Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Ein Ozean voller Daten

25.01.2008
Wissenschaftler legen Grundstein für europäisches Messnetz am Meeresboden

Wassertemperatur, Strömungsrichtung, Bakterien-Gensequenzen oder andere Daten aus der Tiefsee auf Tastendruck abrufen - diese Vision steht hinter dem ehrgeizigen EU-Projekt ESONET, das zwischen 140 und 220 Millionen kosten wird: Ein Netz aus zwölf Tiefseeobservatorien soll an ausgewählten Standorten in den europäischen Meeren kontinuierlich wissenschaftliche Messungen durchführen.

Unterwasserkabel leiten die vor Ort gesammelten Daten direkt an die Forscher an Land. In einem zweitägigen Workshop, der am 29. und 30. Januar am MARUM - Zentrum für marine Umweltwissenschaften an der Universität Bremen stattfindet, wollen 80 internationale Meeresforscher die Grundlagen für das Netzwerk und für ein effizientes Datenmanagement legen.

"Die Erforschung der Ozeane ähnelt dem Versuch, uns ein Bild vom Inhalt einer riesigen, hohen und dunklen Lagerhalle zu machen, in dem wir hier und dort mal ein Streichholz anzünden" beschreibt Dr. Christoph Waldmann vom MARUM, Organisator des Workshops, die Datenlage der Meeresforschung.

... mehr zu:
»ESONET »MARUM

Mit den ständig arbeitenden Observatorien von ESONET sollen Ressourcen gebündelt und Aufwand gezielter eingesetzt werden: Eigens dafür verlegte Tiefseekabel bilden die Nabelschnur von ESONET, sie versorgen die zum Teil über 100 Kilometer vor der Küste liegenden Observatorien. Sie dienen als Energiequelle und Datenautobahn. So kann zum Beispiel der mobile Unterwasser-Roboter C-MOVE des MARUM an die Kabelstationen andocken, um bereits gesammelte Daten abzuschicken und Energie für seinen nächsten mehrmonatigen Einsatz am Meeresboden aufzutanken. "Die Schnittstellen, an die wir die verschiedensten Systeme anschließen können sind es, die ESONET so interessant machen. Sie machen die Netze beliebig erweiterbar", so Waldmann.

"Natürlich gibt es schon jetzt Messnetze im Ozean. Diese zielen allerdings alle auf spezielle Fragestellungen, wie zum Beispiel die Erforschung der Meeresströmungen. Mit ESONET haben wir ein viel umfassenderes Ziel im Auge: Wir wollen Daten für alle Fachrichtungen an einem Ort sammeln, für Geowissenschaftler, Meeresbiologen und Chemiker und Ozeanographen. Diese können dann gemeinsam ein umfassendes Bild entwickeln", so Christoph Waldmann über die Unterschiede zu bestehenden Programmen.

Neben Grundlagenforschung erwarten die Meeresexperten des Marine Board der European Science Foundation, die die EU in Sachen ESONET berät, auch ganz konkrete Anwendungen, z. B. in der Erdbebenvorhersage, wichtig für besonders gefährdete Gebiete wie zum Beispiel Istanbul.

"Auch wenn die ersten Observatorien frühestens 2009 online gehen, müssen wir jetzt schon die Grundlagen für den Erfolg von ESONET legen. Denn wir hoffen auf eine wahre Datenflut." Daher ist eines der Ziele des Workshops Vorgaben für standardisierte Datenformate auszuarbeiten und eine Infrastruktur für Speicherung und Abruf von Daten zu schaffen. "Was nützt uns ein Ozean voller Daten, wenn die Daten nicht einheitlich sind oder wir die Informationen nicht jedem, der Interesse hat, zur Verfügung stellen können?" Ziel ist es daher, die Daten so aufzubereiten, dass sie über Internet-Suchmaschinen zugänglich sind. Der Austausch von Daten ist ein schwieriger Punkt, bei dem nicht alle vorhandenen Systeme Bestnoten erzielen, meint Christoph Waldmann. "Während des Workshops wollen wir uns daher mit den bisherigen Erfolgen und Problemen auseinandersetzen und uns die besten Lösungen zu Eigen machen."

Weitere Informationen / Bildmaterial / Interviews:

Kirsten Achenbach
Öffentlichkeitsarbeit MARUM, Universität Bremen
Tel. 0421 - 218-65541
mail: achenbach@marum.de
http://www.marum.de
(Erreichbar bis 29.2. einschließlich, danach bitte direkt an Herrn Waldmann)
Dr. Christoph Waldmann
MARUM - Zentrum für marine Umweltwissenschaften
an der Universität Bremen
Tel: 0421- 218-65606
Mobil: 0176 - 240 490 77
mail: waldmann@marum.de
Das MARUM ist ein Zusammenschluss des Exzellenzclusters "Der Ozean im System Erde" und des Forschungszentrum Ozeanränder und wird von der Deutschen Forschungsgemeinschaft finanziert. Das MARUM entschlüsselt mit modernsten Methoden und eingebunden in internationale Projekte die Rolle des Ozeans im System Erde - insbesondere im Hinblick auf den globalen Wandel. Es erfasst die Wechselwirkungen zwischen geologischen und biologischen Prozessen im Meer und liefert Beiträge für eine nachhaltige Nutzung der Ozeane.

