Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Innovationspreis: Nasenspray gegen Nervenleiden, Organmodelle statt Tierversuche, Viren gegen Krebs

27.04.2016

Der Arbeitskreis der BioRegionen in Deutschland verleiht auf den diesjährigen Deutschen Biotechnologietagen in Leipzig den Innovationspreis 2016 an patentierte Forschungsergebnisse für ein Nasenspray gegen neurodegenerative Erkrankungen, innovative Virotherapie zur Krebsbekämpfung sowie für Biochip-basierte Organmodelle. Die Jury hat aus bundesweit 34 Bewerbungen 3 Projekte mit hohem Anwendungspotential ausgezeichnet, die bereits weit fortgeschritten in der Entwicklung sind. Sie stammen aus der Universität Heidelberg (Nasenspray), der Universität Ulm (Virotherapie) sowie vom Universitätsklinikum Jena (Organmodelle).

Die ausgezeichneten drei Projekte erfüllten nach Ansicht der Jury unter den 34 Einreichungen aus dem ganzen Bundesgebiet am besten die Kriterien des Arbeitskreises der BioRegionen in Deutschland, der in diesem Jahr bereits zum neunten Mal einen Preis für innovative Biotechnologie-Erfindungen vergibt.

Die Preisverleihung wurde im Rahmen der Deutschen Biotechnologietage vorgenommen, die derzeit in Leipzig stattfinden. Mit dem Innovationspreis der BioRegionen werden jährlich drei herausragende wissenschaftliche Ideen aus universitären und außeruniversitären Forschungseinrichtungen prämiert. Neben einer neuartigen, wissenschaftlichen Idee aus der Biotechnologie steht dabei auch die wirtschaftliche Nutzung der Erfindung im Vordergrund.

„Wir haben den Innovationspreis der BioRegionen in Deutschland ins Leben gerufen, um Forscher zu ermutigen, ihre anwendungsnahen Erfindungen zu verwerten. Es ist schön und ein starkes Signal zugleich, dass die diesjährigen Preisträger eine so große Bandbreite der Einsatzmöglichkeiten für die Biotechnologie belegen“, so Dr. Klaus Eichenberg, Sprecher der BioRegionen in Deutschland und Geschäftsführer der BioRegio STERN Management GmbH.

Für Dr. Heinrich Cuypers, BioCon Valley GmbH und diesjähriger Organisator des Innovationspreises, ist die zwischenzeitlich erfolgte Firmengründung der Heidelberger Gewinner eine weitere Bestätigung für die erfolgreichen Anstrengungen des Arbeitskreises der BioRegionen.

Die 3 gleichwertigen Preisträgerprojekte in der Kurzvorstellung:

A: "Dendritenstabilisations-Nasenspray gegen Neurodegeneration" (Prof. Hilmar Bading Institut für Neurobiologie, Universität Heidelberg)
Krankheits- und altersbedingte Einschränkungen von Gedächtnisleistungen und anderer Hirnfunktionen gehen mit dem Verlust der bäumchenartigen Verzweigungen der Neuronen (Dendriten) einher. Die Applikation eines von uns entwickelten `Dendriten-Stabilisators’ mit Hilfe eines Nasensprays verhindert den Verlust funktionswichtiger Nervenstrukturen. Dieses neuartige, nicht-invasive und außergewöhnlich einfache Therapieprinzip vermindert deutlich die Hirnschäden und Funktionsverluste nach einem Schlaganfall. Amyotrophe Lateralsklerose (‚Motor Neuron Disease‘), Glaukom, sowie Demenzerkrankungen stellen weitere mögliche therapeutische Anwendungsbereiche dar. Hierzu hat das Team mittlerweile die Firma FundaMental Pharma GmbH gegründet.

B: "Ad-O-Lytics: Innovative Virotherapie zur Krebsbekämpfung", (PD Dr. Florian Kreppel, Prof. Stefan Kochanek Universität Ulm)
Das Team von Ad-O-Lytics entwickelt maßgeschneiderte Adenoviren für die onkolytische Virotherapie zur Krebsbekämpfung. Ad-O-Lytics hat eine große gemeinsame Vision: Die Virotherapie erfolgreich zur Anwendung bringen. Ad-O-Lytics hat ein Verfahren entwickelt und patentiert, mit dem das krebszerstörende Virus über die Blutbahn verabreicht werden kann. Hierzu werden maßgeschneiderte Schutzhüllen an das Virus angebracht. Damit bleibt das Virus im Blut unerkannt und kann Tumoren und Metastasen erreichen, zerstören und das Immunsystem aktivieren. Mit der Möglichkeit, das Virus über die Blutbahn verabreichen zu können, hat Ad-O-Lytics eine wesentliche Hürde der Virotherapie überwunden und hat daher klare Vorteile gegenüber Wettbewerbsverfahren. Das enorme Potential dieser Technologie nutzt Ad-O-Lytics und entwickelt einen Produktkandidaten bis zur klinischen Studie Phase I. Dann soll die Entwicklung mit einem großen Pharma-Partner bis zur Marktreife weitergeführt werden.
Derzeit wird das Projekt über das EXIST-Forschungstransfer-Programm vom BMWi gefördert, für die weitere Entwicklungslaufzeit ab August 2017 sucht Ad-O-Lytics noch Investoren. Investoren, die die Vision von Ad-O-Lytics teilen, haben die Chance, sich an einem innovativen, hochkarätigen Biotech-Startup in einem großen Wachstumsmarkt zu beteiligen. Kontakt: info@adolytics.com.

