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MHH-Freunde vergeben Preise und Stipendien

01.11.2012
Freundesgesellschaft fördert MHH mit fast 600.000 Euro / MHH-Wissenschaftler erhielten hochdotierte Preise und Stipendien

Neu entdeckte Stoffwechselwege, moderne Bildgebung, erfolgreiche Genanalysen – für ihre Forschungserfolge bekamen neun Wissenschaftler, unter ihnen sieben aus der MHH, hochdotierte Preise und Stipendien von der Gesellschaft der Freunde der Medizinischen Hochschule Hannover e.V. (GdF). Die Verleihung fand während der Jahresversammlung der GdF am 31. Oktober im Leibniz Haus Hannover statt.

GdF-Vorsitzender Professor Dr. Hartmut Küppers und MHH-Forschungsdekan Professor Dr. Christopher Baum überreichten die Auszeichnungen. Insgesamt hat die GdF die MHH im Jahr 2011 mit fast 600.000 Euro unterstützt. „Alles, was die GdF tut, ist von hoher Bedeutung für die MHH. Die Preise spielen für das akademische Leben eine wichtige Rolle – so wird beispielsweise auch die Wissenschaft enger an die Gesellschaft angekoppelt“, sagte Professor Baum. Er fasste die Inhalte der besonderen Werke in knappe Worte und benannte persönliche Eigenschaften der Forscher. Den Gastvortrag hielt Professorin Dr. Iris Chaberny, Leiterin der Krankenhaushygiene der MHH.

Die Preise und Stipendien im Einzelnen:

Rudolf Schoen-Preis

Den nach dem Gründungsrektor der MHH benannten und von der TUI Stiftung zur Verfügung gestellten Preis bekamen zwei Wissenschaftler für ihre gemeinsame Arbeit: Dr. Felicitas Thol (35) und Privatdozent Dr. Michael Heuser (38) aus der MHH-Klinik für Hämatologie, Hämostaseologie, Onkologie und Stammzelltransplantation. Eine Tochter von Professor Dr. Rudolf Schoen, Dr. Lore Metzmacher, war bei der Versammlung anwesend und überreichte die Urkunden für die mit 20.000 Euro dotierte Auszeichnung. Die Wissenschaftler erforschten das Myelodysplastischen Syndrom (MDS) – eine Gruppe bösartiger Knochenmarks-Erkrankungen, bei der die Blutbildung eingeschränkt ist. Die Patienten sind häufig müde, neigen zu Infekten sowie Blutungen und bei einem Drittel von ihnen entsteht Blutkrebs. Die Forscher fanden heraus, dass bei MDS-Patienten sehr häufig das Gen ASXL1 verändert ist und, dass der Krankheitsverlauf bei Patienten, die eine solche Mutation aufweisen, besonders schlecht ist: „Bei ihnen ist das Risiko hoch, dass sich eine Leukämie entwickelt und dass sie früher sterben, wobei nicht alle Mutationen in diesem Gen für den Verlauf der Erkrankung gleich wichtig sind“, sagt PD Dr. Heuser. „Unsere Erkenntnis sollen helfen, MDS-Patienten mit einem hohen Risiko für eine Leukämieentwicklung früh, also vor Leukämieentstehung, zu identifizieren und gegebenenfalls mit einer intensiveren Therapie – zum Beispiel einer Stammzelltransplantation – zu behandeln“, erläutert Dr. Thol. Die Arbeit weise auch eine neue Richtung für die Erforschung der Krankheitsursachen. Die Untersuchung des ASXL1-Gens auf Mutationen soll in Zukunft auch bei neu diagnostizierten Patienten mit MDS an der MHH durchgeführt werden. Die beiden Forscher haben bereits 20 Arbeiten gemeinsam publiziert.
Sir Hans Krebs-Preis

