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VDE: Mehr Dienste, bessere Qualität, weniger Funklöcher

16.11.2011
Johann-Philipp-Reis-Preis 2011 geht an Prof. Alexander Raake und Dr. Patrick Marsch

Fernsehen in 3-D-Qualität, jederzeit Zugriff auf das Internet, das Smart Phone als mobiles Gerät in allen Lebenslagen, der technische Fortschritt greift rasant um sich. Die Basis für die gute Qualität und Effizienz ganz unterschiedlicher technischer Dienste legen dabei Wissenschaftler, wie Dr. Patrick Marsch von Nokia Siemens Networks und Prof. Dr.-Ing. Alexander Raake von den Telekom Innovation Laboratories (T-Labs) an der Technischen Universität Berlin.

Für ihre Forschungen erhalten sie jetzt gemeinsam den mit 10.000 Euro dotierten Johann-Philipp-Reis-Preis für herausragende, innovative Leistungen auf dem Gebiet der Nachrichtentechnik. Die in der Telekommunikationsbranche renommierte Auszeichnung für Nachwuchswissenschaftler wird alle zwei Jahre vom VDE gemeinsam mit der Deutschen Telekom AG und den hessischen Städten Friedrichsdorf und Gelnhausen vergeben, in denen der Erfinder Reis lebte.

Dr. Patrick Marsch gilt als maßgeblicher Pionier bei der Einführung des Kooperativen Übertragungsverfahrens (CoMP = Coordinated Multi-Point) im Mobilfunk. Es stellt einen Paradigmenwechsel im Mobilfunk dar. Dr. Patrick Marsch: „Konkret funktioniert das so, dass benachbarte Mobilfunkstationen gemeinsam die Signale der Handys in ihren jeweiligen Zellen dekodieren, und auf diese Weise nicht nur die Interferenz herausrechnen können, sondern diese sogar vorteilhaft nutzen. Man kann sich das recht plakativ vorstellen, wie bei einer lauten Cocktailparty: Wenn alle gleichzeitig reden und ihre Stimme heben, versteht irgendwann keiner mehr etwas. Wenn die Teilnehmer der Party allerdings die Fragmente von Unterhaltungen, die sie aufgeschnappt haben, untereinander austauschen, kann unter Umständen alles rekonstruiert werden, was irgendwo einmal gesagt wurde.“ Auch Basisstationen können kooperativ Daten zu mehreren Nutzern in mehreren Mobilfunkzellen senden, beschreibt der Experte. So kann die Interferenz wieder in etwas Nutzbares umgewandelt werden. „Das Verfahren bietet die Möglichkeit, Datenraten im Mobilfunk deutlich zu erhöhen und den Nutzern zu helfen, die an den Grenzen zwischen benachbarten Zellen stehen und somit in heutigen Systemen besonders unter Interferenz leiden“, sagt Dr. Patrick Marsch. Der gebürtige Erlanger absolvierte ein Studium der Informationssystemtechnik an der Technischen Universität Dresden und der McGill University in Montréal, Canada, bevor er 2005 nach einem Auslandsaufenthalt in China seine Promotion am Vodafone Lehrstuhl für mobile Nachrichtensysteme an der TU Dresden begann. Seit Februar 2011 leitet Dr. Marsch ein Forschungsteam innerhalb von Nokia Siemens Networks, Breslau, Polen, das sich hauptsächlich mit der Mobilfunk-Standardisierung befasst.

Mehr Qualität bei Multimediadiensten
Die Schnittstelle zwischen Multimediadiensten und deren Nutzern ist das Thema von Professor Alexander Raake. Seit Oktober 2009 leitet er das Fachgebiet "Assessment of IP-based Applications" an den T-Labs/Technische Universität Berlin. Die meisten Menschen haben einen Fernseher zu Hause, oder ein Festnetztelefon. Seit Jahren geht die Entwicklung solcher Dienste in Richtung einer Übertragung mittels des Internetprotokolls (IP). Das erlaubt mehr Freiheiten bei der Implementierung bekannter Dienste, kostengünstigere Anwendungen, die eine gemeinsame Infrastruktur ausnutzen können, und damit auch einfache Kombinationen verschiedener Dienste. „Wir befassen uns mit der Qualität, die Benutzer erfahren, wenn sie solche Dienste verwenden. Auf Basis dieser Erkenntnisse können die Dienste bereits während der Planung verbessert werden. Andererseits kann die Qualität auch während des Betriebs anhand gemessener technischer Parameter oder Signale automatisch geschätzt werden. Dies erlaubt es z.B., die Signalverarbeitung bei Versendung oder Empfang und die bei der Übertragung verwendeten Netzressourcen optimal anzupassen“, sagt Professor Alexander Raake. Störungen lassen sich so im laufenden Betrieb identifizieren. „Ein weitere Anwendung ist eine automatische Vorauswahl von 3-D Video-Quellmaterial, um sicher zu stellen, dass nur solches Material ausgestrahlt wird, das auf ausreichend hochwertige Weise aufgezeichnet und verarbeitet wurde, um eine visuelle Ermüdung der Benutzer zu vermeiden.“ Zukünftig können Dienste also in einer möglichst hohen Qualität geplant werden, die Signalverarbeitung und Ressourcenverwaltung optimal angepasst werden, hinsichtlich von Nutzen und Kosten aus Kunden- und Betreibersicht.

