Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Helmholtz unterstützt drei Forschungsprojekte auf dem Weg in die Anwendung

26.02.2015

Zukunftsweisende Technologien weiterentwickeln und für die Wirtschaft attraktiv machen – mit mehr als 20 Millionen Euro aus ihrem Impuls- und Vernetzungsfonds unterstützt die Helmholtz-Gemeinschaft Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler dabei, ihre Forschungsprojekte zügig in die Anwendung zu bringen. Seit dem Start des sogenannten Validierungsfonds 2011 sind insgesamt 21 Vorhaben gefördert worden.

Kürzlich haben unabhängige Gutachter die folgenden drei Projekte zur Förderung empfohlen: ein kontinuierliches Verfahren zur kosteneffizienteren Fertigung von Verbundbauteilen vorwiegend für die Automobilbranche, einen neuartigen Therapieansatz für die Behandlung von Hepatitis B sowie eine hoch innovative Behandlungsoption für Typ-1- und Typ-2-Diabetes. Helmholtz sieht in diesen drei Entwicklungen bedeutendes Potenzial für eine erfolgreiche wirtschaftliche Verwertung und einen hohen gesellschaftlichen Nutzen. Die Förderung der drei Forschungsvorhaben umfasst insgesamt etwa 2,6 Millionen Euro.

Förderung bis zur Marktreife
Bis wissenschaftliche Erkenntnisse marktfähig sind, dauert es oft viele Jahre. Gerade die Phase der Validierung ist für Forscher spannend und heikel zugleich; hier zeigt sich, ob das Produkt für den Markt bereit ist oder nicht. „Mithilfe des Validierungsfonds erhalten Wissenschaftler aus den Helmholtz-Zentren vor allem in dieser ersten Phase beratende und finanzielle Unterstützung. Dank der Förderung können anwendungsnahe Forschungsergebnisse bis zur Kommerzialisierbarkeit vorangetrieben und so eine Wertsteigerung erreicht werden“, sagt Rolf Zettl, Geschäftsführer der Helmholtz-Gemeinschaft. Um nachzuweisen, dass ein Projekt für den Markt bereit sei, gäbe es verschiedene Möglichkeiten: beispielsweise die Prüfung der Anwendbarkeit, die Skalierung des Produktionsverfahrens oder die Ergebnisse einer präklinischen Prüfung, so Zettl. Der Helmholtz-Validierungsfonds sei ein wesentliches Instrument für den Transfer hochrelevanter Technologien.

Drei vielversprechende Projekte

COPRO² – Kontinuierliche Fertigung von komplexen Preformprofilen
Mit COPRO² will das Team um Christian Hühne vom Deutschen Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR) die Produktion von Profilen für Faserkunststoff-Verbundbauteile (FKV) im Automotive- und Industriesektor kosteneffizienter und qualitativ hochwertiger gestalten. Mit der neuartigen Technologie können so genannte Profilvorformen für Trägerstrukturen in Kraftfahrzeug- und Nutzfahrzeugkarosserien, wie Dachspriegel oder Längs- und Querträger am Boden eines Autos, aus trockenen Faserhalbzeugen hergestellt werden. Dabei stellt COPRO² einen vollautomatisierten Umformprozess bereit, der in bestehende FKV-Fertigungsprozesse integriert werden und teilautomatisierte oder weniger effiziente Verfahren ersetzen kann. Kunden dieser Anwendung sind Hersteller von Bauteilen und Zulieferer für den Automobilbau sowie für Industrieanwendungen. Das Forscherteam verspricht sich von dem COPRO²-Verfahren eine Senkung der Herstellungskosten von etwa 35 Prozent gegenüber herkömmlichen Methoden. Zudem steigert COPRO² die Bauteilqualität und kann direkt in die Serienfertigung übernommen werden, was sie gegenüber der Konkurrenz auf diesem Gebiet abgrenzt.

