Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Löwenzahn gibt Gummi

27.11.2009
Münstersches Projekt zur Gewinnung von Naturkautschuk ist „Ort im Land der Ideen“ / Beste Erfindung

Autoreifen, Luftballons und Gummihandschuhe enthalten Naturkautschuk - wie mehr als 40.000 weitere Gegenstände des alltäglichen Lebens. Bisher wird der nachwachsende Rohstoff nahezu ausschließlich aus einem Tropenbaum gewonnen.

Geht es nach münsterschen Forschern, soll sich das ändern: Die Wissenschaftler wollen Löwenzahn als Quelle für Naturkautschuk gewinnen. Das Projekt ist „Ausgewählter Ort 2010" im Land der Ideen und gehört damit zu den Siegern des Wettbewerbs „365 Orte im Land der Ideen". Außerdem wurde es auch international ausgezeichnet: Das amerikanische Nachrichtenmagazin „Time" hat es in die Liste der 50 besten Erfindungen 2009 gewählt.

An dem Forschungsprojekt beteiligt sind Wissenschaftler des Instituts für Biochemie und Biotechnologie der Pflanzen der Westfälischen Wilhelms-Universität und des Fraunhofer-Instituts für Molekularbiologie und Angewandte Ökologie, Außenstelle Münster.

„Ökologische Probleme und Allergien zwingen zur Suche nach neuen Naturkautschuk-Quellen", sagt Prof. Dr. Dirk Prüfer von der WWU. „Solch eine Quelle ist Löwenzahn - eine genügsame Pflanze, die in Fugen der Bürgersteige, auf Schuttplätzen und auf Brachflächen wächst. Die Idee, Löwenzahn zur Gummiproduktion zu verwenden, ist nicht neu. "Der Russische Löwenzahn wurde schon während des zweiten Weltkriegs genutzt, von Russland, den USA und auch von den deutschen Nationalsozialisten", so Prof. Prüfer. Der aus Löwenzahn gewonnene Kautschuk hat soweit bislang bekannt die gleichen Eigenschaften wie der Kautschuk aus dem Gummibaum.

„Der Löwenzahn-Latex ist den meisten Menschen aus ihrer Kindheit bekannt: Der milchige Saft tropft aus dem Stängel, wenn man die Pusteblume von der Pflanze reißt, um die an Schirmchen hängenden Samen in die Luft zu befördern", so Prof. Prüfer. Die Forscher züchten nun Pflanzen, die mehr Milchsaft abgeben als ihre wild wachsenden Verwandten und deren Milch größere Mengen an Naturkautschuk enthält. „Künftig könnte dieser Kautschuk kommerziell genutzt werden", sagt Dr. Christian Schulze Gronover vom Fraunhofer-Institut. „Der Meinung sind auch namhafte Hersteller von Gummiprodukten. Schon bald könnte sich der nachwachsende Rohstoff aus Löwenzahn in Autoreifen oder Gummidichtungen wiederfinden."

„365 Orte im Land der Ideen" wird gemeinsam von der Standortinitiative „Deutschland - Land der Ideen" und der Deutschen Bank durchgeführt. Unter der Schirmherrschaft von Bundespräsident Horst Köhler rückt der Wettbewerb „Ausgewählte Orte" in den Mittelpunkt, die die Zukunft Deutschlands aktiv gestalten. Als „Ausgewählter Ort" ist das Institut für Biochemie der Pflanzen der WWU gemeinsam mit dem Fraunhofer-Institut für Molekularbiologie und Angewandte Ökologie im Jahr 2010 Botschafter für das Land der Ideen und repräsentiert das Innovationspotenzial Deutschlands, so die Veranstalter.

Christina Heimken | Universität Münster
Weitere Informationen:
http://www.uni-muenster.de/Biologie.IBBP/
http://www.land-der-ideen.de/CDA/home,2,0,,de.html
http://www.time.com/time/specials/packages/article/0,28804,1934027_1934003_1933974,00.html

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Förderungen Preise:

nachricht Parkinson-Krankheit und Dystonien: DFG-Forschergruppe eingerichtet
02.12.2016 | Universität zu Lübeck

nachricht Ohne erhöhtes Blutungsrisiko: Schlaganfall innovativ therapieren
02.12.2016 | Universität Duisburg-Essen

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Förderungen Preise >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Greifswalder Forscher dringen mit superauflösendem Mikroskop in zellulären Mikrokosmos ein

Das Institut für Anatomie und Zellbiologie weiht am Montag, 05.12.2016, mit einem wissenschaftlichen Symposium das erste Superresolution-Mikroskop in Greifswald ein. Das Forschungsmikroskop wurde von der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) und dem Land Mecklenburg-Vorpommern finanziert. Nun können die Greifswalder Wissenschaftler Strukturen bis zu einer Größe von einigen Millionstel Millimetern mittels Laserlicht sichtbar machen.

