Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Verleihung der DIN-Preise 2014

10.11.2014

Insgesamt sieben DIN-Preise in vier Kategorien wurden am 6. November 2014 im Rahmen der 14. Festveranstaltung „Weltfaktor Normung“ in Berlin vergeben.

Den mit 10.000 Euro dotierten DIN-Preis „Nutzen der Normung" erhielt Karl-Ludwig Blumenthal (Siemens AG, Frankfurt/Main), der einen Beitrag über die innovative Weiterentwicklung bestehender Normen im Bereich des Apparatebaus eingereicht hatte.

Preise in der Kategorie „Best Practice“ gingen an Holger Diehm (velotech GmbH, Schweinfurth), Christian Wais (Wassermann GmbH & Co. KG, Nürnberg) und Prof. Dr. Günter Zöllner. Julius Rauber (TU Berlin) wurde für seine Dissertation über unterschiedliche Ansätze bei der Verwertung von geistigem Eigentum durch Normung, Patentierung und strategisches Publizieren mit dem „Sonderpreis Wissenschaft“ ausgezeichnet. In der Kategorie „Junge Wissenschaft“ gab es zwei Preisträger: Jannis Augustin (Westfälische Hochschule) und Paul von Gruben (Edinburgh University).

Vor der Preisverleihung hörten die rund 270 Gäste im festlich ausgeleuchteten Museum für Kommunikation die Festrede von Prof. Dr. Franz-Rudolf Esch, Direktor des Instituts für Marken- und Kommunikationsforschung an der EBS Universität für Wirtschaft und Recht, der kurzweilig und pointiert über das Thema „Sich selbst treu bleiben“ sprach.

Gleich zu Beginn der Festveranstaltung erhielt Dr. Harald Stallforth (Aesculap AG) wegen seiner vielfachen Verdienste um die Normung im Bereich der Medizintechnik von DIN-Präsidenten Prof. Dr. Klaus Homann den DIN-Ehrenring, die höchste Auszeichnung von DIN. Das musikalische Zwischenspiel gestaltete dieses Jahr das BerlinGuitarTrio.

In dem prämierten Beitrag von Karl-Ludwig Blumenthal geht es um ein für die Normung klassisches Ziel, nämlich um Kosteneinsparung und Effizienzsteigerung durch die Reduzierung der Variantenvielfalt. Den konkreten Gegenstand bildet der Aktualisierungsprozess, wobei drei DIN-Normen für druckbeanspruchte Schweißflansche in einer Norm zusammengefasst wurden. Im Endeffekt hat man die Zahl der möglichen Varianten von 594 auf 192 reduzieren können.

Zudem sollen durch die neue Norm die Kommunikation zwischen Planern, Technischem Einkauf, Anlagenbetreibern, Apparateherstellern und Flanschherstellern deutlich verbessert und planungstechnische Kollisionen vermieden werden. Auf der Basis von verlässlichen Industriedaten konnte Karl-Ludwig Blumenthal eine Kosteneinsparung für die deutsche Industrie von rund 940 Tausend Euro pro Jahr ermitteln. Für Europa hochgerechnet ergibt sich eine Einsparung von 2,85 Mio. Euro pro Jahr und weltweit von 30,5 Mio. Euro pro Jahr. Die einmaligen Kosten der Überarbeitung der Normen für die Industrie – Arbeitsanteil, Reisekostenanteil, betriebliche Abwesenheit – sowie für DIN und Beuth Verlag wurden mit insgesamt 44 Tausend Euro berechnet.

Preise in der Kategorie „Best Practice“ werden für diejenigen Beiträge vergeben, die die erfolgreiche Anwendung von Normen im betrieblichen Ablauf besonders anschaulich darstellen. Holger Diehm hat dies für den Bereich der Fahrradprüfung und –zertifizierung getan. Die von velotec als Dienstleistungszentrum für Produktsicherheit angewendeten Prüf- und Messverfahren sind genormt oder bauen auf Normen auf, indem eigene Prüfprogramme mit strengeren Anforderungen für Produkte mit höheren Qualitätsansprüchen entwickelt werden. Die Bedeutung der Normen als unverzichtbarer Rahmen der täglichen Praxis sowohl im technischen wie auch im rechtlichen Sinn der Produkthaftung wurde überzeugend herausgearbeitet.

In dem Beitrag von Christian Wais geht es um die optimale Vermittlung von Normungswissen. Da ein Schwerpunkt der Dienstleistung der Firma Wassermann die Prüfung und Wartung von kraftbetätigten Tür- und Toranlagen ist, sieht sie es als ihre Aufgabe, die Kunden auch in diesem Bereich bestmöglich zu beraten. Das bedeutet konkret, dass die Mitarbeiter in der Lage sein müssen, dem Kunden vor Ort verständlich zu vermitteln, weshalb welche Umbaumaßnahme zur Einhaltung der geltenden Normen und damit auch zur Minimierung des Haftungsrisikos nötig wird. Der prämierte Beitrag erläutert die Konzepte zur Implementierung der Normen in der Praxis und beschreibt verschiedene innovative Ansätze, die das Verständnis von DIN-Normen sowohl auf Unternehmens- wie auf Kundenseite fördern.

