigantischen Teilchenstrom durch die Galaxie ziehen."

... mehr zu:
»Geowissenschaft »NASA »Sonnensystem

Vor knapp zwei Jahren war die STARDUST-Kapsel sicher in der Wüste von Utah gelandet. Die Doppelmission brachte Proben des Kometen Wild 2 und Partikel eines durch unser Sonnensystem ziehenden Materiestromes mit sich. Bisher wurde nur der Kometenstaub wissenschaftlich untersucht. Die "echten" Sternenstaubpartikel, die so genannten Interstellaren Körner, schlummerten noch sicher im Aerogel, einer Art Glasschaum, in dem sie eingefangen wurden.

Nun macht sich die Wissenschaft bereit, die wahrscheinlich nur einige zehntausendstel Millimeter großen Körner chemisch und strukturell zu entschlüsseln. Es ist das erste Mal überhaupt, dass die Wissenschaftler Material in den Händen halten, das nicht aus unserem eigenen Sonnensystem stammt und erst heute aus fernen Bereichen der Galaxie an uns vorbeizieht. Die Forscher versprechen sich neue Einblicke in die Grundbausteine unseres Sonnensystem und auch Antworten auf die Frage, ob aus den Tiefen des Weltalls organische Verbindungen zu uns gelangen, die die Grundlage für die Bildung von Leben überall in der Galaxie schaffen könnten.

Dass unser Sonnensystem kein vom Rest des Universums isolierter Bereich ist, wurde erst 1993 mit der Entdeckung eines Staubstroms, der durch unser Sonnensystem zieht bewiesen. Die Entdeckung der Ulysses Raumsonde wurde später während der Galileo Mission zum Jupiter erneut bestätigt.

Für die Voruntersuchungen hat die NASA einen Zeitraum von drei Jahren eingeplant. Ein relativ kleines Forscherteam wurde zusammengestellt, um die Arbeiten an dem einzigartigen Material durchzuführen.

Mit ins Boot geholt wurde erneut das Forscherteam um den Frankfurter Geowissenschaftler Frank Brenker, der mit seinen belgischen Kollegen Laszlo Vincze und Bart Vekemans (Universität Ghent) schon erfolgreich die Partikel des Kometen Wild 2 vermessen konnte. Mit der von seiner Arbeitsgruppe entscheidend weiterentwickelten Röntgenmethode können auch die winzigen kosmischen Krümel exakt chemisch und strukturell untersucht werden. Brenkers internationales Team nutzt hierfür eine Art Röntgensupermikroskop im Französischen Grenoble.

"Wir sind der Konkurrenz aus den USA und Japan immer noch eine entscheidende Nasenlänge voraus" erklärt Frank Brenker das Interesse der NASA an der Teilnahme seines Teams schon bei den Voruntersuchungen. Bisher sind wir die Einzigen, die eine Ortsauflösung von unter 100 Nanometer nutzen können, um die winzigen Partikel und ihre Einschlagspuren exakt zu vermessen. Die Konkurrenz aus den USA ist uns allerdings dicht auf den Fersen." Im letzten Jahr war Sylvia Schmitz, eine Doktorandin aus der Arbeitsgruppe von Frank Brenker, mit dabei, als man am ESRF zusammen mit Christian Schroer (Universität Dresden) die ersten Experimente mit einem Nano-Röntgenstrahl durchführen konnte.

Vortrag

Polytechnische Gesellschaft
Dienstag, 19. Februar 2008, 19:00 Uhr
Prof. Dr. Frank Brenker
Heisenberg-Professur für NanoGeowissenschaften, Johann Wolfgang Goethe-Universität Frankfurt am Main
Mission Stardust
Was Kometenstaub über die Entstehung der Sonnensysteme erzählt
Vortragssaal der Frankfurter Sparkasse, Neue Mainzer Straße 49, 60311 Frankfurt am Main

Dr. Olaf Kaltenborn | idw
Weitere Informationen:
http://www.mineralogie.uni-frankfurt.de/nanogeoscience/mitarbeiter/brenker/

Weitere Berichte zu: Geowissenschaft NASA Sonnensystem

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Geowissenschaften:

nachricht Globale Klimaextreme nach Vulkanausbrüchen
22.08.2017 | Justus-Liebig-Universität Gießen

nachricht Unterwasserroboter soll nach einem Jahr in der arktischen Tiefsee auftauchen
18.08.2017 | Alfred-Wegener-Institut, Helmholtz-Zentrum für Polar- und Meeresforschung

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Geowissenschaften >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Platz 2 für Helikopter-Designstudie aus Stade - Carbontechnologie-Studenten der PFH erfolgreich

Bereits lange vor dem Studienabschluss haben vier Studenten des PFH Hansecampus Stade ihr ingenieurwissenschaftliches Können eindrucksvoll unter Beweis gestellt: Malte Blask, Hagen Hagens, Nick Neubert und Rouven Weg haben bei einem internationalen Wettbewerb der American Helicopter Society (AHS International) den zweiten Platz belegt. Ihre Aufgabe war es, eine Designstudie für ein helikopterähnliches Fluggerät zu entwickeln, das 24 Stunden an einem Punkt in der Luft fliegen kann.

