Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Archaisches Erbe in modernen Frühmenschen

16.09.2011
Fossilien aus Westafrika enthüllen die Vielschichtigkeit der menschlichen Evolution – Tübinger Forscher veröffentlichen Ergebnisse im PLoS ONE Magazine, der Open-Access-Internetzeitschrift für biologische, genetische und medizinische Forschung.

Anatomische Merkmale archaischer Frühmenschen haben in Westafrika wesentlich länger fortbestanden als bisher angenommen.

Dies konnte ein internationales Forscherteam um Professor Katerina Harvati vom Institut für Ur- und Frühgeschichte und Archäologie des Mittelalters an der Universität Tübingen und Professor Chris Stringer vom Naturhistorischen Museum London an einem menschlichen Skelett zeigen, das 1965 in der Iwo Eleru Höhle in Westafrika gefunden wurde: Die Wissenschaftler datierten die Funde auf ein Alter von ca. 13.000 Jahren und damit in eine Zeit weit nach dem ersten Auftreten des anatomisch modernen Menschen vor 200.000 Jahren.

Dennoch ähnelt die Schädelform stark afrikanischen Fossilien, die mehr als 100.000 Jahre alt sind. Die größte anatomische Übereinstimmung findet sich mit dem Ngaloba-Schädel (auch Laetoli 18 genannt) aus Tansania, der um die 140.000 Jahre alt ist.

Die Hinweise auf gemeinsame anatomische Merkmale der Menschen des „Later Stone Age“ und wesentlich älteren Frühmenschen ergänzen jüngste Forschungsergebnisse, die ein gleichzeitiges Bestehen archaischer Frühmenschen und anatomisch moderner Menschen über lange Zeiträume hinweg in Afrika vermuten ließen. Offenbar war der Weg der Menschheitswerdung wesentlich komplexer als bisher angenommen.

„Unsere umfassenden morphologischen und datierenden Unter-suchungen zeigen, dass die Evolution des modernen Menschen in Afrika ein vielschichtiger Vorgang war und dass Populationen archaischer Homininen oder ihre Gene länger in Afrika fortbestanden haben, als man bisher dachte“, sagt Katerina Havarti. „Unsere Ergebnisse stimmen auch mit jüngsten genetischen Forschungen überein, die auf eine Durchmischung archaischer und anatomisch moderner Menschen in Afrika noch um die Zeit vor 35.000 Jahren hinweisen.”

Fossile Funde früher anatomisch moderner Menschen aus der Zeit der “Later Stone Age” werden in West- und Zentralafrika nur sehr selten geborgen. Die erwähnten Forschungen ergeben nicht nur einen Einblick in die komplexen Ursprünge der Herkunft der anatomisch modernen Menschen, sondern verdeutlichen auch den Umfang der Wissenslücken über die menschliche Evolution in West-Afrika. Sie machen aber auch Hoffnung, dass in dieser Region noch viel zu entdecken ist.

Publikation:

PLoS ONE: “Morphologie und Chronologie der Schädelkalotte aus Iwo Eleru (Nigeria, Later Stone Age)
Katerina Harvati1,Chris Stringer2,Rainer Grün3,Maxime Aubert3,Philip Allsworth-Jones4,Caleb Adebayo Folorunso5
1 Paläoanthropologie, Institut für Ur- und Frühgeschichte und Archäologie des Mittelalters und Senckenberg Center for Human Evolution and Paleoecology, Eberhard Karls Universität Tübingen– Germany.
2Palaeontology Department, Natural History Museum, Cromwell Road, London SW7 5BD, UK
3Research School of Earth Sciences, The Australian National University, Canberra 0200, Australia
4Department of Archaeology, University of Sheffield, West Street, Sheffield S1 4ET, UK

5Department of Archaeology and Anthropology, University of Ibadan, Nigeria

Kontakt:

Prof. Dr. Katerina Harvati
Universität Tübingen
Paleoanthropology
Center for Human Evolution and Paleoecology
Rümelinstrasse 23 • 72070 Tübingen
Tel. +49 7071 29-76515 und -75516
katerina.harvati@ifu.uni-tuebingen.de
Prof. Dr. Chris Stringer
Natural History Museum London
Palaeontology Department
Cromwell Road
London SW7 5BD, UK
Telephone: +44 7957 785749
c.stringer@nhm.ac.uk

Michael Seifert | idw
Weitere Informationen:
http://www.nhm.ac.uk
http://www.uni-tuebingen.de

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Geowissenschaften:

nachricht Weniger Sauerstoff in allen Meeren
16.02.2017 | GEOMAR Helmholtz-Zentrum für Ozeanforschung Kiel

nachricht Wie viel Biomasse wächst in der Savanne?
16.02.2017 | Friedrich-Schiller-Universität Jena

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Geowissenschaften >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Innovative Antikörper für die Tumortherapie

Immuntherapie mit Antikörpern stellt heute für viele Krebspatienten einen Erfolg versprechenden Ansatz dar. Weil aber längst nicht alle Patienten nachhaltig von diesen teuren Medikamenten profitieren, wird intensiv an deren Verbesserung gearbeitet. Forschern um Prof. Thomas Valerius an der Christian Albrechts Universität Kiel gelang es nun, innovative Antikörper mit verbesserter Wirkung zu entwickeln.

Immuntherapie mit Antikörpern stellt heute für viele Krebspatienten einen Erfolg versprechenden Ansatz dar. Weil aber längst nicht alle Patienten nachhaltig...

Im Focus: Durchbruch mit einer Kette aus Goldatomen

Einem internationalen Physikerteam mit Konstanzer Beteiligung gelang im Bereich der Nanophysik ein entscheidender Durchbruch zum besseren Verständnis des Wärmetransportes

Einem internationalen Physikerteam mit Konstanzer Beteiligung gelang im Bereich der Nanophysik ein entscheidender Durchbruch zum besseren Verständnis des...

Im Focus: Breakthrough with a chain of gold atoms

In the field of nanoscience, an international team of physicists with participants from Konstanz has achieved a breakthrough in understanding heat transport

In the field of nanoscience, an international team of physicists with participants from Konstanz has achieved a breakthrough in understanding heat transport

Im Focus: Hoch wirksamer Malaria-Impfstoff erfolgreich getestet

Tübinger Wissenschaftler erreichen Impfschutz von bis zu 100 Prozent – Lebendimpfstoff unter kontrollierten Bedingungen eingesetzt

Tübinger Wissenschaftler erreichen Impfschutz von bis zu 100 Prozent – Lebendimpfstoff unter kontrollierten Bedingungen eingesetzt

Im Focus: Sensoren mit Adlerblick

Stuttgarter Forscher stellen extrem leistungsfähiges Linsensystem her

Adleraugen sind extrem scharf und sehen sowohl nach vorne, als auch zur Seite gut – Eigenschaften, die man auch beim autonomen Fahren gerne hätte. Physiker der...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Die Welt der keramischen Werkstoffe - 4. März 2017

20.02.2017 | Veranstaltungen

Schwerstverletzungen verstehen und heilen

20.02.2017 | Veranstaltungen

ANIM in Wien mit 1.330 Teilnehmern gestartet

17.02.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Innovative Antikörper für die Tumortherapie

20.02.2017 | Medizin Gesundheit

Multikristalline Siliciumsolarzelle mit 21,9 % Wirkungsgrad – Weltrekord zurück am Fraunhofer ISE

20.02.2017 | Energie und Elektrotechnik

Wie Viren ihren Lebenszyklus mit begrenzten Mitteln effektiv sicherstellen

20.02.2017 | Biowissenschaften Chemie