Der Beitrag von Professor Günter Zöllner gilt der Normung von Heizkostenverteilern, die zur Realisierung der Ziele der Heizkostenverordnung diente. Professor Zöllner hat die Entwicklung dieser Normen als Wissenschaftler und als Experte von Anfang an begleitet. Die Ergebnisse seiner Forschung sind in die Normung eingeflossen und haben dem Verbraucher unmittelbaren Nutzen gebracht. Die gesetzlich verordnete verbrauchsabhängige Heizkostenabrechnung ist ein wirksames Mittel zur Reduzierung des Energieverbrauchs für die Raum- bzw. Gebäudeheizung.

Der Verbraucher entscheidet letztlich selbst, wie viel Energie er verbraucht. Gegenüber dem Wert bei pauschaler Abrechnung beträgt die Einsparung an Endenergie bei individueller Verbrauchserfassung rund 20 %. Durch die Normung konnten auch die Qualität der Geräteausführungen und der Ausstattung der Heizungsanlagen mit diesen Geräten sowie die Kontrolle dieser Qualität durch Fachkundige erhöht werden. Der Beitrag bietet ein sehr anschauliches Beispiel für das Zusammenwirken zwischen dem Staat mit seinen gesetzlichen Vorgaben und der privatwirtschlich organisierten Normung einerseits sowie zwischen der Normung und der angewandten Wissenschaft andererseits, wodurch die Festlegungen in der Norm immer mit dem aktuellen Stand der Technik Schritt halten.

Der Beitrag von Jannis Augustin im Wettbewerb „Junge Wissenschaft“ beschäftigt sich mit den speziellen Anforderungen, die an Intensivtransportwagen für Früh- und Neugeborene zu stellen sind. Die Arbeit stellt die Notwendigkeit von Intensivtransportwagen für Früh- und Neugeborene verständlich dar und erläutert, welche Aspekte bei zukünftigen Entwicklungen in den einschlägigen Normen, Richtlinien und Vorschriften berücksichtigt werden sollten.

Herr Augustin sieht in diesem Bereich der neonatalen Versorgungsstruktur eine Lücke und plädiert für die Schaffung einer Norm, die die Anforderungen, Prüfung und Ausrüstung von Intensivtransportwagen für Früh- und Neugeborene festlegt. Seine Gedanken hierzu hat er bereits im zuständigen Arbeitsausschuss vorgetragen und selbst einen Antrag auf Normung gestellt. Die prämierte Arbeit kann auf jeden Fall als gute Vorlage für eine eigene Norm für diese Spezialtransporte gelten oder zumindest der Einbeziehung relevanter Inhalte in die bestehenden Normen dienen.

In der zweiten prämierten Arbeit in der Kategorie „Junge Wissenschaft“ hat Paul von Gruben zwei zentrale Fragen untersucht: Wie gehen Unternehmen in der Automobilindustrie mit internen Werknormen, also mit firmeninternen Standards, und externen Werknormen, also Kundenspezifikationen, um? Hat die Position eines Unternehmens in der Lieferkette einen Einfluss auf die Fähigkeit, mit Werknormen externer Partner oder Kunden umzugehen?

Diese Fragen werden anhand von quantitativen und qualitativen Analysen beantwortet. Paul von Gruben stellt fest, dass die starken Akteure in der Automobilindustrie in der Lage sind ihre internen Werknormen den schwächeren Zulieferern aufzuerlegen. Somit wird kodifiziertes Wissen in Form von Werknormen in unterschiedliche Richtungen transferiert. Außerdem wird ermittelt, dass ein starker Fokus auf interne Werknormen im Unternehmen einen positiven Einfluss auf die Verhandlungsposition mit Zulieferern und Abnehmern hat, und dass es sich für Zulieferer durchaus lohnen kann, in der Standardisierung aktiv zu werden und eigene interne Werknormen aus den externen Werknormen mehrerer Kunden zu erstellen und dadurch Kosten zu sparen.

In seiner mit dem „Sonderpreis Wissenschaft“ ausgezeichneten Dissertation stellt Julius Rauber unter anderem fest, dass es vor allem innovative Unternehmen sind, die in die Normung eintreten. Unternehmen wählen die Option Normung, wenn sie Innovationen an den Markt bringen und diese standardisieren wollen, oder wenn sie die für diese Innovationen relevanten Normen und Standards beeinflussen möchten. Julius Rauber zeigt auch, dass forschungsaktive Unternehmen in ihren Normungsaktivitäten die Gründe für die Teilnahme am Normungsprozess und der späteren Implementierung der Normen verbinden.

Beiträge zu den DIN-Preisausschreiben „Nutzen der Normung“, „Best Practice“, „Junge Wissenschaft“ und „Sonderpreis Wissenschaft“ können jeweils bis zum 31. August des Jahres eingereicht werden. Die nächste Preisverleihung findet am 5. November 2015 statt.

