Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Konstanzer Historiker Professor Rudolf Schlögl wird Reinhart-Koselleck-Projekt zugesprochen

04.12.2009
500.000 Euro für "innovatives und risikobehaftetes Projekt" zur Gesellschaftsgeschichte und Theorie der europäischen Frühneuzeit

Professor Rudolf Schlögl, Historiker an der Universität Konstanz und Sprecher des Exzellenzclusters "Kulturelle Grundlagen von Integration", wurden am 3. Dezember 2009 von der DFG ausgeschriebene Fördermittel im Rahmen der "Reinhart-Koselleck-Projekte" zugesprochen. Die Mittel werden an Wissenschaftler vergeben, die an "besonders innovativen oder risikobehafteten Projekten" arbeiten. Die Fördersumme beträgt 500.000 Euro und wird für einen Zeitraum von fünf Jahren vergeben.

Bislang wurde noch kein geisteswissenschaftliches Projekt als Reinhart-Koselleck-Projekt ausgezeichnet. Als "innovativ und risikobehaftet" gilt damit das Projekt mit dem Titel: "Vergesellschaftung unter Anwesenden und ihre Transformation. Eine Gesellschaftsgeschichte und Theorie der europäischen Frühneuzeit".

"Das ist eine große Auszeichnung für die Geschichtswissenschaft", sagte Professor Rudolf Schlögl. "Ich freue mich, dass damit anerkannt ist, dass es auch in den Kulturwissenschaften Risikoforschung gibt. Ich begreife das als Auszeichnung für ein unkonventionelles Thema. Ich freue mich, dass damit Forschung zu diesem Thema in den nächsten Jahren erheblich erleichtert wird".

Es gibt derzeit keine konsistente, die Forschung leitende Vorstellung davon, was die Gesellschaft der europäischen Frühneuzeit sei. Das Projekt zielt darauf, diese Gesellschaft in ihrer epochalen Einheit zu beschreiben und gleichzeitig die bestimmenden Transformationsprozesse zu erfassen, die sie auszeichnen. Ausgangspunkt dafür ist ein kommunikations- und medientheoretisch fundiertes Modell von Kommunikation unter Anwesenden. Dieses theoretische Konzept führt dazu, dass auch die gängigen Transformationsmodelle überdacht werden müssen. An die Stelle von Entwicklung treten Emergenz, Komplexität und Kontingenz. Im Mittelpunkt werden die mediale Umgestaltung der frühneuzeitlichen Gesellschaft im umfassenden Sinn und deren Selbstbeschreibungen in Verbindung mit einer Geschichte der Strukturen stehen. Die Risiken des Projektes liegen in seinem konzeptionellen Anspruch, in den ungeklärten theoretischen Fragen, in der Verbindung von Theorieentwicklung und den Unwägbarkeiten der historischen Forschung und in der Herausforderung einer angemessenen Darstellung.

Prof. Dr. Rudolf Schlögl studierte Deutsch, Geschichte und Sozialkunde an den Universitäten Augsburg und Erlangen-Nürnberg und promovierte 1986 zum Thema: Oberbayerische Bauernwirtschaft und Territorialstaat im 17. Jahrhundert. 1992 Habilitation und Verleihung der Venia Legendi für Neuere Geschichte. Seit 1994 ist er Ordinarius der Neueren Geschichte an der Universität Konstanz, seit 2000 Sprecher des von der DFG eingerichteten Kulturwissenschaftlichen Forschungskollegs "Norm und Symbol. Die kulturelle Dimension sozialer und politischer Integration". Seit 2006 ist Professor Rudolf Schlögl Sprecher des von der DFG eingerichteten Exzellenzclusters "Kulturelle Grundlagen von Integration".

Zu den Forschungsschwerpunkten von Professor Schlögl zählen die Ländliche Gesellschaft der Frühen Neuzeit, Frömmigkeit, Kirche und soziale Ordnung (einschließlich der einschlägigen Aspekte der Geschlechtergeschichte), die Entwicklung und Säkularisierung der vormodernen Wissens- und Weltdeutungssysteme, Herrschaft und Staatsbildung in der Frühen Neuzeit, Adelsgesellschaft und Hof, politische Kultur der frühneuzeitlichen Stadt, Geschichte und sozialwissenschaftliche Theoriebildung sowie Kommunikation und Medien.

