Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

German High Tech Champion

23.10.2014

Fabian Zöhrer, Forscher von Fraunhofer MEVIS, erhält renommierte Auszeichnung

Ein marktreifes Softwareverfahren, das künftig die Diagnostik von Brustkrebs beschleunigen und verbessern kann. Dafür erhält Fabian Zöhrer, Physiker am Fraunhofer-Institut für Bildgestützte Medizin MEVIS in Bremen, einen hochkarätigen Preis:

Am 2. Dezember wird ihm in Chicago auf der weltgrößten Radiologie-Konferenz »RSNA 2014« der GHTC® – the German High Tech Champions Award verliehen. Die Auszeichnung bietet dem Forscher eine einzigartige Gelegenheit, sein Verfahren den weltweit führenden Medizintechnik-Unternehmen vorzustellen und anschließend in die kommerzielle Praxis zu überführen. Hinter der Software steckt ein dreiköpfiges Team: Neben Zöhrer zeigen sich Informatiker Joachim Georgii sowie MEVIS-Institutsleiter Horst Hahn für die Entwicklung verantwortlich.

Die Diagnostik von Brustkrebs ist heute auf vielfältige Weise möglich – per Mammographie, mit Ultraschall oder in einem Magnetresonanz-Tomographen (MRT). Kommt nur eine dieser Methoden zum Einsatz, kann es gerade bei Frauen mit sehr dichtem Brustgewebe sein, dass sich keine treffsichere Diagnose stellen lässt. Dann ist eine Kombination verschiedener Verfahren sinnvoll, wobei jedes von ihnen eine andere, komplementäre Information liefert.

Das Problem: Im MR-Scanner liegt die Frau auf dem Bauch, beim Ultraschall auf dem Rücken, während der Mammographie steht sie. Durch diese unterschiedlichen Lagen kann sich die Position eines Tumors oder einer verdächtigen Stelle drastisch ändern, was den Vergleich der unterschiedlichen Bilder erschwert.

Dieses Manko lässt sich mit der von Zöhrer und seinem Team entwickelten Software-Methode ausgleichen. Die »multimodale Positionskorrelation« kann die Lage etwa eines Tumors automatisch von einem Bilddatensatz in einen anderen übertragen. Dahinter steckt ein ausgefeilter Algorithmus, der die gesamte Brust als dreidimensionales Modell nachbildet. Dieses virtuelle Modell wird zunächst in viele kleine Kästchen unterteilt. Dann berechnet der Computer simultan für jedes Kästchen, wie stark sich seine Position bei einer Lageänderung des Gewebes verschiebt.

Das Ergebnis: Der Mediziner kann zum Beispiel auf einem Röntgenbild eine bestimmte, kritische Stelle im Gewebe markieren. Auf dem gleichen Monitor ist ein Ultraschallbild derselben Patientin zu sehen. Auf diesem Bild erscheint nun automatisch und ohne Verzögerung ein kleiner Kreis. Er zeigt den gleichen Bereich an, der auch auf dem Röntgenbild als kritisch betrachtet wurde, identifiziert von der MEVIS-Software.

»Die Ärzte müssen die Gewebedeformation nicht mehr im Kopf nachvollziehen und abschätzen, wohin eine bestimmte Gewebestelle in einem anderen Bild gewandert ist, sondern sie werden von unserer Software unterstützt«, sagt Zöhrer. »Das vereinfacht die Prozedur, spart Zeit und vermeidet unter Umständen Fehler.«

Konkret ließe sich die Software in sog. PACS-Viewer integrieren. Das sind weit verbreitete, kommerzielle Bildspeicher- und Anzeigeprogramme, mit denen sich die Bilder unterschiedlicher Verfahren auf einem Bildschirm darstellen lassen. Doch auch in Workstations, die für einzelne Bildgebungsverfahren wie Mammographie oder MRT maßgeschneidert sind, würde die multimodale Positionskorrelation Nutzen bringen.

Darüber hinaus verspricht das Verfahren weitere Einsatzmöglichkeiten: Bei klinischen Studien könnte es eine bestimmte Gewebestelle in den Aufnahmen verschiedener Probandinnen automatisch identifizieren. Und in künftigen Diagnose-Assistenzsystemen (Computer Aided Diagnosis CAD) könnte es die automatische Bilderkennung unterstützen.

Mit dem Preis erhält Zöhrers Team nun die Möglichkeit, die marktreife Innovation den weltweit wichtigsten Medizintechnik-Herstellern zu präsentieren. Die Auszeichnung wird auf der Radiologie-Konferenz »RSNA 2014« in Chicago verliehen. Auf dem anschließenden Business-Abend kann der MEVIS-Forscher das Projekt vor ausgewählten Industrievertretern vorstellen und vielversprechende Anwendungen und Geschäftsideen diskutieren.

GHTC® – the German High Tech Champions Award ist Teil des Verbundprojekts „Internationales Forschungsmarketing“, das die Alexander von Humboldt-Stiftung, der Deutsche Akademische Austauschdienst, die Deutsche Forschungsgemeinschaft und die Fraunhofer-Gesellschaft gemeinschaftlich durchführen. Ziel des Projekts ist es, für den Forschungsstandort Deutschland im In- und Ausland zu werben und sein Profil im globalen Wissenschaftsmarkt zu schärfen. 