Professor Dr. Michael Platten (41) erhielt den mit 10.000 Euro dotierten von Ernst-August Schrader aus Hannover gestifteten Sir Hans Krebs-Preis. Professor Platten ist Arbeitsgruppenleiter im Deutschen Krebsforschungszentrum Heidelberg und Leitender Oberarzt der Abteilung Neuroonkologie am Universitätsklinikum Heidelberg. Sein Team erforschte den Aryl-Hydrocarbon-Rezeptor (AHR), den Umweltgifte wie Dioxin aktivieren können, was zu Immunsystem-Fehlfunktionen und zu Krebs führt. „Auch Kynurenin – ein Stoffwechselprodukt der stetig im Körper vorhandenen Aminosäure Tryptophan – kann den AHR aktivieren. Tumore können Tryptophan besonders gut in Kynurenin umwandeln, was ihr eigenes Wachstum fördert“, sagt Professor Platten. Dafür brauchen sie unter anderem das Enzym Tryptophan-2,3-Dioxygenase (TDO). „Eine Hemmung der TDO-Kynurenin-AHR-Aktivierung in Tumoren könnte eine neue Therapiestrategie zur Behandlung von Krebserkrankungen darstellen“, sagt er. Derzeit sucht sein Team nach wirksamen Hemmstoffen dieses Signalwegs.

Jan Brod-Preis

Dr. Katja Hüper (29), MHH-Institut für Diagnostische und Interventionelle Radiologie, erhielt den mit 5.000 Euro dotierten Jan Brod-Preis von der Abbott Arzneimittel GmbH, Hannover. Sie stellte fest, dass es mit einer Technik der funktionellen Magnetresonanztomographie (MRT), der so genannten Diffusionstensorbildgebung, möglich ist, die Schädigung einer transplantierten Niere frühzeitig feststellen zu können. Diese Technik macht die Mikrostruktur der Niere sichtbar, welche sich bei einer Schädigung verändert. „Da diese neue Methode nicht-invasiv ist und kein Kontrastmittel benötigt, können nierentransplantierte Patienten ohne Risiko und ohne zusätzliche Belastung untersucht werden – auch wiederholt“, sagt die Wissenschaftlerin. Auf der Grundlage dieser Ergebnisse soll nun die Wertigkeit der MRT-Diffusionstensorbildgebung für die Früherkennung der Schädigung der Transplantatniere in größeren Studien untersucht werden.

Hans-Heinrich Niemann-Preis

Professor Dr. Matthias Preller (32), MHH-Institut für Biophysikalische Chemie, konnte den mit 2.500 Euro dotierten, von Professorin Dr. Teruko Tamura-Niemann gestifteten Preis entgegennehmen. Professor Preller untersuchte die Mechanismen bekannter so genannter allosterischer Modulatoren der Myosinfunktion. Myosin ist ein Bestandteil der Muskeln, es ist aber auch am Transport von Teilchen in Zellen sowie an Zellbewegungen beteiligt. Wenn Myosin nicht funktioniert, kann es zu Krebs, Herz-Kreislauferkrankungen, Störungen der Sinnesorgane und des Gehirns kommen. „Demzufolge müssten diese und andere Krankheiten therapierbar sein, indem gezielt bestimmte Myosine aktiviert beziehungsweise gehemmt werden“, erläutert Professor Preller. Er klärte anhand eines Modell-Myosins die Wirkmechanismen auf, wie bestimmte Stoffe Myosin hemmen. Aus diesen Erkenntnissen entwickelte er darüber hinaus neue Hemmstoffe, die die Bewegung von Malariaparasiten stoppen können.

Jahresstipendium von Ernst-August Schrader

Dr. Antje Meinders (30), MHH-Klinik für Anästhesiologie und Intensivmedizin, bekommt das mit 10.000 Euro dotierte Stipendium für eine Studie, an der außer der MHH fünf weitere Zentren bundesweit teilnehmen. Dabei werden 11.500 Patienten beobachtet, die regelmäßig bestimmte Blutdruckmedikamente einnehmen und dann eine Narkose erhalten, um operiert werden zu können. „Bisher ist unbekannt, was für die Patienten besser ist – die Blutdruckmedikamente vor der Narkose einzunehmen oder lieber damit zu pausieren“, erläutert Dr. Meinders. Auch europäische sowie amerikanische Fachgesellschaften seien sich darüber nicht einig. „Wir möchten diese Frage beantworten und so Patienten die bestmögliche Empfehlung aussprechen können“, sagt sie.
Forschungsstipendien der Tumorstiftung

Je ein mit 10.000 Euro dotiertes Stipendium der Tumorstiftung erhielten Dr. Inga Peters, MHH-Klinik für Urologie und Urologische Onkologie, und Dr. Felicitas Thol, MHH-Klinik für Hämatologie, Hämsostaseologie, Onkologie und Stammzelltransplantation.

