Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Falten machen schön - Bayreuther Idee zur Nanostrukturierung mit Preis ausgezeichnet

12.05.2009
Mobiltelefone und Laptops, die wie bunte Schmetterlinge in der Sonne schillern, sind möglicherweise schon bald keine Zukunftsmusik mehr.

Neue Verfahren zur Nanostrukturierung von Oberflächen durch kontrollierte Faltenbildung bieten eine elegante und kostengünstige Möglichkeit, solche Effekte zu erzielen.

Am Lehrstuhl Physikalische Chemie II (Professor Dr. Andreas Fery) der Universität Bayreuth werden diese Verfahren untersucht und weiterentwickelt. Im bundesweiten Gründerwettbewerb der NEnA (Nano-Entrepreneurship-Academy, BMBF) erhielt ein Team um die Bayreuther Chemikerin Alexandra Schweikart den 1. Preis für ein Konzept, das auf die kommerzielle Nutzung der Nanostrukturierung im Bereich der ästhetischen Produktgestaltung abzielt.

Geordnete Strukturen durch kontrollierte Faltenbildung

Das Grundprinzip des neuartigen Verfahrens ist ebenso einfach wie variabel: Ein Gummimaterial wird gestreckt und im gestreckten Zustand mit einer dünnen Filmschicht versehen. Lässt man das Material aufgrund seiner Elastizität wieder in seine Ausgangsform zurückkehren, wirft die Schicht wellenartige Falten. Dabei hängt die Höhe der Falten (= Amplitude) davon ab, wie weit das Gummimaterial zuvor ausgedehnt wurde.

Die Abstände zwischen den Falten (= Wellenlänge) hingegen werden von den elastischen Eigenschaften von Gummimaterial und Filmschicht, insbesondere aber von der Dicke der Filmschicht bestimmt: Je dünner die Schicht, desto kleiner ist die Wellenlänge; und je kleiner die Wellenlänge, desto feiner ist die Oberflächenstruktur des beschichteten Materials.

Der Bereich der Wellenlängen ist je nach Beschichtungstechnik zwischen 200 und vielen Tausend Nanometern exakt einstellbar. Zum Vergleich: Ein menschliches Haar ist im Durchschnitt rund 70.000 Nanometer dick. Die Bayreuther Forscher sind zudem in der Lage, die durch Falten erzeugten Oberflächenstrukturen weiter zu differenzieren. Denn in den Falten lassen sich mikroskopisch kleine Kunststoff-Partikel so platzieren, dass geordnete Strukturen entstehen.

Ästhetisches Produktdesign: Kostengünstige Anwendungen

Eine Vielzahl von Anwendungsmöglichkeiten ergibt sich aus der Tatsache, dass die künstlich erzeugten Strukturen von der Oberfläche des Gummimaterials auf andere Materialien übertragbar sind - zum Beispiel auf dünne Folien, die sich als Überzug für technische Geräte eignen. Da die komplexen Muster spezifische farbige Lichtreflexe verursachen, eröffnet sich dadurch ein weites Feld für das ästhetische Design beispielsweise von Telefonen, Computern oder Werbeflächen. Im Vergleich mit herkömmlichen Ätztechniken (Lithographie), die bisher zur Mikrostrukturierung von Oberflächen eingesetzt werden, ist das in Bayreuth entwickelte Verfahren nicht nur leistungsfähiger, sondern auch kostengünstiger - gerade dann, wenn es um Gegenstände des täglichen Gebrauchs oder um die Strukturierung großer Flächen geht.

Kontaktadresse für weitere Informationen:

Universität Bayreuth
Lehrstuhl Physikalische Chemie II
Universitätsstr. 30
95447 Bayreuth
Prof. Dr. Andreas Fery
Telefon: (0921) 55-2753 - Telefax: (0921) 55-2059
E-Mail: andreas.fery@uni-bayreuth.de
Dipl.-Chem. Alexandra Schweikart
Telefon: (0921) 55-4382 - Telefax: (0921) 55-2059
E-Mail: alexandra.schweikart@uni-bayreuth.de

Christian Wißler | idw
Weitere Informationen:
http://www.uni-bayreuth.de

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Förderungen Preise:

nachricht Red Dot Design Award für die dormakaba 360°City App
09.12.2016 | Kaba GmbH

nachricht Zweimal Gold beim Architects’ Darling Award 2016 für dormakaba
28.11.2016 | Kaba GmbH

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Förderungen Preise >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Textiler Hochwasserschutz erhöht Sicherheit

Wissenschaftler der TU Chemnitz präsentieren im Februar und März 2017 ein neues temporäres System zum Schutz gegen Hochwasser auf Baumessen in Chemnitz und Dresden

Auch die jüngsten Hochwasserereignisse zeigen, dass vielerorts das natürliche Rückhaltepotential von Uferbereichen schnell erschöpft ist und angrenzende...

Im Focus: Wie Darmbakterien krank machen

HZI-Forscher entschlüsseln Infektionsmechanismen von Yersinien und Immunantworten des Wirts

Yersinien verursachen schwere Darminfektionen. Um ihre Infektionsmechanismen besser zu verstehen, werden Studien mit dem Modellorganismus Yersinia...

Im Focus: How gut bacteria can make us ill

HZI researchers decipher infection mechanisms of Yersinia and immune responses of the host

Yersiniae cause severe intestinal infections. Studies using Yersinia pseudotuberculosis as a model organism aim to elucidate the infection mechanisms of these...

Im Focus: Interfacial Superconductivity: Magnetic and superconducting order revealed simultaneously

Researchers from the University of Hamburg in Germany, in collaboration with colleagues from the University of Aarhus in Denmark, have synthesized a new superconducting material by growing a few layers of an antiferromagnetic transition-metal chalcogenide on a bismuth-based topological insulator, both being non-superconducting materials.

While superconductivity and magnetism are generally believed to be mutually exclusive, surprisingly, in this new material, superconducting correlations...

Im Focus: Erforschung von Elementarteilchen in Materialien

Laseranregung von Semimetallen ermöglicht die Erzeugung neuartiger Quasiteilchen in Festkörpersystemen sowie ultraschnelle Schaltung zwischen verschiedenen Zuständen.

Die Untersuchung der Eigenschaften fundamentaler Teilchen in Festkörpersystemen ist ein vielversprechender Ansatz für die Quantenfeldtheorie. Quasiteilchen...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Künftige Rohstoffexperten aus aller Welt in Freiberg zur Winterschule

18.01.2017 | Veranstaltungen

Bundesweiter Astronomietag am 25. März 2017

17.01.2017 | Veranstaltungen

Über intelligente IT-Systeme und große Datenberge

17.01.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Der erste Blick auf ein einzelnes Protein

18.01.2017 | Biowissenschaften Chemie

Das menschliche Hirn wächst länger und funktionsspezifischer als gedacht

18.01.2017 | Biowissenschaften Chemie

Zur Sicherheit: Rettungsautos unterbrechen Radio

18.01.2017 | Verkehr Logistik