Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Universitätsmedizin ehrt Gerhard Domagk – Ohne ihn gäbe es kein Penicillin

21.10.2014

Mit einem Festakt ehrt die Universitätsmedizin Greifswald am 23. Oktober 2014 um 10:30 Uhr Nobelpreisträger Gerhard Domagk: Anlass ist der 75. Jahrestag der Nobelpreisverleihung. Anschließend wird im Foyer des Krankenhauses eine Ausstellung zu Leben und Wirken Gerhard Domagks eröffnet. Domagk wirkte 1923/24 in Greifswald.

Die Veranstaltung im Hörsaal Süd wird durch den Wissenschaftlichen Vorstand und Dekan der Universitätsmedizin, Prof. Dr. Reiner Biffar, eröffnet.


Porträt Prof. Gerhard Domagk

Foto: Familienbesitz Prof. Dirk Domagk, Münster

Sebastian Schröder, Staatssekretär im Bildungsministerium Mecklenburg-Vorpommern, und der Enkel des Nobelpreisträgers, Prof. Dr. Dirk Domagk von der Universität Münster sowie Geschäftsführender Vorstand der Bayer Stiftungen, werden mit Beiträgen den Menschen und herausragenden Forscher Gerhardt Domagk vorstellen, aber auch Herausforderungen in der Forschung damals und heute thematisieren. Am Nachmittag schließt sich der von der Fachschaft initiierte Tag der Wissenschaft der Medizin an.

Kommt heute das Gespräch auf Krankheiten wie Keuchhusten, Diphterie oder Wundstarrkrampf wird kaum jemand mit Panik reagieren, da man sich durch Impfungen geschützt fühlt bzw. mit einer angemessenen medizinischen Versorgung rechnet. Es ist nur noch wenigen Menschen bewusst, dass beispielsweise Tuberkulose als Volksseuche galt.

Die Wahrscheinlichkeit, sich mit dieser ansteckenden Infektionskrankheit zu infizieren und in der Folge daran zu sterben, war zu Beginn des 20. Jahrhunderts besonders groß. Auch heute noch gilt die Tuberkulose als ein „Killer“. Sie ist leider auch ein gutes Beispiel für die aktuelle Antibiotikakrise; immer häufiger treten Erreger auf, die sich kaum noch oder gar nicht mehr antibiotisch beherrschen lassen: Laut Weltgesundheitsorganisation (WHO) ist die Krankheit eine der größten Bedrohungen für die Weltgesundheit im 21. Jahrhundert, auch in den Industrienationen.

Kaum bekannt ist bisher jedoch, dass der Nobelpreisträger Gerhard Domagk entscheidend zur Bekämpfung von Infektionskrankheiten, insbesondere der Tuberkulose, beigetragen hat. Der 75. Jahrestag der Nobelpreisverleihung an Gerhard Domagk war für die Universitätsmedizin Grund genug, sich mit dem bedeutenden Wissenschaftler näher zu befassen und ihn zu ehren.

Gerhard Domagk wird 1895 geboren und studiert in Kiel Humanmedizin. Mit Beginn des ersten Weltkrieges meldet er sich als Freiwilliger zur Armee. Dort lernt er die Schrecken des Krieges kennen. Erschüttert lernt er die durch Granaten Verstümmelten kennen, muss erleben, wie Kameraden vor seinen Augen hilflos an Wundinfektionen, Gasbrand, Ruhr, Cholera, Typhus und Meningitis sterben und die Ärzte den bakteriellen Erkrankungen machtlos gegenüberstehen. 

Bereits im ersten Kriegsjahr wird er verwundet und dient nach seiner Genesung als Sanitäter. Neben den Soldaten, die während der Schlacht sterben, kommt ein Großteil der Verwundeten (im deutschen Heer ca. 100.000 bis 150.000 Soldaten) in den Lazaretten durch gasbrandinfizierte Wunden um.

Die Hilflosigkeit der Medizin hinsichtlich der Behandlung von bakteriellen Erkrankungen, wie zum Beispiel Typhus, Meningitis oder Cholera der Kriegsverletzten prägt Domagks zukünftigen Werdegang. Die wirksame Bekämpfung von Infektionskrankheiten wird zu seiner wichtigsten Lebensaufgabe als Mediziner und Forscher.

1923 wird Domagk eine Position am Pathologischen Institut der Universität Greifswald angeboten. Als Assistent forscht er hier zwischen 1923 und 1924 und habilitiert sich mit einer Schrift über die Bedeutung des retikuloendothelialen Systems für die Vernichtung von Infektionserregern und für die Entstehung des Amyloids. Das retikuloendothelialen System ist Teil des Immunsystems des menschlichen Körpers. Diese Arbeit von Domagk wird wegweisend für die Erforschung der Chemotherapie bakterieller Infektionen.

Bayer Pharma bietet dem 32-jährigen Domagk 1927 an, eine pharmakologische Forschergruppe aufzubauen. Domagk entdeckt die antibakterielle Wirkung der Sulfonamide, für die ihm 1939 der Nobelpreis für Medizin verliehen wird. Er wird jedoch durch eine Anordnung Adolf Hitlers gezwungen, den Preis abzulehnen und als Folge verhaftet. Außergewöhnlich ist, dass er nach Kriegsende 1947 nachträglich den Nobelpreis vom schwedischen König persönlich entgegennehmen darf. In dieser Zeit widmet er sich vor allem der Bekämpfung der Tuberkulose, deren Zahl an Erkrankungen nach dem Zweiten Weltkrieg rapide ansteigt. Domagk stirbt nach einem erfüllten Leben 1964 in Burgberg im Schwarzwald.

