Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Zur Erforschung von „Mikro-Ribonukleinsäuren“: EU fördert Projekt an der Universität Regensburg

28.07.2016

Mit einem Consolidator Grant in Höhe von annähernd zwei Millionen Euro finanziert der Europäische Forschungsrat (ERC) ein neues Projekt an der Universität Regensburg. Prof. Dr. Gunter Meister und seine Arbeitsgruppe (Lehrstuhl für Biochemie I) wollen die unterschiedlichen Faktoren, die am Entstehungsprozess von sogenannten MikroRNAs (miRNAs) beteiligt sind, identifizieren und genau untersuchen. MiRNAs gehören zu den kleinsten Formen von Ribonukleinsäuren. Das neue Regensburger Projekt „moreRNA“ wird über einen Zeitraum von fünf Jahren gefördert.

Die Entschlüsselung des menschlichen Genoms hat zwar gezeigt, dass nur ein kleiner Bruchteil des Genoms die Information für den Aufbau von Proteinen – den Grundbausteinen von Zellen – enthält (kodiert). Doch auch im „Rest“ des menschlichen Genoms finden sich wichtige Bausteine wie die kleinen nicht-kodierenden miRNAs, die durch ihre charakteristische Länge von ca. 20-30 Nukleotiden gekennzeichnet sind.

Sie sind zum Beispiel in Form von DNA und deren chemischer Variante RNA beim Menschen in allen Zellen vorhanden. Während die DNA den genetischen Bauplan eines Organismus speichert, transportiert RNA diese Information zu den Stellen, an denen sie gebraucht wird. Weiterhin übernehmen RNAs u.a. als miRNAs wichtige Funktionen bei der Genregulation. Vor diesem Hintergrund können sie allerdings auch an der Entstehung von Krankheiten wie z.B. neurodegenerativen Erkrankungen oder Krebs beteiligt sein.

Neben den kleinen RNAs gibt es lange Formen, deren Rolle in den meisten Fällen allerdings gänzlich unbekannt ist. Man spricht von lncRNAs, wobei eine wichtige Funktion die Inaktivierung des X-Chromosoms in weiblichen Zellen ist. Daneben rücken auch die Proteine, die mit RNAs zusammenwirken (sog. RNA-binde Proteine oder RBPs) zunehmend in den Blick der Forschung.

Ein weiteres spannendes Beispiel für Mechanismen der Genregulation ist die kürzlich gemachte Entdeckung, dass die Grundbausteine der RNA – die sogenannten ‚Basen’ – chemisch verändert werden können. Dies hat zur Folge, dass sich die Funktion solcher RNAs dramatisch wandeln kann. Hier geht man davon aus, dass wichtige neue Impulse für die Erforschung vieler, bislang unverstandener Krankheiten gegeben werden können.

All diese Mechanismen zusammenfassend spricht man vom sogenannten ‚Epi-Transkriptom’ (aus dem Griechischem Präfix „epi“ für „darüber“), womit alles gemeint ist, was nach der Entstehung der RNA mit ihr passiert und ihre Funktion moduliert. Die Analyse dieses ‚Epi-Transkriptoms’ ist eine gänzlich neue Entwicklung in der Molekularbiologie und steht im Zentrum des moreRNA-Projekts an der Universität Regensburg.

Nähere Informationen zu ERC Consolidator Grants:
Zielgruppe der ERC Consolidator Grants sind exzellente Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler, deren eigene unabhängige Arbeitsgruppe in der Konsolidierungsphase ist. Als Grundlage für die Bewertung der Anträge dienen abhängig von Forschungsfeld und Karrierezeitpunkt bestimmte Benchmarks. So sollten Antragstellerinnen und -steller mehrere wichtige und eigenständige Publikationen nachweisen können.

Weitere Benchmarks sind Publikationen als Erstautorin bzw. -autor in führenden internationalen Zeitschriften, (übersetzte) Monographien, Patente, Vorträge auf internationalen Konferenzen oder (internationale) Wissenschaftspreise (www.eubuero.de/erc-consolidator-grants.htm). Das Verfahren zur Förderung durch den ERC ist sehr kompetitiv, da nur wenige solcher Projekte jährlich ausgewählt und gefördert werden.

Weitere Informationen zu den Forschungsaktivitäten am Lehrstuhl für Biochemie I:
www.uni-regensburg.de/biologie-vorklinische-medizin/biochemie-1/research/index.html

Ansprechpartner für Medienvertreter:
Prof. Dr. Gunter Meister
Universität Regensburg
Lehrstuhl für Biochemie I
Tel.: 0941 943-2847
Gunter.Meister@vkl.uni-regensburg.de

Alexander Schlaak | idw - Informationsdienst Wissenschaft

Weitere Berichte zu: Biochemie ERC Genregulation Mikro-Ribonukleinsäuren Monographien Proteine RNA Zellen dna

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Förderungen Preise:

nachricht Deutscher Wirtschaftspreis für Forschung in Gesundheitsökonomik
21.08.2017 | Joachim Herz Stiftung

nachricht Sechs innovative Projekte sind im Rennen um den begehrten European Health Award 2017
17.08.2017 | European Health Forum Gastein

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Förderungen Preise >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Topologische Quantenzustände einfach aufspüren

Durch gezieltes Aufheizen von Quantenmaterie können exotische Materiezustände aufgespürt werden. Zu diesem überraschenden Ergebnis kommen Theoretische Physiker um Nathan Goldman (Brüssel) und Peter Zoller (Innsbruck) in einer aktuellen Arbeit im Fachmagazin Science Advances. Sie liefern damit ein universell einsetzbares Werkzeug für die Suche nach topologischen Quantenzuständen.

