Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Synthetische Möblierung für die Zelle

27.11.2014

Stefan Schiller erhält eine Förderung des Bundesministeriums für Bildung und Forschung in Höhe von 3,4 Millionen Euro

Bakterien so verändern, dass sie Wirkstoffe, Energieträger, Chemikalien und Biomaterialien umwelt- und ressourcenschonend herstellen können: Für sein Projekt „Universell molekularer Produktionsorganismus“ hat der Chemiker Dr. Stefan Schiller von der Universität Freiburg den Forschungspreis „Nächste Generation biotechnologischer Verfahren – Biotechnologie 2020+“ des Bundesministeriums für Bildung und Forschung (BMBF) erhalten.


Dr. Stefan Schiller

(Foto: privat)

Damit ist eine Förderung von circa 3,4 Millionen Euro verbunden, mit der Schiller in den kommenden fünf Jahren ein Team aus sechs Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern finanziert.

Die Forschungsgruppe arbeitet darauf hin, neue Funktionseinheiten für Bakterien zu entwickeln. Höhere Zellen enthalten Organellen, die in jeweils passenden Reaktionsräumen spezielle Funktionen ausüben – analog zu Organen im menschlichen Körper. Bakterien dagegen sind für viele biotechnologische Anwendungen wichtig, enthalten aber keine Organellen.

Die Wissenschaftler um Stefan Schiller wollen das ändern: Das Team erforscht die chemischen Prozesse von Zellen, um auf dieser Grundlage synthetische Organellen herzustellen und die passenden Reaktionsräume in Bakterien zu schaffen. „Man kann von einer komplexen molekular-synthetischen Möblierung von Hohlräumen in Bakterien sprechen“, erklärt Schiller.

Die so ausgestatteten Einzeller sollen in der Lage sein, nützliche Substanzen herzustellen. Dahinter steht auf lange Sicht ein noch größeres Ziel: Die Forscherinnen und Forscher wollen auf diese Weise modulare Funktionseinheiten schaffen, die sich in je unterschiedlicher Kombination zu einem universellen Produktionsorganismus – einer lebenden Fabrik – zusammensetzen lassen.

Seit 2012 fördert das BMBF alle zwei Jahre mit dem Forschungspreis „Nächste Generation biotechnologischer Verfahren – Biotechnologie 2020+“ zukunftsweisende Konzepte in der Biotechnologie. Mit der Auszeichnung will es wissenschaftliche Durchbrüche sichtbar machen, die für die Entwicklung einer nächsten Generation biotechnologischer Verfahren relevant sind. Das Vorhaben der Freiburger Forscher hat sich im Wettbewerb mit 20 anderen Projekten durchgesetzt.

Stefan Schiller ist Arbeitsgruppenleiter am Zentrum für Biosystemanalyse (ZBSA) und Mitglied im Exzellenzcluster BIOSS Biological Signalling Studies der Universität Freiburg. Er kam 2008 als Junior Research Fellow an die School of Soft Matter Research des Freiburg Institute for Advanced Studies (FRIAS), wo er im Institut für Makromolekulare Chemie arbeitete.

Seine Arbeiten bezeichnet er als Kombination von chemischer und synthetischer Biologie, um nanobiotechnologische Systeme für die Biotechnologie, Chemie, Medizin und Materialwissenschaften zu entwickeln und mit systembiologischen Methoden zu untersuchen.

Weitere Informationen auf der Homepage der Gruppe:
www.biotectonic.de


Kontakt:
Dr. Stefan Schiller
Zentrum für Biosystemanalyse
Albert-Ludwigs-Universität Freiburg
Tel.: 0761/203-97405
E-Mail: stefan.schiller@frias.uni-freiburg.de

Melanie Hübner | Albert-Ludwigs-Universität Freiburg

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Förderungen Preise:

nachricht ERC-Grants: Fünf neue Projekte an der LMU
11.08.2017 | Ludwig-Maximilians-Universität München

nachricht Krankheitserreger beim Reis blockieren
10.08.2017 | Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Förderungen Preise >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Forscher entwickeln maisförmigen Arzneimittel-Transporter zum Inhalieren