Alexander Fleming faßt Domagks Lebenswerk wie folgt zusammen: „Ohne Domagk keine Sulfonamide, ohne Sulfonamide kein Penicillin, ohne Penicillin keine Antibiotika.“

Weitere Informationen
Einladungsflyer Festakt http://www2.medizin.uni-greifswald.de/index.php?id=617
Gerhard-Domagk-Nachwuchsförderprogramm http://www.medizin.uni-greifswald.de/domagk

Porträt Prof. Gerhard Domagk
Foto: Familienbesitz Prof. Dirk Domagk, Münster
Das Foto kann für redaktionelle Zwecke im Zusammenhang mit dieser Pressemitteilung kostenlos heruntergeladen und genutzt werden. Dabei ist die Quelle des Bildes zu nennen. Download: http://www.uni-greifswald.de/informieren/pressestelle/pressefotos/pressefotos-2014/pressefotos-oktober-2014.html

Ansprechpartnerin an der Universitätsmedizin Greifswald
Miriam Halle
Fleischmannstraße 8
17475 Greifswald
Telefon 03834 86-5099
Telefax 03834 86-5002
miriam.halle@uni-greifswald.de

Jan Meßerschmidt | idw - Informationsdienst Wissenschaft

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Förderungen Preise:

nachricht DFG bewilligt drei neue Forschergruppen und eine neue Klinische Forschergruppe
22.09.2017 | Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG)

nachricht Millionen für die Krebsforschung
20.09.2017 | Julius-Maximilians-Universität Würzburg

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Förderungen Preise >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: The pyrenoid is a carbon-fixing liquid droplet

Plants and algae use the enzyme Rubisco to fix carbon dioxide, removing it from the atmosphere and converting it into biomass. Algae have figured out a way to increase the efficiency of carbon fixation. They gather most of their Rubisco into a ball-shaped microcompartment called the pyrenoid, which they flood with a high local concentration of carbon dioxide. A team of scientists at Princeton University, the Carnegie Institution for Science, Stanford University and the Max Plank Institute of Biochemistry have unravelled the mysteries of how the pyrenoid is assembled. These insights can help to engineer crops that remove more carbon dioxide from the atmosphere while producing more food.

A warming planet

Im Focus: Hochpräzise Verschaltung in der Hirnrinde

Es ist noch immer weitgehend unbekannt, wie die komplexen neuronalen Netzwerke im Gehirn aufgebaut sind. Insbesondere in der Hirnrinde der Säugetiere, wo Sehen, Denken und Orientierung berechnet werden, sind die Regeln, nach denen die Nervenzellen miteinander verschaltet sind, nur unzureichend erforscht. Wissenschaftler um Moritz Helmstaedter vom Max-Planck-Institut für Hirnforschung in Frankfurt am Main und Helene Schmidt vom Bernstein-Zentrum der Humboldt-Universität in Berlin haben nun in dem Teil der Großhirnrinde, der für die räumliche Orientierung zuständig ist, ein überraschend präzises Verschaltungsmuster der Nervenzellen entdeckt.

Wie die Forscher in Nature berichten (Schmidt et al., 2017. Axonal synapse sorting in medial entorhinal cortex, DOI: 10.1038/nature24005), haben die...

Im Focus: Highly precise wiring in the Cerebral Cortex

Our brains house extremely complex neuronal circuits, whose detailed structures are still largely unknown. This is especially true for the so-called cerebral cortex of mammals, where among other things vision, thoughts or spatial orientation are being computed. Here the rules by which nerve cells are connected to each other are only partly understood. A team of scientists around Moritz Helmstaedter at the Frankfiurt Max Planck Institute for Brain Research and Helene Schmidt (Humboldt University in Berlin) have now discovered a surprisingly precise nerve cell connectivity pattern in the part of the cerebral cortex that is responsible for orienting the individual animal or human in space.

The researchers report online in Nature (Schmidt et al., 2017. Axonal synapse sorting in medial entorhinal cortex, DOI: 10.1038/nature24005) that synapses in...

Im Focus: Tiny lasers from a gallery of whispers

New technique promises tunable laser devices

Whispering gallery mode (WGM) resonators are used to make tiny micro-lasers, sensors, switches, routers and other devices. These tiny structures rely on a...

Im Focus: Wundermaterial Graphen: Gewölbt wie das Polster eines Chesterfield-Sofas

Graphen besitzt extreme Eigenschaften und ist vielseitig verwendbar. Mit einem Trick lassen sich sogar die Spins im Graphen kontrollieren. Dies gelang einem HZB-Team schon vor einiger Zeit: Die Physiker haben dafür eine Lage Graphen auf einem Nickelsubstrat aufgebracht und Goldatome dazwischen eingeschleust. Im Fachblatt 2D Materials zeigen sie nun, warum dies sich derartig stark auf die Spins auswirkt. Graphen kommt so auch als Material für künftige Informationstechnologien infrage, die auf der Verarbeitung von Spins als Informationseinheiten basieren.

Graphen ist wohl die exotischste Form von Kohlenstoff: Alle Atome sind untereinander nur in der Ebene verbunden und bilden ein Netz mit sechseckigen Maschen,...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

11. BusinessForum21-Kongress „Aktives Schadenmanagement"

22.09.2017 | Veranstaltungen

Internationale Konferenz zum Biomining ab Sonntag in Freiberg

22.09.2017 | Veranstaltungen

Die Erde und ihre Bestandteile im Fokus

21.09.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

11. BusinessForum21-Kongress „Aktives Schadenmanagement"

22.09.2017 | Veranstaltungsnachrichten

DFG bewilligt drei neue Forschergruppen und eine neue Klinische Forschergruppe

22.09.2017 | Förderungen Preise

Lebendiges Gewebe aus dem Drucker

22.09.2017 | Biowissenschaften Chemie