C: "Biochip-basierte Organmodelle“ (Dr. Alexander Mosig und Dr. Knut Rennert, Center for Sepsis Control & Care, Institut für Biochemie II Universitätsklinikum Jena)
Zu den am häufigsten genutzten Untersuchungsmodellen in der präklinischen Wirkstoffentwicklung gehören zweidimensionale Zellkulturen, die jedoch in heterogenen dreidimensionalen Geweben ablaufende wichtige physiologische Zellprozesse nicht abbilden können. Die Ergebnisse der deshalb regelmäßig im Tiermodell gemachten Untersuchungen sind aber nicht ohne weiteres auf den Menschen übertragbar. Durch die schichtweise Nachbildung humaner Organe in Lab-on-a-Chip-Systemen und darauf aufbauender Krankheitsmodelle konnten innovative Werkzeuge zur gezielten Entwicklung neuer Therapieoptionen des entzündungsassoziierten Organversagens entwickelt werden. Die Nutzung Biochip-gestützter Organmodelle beschleunigt dabei die Entwicklung dieser Therapieoptionen, erhöht die Aussagekraft von Wirkstoffstudien und minimiert die dafür notwendige Anzahl an Tierversuchen.

Von der Idee zur Innovation – ein oft langer Weg in der Biotechnologie:
Produktentwicklung und Unternehmensgründungen auf Basis wissenschaftlicher Ergebnisse sind eine wichtige Möglichkeit, Ideen aus der Grundlagenforschung für Patienten bzw. die Gesellschaft allgemein verfügbar zu machen. Diese sogenannten Spin-offs arbeiten mit Hochdruck und Ehrgeiz daran, marktfähige Produkte zu entwickeln. Erst durch diesen Markteintritt wird aus einer Idee eine „echte“ Innovation. Bis dahin werden jedoch unternehmerisches Geschick und eine gehörige Portion Idealismus benötigt. Denn die erfahrenen Wissenschaftler und angehenden Unternehmer erwarten neben der Forschungsarbeit die aufwendigen Zulassungsverfahren, das Bestehen des „Praxis-Tests“ und immer wieder Verhandlungen mit möglichen Geldgebern oder Entwicklungspartnern. Bereits vorhandene Kooperationen mit der Wirtschaft sind da oft von Vorteil und werden über die BioRegionen und ihre Netzwerke erleichtert, die sich alle dem „Technologietransfer“ in der Biotechnologie verschrieben haben. Und auch die Aufmerksamkeit, die die Teams durch den Innovationspreis der BioRegionen in der Fachwelt erhalten, ist ein wertvoller Antrieb für die weitere Entwicklung. Das Preisgeld von jeweils € 2.000.- ist als zusätzliche Anerkennung und Ansporn gedacht, die feierliche Präsentation der Gewinner auf den Deutschen Biotechnologietagen vor über 800 Entscheidungsträgern aus Wirtschaft und Wissenschaft eine weitere Unterstützung, um Partner zu gewinnen.

Gesponsert werden die diesjährigen Preise von der Deutschen Messe AG, dem Fachjournal BIOspektrum, der High-Tech Gründerfonds Management GmbH sowie der Kanzlei Dehmel & Bettenhausen. Weitere Unternehmen und Einrichtungen haben die Durchführung des Wettbewerbes unterstützt: Ascenion GmbH, BioTechnikum Greifswald GmbH, Invest in Vorpommern GmbH sowie die GULDE & PARTNER Patent- und Rechtsanwaltskanzlei mbB.

Über den Arbeitskreis der BioRegionen:
Der Arbeitskreis der BioRegionen in Deutschland (AK BioRegio) ist ein Zusammenschluss lokaler Organisationen aller Bundesländer, die im Bereich Biotechnologie aktiv sind und die innovative Branche in den jeweiligen Regionen fördern. Seit der Gründung im Jahr 2004 konnten mittlerweile 30 Mitglieder gewonnen werden. Ziel des Arbeitskreises ist es, die regionalen Aktivitäten der einzelnen Organisationen im Interesse der deutschen Biotechnologie zu optimieren und zu koordinieren. Neben den klassischen Themen wie Finanzierung, Gründung und Ausbildung befasst sich der AK BioRegio mit dem Technologietransfer und der Öffentlichkeitsarbeit. Seit Januar 2009 ist der AK BioRegio Mitglied der BIO Deutschland e.V. und hat seine Geschäftsstelle dort.
Sprecher des AK BioRegio ist Dr. Klaus Eichenberg (BioRegio STERN), die stellvertretenden Sprecher sind Dr. Heinrich Cuypers (BioCon Valley) und Dr. Hinrich Habeck (Life Science Nord Management GmbH).