Peter Anthony | idw - Informationsdienst Wissenschaft
Weitere Informationen:
http://www.din.de

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Förderungen Preise:

nachricht ERC-Grants: Fünf neue Projekte an der LMU
11.08.2017 | Ludwig-Maximilians-Universität München

nachricht Krankheitserreger beim Reis blockieren
10.08.2017 | Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Förderungen Preise >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Forscher entwickeln maisförmigen Arzneimittel-Transporter zum Inhalieren

Er sieht aus wie ein Maiskolben, ist winzig wie ein Bakterium und kann einen Wirkstoff direkt in die Lungenzellen liefern: Das zylinderförmige Vehikel für Arzneistoffe, das Pharmazeuten der Universität des Saarlandes entwickelt haben, kann inhaliert werden. Professor Marc Schneider und sein Team machen sich dabei die körpereigene Abwehr zunutze: Makrophagen, die Fresszellen des Immunsystems, fressen den gesundheitlich unbedenklichen „Nano-Mais“ und setzen dabei den in ihm enthaltenen Wirkstoff frei. Bei ihrer Forschung arbeiteten die Pharmazeuten mit Forschern der Medizinischen Fakultät der Saar-Uni, des Leibniz-Instituts für Neue Materialien und der Universität Marburg zusammen Ihre Forschungsergebnisse veröffentlichten die Wissenschaftler in der Fachzeitschrift Advanced Healthcare Materials. DOI: 10.1002/adhm.201700478

Ein Medikament wirkt nur, wenn es dort ankommt, wo es wirken soll. Wird ein Mittel inhaliert, muss der Wirkstoff in der Lunge zuerst die Hindernisse...

Im Focus: Exotische Quantenzustände: Physiker erzeugen erstmals optische „Töpfe" für ein Super-Photon

Physikern der Universität Bonn ist es gelungen, optische Mulden und komplexere Muster zu erzeugen, in die das Licht eines Bose-Einstein-Kondensates fließt. Die Herstellung solch sehr verlustarmer Strukturen für Licht ist eine Voraussetzung für komplexe Schaltkreise für Licht, beispielsweise für die Quanteninformationsverarbeitung einer neuen Computergeneration. Die Wissenschaftler stellen nun ihre Ergebnisse im Fachjournal „Nature Photonics“ vor.

Lichtteilchen (Photonen) kommen als winzige, unteilbare Portionen vor. Viele Tausend dieser Licht-Portionen lassen sich zu einem einzigen Super-Photon...

Im Focus: Exotic quantum states made from light: Physicists create optical “wells” for a super-photon

Physicists at the University of Bonn have managed to create optical hollows and more complex patterns into which the light of a Bose-Einstein condensate flows. The creation of such highly low-loss structures for light is a prerequisite for complex light circuits, such as for quantum information processing for a new generation of computers. The researchers are now presenting their results in the journal Nature Photonics.

Light particles (photons) occur as tiny, indivisible portions. Many thousands of these light portions can be merged to form a single super-photon if they are...

Im Focus: Wissenschaftler beleuchten den „anderen Hochtemperatur-Supraleiter“

Eine von Wissenschaftlern des Max-Planck-Instituts für Struktur und Dynamik der Materie (MPSD) geleitete Studie zeigt, dass Supraleitung und Ladungsdichtewellen in Verbindungen der wenig untersuchten Familie der Bismutate koexistieren können.

Diese Beobachtung eröffnet neue Perspektiven für ein vertieftes Verständnis des Phänomens der Hochtemperatur-Supraleitung, ein Thema, welches die Forschung der...

Im Focus: Tests der Quantenmechanik mit massiven Teilchen

Quantenmechanische Teilchen können sich wie Wellen verhalten und mehrere Wege gleichzeitig nehmen, um an ihr Ziel zu gelangen. Dieses Prinzip basiert auf Borns Regel, einem Grundpfeiler der Quantenmechanik; eine mögliche Abweichung hätte weitreichende Folgen und könnte ein Indikator für neue Phänomene in der Physik sein. WissenschafterInnen der Universität Wien und Tel Aviv haben nun diese Regel explizit mit Materiewellen überprüft, indem sie massive Teilchen an einer Kombination aus Einzel-, Doppel- und Dreifachspalten interferierten. Die Analyse bestätigt den Formalismus der etablierten Quantenmechanik und wurde im Journal "Science Advances" publiziert.

Die Quantenmechanik beschreibt sehr erfolgreich das Verhalten von Partikeln auf den kleinsten Masse- und Längenskalen. Die offensichtliche Unvereinbarkeit...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Eröffnung der INC.worX-Erlebniswelt während der Technologie- und Innovationsmanagement-Tagung 2017

16.08.2017 | Veranstaltungen

Sensibilisierungskampagne zu Pilzinfektionen

15.08.2017 | Veranstaltungen

Anbausysteme im Wandel: Europäische Ackerbaubetriebe müssen sich anpassen

15.08.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Neue Einblicke in die Welt der Trypanosomen

16.08.2017 | Biowissenschaften Chemie

Maschinensteuerung an Anwender: Intelligentes System für mobile Endgeräte in der Fertigung

16.08.2017 | Informationstechnologie

Komfortable Software für die Genomanalyse

16.08.2017 | Informationstechnologie