Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Neue Wege in der Therapie von Hirntumoren

18.12.2013
Zwei Mediziner am Universitätsklinikum Bonn wollen neue wirkungsvolle Therapien gegen Hirntumore entwickeln. Ihr Projekt wird jetzt vom Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) in einer Höhe von 1,7 Millionen Euro über drei Jahre gefördert. Ziel der Förderlinie „Validierung des Innovationspotentials wissenschaftlicher Forschung – VIP“ seitens des BMBF ist, Ideen aus der Universität für die wirtschaftliche Nutzung verfügbar zu machen.

Das Glioblastom ist der häufigste bösartige Hirntumor bei Erwachsenen. Durchschnittlich überleben die Patienten nach der Erstdiagnose nur etwa 15 Monate. Obwohl diese Krebserkrankung seit vielen Jahren intensiv erforscht wird, gibt es vergleichsweise wenig Behandlungsfortschritte.

Zwar lässt sich der Tumor oft fast vollständig entfernen, doch verbleiben immer einige bösartige Tumorzellen im Patienten, aus denen sich trotz Bestrahlung oder Chemotherapie wieder neue Wucherungen bilden können. Prof. Dr. Björn Scheffler und PD Dr. Martin Glas vom Universitätsklinikum stellten sich die Frage, warum sich die bisherigen Therapieansätze hier als wenig wirksam erweisen und kamen zu folgender Hypothese: „Zellen aus dem vom Neurochirurgen routinemäßig entnommenen Gewebe sind für die Therapiefindung nicht ausreichend.“

Auf der Suche nach scharfen Waffen gegen Hirntumore

Dazu nahm das Team rund um Scheffler und Glas alle Krebszellen der Patienten genauer unter die Lupe. Die Neurochirurgen Prof. Dr. Matthias Simon und Prof. Dr. Hartmut Vatter des Universitätsklinikums Bonn stellten den Forschern sowohl Proben der entfernten Tumormasse, als auch aus dem Operationsrand zur Verfügung. Aus letzterem konnten Scheffler und Glas die im Patienten verbleibenden bösartigen Zellen, die so genannten „residualen Zellen“, gewinnen. Dieses Verfahren ließen sie sich 2013 patentieren. In den letzten fünf Jahren haben Scheffler und Glas rund 600 Patientenproben untersucht. Ihre Arbeit wurde in dieser Zeit von der LIFE & BRAIN GmbH, dem BONFOR-Forschungsprogramm und der VW-Stiftung gefördert. Bereits am Anfang fanden die Wissenschaftler ihre Hypothese durch eine erstaunliche Entdeckung bestätigt: „Die im Patienten verbleibenden Zellen aus dem Tumorrand haben ganz andere Eigenschaften als die bislang untersuchten Zellen aus dem Zentrum der Wucherung“, sagt Scheffler vom Institut für Rekonstruktive Neurobiologie, Abteilung Stammzellpathologien.

Ein genaues Abbild des jeweiligen Patiententumors

„Wir erhalten direkt aus dem Labor neue Erkenntnisse über Eigenschaften des Tumors, die für die individualisierte Behandlung genutzt werden sollen“, sagt Glas, aus der Neurologischen Klinik, Schwerpunkt Experimentelle und Translationale Neuroonkologie. Bisher wurden jedoch die im Patienten verbleibenden Tumorzellen nicht für die Entwicklung neuer Therapien berücksichtigt. Doch selbst wenn ein Medikament den eigentlichen Tumor zerstören kann, müsse das nicht auch für die residualen Zellen gelten. Das Verfahren von Scheffler und Glas soll nun helfen, die tatsächlichen Eigenschaften des Patiententumors im Labor besser abzubilden. Für beide ein möglicher Schlüssel für die Entwicklung scharfer Waffen gegen Hirntumoren: „Es wäre ein großer Erfolg, das Leben der Betroffenen dadurch zu verlängern und das mit einer guten Lebensqualität.“

Das Patent ist die Basis für die Förderung

„Ein wichtiger Meilenstein für unser Vorhaben war sicherlich die Erteilung des Patentes zur Gewinnung der residualen Zellen. Es liegt aber noch viel Arbeit vor uns.“, ist sich das Mediziner-Duo einig. Neben ihrem zwölfköpfigen Team benötigen sie vor allem Investitionen, da das mögliche Drittmittelvolumen zur Therapieentwicklung nicht ausreiche. So freuen sie sich jetzt über die Förderung seitens des Bundesministeriums für Bildung und Forschung (BMBF). In diesem Zeitraum wollen Scheffler und Glas auch das wirtschaftliche Potential ihrer Ergebnisse ausloten, um sich dann mit einer Ausgründung auf eigene Beine stellen zu können: „Es ist gut, eine wirklich innovative Idee weiterverfolgen zu können.“

Kontakt:
Prof. Dr. Björn Scheffler
Lichtenberg Professor für Stammzellerkrankungen
Institut für Rekonstruktive Neurobiologie am Universitätsklinikum Bonn
Telefon: 0228/6885-473
E-Mail: bscheffler@uni-bonn.de
PD Dr. Martin Glas
Schwerpunkt für Experimentelle und Translationale Neuroonkologie
Klinik für Neurologie am Universitätsklinikum Bonn
Telefon: 0228/6885-115
E-Mail: martin.glas@ukb.uni-bonn.de

