Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Sechs Millionen Euro für Erforschung nicht-kodierender RNAs

24.10.2014

Der Marburger Biochemiker Professor Dr. Gerhard Schratt erforscht in einem neuen, bundesweiten Verbund mit Fachkolleginnen und -kollegen, wie nicht-kodierende Ribonukleinsäuren auf die Entwicklung des Nervensystems einwirken.

Schratt koordiniert das Schwerpunktprogramm SPP 1738 der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG), das jetzt mit einem Auftakttreffen an der Philipps-Universität startete. Die DFG finanziert das Vorhaben unter dem Titel „Die Rolle von nicht-kodierenden RNAs in der Entwicklung, Plastizität und bei Erkrankungen des Nervensystems“ zunächst drei Jahre lang mit bis zu sechs Millionen Euro.


Die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler des neuen DFG-Schwerpunktprogramms bei der Auftaktveranstaltung in Marburg

(Foto: Philipps-Universität Marburg / Dr. Roberto Fiore)

Ribonukleinsäuren (RNAs) ähneln in ihrem Aufbau der Erbsubstanz DNA, sind aber viel kürzer und bestehen aus nur einem Strang. Sie entstehen zum Beispiel als Zwischenprodukte, wenn genetische Information in Proteine umgesetzt wird.

„Aber nur der kleinste Teil der Ribonukleinsäuren bildet aus den genetischen Informationen Proteine“, führt Schratt aus, der das Institut für Physiologische Chemie am Fachbereich Medizin der Philipps-Universität leitet. „Rund 98 Prozent der RNA sind nicht kodierend“, erläutert der Hochschullehrer – das heißt, sie übermitteln nicht die Bauanleitung für Eiweißverbindungen.

Bisherige Forschungsergebnisse lassen vermuten, dass defiziente nicht-kodierende RNAs erhebliche Bedeutung für Demenz oder andere Erkrankungen haben, erklärt Schratt. Wie funktionieren nicht-kodierende Ribonukleinsäuren (ncRNAs) im Detail? Welche Leistungen erbringen sie in den Zellen? Wie beeinflussen sie die Entwicklung von Gehirn und Nervensystem? Das sind einige der Fragen, die der neue Verbund klären soll. Die beteiligten Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler nutzen hierfür neuartige Technologien, zum Beispiel Hochdurchsatz-Sequenzierverfahren.

Das Schwerpunktprogramm erkundet Wechselwirkungen der ncRNAs mit ihren Zielstrukturen, untersucht die zugrunde liegenden molekularen Steuerungsmechanismen und erforscht, welche ursächlichen Zusammenhänge mit wichtigen neuronalen Erkrankungen bestehen.

Um herauszufinden, wie sich die Funktionen der ncRNAs je nach Alter und Gewebetyp unterscheiden, untersuchen die Forscherinnen und Forscher das Nervensystem in verschiedenen Entwicklungsstadien bis zum Erwachsenenalter. Die Einzelprojekte kombinieren Methoden unterschiedlicher Fachrichtungen, zum Beispiel der Molekularbiologie, Biochemie und Neurobiologie.

In dem Schwerpunktprogramm arbeiten Biochemiker, Bioinformatiker, klinische Forscher und weitere Spezialisten aus der ganzen Bundesrepublik zusammen. Das Team von Gerhard Schratt an der Philipps-Universität beschäftigt sich mit einer Untergruppe nicht-kodierender RNAs, nämlich mit so genannten mikroRNAs (miRNAs). Diese Erbgutschnipsel wirken als molekulare Bremsen, indem sie die Bildung wichtiger Proteine unterdrücken.

„Mikro-RNAs finden sich in allen Zelltypen“, legt Schratt dar. „Ihnen wird eine entscheidende Bedeutung bei der Entstehung einer Vielzahl von Erkrankungen zugesprochen, beispielsweise Krebs.“ Forschungsresultate des Teams legen nahe, dass miRNAs einen wichtigen Beitrag zu Lern-und Gedächtnisvorgängen leisten und dass Fehlfunktionen der Moleküle zu neuronalen und psychischen Erkrankungen führen. Zur Fortführung dieser Arbeiten fließen nahezu 400.000 Euro der Gesamtfördersumme an Schratts Teilprojekt in Marburg. An der Philipps-Universität sind außerdem das Sekretariat und die Homepage des Verbundes angesiedelt.