Ansprechpartner Innovationspreis 2016:

Dr. Heinrich Cuypers
Stellvertretender Sprecher des Arbeitskreises der BioRegionen Deutschlands
BioCon Valley GmbH
Walther-Rathenau-Str. 49a
17489 Greifswald
Tel.: +49 3834 515-108
Fax: +49 3834 515-102
Mobil: +49 160 4752583
Email: hc@bcv.org
www.bcv.org/

Weitere Informationen:

http://www.ak-bioregio.de
http://www.biodeutschland.org/news.html
http://www.bcv.org/

Robert Sington | idw - Informationsdienst Wissenschaft

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Förderungen Preise:

nachricht DFG fördert 15 neue Sonderforschungsbereiche (SFB)
26.05.2017 | Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG)

nachricht Neues Helmholtz-Institut in Würzburg erforscht Infektionen auf genetischer Ebene
24.05.2017 | Hermann von Helmholtz-Gemeinschaft Deutscher Forschungszentren

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Förderungen Preise >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Lässt sich mit Boten-RNA das Immunsystem gegen Staphylococcus aureus scharf schalten?

Staphylococcus aureus ist aufgrund häufiger Resistenzen gegenüber vielen Antibiotika ein gefürchteter Erreger (MRSA) insbesondere bei Krankenhaus-Infektionen. Forscher des Paul-Ehrlich-Instituts haben immunologische Prozesse identifiziert, die eine erfolgreiche körpereigene, gegen den Erreger gerichtete Abwehr verhindern. Die Forscher konnten zeigen, dass sich durch Übertragung von Protein oder Boten-RNA (mRNA, messenger RNA) des Erregers auf Immunzellen die Immunantwort in Richtung einer aktiven Erregerabwehr verschieben lässt. Dies könnte für die Entwicklung eines wirksamen Impfstoffs bedeutsam sein. Darüber berichtet PLOS Pathogens in seiner Online-Ausgabe vom 25.05.2017.

Staphylococcus aureus (S. aureus) ist ein Bakterium, das bei weit über der Hälfte der Erwachsenen Haut und Schleimhäute besiedelt und dabei normalerweise keine...

Im Focus: Can the immune system be boosted against Staphylococcus aureus by delivery of messenger RNA?

Staphylococcus aureus is a feared pathogen (MRSA, multi-resistant S. aureus) due to frequent resistances against many antibiotics, especially in hospital infections. Researchers at the Paul-Ehrlich-Institut have identified immunological processes that prevent a successful immune response directed against the pathogenic agent. The delivery of bacterial proteins with RNA adjuvant or messenger RNA (mRNA) into immune cells allows the re-direction of the immune response towards an active defense against S. aureus. This could be of significant importance for the development of an effective vaccine. PLOS Pathogens has published these research results online on 25 May 2017.

Staphylococcus aureus (S. aureus) is a bacterium that colonizes by far more than half of the skin and the mucosa of adults, usually without causing infections....

Im Focus: Orientierungslauf im Mikrokosmos

Physiker der Universität Würzburg können auf Knopfdruck einzelne Lichtteilchen erzeugen, die einander ähneln wie ein Ei dem anderen. Zwei neue Studien zeigen nun, welches Potenzial diese Methode hat.

Der Quantencomputer beflügelt seit Jahrzehnten die Phantasie der Wissenschaftler: Er beruht auf grundlegend anderen Phänomenen als ein herkömmlicher Rechner....

Im Focus: A quantum walk of photons

Physicists from the University of Würzburg are capable of generating identical looking single light particles at the push of a button. Two new studies now demonstrate the potential this method holds.

The quantum computer has fuelled the imagination of scientists for decades: It is based on fundamentally different phenomena than a conventional computer....

Im Focus: Tumult im trägen Elektronen-Dasein

Ein internationales Team von Physikern hat erstmals das Streuverhalten von Elektronen in einem nichtleitenden Material direkt beobachtet. Ihre Erkenntnisse könnten der Strahlungsmedizin zu Gute kommen.

Elektronen in nichtleitenden Materialien könnte man Trägheit nachsagen. In der Regel bleiben sie an ihren Plätzen, tief im Inneren eines solchen Atomverbunds....

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Meeresschutz im Fokus: Das IASS auf der UN-Ozean-Konferenz in New York vom 5.-9. Juni

24.05.2017 | Veranstaltungen

Diabetes Kongress in Hamburg beginnt heute: Rund 6000 Teilnehmer werden erwartet

24.05.2017 | Veranstaltungen

Wissensbuffet: „All you can eat – and learn”

24.05.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

DFG fördert 15 neue Sonderforschungsbereiche (SFB)

26.05.2017 | Förderungen Preise

Lässt sich mit Boten-RNA das Immunsystem gegen Staphylococcus aureus scharf schalten?

26.05.2017 | Biowissenschaften Chemie

Unglaublich formbar: Lesen lernen krempelt Gehirn selbst bei Erwachsenen tiefgreifend um

26.05.2017 | Gesellschaftswissenschaften