Kirsten Achenbach | idw
Weitere Informationen:
http://www.marum.de
http://www.esonet-emso.org/esonet-noe/index.htm

Weitere Berichte zu: ESONET MARUM

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Geowissenschaften:

nachricht Wasserkühlung für die Erdkruste - Meerwasser dringt deutlich tiefer ein
21.11.2017 | GEOMAR Helmholtz-Zentrum für Ozeanforschung Kiel

nachricht Tonmineral bewässert Erdmantel von innen
20.11.2017 | Deutsches Elektronen-Synchrotron DESY

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Geowissenschaften >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Kleine Strukturen – große Wirkung

Innovative Schutzschicht für geringen Verbrauch künftiger Rolls-Royce Flugtriebwerke entwickelt

Gemeinsam mit Rolls-Royce Deutschland hat das Fraunhofer-Institut für Werkstoff- und Strahltechnik IWS im Rahmen von zwei Vorhaben aus dem...

Im Focus: Nanoparticles help with malaria diagnosis – new rapid test in development

The WHO reports an estimated 429,000 malaria deaths each year. The disease mostly affects tropical and subtropical regions and in particular the African continent. The Fraunhofer Institute for Silicate Research ISC teamed up with the Fraunhofer Institute for Molecular Biology and Applied Ecology IME and the Institute of Tropical Medicine at the University of Tübingen for a new test method to detect malaria parasites in blood. The idea of the research project “NanoFRET” is to develop a highly sensitive and reliable rapid diagnostic test so that patient treatment can begin as early as possible.

Malaria is caused by parasites transmitted by mosquito bite. The most dangerous form of malaria is malaria tropica. Left untreated, it is fatal in most cases....

Im Focus: Transparente Beschichtung für Alltagsanwendungen

Sport- und Outdoorbekleidung, die Wasser und Schmutz abweist, oder Windschutzscheiben, an denen kein Wasser kondensiert – viele alltägliche Produkte können von stark wasserabweisenden Beschichtungen profitieren. Am Karlsruher Institut für Technologie (KIT) haben Forscher um Dr. Bastian E. Rapp einen Werkstoff für solche Beschichtungen entwickelt, der sowohl transparent als auch abriebfest ist: „Fluoropor“, einen fluorierten Polymerschaum mit durchgehender Nano-/Mikrostruktur. Sie stellen ihn in Nature Scientific Reports vor. (DOI: 10.1038/s41598-017-15287-8)

In der Natur ist das Phänomen vor allem bei Lotuspflanzen bekannt: Wassertropfen perlen von der Blattoberfläche einfach ab. Diesen Lotuseffekt ahmen...

Im Focus: Ultrakalte chemische Prozesse: Physikern gelingt beispiellose Vermessung auf Quantenniveau

Wissenschaftler um den Ulmer Physikprofessor Johannes Hecker Denschlag haben chemische Prozesse mit einer beispiellosen Auflösung auf Quantenniveau vermessen. Bei ihrer wissenschaftlichen Arbeit kombinierten die Forscher Theorie und Experiment und können so erstmals die Produktzustandsverteilung über alle Quantenzustände hinweg - unmittelbar nach der Molekülbildung - nachvollziehen. Die Forscher haben ihre Erkenntnisse in der renommierten Fachzeitschrift "Science" publiziert. Durch die Ergebnisse wird ein tieferes Verständnis zunehmend komplexer chemischer Reaktionen möglich, das zukünftig genutzt werden kann, um Reaktionsprozesse auf Quantenniveau zu steuern.

Einer deutsch-amerikanischen Forschergruppe ist es gelungen, chemische Prozesse mit einer nie dagewesenen Auflösung auf Quantenniveau zu vermessen. Dadurch...

Im Focus: Leoniden 2017: Sternschnuppen im Anflug?

Gemeinsame Pressemitteilung der Vereinigung der Sternfreunde und des Hauses der Astronomie in Heidelberg

Die Sternschnuppen der Leoniden sind in diesem Jahr gut zu beobachten, da kein Mondlicht stört. Experten sagen für die Nächte vom 16. auf den 17. und vom 17....

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Tagung widmet sich dem Thema Autonomes Fahren

21.11.2017 | Veranstaltungen

Neues Elektro-Forschungsfahrzeug am Institut für Mikroelektronische Systeme

21.11.2017 | Veranstaltungen

Raumfahrtkolloquium: Technologien für die Raumfahrt von morgen

21.11.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Wasserkühlung für die Erdkruste - Meerwasser dringt deutlich tiefer ein

21.11.2017 | Geowissenschaften

Eine Nano-Uhr mit präzisen Zeigern

21.11.2017 | Physik Astronomie

Zentraler Schalter

21.11.2017 | Biowissenschaften Chemie