Weit über hundert Jahre lang galt die von Ernst Abbe 1873 publizierte Theorie zur Auflösungsgrenze von Lichtmikroskopen als ein in Stein gemeißeltes Gesetz....

Im Focus: Durchbruch in der Diabetesforschung: Pankreaszellen produzieren Insulin durch Malariamedikament

Artemisinine, eine zugelassene Wirkstoffgruppe gegen Malaria, wandelt Glukagon-produzierende Alpha-Zellen der Bauchspeicheldrüse (Pankreas) in insulinproduzierende Zellen um – genau die Zellen, die bei Typ-1-Diabetes geschädigt sind. Das haben Forscher des CeMM Forschungszentrum für Molekulare Medizin der Österreichischen Akademie der Wissenschaften im Rahmen einer internationalen Zusammenarbeit mit modernsten Einzelzell-Analysen herausgefunden. Ihre bahnbrechenden Ergebnisse werden in Cell publiziert und liefern eine vielversprechende Grundlage für neue Therapien gegen Typ-1 Diabetes.

Seit einigen Jahren hatten sich Forscher an diesem Kunstgriff versucht, der eine simple und elegante Heilung des Typ-1 Diabetes versprach: Die vom eigenen...

Im Focus: Makromoleküle: Mit Licht zu Präzisionspolymeren

Chemikern am Karlsruher Institut für Technologie (KIT) ist es gelungen, den Aufbau von Präzisionspolymeren durch lichtgetriebene chemische Reaktionen gezielt zu steuern. Das Verfahren ermöglicht die genaue, geplante Platzierung der Kettengliedern, den Monomeren, entlang von Polymerketten einheitlicher Länge. Die präzise aufgebauten Makromoleküle bilden festgelegte Eigenschaften aus und eignen sich möglicherweise als Informationsspeicher oder synthetische Biomoleküle. Über die neuartige Synthesereaktion berichten die Wissenschaftler nun in der Open Access Publikation Nature Communications. (DOI: 10.1038/NCOMMS13672)

Chemische Reaktionen lassen sich durch Einwirken von Licht bei Zimmertemperatur auslösen. Die Forscher am KIT nutzen diesen Effekt, um unter Licht die...

Im Focus: Neuer Sensor: Was im Inneren von Schneelawinen vor sich geht

Ein neuer Radarsensor erlaubt Einblicke in die inneren Vorgänge von Schneelawinen. Entwickelt haben ihn Ingenieure der Ruhr-Universität Bochum (RUB) um Dr. Christoph Baer und Timo Jaeschke gemeinsam mit Kollegen aus Innsbruck und Davos. Das Messsystem ist bereits an einem Testhang im Wallis installiert, wo das Schweizer Institut für Schnee- und Lawinenforschung im Winter 2016/17 Messungen damit durchführen möchte.

Die erhobenen Daten sollen in Simulationen einfließen, die das komplexe Geschehen im Inneren von Lawinen detailliert nachbilden. „Was genau passiert, wenn sich...

Im Focus: Neuer Rekord an BESSY II: 10 Millionen Ionen erstmals bis auf 7,4 Kelvin gekühlt

Magnetische Grundzustände von Nickel2-Ionen spektroskopisch ermittelt

Ein internationales Team aus Deutschland, Schweden und Japan hat einen neuen Temperaturrekord für sogenannte Quadrupol-Ionenfallen erreicht, in denen...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Von „Coopetition“ bis „Digitale Union“ – Die Fertigungsindustrien im digitalen Wandel

02.12.2016 | Veranstaltungen

Experten diskutieren Perspektiven schrumpfender Regionen

01.12.2016 | Veranstaltungen

Die Perspektiven der Genom-Editierung in der Landwirtschaft

01.12.2016 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Parkinson-Krankheit und Dystonien: DFG-Forschergruppe eingerichtet

02.12.2016 | Förderungen Preise

Smart Data Transformation – Surfing the Big Wave

02.12.2016 | Studien Analysen

Nach der Befruchtung übernimmt die Eizelle die Führungsrolle

02.12.2016 | Biowissenschaften Chemie