Neuartige Hepatitis-B-Therapie mit bispezifischen Antikörpern
Bei dem Validierungsprojekt von Ulrike Protzer und Felix Bohne vom Helmholtz Zentrum München sowie Frank Momburg vom Deutschen Krebsforschungszentrum handelt es sich um ein neuartiges Konzept zur kurativen Therapie einer chronischen Hepatitis B, die auch bei Leberzell-Karzinomen mit assoziiertem Hepatitis-B-Virus (HBV) angewendet werden könnte. Bei dem neuartigen Therapieansatz wird eine Kombination zweier bispezifischer Antikörper eingesetzt, womit einerseits eine Bindung an das schädliche Hepatitis-B-Virus und andererseits die Aktivierung von nützlichen T-Zellen erreicht werden soll. Der derzeitige Goldstandard in der Behandlung der chronischen Hepatitis B kann bislang nur die Vermehrung der Viren kontrollieren, dies führt allerdings nicht zu einer Heilung der Krankheit. Die bispezifische Antikörpertherapie hingegen soll für eine kurative Behandlung der Virus-Infektion in der Leber angewendet werden. Dies macht den Ansatz, der eventuell auch für ähnliche durch Viren verursachte Erkrankungen relevant sein könnte, vor allem für Pharma-Unternehmen interessant. Geplant ist, dass Pharmapartner die bispezifischen Antikörper nach erfolgreicher präklinischer Validierung lizensieren und weiterentwickeln. Denn der medizinische Bedarf ist enorm hoch: Weltweit leiden bis zu 350 Millionen Menschen an einer chronischen Hepatitis B, von denen etwa 600.000 im Jahr an den Folgen einer HBV-Infektion sterben.

DIgEST – Neuartige Therapie zur Behandlung von Diabetes
Die Arbeitsgruppe um Stephan Herzig vom neuen Institut für Diabetes und Krebs am Helmholtz Zentrum München plant in Kooperation mit dem Deutschen Krebsforschungszentrum die Wirksamkeit einer neuartigen Diabetes-Therapie zu untersuchen, die an der Ausschaltung eines bestimmten Faktors in der Leber ansetzt. Dadurch wird die Insulinsensitivität der Leber und anderer Organe verbessert. Das Zielmolekül spielt eine Schlüsselfunktion bei der Regulation des Insulinsignalwegs und bietet damit einen neuen Ansatzpunkt für die Therapie von Diabetes. Der Therapieansatz könnte vor allem für solche Patienten eine lang erwartete Alternative sein, die aufgrund Nichtansprechens oder bedingt durch diabetische Nierenschäden für derzeitige Standardtherapien nicht in Frage kommen. Erste Studien zeigen, dass die Deaktivierung des Proteins, das von dem Forschungsteam identifiziert wurde, krankhaft erhöhtem Blutzucker, Glukoseintoleranz und Insulinresistenz vorbeugen und bei bereits vorhandenem Diabetes deutlich verbessern kann. Das Validierungsvorhaben soll unter anderem die grundlegenden Wechselwirkungen zwischen dem Wirkstoff und dem Organismus sowie dessen Sicherheit und Wirksamkeit untersuchen. Nach weiterer klinischer Entwicklung mit einem Pharmapartner könnte damit ein neuer Wirkstoff auf den Markt kommen, der zudem gleichzeitig für eine Behandlung von Typ-1 und Typ-2 Diabetes geeignet ist. Dies wäre ein Durchbruch in der Diabetesbehandlung. Denn mit weit über 380 Millionen Diabeteskranken weltweit – Tendenz steigend – gehört die Stoffwechselkrankheit zu den großen Volkskrankheiten der Welt.

Die Helmholtz-Gemeinschaft leistet Beiträge zur Lösung großer und drängender Fragen von Gesellschaft, Wissenschaft und Wirtschaft durch wissenschaftliche Spitzenleistungen in sechs Forschungsbereichen: Energie, Erde und Umwelt, Gesundheit, Schlüsseltechnologien, Struktur der Materie sowie Luftfahrt, Raumfahrt und Verkehr. Die Helmholtz-Gemeinschaft ist mit 37.000 Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern in 18 Forschungszentren und einem Jahresbudget von rund 3,99 Milliarden Euro die größte Wissenschaftsorganisation Deutschlands. Ihre Arbeit steht in der Tradition des großen Naturforschers Hermann von Helmholtz (1821-1894).

Ansprechpartner für die Medien:

Janine Tychsen
Stellvertretende Leiterin Kommunikation und Medien
Tel.: 030 206 329-24
janine.tychsen@helmholtz.de

Dr.-Ing. Jörn Krupa
Stabsstelle Technologietransfer
Tel.: 030 206 329-72
joern.krupa@helmholtz.de

Kommunikation und Medien
Büro Berlin
Anna-Louisa-Karsch-Str. 2
10178 Berlin

Weitere Informationen:

http://www.helmholtz.dehttp://www.helmholtz.de/socialmedia

Jan-Martin Wiarda | idw - Informationsdienst Wissenschaft

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Förderungen Preise:

nachricht DFG bewilligt drei neue Forschergruppen und eine neue Klinische Forschergruppe
22.09.2017 | Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG)

nachricht Millionen für die Krebsforschung
20.09.2017 | Julius-Maximilians-Universität Würzburg