Er sieht aus wie ein Maiskolben, ist winzig wie ein Bakterium und kann einen Wirkstoff direkt in die Lungenzellen liefern: Das zylinderförmige Vehikel für Arzneistoffe, das Pharmazeuten der Universität des Saarlandes entwickelt haben, kann inhaliert werden. Professor Marc Schneider und sein Team machen sich dabei die körpereigene Abwehr zunutze: Makrophagen, die Fresszellen des Immunsystems, fressen den gesundheitlich unbedenklichen „Nano-Mais“ und setzen dabei den in ihm enthaltenen Wirkstoff frei. Bei ihrer Forschung arbeiteten die Pharmazeuten mit Forschern der Medizinischen Fakultät der Saar-Uni, des Leibniz-Instituts für Neue Materialien und der Universität Marburg zusammen Ihre Forschungsergebnisse veröffentlichten die Wissenschaftler in der Fachzeitschrift Advanced Healthcare Materials. DOI: 10.1002/adhm.201700478

Ein Medikament wirkt nur, wenn es dort ankommt, wo es wirken soll. Wird ein Mittel inhaliert, muss der Wirkstoff in der Lunge zuerst die Hindernisse...

Im Focus: Exotische Quantenzustände: Physiker erzeugen erstmals optische „Töpfe" für ein Super-Photon

Physikern der Universität Bonn ist es gelungen, optische Mulden und komplexere Muster zu erzeugen, in die das Licht eines Bose-Einstein-Kondensates fließt. Die Herstellung solch sehr verlustarmer Strukturen für Licht ist eine Voraussetzung für komplexe Schaltkreise für Licht, beispielsweise für die Quanteninformationsverarbeitung einer neuen Computergeneration. Die Wissenschaftler stellen nun ihre Ergebnisse im Fachjournal „Nature Photonics“ vor.

Lichtteilchen (Photonen) kommen als winzige, unteilbare Portionen vor. Viele Tausend dieser Licht-Portionen lassen sich zu einem einzigen Super-Photon...

Im Focus: Exotic quantum states made from light: Physicists create optical “wells” for a super-photon

Physicists at the University of Bonn have managed to create optical hollows and more complex patterns into which the light of a Bose-Einstein condensate flows. The creation of such highly low-loss structures for light is a prerequisite for complex light circuits, such as for quantum information processing for a new generation of computers. The researchers are now presenting their results in the journal Nature Photonics.

Light particles (photons) occur as tiny, indivisible portions. Many thousands of these light portions can be merged to form a single super-photon if they are...

Im Focus: Wissenschaftler beleuchten den „anderen Hochtemperatur-Supraleiter“

Eine von Wissenschaftlern des Max-Planck-Instituts für Struktur und Dynamik der Materie (MPSD) geleitete Studie zeigt, dass Supraleitung und Ladungsdichtewellen in Verbindungen der wenig untersuchten Familie der Bismutate koexistieren können.

Diese Beobachtung eröffnet neue Perspektiven für ein vertieftes Verständnis des Phänomens der Hochtemperatur-Supraleitung, ein Thema, welches die Forschung der...

Im Focus: Tests der Quantenmechanik mit massiven Teilchen

Quantenmechanische Teilchen können sich wie Wellen verhalten und mehrere Wege gleichzeitig nehmen, um an ihr Ziel zu gelangen. Dieses Prinzip basiert auf Borns Regel, einem Grundpfeiler der Quantenmechanik; eine mögliche Abweichung hätte weitreichende Folgen und könnte ein Indikator für neue Phänomene in der Physik sein. WissenschafterInnen der Universität Wien und Tel Aviv haben nun diese Regel explizit mit Materiewellen überprüft, indem sie massive Teilchen an einer Kombination aus Einzel-, Doppel- und Dreifachspalten interferierten. Die Analyse bestätigt den Formalismus der etablierten Quantenmechanik und wurde im Journal "Science Advances" publiziert.

Die Quantenmechanik beschreibt sehr erfolgreich das Verhalten von Partikeln auf den kleinsten Masse- und Längenskalen. Die offensichtliche Unvereinbarkeit...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Eröffnung der INC.worX-Erlebniswelt während der Technologie- und Innovationsmanagement-Tagung 2017

16.08.2017 | Veranstaltungen

Sensibilisierungskampagne zu Pilzinfektionen

15.08.2017 | Veranstaltungen

Anbausysteme im Wandel: Europäische Ackerbaubetriebe müssen sich anpassen

15.08.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Neue Einblicke in die Welt der Trypanosomen

16.08.2017 | Biowissenschaften Chemie

Maschinensteuerung an Anwender: Intelligentes System für mobile Endgeräte in der Fertigung

16.08.2017 | Informationstechnologie

Komfortable Software für die Genomanalyse

16.08.2017 | Informationstechnologie