Brigitte Elsner-Heller
Öffentlichkeitsarbeit und Wissenstransfer
Exzellenzcluster "Kulturelle Grundlagen von Integration"
Universität Konstanz
Tel.: +49 7531 88-4741
E-Mail: Brigitte.Elsner-Heller@uni-konstanz.de

Claudia Leitenstorfer | idw
Weitere Informationen:
http://www.uni-konstanz.de

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Förderungen Preise:

nachricht Spitzenforschung vom Nanodraht bis zur Supernova: Fünf ERC Consolidator Grants für die TU München
14.12.2017 | Technische Universität München

nachricht Leibniz-Preise 2018: DFG zeichnet vier Wissenschaftlerinnen und sieben Wissenschaftler aus
14.12.2017 | Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG)

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Förderungen Preise >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Nanostrukturen steuern Wärmetransport: Bayreuther Forscher entdecken Verfahren zur Wärmeregulierung

Der Forschergruppe von Prof. Dr. Markus Retsch an der Universität Bayreuth ist es erstmals gelungen, die von der Temperatur abhängige Wärmeleitfähigkeit mit Hilfe von polymeren Materialien präzise zu steuern. In der Zeitschrift Science Advances werden diese fortschrittlichen, zunächst für Laboruntersuchungen hergestellten Funktionsmaterialien beschrieben. Die hiermit gewonnenen Erkenntnisse sind von großer Relevanz für die Entwicklung neuer Konzepte zur Wärmedämmung.

Von Schmetterlingsflügeln zu neuen Funktionsmaterialien

Im Focus: Lange Speicherung photonischer Quantenbits für globale Teleportation

Wissenschaftler am Max-Planck-Institut für Quantenoptik erreichen mit neuer Speichertechnik für photonische Quantenbits Kohärenzzeiten, welche die weltweite...

Im Focus: Long-lived storage of a photonic qubit for worldwide teleportation

MPQ scientists achieve long storage times for photonic quantum bits which break the lower bound for direct teleportation in a global quantum network.

Concerning the development of quantum memories for the realization of global quantum networks, scientists of the Quantum Dynamics Division led by Professor...

Im Focus: Electromagnetic water cloak eliminates drag and wake

Detailed calculations show water cloaks are feasible with today's technology

Researchers have developed a water cloaking concept based on electromagnetic forces that could eliminate an object's wake, greatly reducing its drag while...

Im Focus: Neue Einblicke in die Materie: Hochdruckforschung in Kombination mit NMR-Spektroskopie

Forschern der Universität Bayreuth und des Karlsruhe Institute of Technology (KIT) ist es erstmals gelungen, die magnetische Kernresonanzspektroskopie (NMR) in Experimenten anzuwenden, bei denen Materialproben unter sehr hohen Drücken – ähnlich denen im unteren Erdmantel – analysiert werden. Das in der Zeitschrift Science Advances vorgestellte Verfahren verspricht neue Erkenntnisse über Elementarteilchen, die sich unter hohen Drücken oft anders verhalten als unter Normalbedingungen. Es wird voraussichtlich technologische Innovationen fördern, aber auch neue Einblicke in das Erdinnere und die Erdgeschichte, insbesondere die Bedingungen für die Entstehung von Leben, ermöglichen.

Diamanten setzen Materie unter Hochdruck

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Mit allen Sinnen! - Sensoren im Automobil

14.12.2017 | Veranstaltungen

Materialinnovationen 2018 – Werkstoff- und Materialforschungskonferenz des BMBF

13.12.2017 | Veranstaltungen

Innovativer Wasserbau im 21. Jahrhundert

13.12.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Was für IT-Manager jetzt wichtig ist

14.12.2017 | Unternehmensmeldung

30 Baufritz-Läufer beim 25. Erkheimer Nikolaus-Straßenlauf

14.12.2017 | Unternehmensmeldung

Mit allen Sinnen! - Sensoren im Automobil

14.12.2017 | Veranstaltungsnachrichten