Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Innovationspreis geht an Mainzer Polymerforscherin

29.10.2010
Aránzazu del Campo vom Max-Planck-Institut für Polymerforschung erhielt den Innovationspreis für Medizintechnik. Das Bundesministerium für Bildung und Forschung zeichnet damit Nanofasern zur verbesserten Wundheilung aus.

Beim diesjährigen Innovationswettbewerb Medizintechnik des Bundesministeriums für Bildung und Forschung (BMBF) zählt Aránzazu del Campo zu den Preisträgern. Von den insgesamt 137 eingereichten Projekten wurden 15 ausgezeichnet.

Die am Mainzer Max-Planck-Institut für Polymerforschung (MPI-P) tätige Wissenschaftlerin nahm die mit 380.000 Euro dotierte Ehrung im Rahmen des Innovationsforums Medizintechnik in Berlin entgegen.

In Zusammenarbeit mit Medizinern der Johannes Gutenberg-Universität Mainz, Forschern des Leibniz-Institutes Saarbrücken und dem Medizintechnikunternehmen Aesculap aus Tuttlingen entwickelt sie Materialien, die nach Operationen das betroffene Gewebe ohne Knoten fixieren und sich problemlos entfernen lassen. Zukünftig sollen diese Materialien die Heilung beschleunigen und Infektionen vermeiden helfen.

An natürlichen Vorbilder orientiert

In der heutigen chirurgischen Praxis werden Operationswunden mit Nähten verschlossen und deren Fäden verknotet. Neben dem hohen Zeitaufwand für Fixierung entsteht im Bereich der Knoten die Gefahr von Entzündungen. Alternativ dazu setzen die Mediziner selbsthaftende Wundverschlüsse ein. Diese haften oftmals nicht stark genug oder beschädigen das abgeheilte Gewebe beim Entfernen.

Mutter Natur liefert ein passendes Vorbild: Fibrillen, nanoskopisch kleine Härchen, wie sie an den Fußunterseiten bei Geckos oder Fröschen vorkommen, ermöglichen schnelles Haften und Lösen. Diese Funktionalität entspricht genau dem Anforderungsprofil der Chirurgen. Del Campo gelang es, das Nahtmaterials mit solchen Fibrillen zu versehen: „Wir haben am MPI-P eine Methode entwickelt, Nanofasern auf gekrümmte Oberflächen aufzubringen, die die Materialhaftung erhöhen“, erklärt del Campo.

In Kooperation mit Prof. James Kirkpatrick, Pathologe der Unimedizin Mainz, dem Materialforscher Prof. Eduard Arzt vom Leibniz-Institut für Neue Materialien in Saarbrücken und weiteren Partnern entwickelte sie mit Nanofasern besetzte Wundverschlüsse, deren Oberflächenstruktur sich an den natürlichen Vorbildern orientiert. Das Material wird auf Bioverträglichkeit und medizinische Tauglichkeit getestet. Die Wissenschaftler wollen einen Prototyp für die industrielle Herstellung entwickeln. Patienten profitieren zukünftig von einer verkürzten Wundheilung, zudem reduziert sich die Vernarbung.

Innovationen basieren auf Grundlagenforschung

Mit der Preisvergabe an del Campo würdigt das BMBF deren wegweisende und anwendungsnahe Forschungsarbeit. Die gebürtige Spanierin beschäftigt sich seit Anfang 2009 am MPI-P mit aktiven Oberflächen und Materialien. Als Leiterin einer gleichnamigen Minerva-Forschungsgruppe untersucht sie unter anderem die Wirkungsprinzipien von natürlich vorkommenden Oberflächenstrukturen und diese synthetisch nachzubilden.

Ihre Erkenntnisse bergen hohes Potenzial für bionische Anwendungen. Bereits 2007 erhielt del Campo für ihre Forschungsarbeiten den renommierten „Lecturer Award for Excellence in MSE“ der Föderation der europäischer Materialwissenschaftler.