Dr. Inka Väth | idw
Weitere Informationen:
http://www.meb.uni-bonn.de/translational-oncology/

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Förderungen Preise:

nachricht Innovationspreis 2017 der Deutschen Hochschulmedizin e.V.
24.04.2017 | Deutsche Hochschulmedizin e.V.

nachricht EU-Förderung in Millionenhöhe für Regensburger Wissenschaftler
21.04.2017 | Universität Regensburg

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Förderungen Preise >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Smart Wireless Solutions: EU-Großprojekt „DEWI“ liefert Innovationen für eine drahtlose Zukunft

58 europäische Industrie- und Forschungspartner aus 11 Ländern forschten unter der Leitung des VIRTUAL VEHICLE drei Jahre lang, um Europas führende Position im Bereich Embedded Systems und dem Internet of Things zu stärken. Die Ergebnisse von DEWI (Dependable Embedded Wireless Infrastructure) wurden heute in Graz präsentiert. Zu sehen war eine Fülle verschiedenster Anwendungen drahtloser Sensornetzwerke und drahtloser Kommunikation – von einer Forschungsrakete über Demonstratoren zur Gebäude-, Fahrzeug- oder Eisenbahntechnik bis hin zu einem voll vernetzten LKW.

Was vor wenigen Jahren noch nach Science-Fiction geklungen hätte, ist in seinem Ansatz bereits Wirklichkeit und wird in Zukunft selbstverständlicher Teil...

Im Focus: Weltweit einzigartiger Windkanal im Leipziger Wolkenlabor hat Betrieb aufgenommen

Am Leibniz-Institut für Troposphärenforschung (TROPOS) ist am Dienstag eine weltweit einzigartige Anlage in Betrieb genommen worden, mit der die Einflüsse von Turbulenzen auf Wolkenprozesse unter präzise einstellbaren Versuchsbedingungen untersucht werden können. Der neue Windkanal ist Teil des Leipziger Wolkenlabors, in dem seit 2006 verschiedenste Wolkenprozesse simuliert werden. Unter Laborbedingungen wurden z.B. das Entstehen und Gefrieren von Wolken nachgestellt. Wie stark Luftverwirbelungen diese Prozesse beeinflussen, konnte bisher noch nicht untersucht werden. Deshalb entstand in den letzten Jahren eine ergänzende Anlage für rund eine Million Euro.

Die von dieser Anlage zu erwarteten neuen Erkenntnisse sind wichtig für das Verständnis von Wetter und Klima, wie etwa die Bildung von Niederschlag und die...

Im Focus: Nanoskopie auf dem Chip: Mikroskopie in HD-Qualität

Neue Erfindung der Universitäten Bielefeld und Tromsø (Norwegen)

Physiker der Universität Bielefeld und der norwegischen Universität Tromsø haben einen Chip entwickelt, der super-auflösende Lichtmikroskopie, auch...

Im Focus: Löschbare Tinte für den 3-D-Druck

Im 3-D-Druckverfahren durch Direktes Laserschreiben können Mikrometer-große Strukturen mit genau definierten Eigenschaften geschrieben werden. Forscher des Karlsruher Institus für Technologie (KIT) haben ein Verfahren entwickelt, durch das sich die 3-D-Tinte für die Drucker wieder ‚wegwischen‘ lässt. Die bis zu hundert Nanometer kleinen Strukturen lassen sich dadurch wiederholt auflösen und neu schreiben - ein Nanometer entspricht einem millionstel Millimeter. Die Entwicklung eröffnet der 3-D-Fertigungstechnik vielfältige neue Anwendungen, zum Beispiel in der Biologie oder Materialentwicklung.

Beim Direkten Laserschreiben erzeugt ein computergesteuerter, fokussierter Laserstrahl in einem Fotolack wie ein Stift die Struktur. „Eine Tinte zu entwickeln,...

Im Focus: Leichtbau serientauglich machen

Immer mehr Autobauer setzen auf Karosserieteile aus kohlenstofffaserverstärktem Kunststoff (CFK). Dennoch müssen Fertigungs- und Reparaturkosten weiter gesenkt werden, um CFK kostengünstig nutzbar zu machen. Das Laser Zentrum Hannover e.V. (LZH) hat daher zusammen mit der Volkswagen AG und fünf weiteren Partnern im Projekt HolQueSt 3D Laserprozesse zum automatisierten Besäumen, Bohren und Reparieren von dreidimensionalen Bauteilen entwickelt.

Automatisiert ablaufende Bearbeitungsprozesse sind die Grundlage, um CFK-Bauteile endgültig in die Serienproduktion zu bringen. Ausgerichtet an einem...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

123. Internistenkongress: Traumata, Sprachbarrieren, Infektionen und Bürokratie – Herausforderungen

27.04.2017 | Veranstaltungen

Jenaer Akustik-Tag: Belastende Geräusche minimieren - für den Schutz des Gehörs

27.04.2017 | Veranstaltungen

Ballungsräume Europas

26.04.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

VLC 200 GT von EMAG: Neue passgenaue Dreh-Schleif-Lösung für die Bearbeitung von Pkw-Getrieberädern

27.04.2017 | Maschinenbau

Induktive Lötprozesse von eldec: Schneller, präziser und sparsamer verlöten

27.04.2017 | Maschinenbau

Smart Wireless Solutions: EU-Großprojekt „DEWI“ liefert Innovationen für eine drahtlose Zukunft

27.04.2017 | Informationstechnologie