Dr. Inga Peters (31) fand gemeinsam mit dem Team der urologisch-onkologischen Forschung heraus, dass bei Patienten mit Nierenkrebs sowohl der Krankheitsverlauf als auch das Überleben im Zusammenhang mit der Methylierung eines bestimmten Abschnittes des Gens GATA-5 zusammenhängt. Bei der Methylierung, einem natürlichen Prozess in der Zelle, der an der Regulation der Genaktivität beteiligt ist, werden Methylgruppen an bestimmte Genabschnitte angekoppelt. „Wir sehen diese Ergebnisse als starken Hinweis, dass die GATA5-Methylierung eine wichtige funktionelle Bedeutung beim Voranschreiten des Nierenzellkarzinoms einnehmen könnte“, erläutert sie. Weitere Analysen des Gens GATA-5 sind ihrer Meinung nach für künftige individualisierte Therapien des Nierenzellkarzinoms wichtig.

Dr. Felicitas Thol (35) erforscht das Myeldysplastische Syndrom (MDS). Bei dieser Krankheit ist die Blutbildung im Knochenmark gestört, was zu Infektanfälligkeit, Müdigkeit und Blutungsneigung führt. Bei etwa einem Drittel der Patienten geht diese Erkrankung in eine bestimmte Form des Blutkrebses über – in die akute myeloische Leukämie (AML). Kleinste Genveränderungen entscheiden darüber, ob das passiert oder nicht. „Ziel unseres Projektes ist es, die wichtigsten Mutationen bei MDS-Patienten mit Hilfe des so genannten 5500xl SOLiD Sequenziersystems effizient, sensitiv und kosteneffektiv zu untersuchen“, sagt Dr. Thol. Von einigen dieser Genveränderungen sei bereits bekannt, dass sie auf den Krankheitsverlauf und das Therapieansprechen einen wichtigen Einfluss nehmen.

Dissertationspreis Tumorforschung

Katja Rixe (44), bis 2011 an der MHH-Klinik für Frauenheilkunde und Geburtshilfe tätig, erhielt den mit 2.500 Euro dotierten Preis von der Tumorstiftung der MHH. Sie charakterisierte zwei Gene, die – neben den bereits bekannten Genen BRCA1 und BRCA2 – für Brustkrebs eine Rolle spielen: Sie entdeckte Mutationen im Gen RAP80, die darauf hindeuten, dass diesem Gen eine Bedeutung beikommen dürfte. Zudem beschrieb sie eine Variante im Gen MERIT40, die bei Europäern sehr häufig vorkommt und zunächst harmlos erscheint. Umfangreiche Studien des internationalen Breast Cancer Association Consortiums zeigten jedoch, dass diese Variante ein erhöhtes Risiko für die aggressivste Brustkrebsform mit sich bringt, für das triple-negative Mammakarzinom. Somit hilft die Arbeit von Katja Rixe, Brustkrebs-Ursachen besser zu verstehen, die Risiken abschätzbarer zu machen – und möglicherweise künftig auch die individuellen Prognosen zu verbessern.

Claudia von Schilling Preis

Bekannt gegeben wurde auch, dass Professorin Dr. med. Nadia Harbeck (50) den Preis der Claudia von Schilling Foundation erhält. Diese mit 20.000 Euro dotierte Auszeichnung wird der Leiterin des Brustzentrums und der Onkologischen Ambulanz der Klinik für Frauenheilkunde und Geburtshilfe der Universität München, im Rahmen des Symposiums „Update Mammakarzinom – Neues aus San Antonio“ am 16. Januar 2013 im Alten Rathaus in Hannover verliehen.

Stefan Zorn | idw
Weitere Informationen:
http://www.mh-hannover.de/

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