Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Tumorzellen zum Selbstmord überreden

09.07.2009
Heidelberger Pathologe Privatdozent Dr. Wilfried Roth mit dem Rudolf-Virchow-Preis ausgezeichnet

Mit welchen molekularen Botschaften kann man Tumorzellen zum Rückzug bewegen? Forscher des Pathologischen Instituts am Universitätsklinikum Heidelberg und des Deutschen Krebsforschungszentrums (DKFZ) haben Signalketten entschlüsselt, die das Selbstmordprogramm von Tumorzellen beeinflussen und neue Ansatzpunkte für eine Therapie aufzeigen.

Für seine Arbeiten zu diesem Thema erhielt Privatdozent Dr. Wilfried Roth, Leiter einer von der Deutschen Krebshilfe geförderten Nachwuchsgruppe am DKFZ und Pathologischen Institut, den mit 5.000 Euro dotierten Rudolf-Virchow-Preis. Die Auszeichnung wurde bei der Jahrestagung der Deutschen Gesellschaft für Pathologie vom 4. - 7. Juni 2009 in Freiburg verliehen.

Apoptose heißt das Zauberwort: Normalerweise besitzt jede Zelle ein Programm, das unter entsprechenden Bedingungen den Tod der Zelle auslöst (Apoptose). Eine elegante Methode, Tumorzellen zum Verschwinden zu bringen, ist die Möglichkeit, dieses Selbstmordprogramm in Gang zu setzen. Die molekularen Abläufe der Apoptose sind jedoch äußerst komplex und können an vielen Stellen gestört sein. Besonders Tumorzellen entwickeln zahlreiche Strategien, um sich dem Zelltod zu entziehen.

Im Pathologischen Institut und im DKFZ tätig

Bereits während seines Studiums in Tübingen beschäftigte sich Wilfried Roth in seiner Doktorarbeit mit dem Thema Apoptose. Im Rahmen eines von der Deutschen Forschungsgemeinschaft geförderten Forschungsaufenthaltes in den USA (Burnham Institute, San Diego) konnte er seine Kenntnisse hierzu weiter vertiefen. Seit 2004 ist er am Pathologischen Institut des Universitätsklinikums Heidelberg (Ärztlicher Direktor: Professor Dr. Peter Schirmacher) tätig, wo er sich auch habilitierte. Neben seiner Arbeit als Oberarzt leitet der 39-jährige exzellente Forscher seit 2005 die von der Deutschen Krebshilfe geförderte Max-Eder-Nachwuchsgruppe am Deutschen Krebsforschungszentrum.

"Forschung ist natürlich Teamwork", sagt Wilfried Roth, "und da ich mich für den Virchow-Preis mit mehreren Veröffentlichungen beworben habe, ist die Arbeit zahlreicher Personen in diese Forschungsergebnisse geflossen." Seine Mitarbeiter arbeiten sowohl am Pathologischen Institut als auch am Deutschen Krebsforschungszentrum.

Neue Therapieansätze durch Eingreifen in die Signalketten

Die Wissenschaftler um Roth versuchen, entscheidende Regulationsschritte im Ablauf des Zelltodes ausfindig zu machen, um dort mit neuen Wirkstoffen das Tumorwachstum zu bekämpfen. Dabei kann bei jeder Tumorart ein anderer Schritt verändert sein. Hirntumoren zum Beispiel produzieren ein Protein, das den Zelltod hemmt. Dadurch sind sie schwerer zu therapieren. Verhindert man die Bildung dieses Proteins, so kann die Zelltodkaskade wieder ablaufen.

In Nierentumoren ist dagegen ein bestimmter, den Zelltod auslösender Rezeptor, vermehrt vorhanden. Roth und seine Mitarbeiter sehen hier die Möglichkeit, mit Wirkstoffen, die gezielt an diesem Todesrezeptor angreifen, die Therapie wirksamer zu machen.

Aussagekräftige Prognosefaktoren für die Therapieentscheidung

Patienten mit einem voraussichtlich schwereren Verlauf der Krebserkrankung können von zusätzlichen, z.T. neuen Therapien profitieren. Unabhängige Prognosefaktoren helfen, sich für solche adjuvante Therapiestudien zu entscheiden. Die Forschergruppe um Roth identifizierte bei Patienten mit einem Nierentumor Faktoren in der Apoptose-Signalkette, die den Verlauf und die Sterblichkeit anzeigen können: Das Protein DcR3 (Decoy Receptor 3) bindet und inaktiviert dadurch einen Botenstoff, der den Zelltod auslöst. DcR3 kann im Blut gemessen werden und weist bei erhöhten Werten auf eine ungünstige Prognose hin. Ähnliches gilt für einen Todesrezeptor und den an ihn bindenden Botenstoff, deren Vorkommen im Tumorgewebe überprüft wird.

Rudolf-Virchow-Preis: Höchste Auszeichnung für Pathologen

Der Rudolf-Virchow-Preis ist nach dem Gründer der Pathologie benannt. Er wird seit 1980 jährlich von der Deutschen Gesellschaft für Pathologie an einen Pathologen unter 40 Jahren verliehen und stellt die höchste Auszeichnung für Pathologen in Deutschland dar.

Literatur:
Macher-Goeppinger S, Aulmann S, Tagscherer KE, Wagener N, Haferkamp A, Penzel R, Brauckhoff A, Hohenfellner M, Sykora J, Walczak H, Teh BT, Autschbach F, Herpel E, Schirmacher P, Roth W Prognostic value of Tumor Necrosis Factor-Related Apoptosis-inducing ligand (TRAIL) and TRAIL receptors in renal cell cancer. Clinical Cancer Research 15, 650-659, 2009.