Alle im Rahmen des Projekts stattfindenden Maßnahmen sind Bestandteil der vom Bundesministerium für Bildung und Forschung geförderten Initiative „Werbung für den Innovations- und Forschungsstandort Deutschland“ unter der Marke „Research in Germany“. Weitere Informationen: www.research-in-germany.de

Weitere Informationen:

http://www.mevis.fraunhofer.de/aktuelles/presseinformation/article/german-high-t...

Bianka Hofmann | Fraunhofer-Institut

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Förderungen Preise:

nachricht Über zwei Millionen für bessere Bordnetze
28.04.2017 | Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg

nachricht Innovationspreis 2017 der Deutschen Hochschulmedizin e.V.
24.04.2017 | Deutsche Hochschulmedizin e.V.

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Förderungen Preise >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: TU Chemnitz präsentiert weltweit einzigartige Pilotanlage für nachhaltigen Leichtbau

Wickelprinzip umgekehrt: Orbitalwickeltechnologie soll neue Maßstäbe in der großserientauglichen Fertigung komplexer Strukturbauteile setzen

Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter des Bundesexzellenzclusters „Technologiefusion für multifunktionale Leichtbaustrukturen" (MERGE) und des Instituts für...

Im Focus: Smart Wireless Solutions: EU-Großprojekt „DEWI“ liefert Innovationen für eine drahtlose Zukunft

58 europäische Industrie- und Forschungspartner aus 11 Ländern forschten unter der Leitung des VIRTUAL VEHICLE drei Jahre lang, um Europas führende Position im Bereich Embedded Systems und dem Internet of Things zu stärken. Die Ergebnisse von DEWI (Dependable Embedded Wireless Infrastructure) wurden heute in Graz präsentiert. Zu sehen war eine Fülle verschiedenster Anwendungen drahtloser Sensornetzwerke und drahtloser Kommunikation – von einer Forschungsrakete über Demonstratoren zur Gebäude-, Fahrzeug- oder Eisenbahntechnik bis hin zu einem voll vernetzten LKW.

Was vor wenigen Jahren noch nach Science-Fiction geklungen hätte, ist in seinem Ansatz bereits Wirklichkeit und wird in Zukunft selbstverständlicher Teil...

Im Focus: Weltweit einzigartiger Windkanal im Leipziger Wolkenlabor hat Betrieb aufgenommen

Am Leibniz-Institut für Troposphärenforschung (TROPOS) ist am Dienstag eine weltweit einzigartige Anlage in Betrieb genommen worden, mit der die Einflüsse von Turbulenzen auf Wolkenprozesse unter präzise einstellbaren Versuchsbedingungen untersucht werden können. Der neue Windkanal ist Teil des Leipziger Wolkenlabors, in dem seit 2006 verschiedenste Wolkenprozesse simuliert werden. Unter Laborbedingungen wurden z.B. das Entstehen und Gefrieren von Wolken nachgestellt. Wie stark Luftverwirbelungen diese Prozesse beeinflussen, konnte bisher noch nicht untersucht werden. Deshalb entstand in den letzten Jahren eine ergänzende Anlage für rund eine Million Euro.

Die von dieser Anlage zu erwarteten neuen Erkenntnisse sind wichtig für das Verständnis von Wetter und Klima, wie etwa die Bildung von Niederschlag und die...

Im Focus: Nanoskopie auf dem Chip: Mikroskopie in HD-Qualität

Neue Erfindung der Universitäten Bielefeld und Tromsø (Norwegen)

Physiker der Universität Bielefeld und der norwegischen Universität Tromsø haben einen Chip entwickelt, der super-auflösende Lichtmikroskopie, auch...

Im Focus: Löschbare Tinte für den 3-D-Druck

Im 3-D-Druckverfahren durch Direktes Laserschreiben können Mikrometer-große Strukturen mit genau definierten Eigenschaften geschrieben werden. Forscher des Karlsruher Institus für Technologie (KIT) haben ein Verfahren entwickelt, durch das sich die 3-D-Tinte für die Drucker wieder ‚wegwischen‘ lässt. Die bis zu hundert Nanometer kleinen Strukturen lassen sich dadurch wiederholt auflösen und neu schreiben - ein Nanometer entspricht einem millionstel Millimeter. Die Entwicklung eröffnet der 3-D-Fertigungstechnik vielfältige neue Anwendungen, zum Beispiel in der Biologie oder Materialentwicklung.

Beim Direkten Laserschreiben erzeugt ein computergesteuerter, fokussierter Laserstrahl in einem Fotolack wie ein Stift die Struktur. „Eine Tinte zu entwickeln,...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Internationaler Tag der Immunologie - 29. April 2017

28.04.2017 | Veranstaltungen

Kampf gegen multiresistente Tuberkulose – InfectoGnostics trifft MYCO-NET²-Partner in Peru

28.04.2017 | Veranstaltungen

123. Internistenkongress: Traumata, Sprachbarrieren, Infektionen und Bürokratie – Herausforderungen

27.04.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Über zwei Millionen für bessere Bordnetze

28.04.2017 | Förderungen Preise

Symbiose-Bakterien: Vom blinden Passagier zum Leibwächter des Wollkäfers

28.04.2017 | Biowissenschaften Chemie

Wie Pflanzen ihre Zucker leitenden Gewebe bilden

28.04.2017 | Biowissenschaften Chemie