Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Neue BMBF-Nachwuchsforschergruppe: Rohstoffe besser nutzen

02.04.2014

1,4 Millionen Euro für nachhaltiges Ressourcenmanagement

Erst Autoreifen, im zweiten Leben Dämmplatte oder Schuhsohle, und im dritten Bodenbelag – wird ein Rohstoff wie Rohöl, aus dem Autoreifen heute noch größtenteils bestehen, mehrfach und über mehrere Stufen genutzt, spricht man von „Kaskadennutzung“.


Kupfer- und Molybdänmine im Norden Chiles.

Universität Oldenburg, Cascade Use

Genau damit beschäftigt sich eine neue Nachwuchsforschergruppe an der Universität Oldenburg. Unter der Leitung von Dr.-Ing. Alexandra Pehlken nimmt sie in diesen Tagen ihre Arbeit auf.

„Kaskadennutzung von Materialien zum nachhaltigen Ressourcenmanagement“ oder kurz „Cascade Use“ heißt die interdisziplinäre Nachwuchsforschergruppe. Das Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) fördert sie im Programm „Globaler Wandel“ mit knapp 1,4 Millionen Euro über vier Jahre, bei Bedarf auch ein Jahr länger. Die Gruppe ist an der Fakultät für Informatik, Wirtschafts- und Rechtswissenschaften angesiedelt und besteht aus fünf Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern. Neben Leitung und Assistenz werden hier drei Doktoranden forschen.

Einer der Nachwuchswissenschaftler kommt von der Shanghai Jiao Tong University. „Durch unsere enge Kooperation mit der chinesischen Universität werden wir wertvolle Impulse erhalten“, ist sich Pehlken sicher. „Wir werden dort mit Professor Chen Ming zusammenarbeiten, einem der renommiertesten chinesischen Recycling-Experten.“ Analysen von dem explodierenden Markt in Asien würden die Forschungen sehr bereichern. „Außerdem hoffen wir, gemeinsam einen Beitrag dazu leisten zu können, dem Recycling auch in China zu mehr Akzeptanz zu verhelfen.“

Ziel der „Cascade Use“-Forschungen ist es, Rohstoffe möglichst lange im Wirtschaftskreislauf zu nutzen und so Ressourcen und Umwelt zu schonen. „Darin liegt neben dem ökologischen Gewinn ein großes, bislang noch zu wenig genutztes ökonomisches Potenzial“, sagt Pehlken.

Die Gruppe beschäftigt sich mit der Frage, wie Materialien in Produktlebenszyklen eingebunden sind und wann sie wieder zur Verfügung stehen, um sie entweder wieder- oder weiterzuverwenden.

Dazu entwickelt sie ein Werkzeug, das Entscheidern in Wirtschaft, Verwaltung und Politik helfen soll, die Potenziale zur optimalen Materialnutzung bei geringstmöglichem Umwelteinfluss zu erkennen und zu bewerten. Dafür setzen die Wissenschaftler auf Materialflussanalysen mit technologischem, ökologischem und ökonomischem Bezug. Sie entwickeln eine Methode zur Einschätzung der lebenszyklusübergeifenden Materialverfügbarkeit und ermitteln dafür zum Beispiel auch die CO2-Emissionen innerhalb der Recyclinghierarchie.

Einen besonderen Fokus hat die Gruppe auf Primärrohstoffe wie Eisen, Kupfer, Aluminium und Magnesium sowie auf kostbare und teilweise kritische Metalle der so genannten Seltenen Erden. Dazu zählen Europium, das für Leuchtstofflampen und Plasmabildschirme gebraucht wird, oder Neodym, das unter anderem in kräftigen, kleinen Dauermagneten, in Hochleistungsmikrofonen, Lautsprechern, in Turbinen von Windrädern und in hochleistungsfähigen Elektromotoren steckt. Kaum eine aktuelle Schlüsseltechnologie kommt ohne Seltene Erden aus.

Zur Person
Alexandra Pehlken (42) studierte Bergbau an der Rheinisch-Westfälischen Technischen Hochschule Aachen (RWTH Aachen), wo die Ingenieurin 2002 auch promovierte.
Die gebürtige Oldenburgerin forschte in Deutschland, Südafrika und China. Ein Lise-Meitner-Stipendium führte sie zudem an das Forschungsinstitut von „Natural Resources Canada“ in Ottawa (Kanada), wo sie sich mit dem Altreifenrecycling beschäftigte.
Pehlken leitete mehrere Forschungsprojekte, unter anderem ein Projekt zur Futterproduktion am Institut für Integrierte Produktentwicklung (BIK) der Universität Bremen. Seit 2012 ist die Ingenieurin als Projektleiterin im Wissenschaftsbereich Energie und Gesellschaft am Zentrum für Umwelt- und Nachhaltigkeitsforschung (COAST) der Universität Oldenburg tätig. Pehlken engagiert sich in nationalen und internationalen Gremien. 2011 wurde sie zum assoziierten Junior Fellow am Hanse-Wissenschaftskolleg Delmenhorst (HWK) berufen.