Die vier Kommilitonen sind im Studiengang Verbundwerkstoffe/Composites am Hansecampus Stade der PFH Private Hochschule Göttingen eingeschrieben. Seit elf...

Im Focus: Wissenschaftler entdecken seltene Ordnung von Elektronen in einem supraleitenden Kristall

In einem Artikel der aktuellen Ausgabe des Forschungsmagazins „Nature“ berichten Wissenschaftler vom Max-Planck-Institut für Chemische Physik fester Stoffe in Dresden von der Entdeckung eines seltenen Materiezustandes, bei dem sich die Elektronen in einem Kristall gemeinsam in einer Richtung bewegen. Diese Entdeckung berührt eine der offenen Fragestellungen im Bereich der Festkörperphysik: Was passiert, wenn sich Elektronen gemeinsam im Kollektiv verhalten, in sogenannten „stark korrelierten Elektronensystemen“, und wie „einigen sich“ die Elektronen auf ein gemeinsames Verhalten?

In den meisten Metallen beeinflussen sich Elektronen gegenseitig nur wenig und leiten Wärme und elektrischen Strom weitgehend unabhängig voneinander durch das...

Im Focus: Wie ein Bakterium von Methanol leben kann

Bei einem Bakterium, das Methanol als Nährstoff nutzen kann, identifizierten ETH-Forscher alle dafür benötigten Gene. Die Erkenntnis hilft, diesen Rohstoff für die Biotechnologie besser nutzbar zu machen.

Viele Chemiker erforschen derzeit, wie man aus den kleinen Kohlenstoffverbindungen Methan und Methanol grössere Moleküle herstellt. Denn Methan kommt auf der...

Im Focus: Topologische Quantenzustände einfach aufspüren

Durch gezieltes Aufheizen von Quantenmaterie können exotische Materiezustände aufgespürt werden. Zu diesem überraschenden Ergebnis kommen Theoretische Physiker um Nathan Goldman (Brüssel) und Peter Zoller (Innsbruck) in einer aktuellen Arbeit im Fachmagazin Science Advances. Sie liefern damit ein universell einsetzbares Werkzeug für die Suche nach topologischen Quantenzuständen.

In der Physik existieren gewisse Größen nur als ganzzahlige Vielfache elementarer und unteilbarer Bestandteile. Wie das antike Konzept des Atoms bezeugt, ist...

Im Focus: Unterwasserroboter soll nach einem Jahr in der arktischen Tiefsee auftauchen

Am Dienstag, den 22. August wird das Forschungsschiff Polarstern im norwegischen Tromsø zu einer besonderen Expedition in die Arktis starten: Der autonome Unterwasserroboter TRAMPER soll nach einem Jahr Einsatzzeit am arktischen Tiefseeboden auftauchen. Dieses Gerät und weitere robotische Systeme, die Tiefsee- und Weltraumforscher im Rahmen der Helmholtz-Allianz ROBEX gemeinsam entwickelt haben, werden nun knapp drei Wochen lang unter Realbedingungen getestet. ROBEX hat das Ziel, neue Technologien für die Erkundung schwer erreichbarer Gebiete mit extremen Umweltbedingungen zu entwickeln.

„Auftauchen wird der TRAMPER“, sagt Dr. Frank Wenzhöfer vom Alfred-Wegener-Institut, Helmholtz-Zentrum für Polar- und Meeresforschung (AWI) selbstbewusst. Der...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

International führende Informatiker in Paderborn

21.08.2017 | Veranstaltungen

Wissenschaftliche Grundlagen für eine erfolgreiche Klimapolitik

21.08.2017 | Veranstaltungen

DGI-Forum in Wittenberg: Fake News und Stimmungsmache im Netz

21.08.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Chaos bei der Zellteilung – wie Chromosomenfehler in Krebszellen entstehen

23.08.2017 | Biowissenschaften Chemie

Platz 2 für Helikopter-Designstudie aus Stade - Carbontechnologie-Studenten der PFH erfolgreich

23.08.2017 | Förderungen Preise

Winzige Spurenverunreinigungen, enorme Auswirkungen

23.08.2017 | Biowissenschaften Chemie