Tagscherer KE, Fassl A, Campos B, Farhadi M, Kraemer A, Boeck BC, Macher-Goeppinger S, Radlwimmer B, Wiestler OD, Herold-Mende C, Roth W Apoptosis-based treatment of glioblastoma with ABT-737, a novel small molecule inhibitor of Bcl-2 family proteins. Oncogene 27, 6646-56, 2008.

Weitere Informationen:
www.klinikum.uni-heidelberg.de/Pathologie.106594.0.html
Ansprechpartner:
PD Dr. med. Wilfried Roth
Pathologisches Institut
Universitätsklinikum Heidelberg
Im Neuenheimer Feld 220/221
69120 Heidelberg
Tel: 06221 / 56-26 47
Email: Wilfried.Roth(at)med.uni-heidelberg.de
Oder:
Molekulare Neuro-Onkologie
Deutsches Krebsforschungszentrum (DKFZ)
Im Neuenheimer Feld 280
69120 Heidelberg
Universitätsklinikum und Medizinische Fakultät Heidelberg
Krankenversorgung, Forschung und Lehre von internationalem Rang
Das Universitätsklinikum Heidelberg ist eines der größten und renommiertesten medizinischen Zentren in Deutschland; die Medizinische Fakultät der Universität Heidelberg zählt zu den international bedeutsamen biomedizinischen Forschungseinrichtungen in Europa. Gemeinsames Ziel ist die Entwicklung neuer Therapien und ihre rasche Umsetzung für den Patienten. Klinikum und Fakultät beschäftigen rund 7.000 Mitarbeiter und sind aktiv in Ausbildung und Qualifizierung. In mehr als 40 Kliniken und Fachabteilungen mit 1.600 Betten werden jährlich rund 500.000 Patienten ambulant und stationär behandelt. Derzeit studieren ca. 3.100 angehende Ärzte in Heidelberg; das Heidelberger Curriculum Medicinale (HeiCuMed) steht an der Spitze der medizinischen Ausbildungsgänge in Deutschland. (Stand 12/2008) www.klinikum.uni-heidelberg.de
Bei Rückfragen von Journalisten:
Dr. Annette Tuffs
Presse- und Öffentlichkeitsarbeit des Universitätsklinikums Heidelberg
und der Medizinischen Fakultät der Universität Heidelberg
Im Neuenheimer Feld 672
69120 Heidelberg
Tel.: 06221 / 56 45 36
Fax: 06221 / 56 45 44
E-Mail: annette.tuffs(at)med.uni-heidelberg.de

Dr. Annette Tuffs | idw
Weitere Informationen:
http://www.klinikum.uni-heidelberg.de/presse

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Förderungen Preise:

nachricht Fraunhofer HHI erhält AIS Technology Innovation Award 2018 für 3D Human Body Reconstruction
17.01.2018 | Fraunhofer-Institut für Nachrichtentechnik, Heinrich-Hertz-Institut, HHI

nachricht Diagnostik der Zukunft - Europäisches Projekt zur Erforschung seltener Krankheiten startet
16.01.2018 | Universitätsklinikum Tübingen

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Förderungen Preise >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Forscher entschlüsseln zentrales Reaktionsprinzip von Metalloenzymen

Sogenannte vorverspannte Zustände beschleunigen auch photochemische Reaktionen

Was ermöglicht den schnellen Transfer von Elektronen, beispielsweise in der Photosynthese? Ein interdisziplinäres Forscherteam hat die Funktionsweise wichtiger...

Im Focus: Scientists decipher key principle behind reaction of metalloenzymes

So-called pre-distorted states accelerate photochemical reactions too

What enables electrons to be transferred swiftly, for example during photosynthesis? An interdisciplinary team of researchers has worked out the details of how...

Im Focus: Erstmalige präzise Messung der effektiven Ladung eines einzelnen Moleküls

Zum ersten Mal ist es Forschenden gelungen, die effektive elektrische Ladung eines einzelnen Moleküls in Lösung präzise zu messen. Dieser fundamentale Fortschritt einer vom SNF unterstützten Professorin könnte den Weg für die Entwicklung neuartiger medizinischer Diagnosegeräte ebnen.

Die elektrische Ladung ist eine der Kerneigenschaften, mit denen Moleküle miteinander in Wechselwirkung treten. Das Leben selber wäre ohne diese Eigenschaft...

Im Focus: The first precise measurement of a single molecule's effective charge

For the first time, scientists have precisely measured the effective electrical charge of a single molecule in solution. This fundamental insight of an SNSF Professor could also pave the way for future medical diagnostics.

Electrical charge is one of the key properties that allows molecules to interact. Life itself depends on this phenomenon: many biological processes involve...

Im Focus: Wie Metallstrukturen effektiv helfen, Knochen zu heilen

Forscher schaffen neue Generation von Knochenimplantaten

Wissenschaftler am Julius Wolff Institut, dem Berlin-Brandenburger Centrum für Regenerative Therapien und dem Centrum für Muskuloskeletale Chirurgie der...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

DFG unterstützt Kongresse und Tagungen - März 2018

17.01.2018 | Veranstaltungen

2. Hannoverscher Datenschutztag: Neuer Datenschutz im Mai – Viele Unternehmen nicht vorbereitet!

16.01.2018 | Veranstaltungen

Fachtagung analytica conference 2018

15.01.2018 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Ein Atom dünn: Physiker messen erstmals mechanische Eigenschaften zweidimensionaler Materialien

17.01.2018 | Physik Astronomie

Seltsames Verhalten eines Sterns offenbart Schwarzes Loch, das sich in riesigem Sternhaufen verbirgt

17.01.2018 | Physik Astronomie

Fraunhofer HHI erhält AIS Technology Innovation Award 2018 für 3D Human Body Reconstruction

17.01.2018 | Förderungen Preise