Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Fettleibigkeitsforscher ausgezeichnet

13.06.2014

Der diesjährige Max-Rössler-Preis geht an den Ernährungsbiologen Christian Wolfrum am Departement Gesundheitswissenschaften und Technologie der ETH Zürich. Er erhält den mit 200‘000 Schweizer Franken dotierten Förderpreis für seine herausragende Forschung im Bereich des Fettstoffwechsels.

«Würden wir alle weniger essen und mehr Sport treiben, bräuchte es meine Forschung nicht», sagt Christian Wolfrum. Doch die Menschen in der industrialisierten Welt kämpfen immer häufiger mit Übergewicht und – ab einem Body Mass Index (BMI) von 30 – mit Fettleibigkeit (Adipositas).


Preisträger Christian Wolfrum (links) führt Max Rössler durch sein Labor für Fettzellforschung.

Bild: Michael Keller / ETH Zürich

Für viele Betroffene hat dies gravierende Folgen: Rund 70 Prozent aller Fettleibigen entwickeln im Verlauf ihres Lebens Diabetes Typ-2. Zudem gilt Übergewicht heute als wesentlicher Risikofaktor für manche Krebsarten. Derweil deuten wissenschaftliche Daten vermehrt darauf hin, dass sich ein Grossteil dieser Zivilisationserkrankungen eindämmen liesse, wenn wir unser Fettgewebe besser kontrollieren könnten. Genau da setzen Christian Wolfrums Studien an.

Der Professor für Translationale Ernährungsbiologie erforscht zusammen mit rund 15 Mitarbeitern, wie Fettzellen entstehen, und wie der Stoffwechsel das Fettgewebe reguliert. Die Resultate überträgt er auf Anwendungen am Menschen. So gewinnt er Erkenntnisse, die Fettleibigen künftig helfen könnten, das Gewicht zu senken oder Folgeerkrankungen zu vermeiden. Für seine herausragenden Arbeiten an der Schnittstelle zwischen biologischer Grundlagenforschung und Ernährungswissenschaft erhält der 42-jährige Deutsche nun den mit 200‘000 Franken dotierten Max-Rössler-Preis der ETH Zürich.

Diabetes vorbeugen
2011 entdeckten Wolfrum und sein Team einen vielversprechenden Ansatz zur Behandlung von Diabetes Typ-2. Legt unser Körper an Gewicht zu, kann das weisse Fettgewebe, das als Energiespeicher dient, auf zwei verschiedene Arten wachsen: entweder vergrössern sich bestehende Fettzellen, oder das Gewebe bildet neue kleine Fettzellen. Aus epidemiologischen Studien ist bekannt, dass Fettleibige mit kleinen Fettzellen deutlich seltener an Diabetes erkranken als solche mit grossen Zellen. Die Wissenschaftler identifizierten eine körpereigene Substanz, die das Wachstum kleiner Fettzellen fördert und so helfen könnte, Diabetes vorzubeugen. Letztes Jahr gründete Wolfrum zusammen mit Partnern den ETH-Spin-off Glycemicon, um den Wirkstoff in klinischen Studien am Menschen zu testen.

An Dogma gekratzt
Wolfrums Gruppe forscht zudem an braunem Fettgewebe, dessen Zellen die spezielle Eigenschaft haben, Zucker und Fett in grossen Mengen zu verbrennen, um Wärme zu produzieren. Seit wenigen Jahren weiss man, dass braune Fettzellen beim erwachsenen Menschen vorkommen. 2013 konnte Wolfrum erstmals nachweisen, dass sich weisse und braune Fettzellen direkt ineinander umwandeln können und nicht zwingend, wie weithin angenommen, aus unterschiedlichen Vorläuferzellen gebildet werden.

Mit dieser Erkenntnis stellte Wolfrum nicht nur die gängige Lehrmeinung in Frage, sondern zeigte auch einen möglichen Weg für neue gewichtsreduzierende Therapien auf, was in der Ernährungswissenschaft für einiges Aufsehen sorgte. Dass ihn nun seine eigene Hochschule mit dem wichtigsten Förderpreis auszeichnet, kommt für Wolfrum dennoch unerwartet: «Das ist eine unglaubliche Ehre für mich – insbesondere wenn ich mir die hochkarätigen Vorgänger an-schaue. Ich hätte mich zwar selbst nicht in diese Reihe gestellt, aber es fühlt sich auf jeden Fall sehr gut an», sagt er.

Der Donator und promovierte ETH-Mathematiker Max Rössler ist überzeugt, dass sein Fördergeld sinnvoll investiert ist: «Christian Wolfrum forscht auf einem aktuellen und wichtigen Gebiet. Es freut mich sehr, ihn zu unterstützen und der Gesellschaft so etwas zurückzugeben.»

Braune Fettzellen therapeutisch nutzen
Das Preisgeld will Wolfrum gezielt in Experimente stecken, um auf molekularer Ebene aufzuklären, wie braunes Fettgewebe entsteht. «Das wird uns einen enormen Anschub geben, damit wir unseren Vorsprung in diesem hart umkämpften Gebiet weiter ausbauen können», so Wolfrum. Derzeit arbeitet seine Gruppe mit Hochdruck daran herauszufinden, welche Signale weisse Fettzellen in braune umwandeln. Wolfrums Vision ist, einen therapeutischen Ansatz zu formulieren, bei dem braune Fettzellen aktiviert und so Übergewicht kontrolliert werden kann. «Da Reden wir von 10 bis 20 Jahren, aber ich habe ja noch Zeit», sagt er augenzwinkernd.

