Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Renommierter Forschungspreis für jungen Krebsforscher

22.09.2011
Christian Stock, Wissenschaftler am Deutschen Krebsforschungszentrum in Heidelberg, erhielt den mit 15 000 Euro dotierten Endoskopie-Forschungspreis 2011.

Die Deutsche Gesellschaft für Verdauungs- und Stoffwechselkrankheiten (DGVS) und die Olympus Europa Stiftung Wissenschaft fürs Leben vergeben den Forschungspreis für herausragende Leistungen von Nachwuchswissenschaftlern auf den Gebieten der Grundlagenforschung oder der klinischen Forschung im Bereich Endoskopie.

Seine prämierte Arbeit mit dem Titel "Colorectal cancer mortality prevented by use and attributable to nonuse of colonoscopy", ist im März dieses Jahres als "issue highlight" in der angesehenen US-amerikanischen Zeitschrift "Gastrointestinal Endoscopy" erschienen. Christian Stock leistete mit der zugleich methodischen und empirischen Publikation einen wichtigen Beitrag zur Abschätzung des Effekts der Darmkrebsvorsorge in der Bevölkerung. Er nahm den Endoskopie-Forschungspreis am 16. September bei der 66. Jahrestagung der DGVS in Leipzig entgegen.

Die endoskopische Darmspiegelung mit gleichzeitiger Entfernung eventuell vorhandener Polypen spielt eine große Rolle bei der Früherkennung und der Prävention von Darmkrebs. Genau beziffern ließ sich der volksgesundheitliche Nutzen dieser Untersuchung bisher jedoch nicht. In der Abteilung Klinische Epidemiologie und Alternsforschung des Deutschen Krebsforschungszentrums wertete Christian Stock unter anderem Krebsregisterdaten und Daten aus Gesundheitsumfragen aus, um den Effekt und das Potenzial von Darmspiegelungen bezogen auf die Sterblichkeitsrate bei kolorektalem Krebs abzuschätzen. Grundlage seiner Analyse war das Jahr 2005. In diesem Jahr waren 49 700 US-Amerikaner im Alter von 50 Jahren und mehr an Darmkrebs verstorben. Stock konnte zeigen, dass im gleichen Jahr innerhalb dieser Bevölkerungsgruppe durch vorherige Inanspruchnahme einer Darmspiegelung bereits bis zu 11 700 Todesfälle durch Darmkrebs verhindert werden konnten. Gleichzeitig legte seine Auswertung jedoch offen, dass bei einer flächendeckenden Anwendung der Untersuchung fast doppelt so viele, nämlich 22 100, Todesfälle durch Darmkrebs vermeidbar gewesen wären. Dieses Ergebnis unterstreicht die Bedeutung und das Potenzial von Darmkrebsscreening-Programmen. In Deutschland wird diese Untersuchung von den gesetzlichen Krankenkassen als Vorsorgeuntersuchung ab dem 55. Lebensjahr bezahlt.

"Die Verleihung eines so angesehenen Forschungspreises bereits während der Promotionsphase bestätigt das große Talent dieses jungen Wissenschaftlers", betont Doktorvater Professor Hermann Brenner, Leiter der Abteilung Klinische Epidemiologie und Alternsforschung des Deutschen Krebsforschungszentrums.

"Für mich ist diese Auszeichnung ein toller Erfolg und zugleich eine Motivation weiter auf dem Gebiet der Darmkrebsprävention zu arbeiten", freut sich Christian Stock. Das Preisgeld wird der Nachwuchswissenschaftler daher voraussichtlich für weitere Versorgungsforschungsprojekte in diesem Bereich einsetzen.

Preisträger Christian Stock ist 33 Jahre alt und studierte Betriebswirtschaft mit dem Schwerpunkt Gesundheitswesen in Osnabrück sowie Gesundheitswissenschaften in York, Großbritannien. Er war 2008 bis Juni 2011 Doktorand im Deutschen Krebsforschungszentrum (DKFZ) und Stipendiat der Klaus Tschira Stiftung im Rahmen des Netzwerks Alternsforschung an der Universität Heidelberg. Derzeit ist er wissenschaftlicher Mitarbeiter der Abteilung Klinische Epidemiologie und Alternsforschung des DKFZ. Die prämierte Veröffentlichung ist Teil seiner Doktorarbeit, in der er sich mit der Inanspruchnahme von Koloskopien in der Allgemeinbevölkerung befasst hat.

Christian Stock, Amy B. Knudsen, Iris Landsdorp-Vogelaar, Ulrike Haug, Hermann Brenner: Colorectal cancer mortality prevented by use and attributable to nonuse of colonoscopy. Gastrointestinal Endoscopy - March 2011, DOI: 10.1016/j.gie.2010.12.005

Das Deutsche Krebsforschungszentrum (DKFZ) ist mit mehr als 2.500 Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern die größte biomedizinische Forschungseinrichtung in Deutschland. Über 1000 Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler erforschen im DKFZ, wie Krebs entsteht, erfassen Krebsrisikofaktoren und suchen nach neuen Strategien, die verhindern, dass Menschen an Krebs erkranken. Sie entwickeln neue Ansätze, mit denen Tumoren präziser diagnostiziert und Krebspatienten erfolgreicher behandelt werden können. Daneben klären die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter des Krebsinformationsdienstes (KID) Betroffene, Angehörige und interessierte Bürger über die Volkskrankheit Krebs auf. Das Zentrum wird zu 90 Prozent vom Bundesministerium für Bildung und Forschung und zu 10 Prozent vom Land Baden-Württemberg finanziert und ist Mitglied in der Helmholtz-Gemeinschaft deutscher Forschungszentren.

