Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Auge in Auge mit den Schwarzen Rauchern der Tiefsee

21.03.2016

GEOMAR-Forscher vermessen Hydrothermalfeld im Pazifik – und berichten live

Mit neuester 3-D-Kameratechnik untersucht ein Team des GEOMAR Helmholtz-Zentrums für Ozeanforschung Kiel in den kommenden zwei Wochen ein Hydrothermalfeld am Boden des Westpazifiks. Dank der modernen Satellitentechnik auf dem vom Schmidt Ocean Institute betriebenen Forschungsschiff FALKOR können die Bilder des eingesetzten Tiefseeroboters direkt ins Internet übertragen werden.


Das Hydrothermalfeld am Niua-South-Vulkan liegt im Lau-Becken zwischen Fidschi und Samoa. Image reproduced from the GEBCO world map 2014, www.gebco.net


Das Lau-Becken mit dem Niua South-Vulkan. Grafik: NOAA Ocean Explorer, http://oceanexplorer.noaa.gov

Außerdem ist geplant, die Forscher von Bord des Schiffes live zu Vortragsveranstaltungen am GEOMAR in Kiel und im Planetarium in Münster hinzuzuschalten.

Meterhohe Schlote am Meeresboden, aus denen dunkle, heiße Flüssigkeiten quellen und um die sich ein fremdartig anmutendes Leben tummelt – es ist noch keine vierzig Jahre her, dass Menschen erstmals „Schwarze Raucher“ in der Tiefsee zu Gesicht bekamen. Damals arbeiteten Wissenschaftler mit dem US-amerikanischen Tauchboot Alvin am Grund des Ostpazifiks und bestaunten ihre Entdeckung durch die winzigen Bullaugen der druckfesten Hülle.

Heute haben vor allem autonome Tiefsee-Drohnen und kabelgesteuerte Roboter die Aufgabe übernommen, heiße Quellen in den Tiefen der Ozeane aufzuspüren und zu untersuchen. Auch die Industrie hat mittlerweile Interesse an den sogenannten Hydrothermalsystemen, weil sich an ihnen wertvolle Erzlagerstätten bilden. Trotzdem ist höchstens ein Bruchteil aller Standorte bekannt und viele Fragen zur Biologie, zur Geologie und zu den geochemischen Prozessen rund um die heißen Quellen sind noch unbeantwortet.

Unter der wissenschaftlichen Leitung des GEOMAR Helmholtz-Zentrums für Ozeanforschung Kiel fährt jetzt das Forschungsschiff FS FALKOR des Schmidt Ocean Institutes (SOI) zum Niua-Unterwasservulkan etwa 200 Kilometer südwestlich von Samoa.

„Dort existiert ein etwa 200 Meter mal 200 Meter großes Hydrothermalfeld, dass wir mit neuesten Methoden präzise vermessen wollen, um daraus ein 3-D-Computermodell der Formationen in bisher unbekannter Präzision zu erstellen“, erklärt der Fahrtleiter Dr. Tom Kwasnitschka vom GEOMAR.

Eine weitere Besonderheit der Expedition: Rund um die Uhr werden Video-Streams vom eingesetzten Tiefseeroboter ROPOS und vom Schiff direkt ins Internet übertragen. So kann jeder, der Lust hat, die Arbeit am Meeresboden live verfolgen.

Darüber hinaus sind Live-Schaltungen zu zwei Vortragsveranstaltungen am GEOMAR in Kiel und im Planetarium Münster geplant. „Die Gäste können uns dann direkt Fragen stellen und gleichzeitig über Tausende von Kilometern hinweg einen Blick auf die Schwarzen Raucher der Tiefsee werfen“, kündigt Dr. Kwasnitschka an.

Doch auch den Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern an Bord sowie den Fachkollegen zuhause wird die Expedition neue Einblicke ermöglichen. Mit einer ganzen Reihe von Spezialkameras wird in einem aufwändigen Verfahren jeder Winkel des Hydrothermalfeldes vermessen.

Noch an Bord errechnet ein Hochleistungscomputer aus über hunderttausend Bildern ein digitales dreidimensionales Modell der gesamten Landschaft. Im weiteren Verlauf der Expedition nutzen die Geologen, Tiefseebiologen und Biogeochemiker an Bord diese 3D-Karte, um gezielt Proben zu nehmen.