Professor Alexander Raake, hat an der RWTH Aachen Elektrotechnik und Physik studiert, mit Aufenthalten in Paris und Colorado Springs, USA. Von 1999 bis 2004 war er als wissenschaftlicher Mitarbeiter am Institut für Kommunikationsakustik der Ruhr-Universität Bochum tätig. Im Januar 2005 hat er seine Promotion zum Dr.-Ing. der Elektrotechnik und Informationstechnik auf dem Gebiet der instrumentellen Vorhersage der Sprachqualität von Voice over Internet Protocol (VoIP) abgeschlossen. Von 2005 bis 2009 war er dort als "Senior Scientist" am Quality and Usability Lab der Telekom Innovation Laboratories (T-Labs) tätig.

Über den Johann-Philipp-Reis-Preis:
Die Auszeichnung erinnert an den 1834 in Gelnhausen geborenen und 1874 in Friedrichsdorf verstorbenen Johann Philipp Reis. Bereits am 26. Oktober 1861 führte der Autodidakt und Physiker erstmals in Frankfurt am Main das erste Gerät zur Tonübertragung "Telephon" vor. Damit hatte er noch vor Alexander Graham Bell das Telefon erfunden, aber diese Erfindung nicht patentieren lassen. Gemeinsam mit den Städten Friedrichsdorf im Taunus und Gelnhausen sowie der Deutschen Telekom verleiht der VDE seit 1986 alle zwei Jahre den mit Euro 10.000 dotierten Johann-Philipp-Reis-Preis. Ausgewählt werden die Preisträger von Experten der Informationstechnischen Gesellschaft im VDE (VDE|ITG). „Diese Auszeichnung geht an Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler bis 40 Jahre, die eine herausragende, innovative Veröffentlichung auf dem Gebiet der Nachrichtentechnik publiziert haben. Das Besondere an der Idee des Johann Philipp Reis war nicht nur das technisch Neue, sondern auch die umwälzenden volkswirtschaftlichen Auswirkungen, die seine Erfindung mit sich brachte“, erklärt VDE-Präsident Dipl.-Ing. Alf Henryk Wulf. Für den VDE steht die Förderung des wissenschaftlichen Nachwuchses ganz klar im Fokus. Die aktuellen Preisträger setzen schon heute wichtige Akzente für die Zukunftstechnologien. „Konkrete Veränderungen sind eine hoffentlich weiter zunehmende Qualität aus Kundensicht. Darüber hinaus leisten wir einen Beitrag dazu, dass bestimmte Dienste überhaupt angeboten werden“, sagt Professor Alexander Raake. „Wenn sich nachweisen lässt, dass eine breitbandige Sprachübertragung oder eine räumliche Darbietung unterschiedlicher Sprecher in einer Telefonkonferenz auch tatsächlich zu einem verbesserten Kundenerleben führen, werden solche verbesserten Dienste auch wirklich eingesetzt.“ Für Patrick Marsch steht fest: „Mobilfunkkunden werden CoMP Verfahren speziell dadurch spüren, dass eine wesentliche gleichmäßigere Dienstgüte über die Fläche angeboten werden kann, das heißt, es gibt weniger "Funklöcher" als bisher.“
Über den VDE und die Informationstechnische Gesellschaft im VDE (VDE|ITG):
Der VDE ist mit 36.000 Mitgliedern, davon 1.300 Unternehmen und 8.000 Studenten, einer der großen technisch-wissenschaftlichen Verbände Europas. Sein System ist weltweit einmalig: Der VDE vereint Wissenschaft, Normung und Produktprüfung unter einem Dach. VDE-Tätigkeitsfelder sind der Technikwissenstransfer, die Forschungs- und Nachwuchsförderung der Schlüsseltechnologien Elektrotechnik, Elektronik und Informationstechnik. Der VDE engagiert sich für ein besseres Innovationsklima, eine moderne Ingenieurausbildung und eine hohe Technikakzeptanz.

Die Informationstechnische Gesellschaft im VDE (VDE|ITG) ist die nationale Vereinigung aller auf dem Gebiet der Informationstechnik Tätigen in Wirtschaft, Verwaltung, Lehre und Forschung und Wissenschaft. Ihre Ziele sind die Förderung der wissenschaftlichen und technischen Weiterentwicklung und Bewertung der Informationstechnik in Theorie und Praxis. 1954 als Nachrichtentechnische Gesellschaft gegründet, ist sie die älteste Fachgesellschaft im VDE. Die neun Fachbereiche, denen über 100 Fachgremien zugeordnet sind, decken das gesamte Spektrum der Informationstechnik ab. Etwa 11000 VDE-Mitglieder haben sich der ITG zugeordnet und über 1200 Experten arbeiten ehrenamtlich in den Gremien mit.

Pressekontakt: Melanie Mora, Tel. 069 6308461, melanie.mora@vde.com

Melanie Mora | VDE
Weitere Informationen:
http://www.vde.com

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