Weitere Informationen: Dr.-Ing. Alexandra Pehlken, COAST - Zentrum für Umwelt- und Nachhaltigkeitsforschung, Tel.: 0441/798-4796, E-Mail: alexandra.pehlken@uni-oldenburg.de

Weitere Informationen:

http://www.uni-oldenburg.de/cascadeuse

Dr. Corinna Dahm-Brey | idw - Informationsdienst Wissenschaft

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Förderungen Preise:

nachricht Heinz Maier-Leibnitz-Preise 2017: DFG und BMBF zeichnen vier Forscherinnen und sechs Forscher aus
23.02.2017 | Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG)

nachricht Eine Milliarde Euro für die Hochschulmedizin
17.02.2017 | Deutsche Hochschulmedizin e.V.

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Förderungen Preise >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: „Vernetzte Autonome Systeme“ von acatech und DFKI auf der CeBIT

Auf der IT-Messe CeBIT vom 20. bis 24. März präsentieren acatech – Deutsche Akademie der Technikwissenschaften und das Deutsche Forschungszentrum für Künstliche Intelligenz (DFKI) in Kooperation mit der Deutschen Messe AG vernetzte Autonome Systeme. In Halle 12 am Stand B 63 erwarten die Besucherinnen und Besucher unter anderem Roboter, die Hand in Hand mit Menschen zusammenarbeiten oder die selbstständig gefährliche Umgebungen erkunden.

Auf der IT-Messe CeBIT vom 20. bis 24. März präsentieren acatech – Deutsche Akademie der Technikwissenschaften und das Deutsche Forschungszentrum für...

Im Focus: Kühler Zwerg und die sieben Planeten

Erdgroße Planeten mit gemäßigtem Klima in System mit ungewöhnlich vielen Planeten entdeckt

In einer Entfernung von nur 40 Lichtjahren haben Astronomen ein System aus sieben erdgroßen Planeten entdeckt. Alle Planeten wurden unter Verwendung von boden-...

Im Focus: Mehr Sicherheit für Flugzeuge

Zwei Entwicklungen am Lehrgebiet Rechnerarchitektur der FernUniversität in Hagen können das Fliegen sicherer machen: ein Flugassistenzsystem, das bei einem totalen Triebwerksausfall zum Einsatz kommt, um den Piloten ein sicheres Gleiten zu einem Notlandeplatz zu ermöglichen, und ein Assistenzsystem für Segelflieger, das ihnen das Erreichen größerer Höhen erleichtert. Präsentiert werden sie von Prof. Dr.-Ing. Wolfram Schiffmann auf der Internationalen Fachmesse für Allgemeine Luftfahrt AERO vom 5. bis 8. April in Friedrichshafen.

Zwei Entwicklungen am Lehrgebiet Rechnerarchitektur der FernUniversität in Hagen können das Fliegen sicherer machen: ein Flugassistenzsystem, das bei einem...

Im Focus: HIGH-TOOL unterstützt Verkehrsplanung in Europa

Forschung am Karlsruher Institut für Technologie (KIT) unterstützt die Europäische Kommission bei der Verkehrsplanung: Anhand des neuen Modells HIGH-TOOL lässt sich bewerten, wie verkehrspolitische Maßnahmen langfristig auf Wirtschaft, Gesellschaft und Umwelt wirken. HIGH-TOOL ist ein frei zugängliches Modell mit Modulen für Demografie, Wirtschaft und Ressourcen, Fahrzeugbestand, Nachfrage im Personen- und Güterverkehr sowie Umwelt und Sicherheit. An dem nun erfolgreich abgeschlossenen EU-Projekt unter der Koordination des KIT waren acht Partner aus fünf Ländern beteiligt.

Forschung am Karlsruher Institut für Technologie (KIT) unterstützt die Europäische Kommission bei der Verkehrsplanung: Anhand des neuen Modells HIGH-TOOL lässt...

Im Focus: Zinn in der Photodiode: nächster Schritt zur optischen On-Chip-Datenübertragung

Schon lange suchen Wissenschaftler nach einer geeigneten Lösung, um optische Komponenten auf einem Computerchip zu integrieren. Doch Silizium und Germanium allein – die stoffliche Basis der Chip-Produktion – sind als Lichtquelle kaum geeignet. Jülicher Physiker haben nun gemeinsam mit internationalen Partnern eine Diode vorgestellt, die neben Silizium und Germanium zusätzlich Zinn enthält, um die optischen Eigenschaften zu verbessern. Das Besondere daran: Da alle Elemente der vierten Hauptgruppe angehören, sind sie mit der bestehenden Silizium-Technologie voll kompatibel.

Schon lange suchen Wissenschaftler nach einer geeigneten Lösung, um optische Komponenten auf einem Computerchip zu integrieren. Doch Silizium und Germanium...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Aufbruch: Forschungsmethoden in einer personalisierten Medizin

24.02.2017 | Veranstaltungen

Österreich erzeugt erstmals Erdgas aus Sonnen- und Windenergie

24.02.2017 | Veranstaltungen

Big Data Centrum Ostbayern-Südböhmen startet Veranstaltungsreihe

23.02.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Fraunhofer HHI auf dem Mobile World Congress mit VR- und 5G-Technologien

24.02.2017 | Messenachrichten

MWC 2017: 5G-Hauptstadt Berlin

24.02.2017 | Messenachrichten

Auf der molekularen Streckbank

24.02.2017 | Biowissenschaften Chemie