Stephan Imhof | Max-Planck-Institut
Weitere Informationen:
http://www.mpip-mainz.mpg.de

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Förderungen Preise:

nachricht Deutscher Innovationspreis für Klima und Umwelt 2017 ausgeschrieben
23.01.2017 | Fraunhofer-Institut für System- und Innovationsforschung (ISI)

nachricht Personal-Trainer zum Anziehen: Intelligente Trainingskleidung gewinnt Fashion Fusion Award
23.01.2017 | Deutsches Forschungszentrum für Künstliche Intelligenz GmbH, DFKI

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Förderungen Preise >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Erstmalig quantenoptischer Sensor im Weltraum getestet – mit einem Lasersystem aus Berlin

An Bord einer Höhenforschungsrakete wurde erstmals im Weltraum eine Wolke ultrakalter Atome erzeugt. Damit gelang der MAIUS-Mission der Nachweis, dass quantenoptische Sensoren auch in rauen Umgebungen wie dem Weltraum eingesetzt werden können – eine Voraussetzung, um fundamentale Fragen der Wissenschaft beantworten zu können und ein Innovationstreiber für alltägliche Anwendungen.

Gemäß dem Einstein’schen Äquivalenzprinzip werden alle Körper, unabhängig von ihren sonstigen Eigenschaften, gleich stark durch die Gravitationskraft...

Im Focus: Quantum optical sensor for the first time tested in space – with a laser system from Berlin

For the first time ever, a cloud of ultra-cold atoms has been successfully created in space on board of a sounding rocket. The MAIUS mission demonstrates that quantum optical sensors can be operated even in harsh environments like space – a prerequi-site for finding answers to the most challenging questions of fundamental physics and an important innovation driver for everyday applications.

According to Albert Einstein's Equivalence Principle, all bodies are accelerated at the same rate by the Earth's gravity, regardless of their properties. This...

Im Focus: Mikrobe des Jahres 2017: Halobacterium salinarum - einzellige Urform des Sehens

Am 24. Januar 1917 stach Heinrich Klebahn mit einer Nadel in den verfärbten Belag eines gesalzenen Seefischs, übertrug ihn auf festen Nährboden – und entdeckte einige Wochen später rote Kolonien eines "Salzbakteriums". Heute heißt es Halobacterium salinarum und ist genau 100 Jahre später Mikrobe des Jahres 2017, gekürt von der Vereinigung für Allgemeine und Angewandte Mikrobiologie (VAAM). Halobacterium salinarum zählt zu den Archaeen, dem Reich von Mikroben, die zwar Bakterien ähneln, aber tatsächlich enger verwandt mit Pflanzen und Tieren sind.

Rot und salzig
Archaeen sind häufig an außergewöhnliche Lebensräume angepasst, beispielsweise heiße Quellen, extrem saure Gewässer oder – wie H. salinarum – an...

Im Focus: Innovatives Hochleistungsmaterial: Biofasern aus Florfliegenseide

Neuartige Biofasern aus einem Seidenprotein der Florfliege werden am Fraunhofer-Institut für Angewandte Polymerforschung IAP gemeinsam mit der Firma AMSilk GmbH entwickelt. Die Forscher arbeiten daran, das Protein in großen Mengen biotechnologisch herzustellen. Als hochgradig biegesteife Faser soll das Material künftig zum Beispiel in Leichtbaukunststoffen für die Verkehrstechnik eingesetzt werden. Im Bereich Medizintechnik sind beispielsweise biokompatible Seidenbeschichtungen von Implantaten denkbar. Ein erstes Materialmuster präsentiert das Fraunhofer IAP auf der Internationalen Grünen Woche in Berlin vom 20.1. bis 29.1.2017 in Halle 4.2 am Stand 212.

Zum Schutz des Nachwuchses vor bodennahen Fressfeinden lagern Florfliegen ihre Eier auf der Unterseite von Blättern ab – auf der Spitze von stabilen seidenen...

Im Focus: Verkehrsstau im Nichts

Konstanzer Physiker verbuchen neue Erfolge bei der Vermessung des Quanten-Vakuums

An der Universität Konstanz ist ein weiterer bedeutender Schritt hin zu einem völlig neuen experimentellen Zugang zur Quantenphysik gelungen. Das Team um Prof....

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Hybride Eisschutzsysteme – Lösungen für eine sichere und nachhaltige Luftfahrt

23.01.2017 | Veranstaltungen

Mittelstand 4.0 – Mehrwerte durch Digitalisierung: Hintergründe, Beispiele, Lösungen

20.01.2017 | Veranstaltungen

Nachhaltige Wassernutzung in der Landwirtschaft Osteuropas und Zentralasiens

19.01.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Wie der Nordatlantik zum Wärmepirat wurde

23.01.2017 | Geowissenschaften

Immunabwehr ohne Kollateralschaden

23.01.2017 | Biowissenschaften Chemie

Erstmalig quantenoptischer Sensor im Weltraum getestet – mit einem Lasersystem aus Berlin

23.01.2017 | Physik Astronomie