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Förderungen Preise >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: The pyrenoid is a carbon-fixing liquid droplet

Plants and algae use the enzyme Rubisco to fix carbon dioxide, removing it from the atmosphere and converting it into biomass. Algae have figured out a way to increase the efficiency of carbon fixation. They gather most of their Rubisco into a ball-shaped microcompartment called the pyrenoid, which they flood with a high local concentration of carbon dioxide. A team of scientists at Princeton University, the Carnegie Institution for Science, Stanford University and the Max Plank Institute of Biochemistry have unravelled the mysteries of how the pyrenoid is assembled. These insights can help to engineer crops that remove more carbon dioxide from the atmosphere while producing more food.

A warming planet

Im Focus: Hochpräzise Verschaltung in der Hirnrinde

Es ist noch immer weitgehend unbekannt, wie die komplexen neuronalen Netzwerke im Gehirn aufgebaut sind. Insbesondere in der Hirnrinde der Säugetiere, wo Sehen, Denken und Orientierung berechnet werden, sind die Regeln, nach denen die Nervenzellen miteinander verschaltet sind, nur unzureichend erforscht. Wissenschaftler um Moritz Helmstaedter vom Max-Planck-Institut für Hirnforschung in Frankfurt am Main und Helene Schmidt vom Bernstein-Zentrum der Humboldt-Universität in Berlin haben nun in dem Teil der Großhirnrinde, der für die räumliche Orientierung zuständig ist, ein überraschend präzises Verschaltungsmuster der Nervenzellen entdeckt.

Wie die Forscher in Nature berichten (Schmidt et al., 2017. Axonal synapse sorting in medial entorhinal cortex, DOI: 10.1038/nature24005), haben die...

Im Focus: Highly precise wiring in the Cerebral Cortex

Our brains house extremely complex neuronal circuits, whose detailed structures are still largely unknown. This is especially true for the so-called cerebral cortex of mammals, where among other things vision, thoughts or spatial orientation are being computed. Here the rules by which nerve cells are connected to each other are only partly understood. A team of scientists around Moritz Helmstaedter at the Frankfiurt Max Planck Institute for Brain Research and Helene Schmidt (Humboldt University in Berlin) have now discovered a surprisingly precise nerve cell connectivity pattern in the part of the cerebral cortex that is responsible for orienting the individual animal or human in space.

The researchers report online in Nature (Schmidt et al., 2017. Axonal synapse sorting in medial entorhinal cortex, DOI: 10.1038/nature24005) that synapses in...

Im Focus: Tiny lasers from a gallery of whispers

New technique promises tunable laser devices

Whispering gallery mode (WGM) resonators are used to make tiny micro-lasers, sensors, switches, routers and other devices. These tiny structures rely on a...

Im Focus: Wundermaterial Graphen: Gewölbt wie das Polster eines Chesterfield-Sofas

Graphen besitzt extreme Eigenschaften und ist vielseitig verwendbar. Mit einem Trick lassen sich sogar die Spins im Graphen kontrollieren. Dies gelang einem HZB-Team schon vor einiger Zeit: Die Physiker haben dafür eine Lage Graphen auf einem Nickelsubstrat aufgebracht und Goldatome dazwischen eingeschleust. Im Fachblatt 2D Materials zeigen sie nun, warum dies sich derartig stark auf die Spins auswirkt. Graphen kommt so auch als Material für künftige Informationstechnologien infrage, die auf der Verarbeitung von Spins als Informationseinheiten basieren.

Graphen ist wohl die exotischste Form von Kohlenstoff: Alle Atome sind untereinander nur in der Ebene verbunden und bilden ein Netz mit sechseckigen Maschen,...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

11. BusinessForum21-Kongress „Aktives Schadenmanagement"

22.09.2017 | Veranstaltungen

Internationale Konferenz zum Biomining ab Sonntag in Freiberg

22.09.2017 | Veranstaltungen

Die Erde und ihre Bestandteile im Fokus

21.09.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

11. BusinessForum21-Kongress „Aktives Schadenmanagement"

22.09.2017 | Veranstaltungsnachrichten

DFG bewilligt drei neue Forschergruppen und eine neue Klinische Forschergruppe

22.09.2017 | Förderungen Preise

Lebendiges Gewebe aus dem Drucker

22.09.2017 | Biowissenschaften Chemie