„Die digitale 3D-Rekonstruktionsmethode ermöglicht uns erstmals einen virtuellen Spaziergang auf dem Meeresboden – auch noch nach der Expedition. So erhalten selbst Kollegen, die nicht selbst an Bord sind, die Möglichkeit an den Untersuchungen teilzunehmen“, erklärt Dr. Tom Kwasnitschka, „den Wissenschaftlern wie auch der breiten Öffentlichkeit bietet sich so ein Bild dieser Tiefseelandschaft in nie da gewesener Auflösung, Brillianz und Farbigkeit, ganz so als hätte man das Wasser einfach abgelassen.“

Ansprechpartner:
Jan Steffen (GEOMAR, Kommunikation & Medien), Tel.: 0431 600-2811, presse(at)geomar.de 

Dateien:
pm_2016_15_VirtualVents-Expedition.pdf

Andreas Villwock | idw - Informationsdienst Wissenschaft

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Geowissenschaften:

nachricht Seltener Weizenfund in bronzezeitlicher Lunch-Box aus dem Schweizer Hochgebirge
26.07.2017 | Max-Planck-Institut für Menschheitsgeschichte / Max Planck Institute for the Science of Human History

nachricht Grossmäuliger Fisch war nach Massenaussterben Spitzenräuber
26.07.2017 | Universität Zürich

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Geowissenschaften >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Physiker designen ultrascharfe Pulse

Quantenphysiker um Oriol Romero-Isart haben einen einfachen Aufbau entworfen, mit dem theoretisch beliebig stark fokussierte elektromagnetische Felder erzeugt werden können. Anwendung finden könnte das neue Verfahren zum Beispiel in der Mikroskopie oder für besonders empfindliche Sensoren.

Mikrowellen, Wärmestrahlung, Licht und Röntgenstrahlung sind Beispiele für elektromagnetische Wellen. Für viele Anwendungen ist es notwendig, diese Strahlung...

Im Focus: Physicists Design Ultrafocused Pulses

Physicists working with researcher Oriol Romero-Isart devised a new simple scheme to theoretically generate arbitrarily short and focused electromagnetic fields. This new tool could be used for precise sensing and in microscopy.

Microwaves, heat radiation, light and X-radiation are examples for electromagnetic waves. Many applications require to focus the electromagnetic fields to...

Im Focus: Navigationssystem der Hirnzellen entschlüsselt

Das menschliche Gehirn besteht aus etwa hundert Milliarden Nervenzellen. Informationen zwischen ihnen werden über ein komplexes Netzwerk aus Nervenfasern übermittelt. Verdrahtet werden die meisten dieser Verbindungen vor der Geburt nach einem genetischen Bauplan, also ohne dass äußere Einflüsse eine Rolle spielen. Mehr darüber, wie das Navigationssystem funktioniert, das die Axone beim Wachstum leitet, haben jetzt Forscher des Karlsruher Instituts für Technologie (KIT) herausgefunden. Das berichten sie im Fachmagazin eLife.

Die Gesamtlänge des Nervenfasernetzes im Gehirn beträgt etwa 500.000 Kilometer, mehr als die Entfernung zwischen Erde und Mond. Damit es beim Verdrahten der...

Im Focus: Kohlenstoff-Nanoröhrchen verwandeln Strom in leuchtende Quasiteilchen

Starke Licht-Materie-Kopplung in diesen halbleitenden Röhrchen könnte zu elektrisch gepumpten Lasern führen

Auch durch Anregung mit Strom ist die Erzeugung von leuchtenden Quasiteilchen aus Licht und Materie in halbleitenden Kohlenstoff-Nanoröhrchen möglich....

Im Focus: Carbon Nanotubes Turn Electrical Current into Light-emitting Quasi-particles

Strong light-matter coupling in these semiconducting tubes may hold the key to electrically pumped lasers

Light-matter quasi-particles can be generated electrically in semiconducting carbon nanotubes. Material scientists and physicists from Heidelberg University...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

10. Uelzener Forum: Demografischer Wandel und Digitalisierung

26.07.2017 | Veranstaltungen

Clash of Realities 2017: Anmeldung jetzt möglich. Internationale Konferenz an der TH Köln

26.07.2017 | Veranstaltungen

2. Spitzentreffen »Industrie 4.0 live«

25.07.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Basis für neue medikamentöse Therapie bei Demenz

27.07.2017 | Biowissenschaften Chemie

Aus Potenzial Erfolge machen: 30 Rittaler schließen Nachqualifizierung erfolgreich ab

27.07.2017 | Unternehmensmeldung

Biochemiker entschlüsseln Zusammenspiel von Enzym-Domänen während der Katalyse

27.07.2017 | Biowissenschaften Chemie