In der Physik existieren gewisse Größen nur als ganzzahlige Vielfache elementarer und unteilbarer Bestandteile. Wie das antike Konzept des Atoms bezeugt, ist...

Im Focus: Unterwasserroboter soll nach einem Jahr in der arktischen Tiefsee auftauchen

Am Dienstag, den 22. August wird das Forschungsschiff Polarstern im norwegischen Tromsø zu einer besonderen Expedition in die Arktis starten: Der autonome Unterwasserroboter TRAMPER soll nach einem Jahr Einsatzzeit am arktischen Tiefseeboden auftauchen. Dieses Gerät und weitere robotische Systeme, die Tiefsee- und Weltraumforscher im Rahmen der Helmholtz-Allianz ROBEX gemeinsam entwickelt haben, werden nun knapp drei Wochen lang unter Realbedingungen getestet. ROBEX hat das Ziel, neue Technologien für die Erkundung schwer erreichbarer Gebiete mit extremen Umweltbedingungen zu entwickeln.

„Auftauchen wird der TRAMPER“, sagt Dr. Frank Wenzhöfer vom Alfred-Wegener-Institut, Helmholtz-Zentrum für Polar- und Meeresforschung (AWI) selbstbewusst. Der...

Im Focus: Mit Barcodes der Zellentwicklung auf der Spur

Darüber, wie sich Blutzellen entwickeln, existieren verschiedene Auffassungen – sie basieren jedoch fast ausschließlich auf Experimenten, die lediglich Momentaufnahmen widerspiegeln. Wissenschaftler des Deutschen Krebsforschungszentrums stellen nun im Fachjournal Nature eine neue Technik vor, mit der sich das Geschehen dynamisch erfassen lässt: Mithilfe eines „Zufallsgenerators“ versehen sie Blutstammzellen mit genetischen Barcodes und können so verfolgen, welche Zelltypen aus der Stammzelle hervorgehen. Diese Technik erlaubt künftig völlig neue Einblicke in die Entwicklung unterschiedlicher Gewebe sowie in die Krebsentstehung.

Wie entsteht die Vielzahl verschiedener Zelltypen im Blut? Diese Frage beschäftigt Wissenschaftler schon lange. Nach der klassischen Vorstellung fächern sich...

Im Focus: Fizzy soda water could be key to clean manufacture of flat wonder material: Graphene

Whether you call it effervescent, fizzy, or sparkling, carbonated water is making a comeback as a beverage. Aside from quenching thirst, researchers at the University of Illinois at Urbana-Champaign have discovered a new use for these "bubbly" concoctions that will have major impact on the manufacturer of the world's thinnest, flattest, and one most useful materials -- graphene.

As graphene's popularity grows as an advanced "wonder" material, the speed and quality at which it can be manufactured will be paramount. With that in mind,...

Im Focus: Forscher entwickeln maisförmigen Arzneimittel-Transporter zum Inhalieren

Er sieht aus wie ein Maiskolben, ist winzig wie ein Bakterium und kann einen Wirkstoff direkt in die Lungenzellen liefern: Das zylinderförmige Vehikel für Arzneistoffe, das Pharmazeuten der Universität des Saarlandes entwickelt haben, kann inhaliert werden. Professor Marc Schneider und sein Team machen sich dabei die körpereigene Abwehr zunutze: Makrophagen, die Fresszellen des Immunsystems, fressen den gesundheitlich unbedenklichen „Nano-Mais“ und setzen dabei den in ihm enthaltenen Wirkstoff frei. Bei ihrer Forschung arbeiteten die Pharmazeuten mit Forschern der Medizinischen Fakultät der Saar-Uni, des Leibniz-Instituts für Neue Materialien und der Universität Marburg zusammen Ihre Forschungsergebnisse veröffentlichten die Wissenschaftler in der Fachzeitschrift Advanced Healthcare Materials. DOI: 10.1002/adhm.201700478

Ein Medikament wirkt nur, wenn es dort ankommt, wo es wirken soll. Wird ein Mittel inhaliert, muss der Wirkstoff in der Lunge zuerst die Hindernisse...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

International führende Informatiker in Paderborn

21.08.2017 | Veranstaltungen

Wissenschaftliche Grundlagen für eine erfolgreiche Klimapolitik

21.08.2017 | Veranstaltungen

DGI-Forum in Wittenberg: Fake News und Stimmungsmache im Netz

21.08.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Im Neptun regnet es Diamanten: Forscherteam enthüllt Innenleben kosmischer Eisgiganten

21.08.2017 | Physik Astronomie

Ein Holodeck für Fliegen, Fische und Mäuse

21.08.2017 | Biowissenschaften Chemie

Institut für Lufttransportsysteme der TUHH nimmt neuen Cockpitsimulator in Betrieb

21.08.2017 | Verkehr Logistik