Kontakt:

Dr. Stefanie Seltmann
Leiterin Presse- und Öffentlichkeitsarbeit Deutsches Krebsforschungszentrum Im Neuenheimer Feld 280 D-69120 Heidelberg
T: +49 6221 42 2854
F: +49 6221 42 2968
presse@dkfz.de

Dr. Stefanie Seltmann | idw
Weitere Informationen:
http://www.dkfz.de

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Förderungen Preise:

nachricht Deutscher Innovationspreis für Klima und Umwelt 2017 ausgeschrieben
23.01.2017 | Fraunhofer-Institut für System- und Innovationsforschung (ISI)

nachricht Personal-Trainer zum Anziehen: Intelligente Trainingskleidung gewinnt Fashion Fusion Award
23.01.2017 | Deutsches Forschungszentrum für Künstliche Intelligenz GmbH, DFKI

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Förderungen Preise >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Erstmalig quantenoptischer Sensor im Weltraum getestet – mit einem Lasersystem aus Berlin

An Bord einer Höhenforschungsrakete wurde erstmals im Weltraum eine Wolke ultrakalter Atome erzeugt. Damit gelang der MAIUS-Mission der Nachweis, dass quantenoptische Sensoren auch in rauen Umgebungen wie dem Weltraum eingesetzt werden können – eine Voraussetzung, um fundamentale Fragen der Wissenschaft beantworten zu können und ein Innovationstreiber für alltägliche Anwendungen.

Gemäß dem Einstein’schen Äquivalenzprinzip werden alle Körper, unabhängig von ihren sonstigen Eigenschaften, gleich stark durch die Gravitationskraft...

Im Focus: Quantum optical sensor for the first time tested in space – with a laser system from Berlin

For the first time ever, a cloud of ultra-cold atoms has been successfully created in space on board of a sounding rocket. The MAIUS mission demonstrates that quantum optical sensors can be operated even in harsh environments like space – a prerequi-site for finding answers to the most challenging questions of fundamental physics and an important innovation driver for everyday applications.

According to Albert Einstein's Equivalence Principle, all bodies are accelerated at the same rate by the Earth's gravity, regardless of their properties. This...

Im Focus: Mikrobe des Jahres 2017: Halobacterium salinarum - einzellige Urform des Sehens

Am 24. Januar 1917 stach Heinrich Klebahn mit einer Nadel in den verfärbten Belag eines gesalzenen Seefischs, übertrug ihn auf festen Nährboden – und entdeckte einige Wochen später rote Kolonien eines "Salzbakteriums". Heute heißt es Halobacterium salinarum und ist genau 100 Jahre später Mikrobe des Jahres 2017, gekürt von der Vereinigung für Allgemeine und Angewandte Mikrobiologie (VAAM). Halobacterium salinarum zählt zu den Archaeen, dem Reich von Mikroben, die zwar Bakterien ähneln, aber tatsächlich enger verwandt mit Pflanzen und Tieren sind.

Rot und salzig
Archaeen sind häufig an außergewöhnliche Lebensräume angepasst, beispielsweise heiße Quellen, extrem saure Gewässer oder – wie H. salinarum – an...

Im Focus: Innovatives Hochleistungsmaterial: Biofasern aus Florfliegenseide

Neuartige Biofasern aus einem Seidenprotein der Florfliege werden am Fraunhofer-Institut für Angewandte Polymerforschung IAP gemeinsam mit der Firma AMSilk GmbH entwickelt. Die Forscher arbeiten daran, das Protein in großen Mengen biotechnologisch herzustellen. Als hochgradig biegesteife Faser soll das Material künftig zum Beispiel in Leichtbaukunststoffen für die Verkehrstechnik eingesetzt werden. Im Bereich Medizintechnik sind beispielsweise biokompatible Seidenbeschichtungen von Implantaten denkbar. Ein erstes Materialmuster präsentiert das Fraunhofer IAP auf der Internationalen Grünen Woche in Berlin vom 20.1. bis 29.1.2017 in Halle 4.2 am Stand 212.

Zum Schutz des Nachwuchses vor bodennahen Fressfeinden lagern Florfliegen ihre Eier auf der Unterseite von Blättern ab – auf der Spitze von stabilen seidenen...

Im Focus: Verkehrsstau im Nichts

Konstanzer Physiker verbuchen neue Erfolge bei der Vermessung des Quanten-Vakuums

An der Universität Konstanz ist ein weiterer bedeutender Schritt hin zu einem völlig neuen experimentellen Zugang zur Quantenphysik gelungen. Das Team um Prof....

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Hybride Eisschutzsysteme – Lösungen für eine sichere und nachhaltige Luftfahrt

23.01.2017 | Veranstaltungen

Mittelstand 4.0 – Mehrwerte durch Digitalisierung: Hintergründe, Beispiele, Lösungen

20.01.2017 | Veranstaltungen

Nachhaltige Wassernutzung in der Landwirtschaft Osteuropas und Zentralasiens

19.01.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Wie der Nordatlantik zum Wärmepirat wurde

23.01.2017 | Geowissenschaften

Immunabwehr ohne Kollateralschaden

23.01.2017 | Biowissenschaften Chemie

Erstmalig quantenoptischer Sensor im Weltraum getestet – mit einem Lasersystem aus Berlin

23.01.2017 | Physik Astronomie