Weitere Informationen:
Ansprechpartner: Professor Dr. Gerhard Schratt,
Institut für Physiologische Chemie
Tel.: 06421 28-65020, -65021 (Sekretariat)
E-Mail: Schratt@staff.uni-marburg.de
Internet: https://www.uni-marburg.de/fb20/physiolchemie/ag

Johannes Scholten | idw - Informationsdienst Wissenschaft

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Förderungen Preise:

nachricht Eine Milliarde Euro für die Hochschulmedizin
17.02.2017 | Deutsche Hochschulmedizin e.V.

nachricht Sensible Daten besser analysieren
16.02.2017 | Georg-August-Universität Göttingen

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Förderungen Preise >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Mehr Sicherheit für Flugzeuge

Zwei Entwicklungen am Lehrgebiet Rechnerarchitektur der FernUniversität in Hagen können das Fliegen sicherer machen: ein Flugassistenzsystem, das bei einem totalen Triebwerksausfall zum Einsatz kommt, um den Piloten ein sicheres Gleiten zu einem Notlandeplatz zu ermöglichen, und ein Assistenzsystem für Segelflieger, das ihnen das Erreichen größerer Höhen erleichtert. Präsentiert werden sie von Prof. Dr.-Ing. Wolfram Schiffmann auf der Internationalen Fachmesse für Allgemeine Luftfahrt AERO vom 5. bis 8. April in Friedrichshafen.

Zwei Entwicklungen am Lehrgebiet Rechnerarchitektur der FernUniversität in Hagen können das Fliegen sicherer machen: ein Flugassistenzsystem, das bei einem...

Im Focus: HIGH-TOOL unterstützt Verkehrsplanung in Europa

Forschung am Karlsruher Institut für Technologie (KIT) unterstützt die Europäische Kommission bei der Verkehrsplanung: Anhand des neuen Modells HIGH-TOOL lässt sich bewerten, wie verkehrspolitische Maßnahmen langfristig auf Wirtschaft, Gesellschaft und Umwelt wirken. HIGH-TOOL ist ein frei zugängliches Modell mit Modulen für Demografie, Wirtschaft und Ressourcen, Fahrzeugbestand, Nachfrage im Personen- und Güterverkehr sowie Umwelt und Sicherheit. An dem nun erfolgreich abgeschlossenen EU-Projekt unter der Koordination des KIT waren acht Partner aus fünf Ländern beteiligt.

Forschung am Karlsruher Institut für Technologie (KIT) unterstützt die Europäische Kommission bei der Verkehrsplanung: Anhand des neuen Modells HIGH-TOOL lässt...

Im Focus: Zinn in der Photodiode: nächster Schritt zur optischen On-Chip-Datenübertragung

Schon lange suchen Wissenschaftler nach einer geeigneten Lösung, um optische Komponenten auf einem Computerchip zu integrieren. Doch Silizium und Germanium allein – die stoffliche Basis der Chip-Produktion – sind als Lichtquelle kaum geeignet. Jülicher Physiker haben nun gemeinsam mit internationalen Partnern eine Diode vorgestellt, die neben Silizium und Germanium zusätzlich Zinn enthält, um die optischen Eigenschaften zu verbessern. Das Besondere daran: Da alle Elemente der vierten Hauptgruppe angehören, sind sie mit der bestehenden Silizium-Technologie voll kompatibel.

Schon lange suchen Wissenschaftler nach einer geeigneten Lösung, um optische Komponenten auf einem Computerchip zu integrieren. Doch Silizium und Germanium...

Im Focus: Innovative Antikörper für die Tumortherapie

Immuntherapie mit Antikörpern stellt heute für viele Krebspatienten einen Erfolg versprechenden Ansatz dar. Weil aber längst nicht alle Patienten nachhaltig von diesen teuren Medikamenten profitieren, wird intensiv an deren Verbesserung gearbeitet. Forschern um Prof. Thomas Valerius an der Christian Albrechts Universität Kiel gelang es nun, innovative Antikörper mit verbesserter Wirkung zu entwickeln.

Immuntherapie mit Antikörpern stellt heute für viele Krebspatienten einen Erfolg versprechenden Ansatz dar. Weil aber längst nicht alle Patienten nachhaltig...

Im Focus: Durchbruch mit einer Kette aus Goldatomen

Einem internationalen Physikerteam mit Konstanzer Beteiligung gelang im Bereich der Nanophysik ein entscheidender Durchbruch zum besseren Verständnis des Wärmetransportes

Einem internationalen Physikerteam mit Konstanzer Beteiligung gelang im Bereich der Nanophysik ein entscheidender Durchbruch zum besseren Verständnis des...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

6. Internationale Fachkonferenz „InnoTesting“ am 23. und 24. Februar 2017 in Wildau

22.02.2017 | Veranstaltungen

Wunderwelt der Mikroben

22.02.2017 | Veranstaltungen

Der Lkw der Zukunft kommt ohne Fahrer aus

21.02.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Ursache für eine erbliche Muskelerkrankung entdeckt

22.02.2017 | Medizin Gesundheit

Möglicher Zell-Therapieansatz gegen Zytomegalie

22.02.2017 | Biowissenschaften Chemie

Meeresforschung in Echtzeit verfolgen

22.02.2017 | Geowissenschaften