Wolfrum gilt als international gefragter Experte auf dem Gebiet der Fettleibigkeitsforschung und erhielt bereits eine Reihe von bedeutenden Auszeichnungen, unter anderem den H.P. Kaufmann Award 2000 für Junge Wissenschaftler der Deutschen Gesellschaft für Fettwissenschaften und den Young Investigators Award 2004 der European Federation for the Science and Technology of Lipids. 2008 bewarb er sich erfolgreich für einen der begehrten ERC Starting Grants der Europäischen Forschungskommission. 2012 gewann er den Spark Award der ETH Zürich und 2013 den Hauptpreis beim Start-up-Wettbewerb Venture Kick.

Franziska Schmid | ETH Zürich
Weitere Informationen:
http://www.ethz.ch

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Förderungen Preise:

nachricht »Die Oberfläche 2018« – Fünf Nominierungen gehen in die Endrunde
18.05.2018 | Fraunhofer-Institut für Produktionstechnik und Automatisierung IPA

nachricht DFG fördert Entwicklung innovativer Forschungssoftware an der Universität Bremen
17.05.2018 | Universität Bremen

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Förderungen Preise >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Mit Hilfe molekularer Schalter lassen sich künftig neuartige Bauelemente entwickeln

Einem Forscherteam unter Führung von Physikern der Technischen Universität München (TUM) ist es gelungen, spezielle Moleküle mit einer angelegten Spannung zwischen zwei strukturell unterschiedlichen Zuständen hin und her zu schalten. Derartige Nano-Schalter könnten Basis für neuartige Bauelemente sein, die auf Silizium basierende Komponenten durch organische Moleküle ersetzen.

Die Entwicklung neuer elektronischer Technologien fordert eine ständige Verkleinerung funktioneller Komponenten. Physikern der TU München ist es im Rahmen...

Im Focus: Molecular switch will facilitate the development of pioneering electro-optical devices

A research team led by physicists at the Technical University of Munich (TUM) has developed molecular nanoswitches that can be toggled between two structurally different states using an applied voltage. They can serve as the basis for a pioneering class of devices that could replace silicon-based components with organic molecules.

The development of new electronic technologies drives the incessant reduction of functional component sizes. In the context of an international collaborative...

Im Focus: GRACE Follow-On erfolgreich gestartet: Das Satelliten-Tandem dokumentiert den globalen Wandel

Die Satellitenmission GRACE-FO ist gestartet. Am 22. Mai um 21.47 Uhr (MESZ) hoben die beiden Satelliten des GFZ und der NASA an Bord einer Falcon-9-Rakete von der Vandenberg Air Force Base (Kalifornien) ab und wurden in eine polare Umlaufbahn gebracht. Dort nehmen sie in den kommenden Monaten ihre endgültige Position ein. Die NASA meldete 30 Minuten später, dass der Kontakt zu den Satelliten in ihrem Zielorbit erfolgreich hergestellt wurde. GRACE Follow-On wird das Erdschwerefeld und dessen räumliche und zeitliche Variationen sehr genau vermessen. Sie ermöglicht damit präzise Aussagen zum globalen Wandel, insbesondere zu Änderungen im Wasserhaushalt, etwa dem Verlust von Eismassen.

Potsdam, 22. Mai 2018: Die deutsch-amerikanische Satellitenmission GRACE-FO (Gravity Recovery And Climate Experiment Follow On) ist erfolgreich gestartet. Am...

Im Focus: Faserlaser mit einstellbarer Wellenlänge

Faserlaser sind ein effizientes und robustes Werkzeug zum Schweißen und Schneiden von Metallen beispielsweise in der Automobilindustrie. Systeme bei denen die Wellenlänge des Laserlichts flexibel einstellbar ist, sind für spektroskopische Anwendungen und die Medizintechnik interessant. Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler des Leibniz-Instituts für Photonische Technologien (Leibniz-IPHT) haben, im Rahmen des vom Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) geförderten Projekts „FlexTune“, ein neues Abstimmkonzept realisiert, das erstmals verschiedene Emissionswellenlängen voneinander unabhängig und zeitlich synchron erzeugt.

Faserlaser bieten im Vergleich zu herkömmlichen Lasern eine höhere Strahlqualität und Energieeffizienz. Integriert in einen vollständig faserbasierten...

Im Focus: LZH zeigt Lasermaterialbearbeitung von morgen auf der LASYS 2018

Auf der LASYS 2018 zeigt das Laser Zentrum Hannover e.V. (LZH) vom 5. bis zum 7. Juni Prozesse für die Lasermaterialbearbeitung von morgen in Halle 4 an Stand 4E75. Mit gesprengten Bombenhüllen präsentiert das LZH in Stuttgart zudem erste Ergebnisse aus einem Forschungsprojekt zur zivilen Sicherheit.

Auf der diesjährigen LASYS stellt das LZH lichtbasierte Prozesse wie Schneiden, Schweißen, Abtragen und Strukturieren sowie die additive Fertigung für Metalle,...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

VideoLinks
Industrie & Wirtschaft
Veranstaltungen

Größter Astronomie-Kongress kommt nach Wien

24.05.2018 | Veranstaltungen

22. Business Forum Qualität: Vom Smart Device bis zum Digital Twin

22.05.2018 | Veranstaltungen

48V im Fokus!

21.05.2018 | Veranstaltungen

VideoLinks
Wissenschaft & Forschung
Weitere VideoLinks im Überblick >>>
 
Aktuelle Beiträge

Was einen guten Katalysator ausmacht

24.05.2018 | Biowissenschaften Chemie

Superkondensatoren aus Holzbestandteilen

24.05.2018 | Biowissenschaften Chemie

Neue Schaltschrank-Plattform für die Energiewelt

24.05.2018 | Messenachrichten

Weitere B2B-VideoLinks
IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics